1.1 Kommunikation im Netz

Die genannten Veränderungen betreffen alle Lebensbereiche: die Arbeits-, Freizeit- und Wirtschaftswelt ebenso wie die Politik. Beeinflusst wird zum Beispiel die Kommunikation, die gerade bei jüngeren Bevölkerungsgruppen zunehmend über soziale Netzwerke, Instant oder Social Messaging1 und andere Werkzeuge stattfindet. Technisch basierte Kommunikation steht in vielen Fällen schon heute im Vordergrund.

Wenn die Teilnehmer beim Kommunizieren nicht physisch zusammenkommen, ändert sich das Kommunikationsverhalten. Regeln, die im körperlichen Umgang selbstverständlich sind, scheinen bei der technisch gestützten Kommunikation oft nicht zu gelten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, wesentlich ist der Umstand, dass digitale Kommunikation keine physische Präsenz am selben Ort erfordert. Hinzu kommt, dass – anders als bei der direkten, physischen Kommunikation – bei der digitalen Kommunikation oft ein dritter Akteur zwischengeschaltet ist. Hinter der Technologie, die diese moderne Art der Kommunikation ermöglicht, steht ein Anbieter, der eigene Regeln setzt und viel Wissen über die Kommunikationsvorgänge und -inhalte anhäufen kann, wenn er nur will. Technisch sind dem – das hat der 2013 aufgedeckte NSA- und GCHQ-Überwachungsskandal gezeigt – offenbar keinerlei Grenzen gesetzt. Digitale Kommunikation setzt damit großes Vertrauen voraus. Vertrauen darin, dass die mächtigen Konzerne, Regierungen und anderen Akteure eben nicht alles tun, was technisch möglich ist, sondern sich an Grenzen halten. Auch Regeln können solches Vertrauen schaffen, allerdings nur, wenn sie effektiv sind, das heißt, wenn alle Akteure sie beachten.

Der Überwachungsskandal hat, zumindest für einen Zeitraum von einigen Monaten und bei Menschen mit hoher Internet-Affinität, das Vertrauen in den digitalen Raum Internet in seinen Grundfesten erschüttert, da er gezeigt hat, dass sich gerade die Mächtigen an viele Regeln, wie Datenschutzrechte oder Persönlichkeitsschutz, nicht halten. Ob sich in Zukunft aufgrund dieser Entwicklungen die Verhaltensweisen der Internet-Nutzer tatsächlich verändern werden, kann natürlich niemand voraussagen. Ein anderes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt aber, dass Internet-Nutzer Vertrauen nicht bedenkenlos gegen Bequemlichkeit eintauschen: Nach dem Kauf von WhatsApp durch Facebook im Februar 2014 haben sich Nutzer von WhatsApp abgewandt und damit begonnen, Alternativen zu suchen. Die zukünftige Entwicklung wird auch stark davon abhängen, was Internet-Nutzer unter Privatheit verstehen. Die Bedeutung dieses Begriffs wandelt sich – Jugendliche und junge Erwachsene erwarten von einem Gegenüber auf sozialen Netzwerken die Preisgabe einiger persönlicher Informationen, um sie oder ihn überhaupt ernst zu nehmen. Gleichzeitig wird sehr genau differenziert, welche Formen von Information online und welche nur offline weitergegeben werden.2

  1. „Instant Messaging“ bzw. „Social Messaging“ sind spezifische Kommunikationsformen im Internet, die durch Echtzeitanforderungen bzw. -ablauf auf den entsprechenden Plattformen charakterisiert sind. []
  2. Siehe die DIVSI U25-Studie (DIVSI 2014). []