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HealthKit- und HomeKit-Schnittstellen machen das iPhone zur Steuerzentrale des Lebens – Chancen und Risiken

16. Juli 2014

Von Yi-Ji Lu

Apple stellte auf seiner letzten Entwicklerkonferenz WWDC mit der neuen iOS-Version zwei neue Schnittstellen für die Verwaltung und Steuerung von Gesundheitsdaten und Heimautomatisierung vor. Damit wird das iPhone Schritt für Schritt zunehmend zur Steuerungszentrale des Lebens – eine Entwicklung, die viel Potenzial birgt, daher zugleich aber auch problematische Konsequenzen haben kann.

Überwachung und Analyse von Gesundheits- und Körperdaten

Wie Tech-Experten vorhersagten, hat Apple einen Schritt in Richtung Integration der Quantify-Self-Möglichkeiten getan und mit HealthKit eine Lösung zur Überwachung und Analyse von Gesundheitsdaten vorgestellt. HealthKit stellt eine Schnittstelle für Gesundheitsanwendungen dar. Der Nutzer kann hierüber die Daten seiner verschiedenen Wearable Devices wie Fitness-Tracking-Armbänder oder Tools für Blutzuckermessungen sammeln, überwachen und verwalten. Damit erhält er aus den unterschiedlichen Diensten einen Gesamtüberblick über seinen Gesundheitszustand. Folgende Daten lassen sich erfassen:

  • Untersuchungsergebnisse
  • Atem- und Herzschlagfrequenz
  • Blutdruck und Blutzucker
  • Sauerstoffgehalt im Blut
  • Gewicht
  • Ernährungs-, Bewegungs- und Schlafverhalten
HealthKit-Integration in Gesundheits-Apps

HealthKit-Integration in der App der Mayo Clinic (Bild: Macworld)

Gleichzeitig können diese Daten auch für andere Dienste zur Verfügung gestellt werden. Daraus ergeben sich interessante Anwendungsfälle. In Zusammenarbeit mit Apple entwickelt der US-Klinikbetreiber Mayo Clinic eine App mit HealthKit-Anbindung, die neue Untersuchungsergebnisse mit bestehenden Daten abgleicht und signifikante Abweichungen an Ärzte oder Krankenhäuser weitergibt. Behandlung können dementsprechend früh angepasst und optimiert werden. Denkbar sind auch automatisierte Benachrichtigungen an Kliniken, sobald bei Nutzern Gefährdungen festgestellt werden. In solchen Fällen könnten Patienteninformationen wie Identität, regelmäßige Einnahme von Medikamenten oder Blutgruppe direkt mitgesendet werden.

iPhone als Schaltzentrale für die eigenen vier Wände

Nach der Nest-Übernahme durch Google steigt auch Apple in die Heimautomatisierung ein und stellte eine Schnittstelle zur Konsolidierung für Smart-Home-Lösungen vor. Derzeitig existieren bereits zahlreiche Smart-Home-Geräte, die sich mittels des iPhones fernsteuern lassen, darunter Lampen, Türschlösser oder Thermostate. Dabei gibt es jedoch so unzählige Apps, wie es Produkte gibt.

Smart-Home-Lösung Philips Hue

Die Steuerung von Philips Hue Lampen erfolgt derzeitig über eine separate App (Bild: TheiotClub)

Die neue Schnittstelle HomeKit soll für ein einheitliches Netzwerk- und Sicherheitsprotokoll sorgen. Smart-Home-Lösungen unterschiedlicher Hersteller sollen sich in einer Applikation integrieren, überwachen und einzeln sowie gesammelt steuern lassen. Hieraus ergeben sich interessante Anwendungsbeispiele zur Automatisierung im Wohnbereich. Via Sprachbefehl kann ein Nutzer beispielsweise von seinem Bett aus alle Geräte und Lampen ausschalten, die Heizung herunterregeln sowie Haus- und Garagentüren verriegeln.

HomeKit: Konsolidierung von Smart-Home-Lösungen in iOS 8

HomeKit soll der neue Standard für Smart-Home-Anwendungen werden (Bild: gizmodo)

Erhöhtes Risiko für Cyberangriffe oder Chance für neue Sicherheitsstandards?

Mit den Schnittstellen HealthKit und HomeKit wird das iPhone wird immer mehr zur Steuerzentrale des privaten Lebens. Das wirft erneut Fragen nach Datenschutz, Cybersecurity und Privatsphäre auf.

Die von Apple angestrebte Zusammenführung von Untersuchungsergebnissen, Fitnessdaten, Lebensgewohnheiten, Krankheiten, Sport- und Freizeitaktivitäten in einem Profil stellt mitunter auch ein Risiko für die Privatsphäre des Patienten dar. Besonders der Zugriff von externen Diensten auf diese Schnittstelle bringt ein erhöhtes Risiko für den Nutzer.

Wer stellt sicher, dass die Daten, die detaillierte Rückschlüsse auf das Leben des Users zulassen, nicht in die falschen Hände geraten? Schließlich sind IT-Systeme im Gesundheitswesen oftmals veraltet und auf größere Cyberangriffe unvorbereitet. So rechnet Fred Trotter (Open Source Health) in absehbarer Zeit mit größeren Leaks von Patientendaten. Auch steigt das kommerzielle Interesse an Patientendaten, wie der Verkauf von Patientendaten des National Health Service an private Unternehmen durch die Regierung Großbritanniens zeigt. Zwar sollen die Daten des National Health Service anonymisiert werden – ein Restrisiko der Identifikation besteht dennoch.

Die Dringlichkeit von IT-Sicherheit wird besonders im Smart-Home-Bereich deutlich: das Internet der Dinge wird oft wegen seiner vielen Sicherheitslücken bemängelt. Bringt Apple mit seinem HomeKit-Standard womöglich einen uniformisierenden Impuls für bessere Sicherheit in die unregulierte Smart-Home-Landschaft? Ungeachtet dessen, ob Apple das einlösen kann, steigt mit der Zentralisierung der Dienste auf dem iPhone zweifelsohne auch das Ausfallrisiko. Ergreift ein Hacker die Kontrolle über das iPhone, kann er nicht nur das Telefon sperren, wie ein Fall in Australien kürzlich zeigte, sondern erhält damit auch Kontrolle über die Steuerungseinheit für die heimischen Geräte, wie Türschlösser und Alarmanlagen.

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Der Autor

Yi-Ji Lu

Yi-Ji Lu

Foto: CREATIVE CONSTRUCTION HEROES GMBH

ist Content Strategist bei CREATIVE CONSTRUCTION HEROES GMBH.

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