1. Einleitung

Das Internet ist ein Kommunikations- und Handlungsraum, der als Massenmedium erst zwei Jahrzehnte alt ist. Deshalb steht die Ausbildung eines allgemeingültigen Konsenses für akzeptiertes Verhalten aller Akteure in diesem Raum auch noch ganz am Anfang. Deutlich wird dies daran, dass es grundsätzliche Konflikte gibt, die regelmäßig aufscheinen und für deren Lösung noch keine allgemein anerkannten Vorgehensweisen existieren. Einer der Gründe dafür ist, dass Kommunikation im Internet in ihrer Form und Reichweite keine direkte Entsprechung in der physischen1 Welt hat. Ein prominentes Beispiel für einen solchen Konflikt ist der Umgang mit persönlichen Daten auf und durch Internet-Plattformen.

Die Verhaltensregeln, die bestimmen, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen, haben sich im Laufe von Jahrhunderten herausgebildet und ausdifferenziert. Bei vielen Menschen ist das Gefühl entstanden, dass diese Regeln aus der analogen in der digitalen Welt nicht gelten oder funktionieren. Überkommene Mechanismen zur Regelsetzung, zur Zuordnung von Verantwortung und zur Steuerung von Verhalten stoßen im Netz2 häufig an ihre Grenzen. Das gilt gleichermaßen für Gesetze, Selbstregulierungsansätze und soziale Normen, die das Verhalten im Netz steuern sollen. Diesem Umstand abzuhelfen stellt alle Akteure, vom individuellen Internet-Nutzer über den Staat bis zur Wirtschaft, vor große Herausforderungen. Was ist akzeptables Verhalten, und wie entwickeln sich die Normen, die es verbindlich machen?

Sich dieser Fragestellungen anzunehmen, ist eine der wichtigsten Aufgaben im digitalen Zeitalter. Das Netz ist Realität, und es verändert die Lebenswelt von Milliarden von Menschen. Längst gehen die Menschen nicht mehr ins Netz – wie man früher sagte –, sondern sie sind im Netz, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Hier finden sich alle Facetten gesellschaftlichen Lebens, denn das Netz ist Teil desselben. Es ist nicht nur ein Kommunikations- oder medialer, sondern insbesondere auch ein sozialer Raum. Die Erschließung dieses Raums geht mit vielen Veränderungen einher, die sich erheblich auf die Frage auswirken, wie und mit welchen Mitteln der Umgang miteinander zu regeln ist.

  1. In diesem Dokument werden die Adjektive „physisch“, „körperlich“, „analog“ und „gegenständlich“ als Gegenpole zu „digital“ und „virtuell“ verwendet. Die Auswahl des jeweiligen Wortes erfolgte nach intendierter Ausprägung der Bedeutung. []
  2. Die Begriffe „Internet“ und „Netz“ werden in diesem Dokument im Wesentlichen als Synonyme benutzt. []