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Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ruft Bund und Wirtschaft zum Handeln auf

5. März 2018

Matthias Kammer, Direktor des DIVSI: Neue Bundesregierung darf nicht zur Tagesordnung übergehen – das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik muss jetzt gestärkt werden

(Hamburg) – Der Hackerangriff auf das Netz des Bundes, der die Bundesregierung in diesen Tagen erschüttert, wirft auch ein Schlaglicht auf die Haltung der Menschen in Deutschland zu Internet-Sicherheitsfragen. Wie eine Erhebung des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) im letzten Jahr deutlich machte, erwarten 85 % der Bevölkerung ausdrücklich vom Staat, dass er in unserer digitalen Zeit für Sicherheit im Internet sorgt. Gleichzeitig trauen ihm genau dies 84 % nicht zu. Dieses eklatante Missverhältnis gibt Grund zur Sorge.

Es gibt immer Situationen, so beispielsweise die Flüchtlingskrise, die sinkendes Vertrauen in den Staat mit sich bringen können. Der erfolgreiche Hacker-Angriff hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnliche Folgen und wird das Vertrauen in die eigentlich geforderten Fähigkeiten des Staates bei der Gefahrenabwehr weiter schwinden lassen. Dazu passt, dass der schon länger laufende Angriff auf das Regierungsnetzwerk erst jetzt offiziell zugegeben wurde. Auch eine solche mangelnde Information über die Geschehnisse trägt nicht dazu bei, die Sicherheitsängste der Bürger im Umgang mit dem Internet geringer werden zu lassen.

Die Umfrage des DIVSI ergab weiterhin, dass die Internetnutzer mehr staatliches Engagement für die Sicherheit im Internet fordern. So befürworten 80 % der Befragten ein offizielles Sicherheitssiegel, an dem sich vertrauenswürdige Angebote und Dienstleistungen problemlos erkennen lassen. Genauso viele Nutzer wünschen sich eine staatliche Stelle, bei der die Verantwortung für alle sicherheitsrelevanten Fragen im Internet gebündelt ist. Im Prinzip existiert mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits eine solche Einrichtung.

BSI sollte unabhängig sein wie der Rechnungshof

Matthias Kammer, Direktor des DIVSI, sieht mit Blick auf die aktuellen Ereignisse dringenden Handlungsbedarf: „Ich fordere die neue Bundesregierung dazu auf, das BSI als Konsequenz aus diesem erfolgreichen Hackerangriff zu stärken. Es wäre unverantwortlich, wenn die Regierung trotz dieses alarmierenden Ereignisses einfach zur Tagesordnung übergehen würde.“ Für Kammer könnte insbesondere eine Unabhängigkeit des BSI, wie beispielsweise bereits beim Rechnungshof vorhanden, das Vertrauen der Menschen in die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr und rechtzeitiger Gefahrenerkennung, vor allem aber in die Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit des Staates verbessern. Ein unabhängiges BSI sollte die Bürger wertfrei beraten können und die Sorge nehmen, den Sicherheitsinteressen des Innenministeriums unterworfen zu sein.

Dies ist umso wichtiger, da die Deutschen der Digitalisierung grundsätzlich unverändert positiv gegenüberstehen. Etwa 70 % der Menschen sind überzeugt, dass diese Entwicklung für sie persönlich Vorteile bietet. Diese Zahl macht deutlich, dass das Internet längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist. Um die Vorteile der Digitalisierung für sich nutzen zu können, müssen sich die Menschen jedoch sicher und souverän in der digitalen Welt bewegen können. Hier sind Staat und Unternehmen gefordert, die vielen digitalen Angebote, die den Alltag erleichtern, mit höherer Sicherheit in Einklang zu bringen und damit Vertrauen zu stärken.

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) ist eine gemeinnützige und unabhängig tätige Einrichtung, gegründet 2011 von der Deutsche Post AG. Die Arbeit von DIVSI fußt im Wesentlichen auf „Fünf Thesen zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“, die bei Institutsgründung zusammen mit dem DIVSI-Schirmherrn Bundespräsident a.D. Joachim Gauck entwickelt wurden. DIVSI gestaltet einen offenen und transparenten Dialog zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf alle Lebensbereiche.

Pressemeldung zum Regierungshack 05.03.2018 (98 KB)

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