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Darum brauchen wir sichere Identitäten

3. Juni 2013

Bild: ASDF_MEDIA – Shutterstock

Computer-Kriminalität gilt als moderne Geißel der Menschheit. Im Kampf dagegen geht die Bundesdruckerei einen eigenen Weg, um sichere Lösungen für die Zukunft zu schaffen. Vernetztes Arbeiten in interdisziplinär angelegten Projekten ist angesagt.

Von Ulrich Hamann

Kleine mobile Alleskönner wie Smartphones, Tablet-PCs oder Netbooks erlauben es, immer und überall online zu sein. Sie verändern unsere Art zu interagieren und zu konsumieren – und das ist eine Herausforderung für die IT-, Daten- und Identitätssicherheit. Heute werden Smartphones weniger zum Telefonieren benutzt, sondern zur Kommunikation über das Internet. Wer sich hier nicht optimal schützt, hat verloren. Denn Cybercrime – oder auf deutsch: Computerkriminalität – ist schon längst ein Milliardengeschäft und gilt als moderne Geißel der Menschheit. Eine Million Bürger auf der Welt, schätzt die EU- Innenkommissarin Cecilia Malmström, werden täglich Opfer derartiger Delikte. Pro Jahr verursachen Kriminelle laut EU-Kommission damit weltweit Kosten von 290 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Mittlerweile werde mit Cyber-Straftaten sogar mehr Geld verdient als mit Drogenhandel, sagt der deutsche IT-Experte Arne Schönbohm.

ID-Diebstahl ist lukrativ

Gerade der Diebstahl digitaler Identitäten ist zum lukrativen Geschäft schlechthin avanciert: Heute greifen Diebe meist die persönlichen Daten über „Trojanische Pferde“ ab, die sie unbemerkt auf den Rechnern platzieren und verkaufen ihre Beute über virtuelle Marktplätze der Untergrund-Ökonomie weiter. Die spanische IT-Beratung Panda- Labs hat für das Jahr 2011 allein 50 spezielle Online-Stores für den illegalen Handel mit elektronischen Identitäten gezählt. Bereits neunzig Prozent der Datendiebstähle gehen laut Norton Cyber-crime-Report des Software-Anbieters Symantec direkt auf das Konto organisierter krimineller Banden.

Noch ist es überaus schwierig, Identitätsdieben das Handwerk zu legen. Fast ein Drittel der weltweit für den erwähnten Symantec-Report befragten Opfer gaben an, dass ihr Fall nicht geklärt werden konnte. Die Folgen für die Bestohlenen sind gravierend: Rechnungen für Waren, die sie nicht bestellt haben, Schuldeneinträge bei der Schufa oder gar Haftbefehle für Taten, die sie nicht begangen haben. Im Schnitt müssen Opfer von Online- Delikten 28 Tage Arbeit und 250 Euro investieren, um die Folgen eines Identitätsdiebstahls zu beseitigen.

Mit Initiativen wie dem geplanten Cybercrime-Abwehrzentrum der Europäischen Union will die Politik die Kräfte im Kampf gegen die Online-Betrüger bündeln. Den Boden entziehen könnte man ihnen aber wohl nur, wenn auch die Internet-Nutzer mitziehen: Indem sie ihre Rechner bestmöglich vor Angriffen aus dem Netz schützen und persönliche Daten mit mehr Vorsicht im Internet preisgeben. Laut einer Untersuchung zur Mediennutzung des Bundesverbandes BITKOM e. V. veröffentlichten im Jahr 2011 fast die Hälfte der Deutschen persönliche Daten in sozialen Netzwerken. Obwohl gerade diese Foren als Goldgrube für Identitätsdiebe gelten.

Nur sichere Identitäten bieten effektiven Schutz

Umgeben von Begriffen wie Cloud Computing, Smart Living, Smart Grids, M2M-Kommunikation und NFC ist inzwischen eine steigende Sensibilisierung von Bürgern und Unternehmen bei Fragen des Datenschutzes und der Kommunikations- und Identitätssicherheit zu verzeichnen. Vorsichtsmaßnahmen, wie er- höhte Aufmerksamkeit, regelmäßig gePasswörter und ein Antiviren- Programm auf dem Smartphone reichen meines Erachtens aber nicht aus, um seine Daten zu sichern.

Einen effektiven Schutz vor Betrug in der Online-Welt bietet aus meiner Sicht nur der zweifelsfreie Nachweis von Identitäten. Denn Vertrauen ist die Basis für sichere Transaktionen – in der analogen wie in der digitalen Welt. Es geht darum, die Identität von Personen zu schützen und Transaktionen sowie Kommunikationsprozesse im Netz sicherer zu gestalten.

Ein Weg dahin ist die Nutzung des neuen Personalausweises mit seiner Online-Ausweisfunktion. Der deutsche Personalausweis gilt als sicherste elektronische Identitätskarte weltweit und spielt durch seine Internet-Funktion beim Management von Zugriffsrechten in der Online-Welt eine wichtige Rolle. Anbieter von Internet-Dienstleistungen und deren Nutzer können sich dank des neuen Personalausweises gegenseitig ausweisen, so dass beide Seiten verbindlich wissen, mit wem sie es zu tun haben und dass die Person auf der anderen Seite tatsächlich die ist, für die sie sich ausgibt. Der Ausweis und entsprechende elektronische Services ermöglichen künftig auch die verbindliche elektronische Unterschrift. Die eID-Karte und moderne elektronische Bürgerdienste ersparen den Weg ins Rat- haus und machen unabhängig von Öffnungszeiten. Außerdem ermöglicht der neue Personalausweis ein sicheres Log-in und ersetzt die unsichere Variante mit Benutzername-Passwort-Authentifizierung.

Alle für alles und überall

Wir sind also schon einen großen Schritt voran gekommen bei der Aufgabe, elektronische Kommunikation und Transaktion komfortabel abzusichern. Dennoch stehen wir erst am Anfang. Schaut man sich an, welche Bedürfnisse die Menschen in Bezug auf die Arbeitswelt der Zukunft oder die Weiterentwicklung von ITK-Technologien haben, dann ist der Schutz von Identitäten das zentrale Thema. Die Menschen weltweit wünschen sich zukünftig mehr Individualität, Mobilität und Flexibilität, ob im Privatleben oder in der Arbeitswelt. Es geht darum, Wissen miteinander zu schöpfen und zu teilen, Erfahrungen auszutauschen, Netzwerke zu pflegen und Technologien sorglos, intuitiv und komfortabel nutzen zu können – Stichwort „Alles für alle und überall“. Das geht nicht ohne Sicherheit und Vertrauen.

Die aktuelle Zukunftsstudie 2013 des „Münchner Kreises“, einer gemeinnützigen übernationalen Vereinigung für Kommunikationsforschung, bestätigt dies. TNS Infratest hat dafür Internet-Nutzer in unterschiedlichen Regionen der Welt befragt, wie wichtig ihnen in typischen Lebenssituationen aus den vier Themenbereichen Arbeit, Mobilität, Medien und E-Government bestimmte Trends und Entwicklungen sind. Ergebnis: Die wichtigsten Bedürfnisse sind Sicherheit und Datenschutz.

Über alle Bevölkerungsgruppen hin- weg ist bei den Befragten eine große Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Datenmissbrauchs zu erkennen. Auch Individualität im Kontext mit Privatsphäre und sinnvoller Nutzung von Mobilitätszeiten werden gewünscht. Auch eine einfache, schnelle und vor allem vertrauens- würdige Kommunikation zwischen Bürger und Staat stehen auf der Wunschliste der Befragten beim Thema Verwaltung der Zukunft ganz oben. Neben mehr Kundenfreundlichkeit ist dabei eine einfachere Zugangsart zu den Diensten, beispielsweise zu virtuellen Rathäusern, von Bedeutung.

Vernetzte Forschung und Entwicklung

Unternehmen der ID-Branche arbeiten mit Hochdruck daran, diese Bedürfnisse voll und ganz zu erfüllen und Lösungen für die Zukunft zu schaffen, die sichere Identitäten auf allen Ebenen ermöglichen. Wir als Bundesdruckerei haben dabei unseren eigenen Weg gewählt und setzen auf vernetztes Arbeiten in interdisziplinär angelegten Projekten. Mit dem Lehrstuhl „Secure Identity“ an der Freien Universität Berlin fördern wir die Nachwuchsarbeit von Spezialisten, in Innovationsclustern und Security Labs mit Fraunhofer-Instituten forschen wir an zukunftweisenden Technologien, Verfahren und Prozessen. Denn für uns ist eines klar: Sichere Identitäten sind die Voraussetzung und Basis dafür, unsere analoge wie digitale Welt vor Betrug zu schützen.

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Der Autor

Ulrich Hamann

Ulrich Hamann

(*1955) ist seit 2004 Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) der Bundesdruckerei GmbH in Berlin. Außerdem ist Hamann Mitglied im Hauptvorstand des BITKOM e.V. und Vorstandsvorsitender des Vereins „Sichere Identität Berlin-Brandenburg“

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