Presse

Herzlich willkommen im Pressebereich des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

Das Institut ist an einen konstruktiven Dialog mit Medien-Vertretern interessiert. Unterlagen zu Publikationen Veranstaltungen und Diskussionsbeiträgen stehen zum Download bereit. Zusätzlich gibt es Gesamtpakete aller vorhandenen Pressematerialien sowie aller DIVSI Magazine.

Nach sieben Jahren: DIVSI wird aufgelöst

21. Dezember 2018

Deutsche Post beendet finanzielles Engagement für das Hamburger Institut. Positive Bilanz: Wegweisende und vielbeachtete Studien zu Nutzung, Chancen und Risiken des Internets. Zahlreiche Projekte angestoßen, Lösungswege aufgezeigt – Bundesweite Diskussionen ausgelöst

Hamburg – DIVSI, das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, wird mit Ablauf des Jahres 2018 eingestellt. Die Deutsche Post beendet dann ihr finanzielles Engagement für das in Hamburg angesiedelte und bundesweit anerkannte Institut. Es wurde 2011 im Rahmen der CeBIT vorgestellt und in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Direktor Matthias Kammer rückblickend: „Ein Institut, das frei und unabhängig die vielfältig auftauchenden Fragen nach der Lebenswirklichkeit der Menschen im digitalen Zeitalter untersuchen und über die Ergebnisse einen breit gefächerten Diskurs anstoßen soll und darf – ein solches Institut gab es damals nicht. Es war mutig und vorausschauend von den Verantwortlichen der Deutschen Post, die Initiative zu ergreifen, die Gründung des Institutes zu ermöglichen und ihm völlige Freiheit zu geben und zu keinem Zeitpunkt in die Arbeit hineinzureden.“

Nach Überzeugung von Matthias Kammer haben auch die beiden früheren Bundespräsidenten Roman Herzog und Joachim Gauck als Schirmherren wesentlich zum Erfolg des Instituts beigetragen: „Das gesamte DIVSI-Team durfte den hohen Wert der Unterstützung durch diese herausragenden Persönlichkeiten der Zeitgeschichte erfahren. Beide haben sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten engagiert und deutliche Akzente gesetzt.“

Das Institut wurde bei Studien, Umfragen und anderen Veröffentlichungen immer von externen Experten der verschiedensten Fachrichtungen unterstützt. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden in den zurückliegenden sieben Jahren eine Reihe von qualifizierten Untersuchungen erarbeitet. Dazu zählen:

  • Die DIVSI Internet-Milieus – erstmals 2012 vorgestellt in der ersten Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet. Die inzwischen als Marke eingetragenen und urheberrechtlich geschützten Milieus eröffneten einen neuen Blick auf die differenzierte Lebenswirklichkeit der in Deutschland lebenden Menschen im aufkommenden digitalen Zeitalter.
  • 2015 veröffentlichte das DIVSI die U9-Studie. Es war die erste Untersuchung überhaupt, die sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Verhalten von Drei- bis Achtjährigen im Internet befasst hat. 2016 lieferte die Ü60-Studie exakte Einblicke in die digitalen Lebenswelten der über 60-jährigen in Deutschland.
  • Wesentlich unterstützt durch Roman Herzog hat das DIVSI bereits vor fünf Jahren untersucht, wie sich in der digitalen Zeit das Wertesystem in Deutschland entwickelt. Auf seinem Impuls basierte das Projekt: „Braucht Deutschland einen digitalen Kodex?“ Bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen in ganz Deutschland diskutierten hierüber Experten. Einigkeit gab es in der grundlegenden Bewertung: Unsere Gesellschaft wäre gut beraten, einen solchen Kodex zu formulieren. Das DIVSI konnte dazu wesentliche Aspekte zu verschiedenen Themenkomplexen liefern: Erkenntnisse zur Verantwortung im Verhältnis zwischen Nutzern und Plattformen. Zu Big Data und den Gestaltungsfeldern Gesundheit und Mobility, zu einer vertiefenden Untersuchung zu digitalisierter urbaner Mobilität oder auch zum Recht auf Vergessenwerden.
  • Untersucht wurde auch die verfassungsrechtliche Frage nach Bedeutung und Festigkeit der Grundrechte unter dem speziellen Blickwinkel, ob das Grundgesetz überhaupt tauglich für die digitale Zeit ist? Die gründliche Analyse bejahte diese Frage im Kern, mahnte aber gleichzeitig: Angesichts von Bedrohungslagen, die sich vornehmlich zwischen Privaten oder im Verhältnis zu anderen Staaten abspielen, sei es an der Zeit, einige Grundrechtsfunktionen weiterzuentwickeln.
  • Die vor wenigen Wochen in Zusammenarbeit mit Familienministerin Franziska Giffey vorgestellte und damit letzte Veröffentlichung des Instituts blickte erneut auf 14- bis 24-Jährige und ihr Leben in der digitalen Welt. Sie ist die Fortschreibung einer Untersuchung von 2014, „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“. Fazit: Euphorie war gestern, der Hype ist vorbei. Die Untersuchung macht deutlich, dass sich die junge Generation heute im „Online-Dilemma zwischen Glück und Abhängigkeit“ bewegt.

Die Studien des DIVSI bleiben unter www.divsi.de auch nach dem Ende des Instituts erhalten und werden weiter verfügbar sein. Vor dem Hintergrund vieler gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen in den vergangenen Jahren hat sich die Bucerius Law School in Hamburg bereit erklärt, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Arbeitsergebnisse des DIVSI digital erreichbar bleiben.

Und mit Blick über die DIVSI-Arbeiten hinaus auf die gesamte künftige Entwicklung des Internet-Geschehens in Deutschland macht Direktor Matthias Kammer deutlich: „Algorithmen, Künstliche Intelligenz und Automatisierung verändern die Gesellschaft bereits jetzt dramatischer als viele andere technische Entwicklungen zuvor. Sie bringen für uns existenzielle Herausforderungen. Zugleich erleichtern sie unseren Alltag, unser Leben. Alle Institutionen, die Chancen dieser Entwicklung aufzeigen und damit verbundene Gefahren beherrschbar machen wollen, haben Berge von Themen vor sich. Unser gesamtes Wertegerüst, das unsere Gesellschaft zusammenhält, ist betroffen. Für das DIVSI war wichtig, diese Herausforderungen optimistisch anzunehmen und als Gestaltungsaufgabe zu begreifen. Digitalisierung bringt nicht den Untergang, im Gegenteil. Wir haben es in der Hand, auch in einem laufenden Entwicklungsprozess die Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft im Blick zu behalten und sie zu stärken. Es muss dabei bleiben, dass auch im Zeitalter der Digitalisierung der Mensch verantwortlich ist für die Welt.“

Hier geht es zum letzten DIVSI Magazin.

PM DIVSI 21.12.2018 (164 KB)

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