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Chancen und Risiken der Digitalisierung

3. September 2012

Datensicherheit ist ein globales Problem

Bild: Maksim Kabakou – Shutterstock

Zwingend notwendig: Ein einheitliches Datenschutz-Niveau in Europa

Von Martina Koederitz

Digitalisierung, Social Media und Cloud Computing ermöglichen heute völlig neue Geschäftsmodelle und sind wichtige, neue Erfolgsfaktoren. Die Kommunikation über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg hat neue Dimensionen erreicht. Viele Geschäftsmodelle werden durch digitale Geschäftsprozesse erst ermöglicht – das schließt die Erschließung komplett neuer Wertschöpfungsketten ein. Die dadurch neu entstehenden Formen der Kooperation sind heute erst in Ansätzen erkennbar.

Durch die Vernetzung der Wirtschaft ist ein globales Geschäftsumfeld entstanden, das kontinuierliche Veränderungen in den Unternehmen erfordert. Integrierte globale Volkswirtschaften haben Märkte mit neuen Möglichkeiten und Kompetenzquellen eröffnet. IT als „Enabler“ fördert Innovationen und schafft damit Arbeitsplätze. Die Potenziale für Wachstum und Wohlstand sind enorm.

Gleichzeitig nimmt die Nutzung sozialer Netzwerke im öffentlichen, im privaten und im geschäftlichen Umfeld rasant zu. Milliarden von Einzelpersonen weltweit erzeugen eine immer stärker wachsende Informationsflut. Sie machen ihr Wissen, ihre Meinungen und ihre Beobachtungen in sozialen Netzwerken transparent und nutzen diese Daten im geschäftlichen und privaten Umfeld. Mitarbeiter beeinflussen das Image ihres Unternehmens, denn ihr Engagement in Web Communities wird nicht nur von (potenziellen) Kunden und Aktionären, sondern von ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen wahrgenommen.

Über mobile Endgeräte, die sich im privaten Bereich, in Unternehmen und in Geschäftsprozessen immer mehr durchsetzen, findet Kommunikation in sozialen Netzwerken statt, unabhängig von Zeit und Ort. Die Zahlen sprechen für sich:

Allein in Deutschland nutzten 2011 bereits 70 Prozent der Unternehmen soziale Netzwerke mit steigender Tendenz, und ein Blick in die Zukunft der Arbeit zeigt:

  • In den nächsten sechs Jahren werden die Menschen 80 Prozent ihrer Arbeitszeit über sogenannte Collaboration-Tools zusammenarbeiten. Ein Grossteil der Arbeit wird über umfassend verbundene und transparente Prozesse abgewickelt werden. Dies erlaubt ganz neue Formen der Integration externer Expertise. Flexibilität und Integrationsfähigkeit werden so zu einem Schlüsselkriterium für Leistung.
  • Die erhöhte Flexibilität wird die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen privaten und dienstlichen Geräten und Daten zunehmend auflösen.

Dieses Szenario bietet Potenzial sowohl für die Wirtschaft, als auch für den Einzelnen – die Dynamik in den Weltmärkten, die Globalisierung und die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit sind nur ein Indikator für künftige Entwicklungen. Gleichzeitig birgt es hohe Risiken – die Herausforderungen im Bereich Sicherheitsanforderungen sind signifikant gestiegen.

Auch hier sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Unternehmens-Infrastrukturen werden heute im Schnitt 60.000 Mal pro Tag auf verschiedenstem Weg angegriffen. Und die Konsequenzen gehen weit über die Unternehmensgrenzen hinaus.

Hinzu kommt, dass sich die Geschwindigkeit und Geschicklichkeit neuer Angriffe signifikant erhöht hat und einhergeht mit neuen Arten von Angreifern aus den Bereichen Cybercrime und Wirtschaftsspionage.

Unser aktueller „IBM X-Force 2012 Mid-Year Trend and Risk Report“ vom September 2012 zur Lage der IT-Sicherheit zeigt vor allem drei Gefahren:

  • Browser-bezogene Exploits, mangelnder Passwortschutz in Social Media und Unsicherheiten bezüglich mobilen Geräten und „Bring-your-own-Device“-Programmen.
  • Das Bedrohungsumfeld diversifiziert sich. Eine verstärkte Vernetzung, das „Internet der Dinge“, smarte und mobile Devices und der starke Trend zur Flexibilisierung sind heute zentrale Herausforderungen bei der Sicherung vertraulicher Daten, auch deshalb, weil in einer vernetzten Welt jeder Sicherheitsvorfall einen direkten wirtschaftlichen Schaden nach sich zieht – durch Beschädigung des Markenimages, sinkende Aktienwerte oder die Entblößung vertraulicher Informationen.
  • Analog zu den Chancen und Potenzialen sind somit auch die Anforderungen an Sicherheit gestiegen. Sie zu definieren und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Verantwortung hierfür müssen Politik und Wirtschaft aber auch jeder einzelne über sein Handeln in sozialen Netzwerken übernehmen.

Für die Zukunft wird es also immer wichtiger, integriert zu denken und die Herausforderungen an IT Sicherheit ganzheitlich zu adressieren:

  1. im Hinblick auf die innere Sicherheit – beim Datenschutz und den Zugriffsrechten
  2. im Hinblick auf die äußere Sicherheit: bei der Abwehr vom Spam Attacken und Hackerangriffen
  3. im Bereich Security Operations: in der Prävention und zur Wahrnehmung unternehmensspezifischer Governance- und Compliance Richtlinien
  4. in sozialen Netzwerken

Das Ziel ist dabei klar: Sicherheitsrisiken immer einen Schritt voraus zu sein und Lücken erst gar nicht entstehen zu lassen. Wenn wir das Potenzial der Digitalisierung für Wachstum und Wohlstand nutzen wollen, müssen wir Rahmenbedingungen und Regelwerke schaffen, die höchste Sicherheitsstandards gewährleisten. Dazu gehört ein einheitliches Datenschutz- Niveau in Europa, aber auch ein gesteigertes Bewusstsein von Unternehmen, ihre Verarbeitung, Speicherung und Kommunikation von Informationen so zu gestalten, dass die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität der Informationen und Systeme in ausreichendem Maß sichergestellt ist. Politik und Wirtschaft müssen im Dialog zu tragfähigen Lösungen kommen. Und auch Schulen und Bildungseinrichtungen sind gefordert, unsere Kinder und junge Menschen zum Thema Datenschutz zu sensibilisieren.

In sozialen Netzwerken ist wiederum jeder Einzelne gefordert, diszipliniert Regeln einzuhalten, sorgfältig abzuwägen, welche Inhalte er kommuniziert, und darüber nachzudenken, welche Konsequenzen die von ihm generierten Inhalte haben könnten – für ihn selbst, sein Unternehmen und sein gesellschaftliches und soziales Umfeld. Diese Erkenntnis gilt gleichermaßen auch für die reale Welt: Wer sich unüberlegt äußert, wer ungeschickt formuliert, wer sich seiner Rolle und seiner Verantwortung für sein Unternehmen, seine Kollegen und das Geschäft nicht bewusst ist, kann – egal ob in der realen oder der digitalen Welt – großen Imageschaden verursachen.

Dies setzt Wissen und Kompetenzen über die Chancen und Risiken in einer vernetzten Welt voraus – Leitlinien und Aufklärung über die Rechte und Pflichten sowie sorgfältige Sicherheitsvorkehrungen.

Martina Koederitz (*1964) ist seit Mai 2011 Vorsitzende der Geschäftsführung der IBM Deutschland.

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