1.3 Informationsbeschaffung im Netz

Die gleiche Problematik gilt auf dem Gebiet der Informationsgewinnung und -vermittlung. Auch diese hat sich in der digitalen Welt grundlegend verändert. Für denjenigen, der Zugang zum Netz hat, liegt die Herausforderung nicht mehr darin, Informationen im Kopf zu haben – zu wissen –, sondern vornehmlich darin, sie zu finden und zu selektieren. Auch in diesem Zusammenhang entstehen Informations- und damit Machtkonzentrationen. Denn bei der Informationsbeschaffung im Netz bedient man sich technischer Systeme, deren Betreiber zu mächtigen Akteuren, Gatekeepern1, werden, die es vorher in dieser Form nicht gegeben hat. Die Abhängigkeit von Suchmaschinen, sozialen Netzwerken oder Microblogging2-Diensten, über die wir unsere Informationen beziehen, empfinden viele mittlerweile als unheimlich, wie auch den Umstand, dass die Gatekeeper über unvorstellbar viele Informationen über Menschen und ihre Interaktionen verfügen.

Diese Umstände münden in eine zentrale Erkenntnis: Die Entstehung neuer Machtgefüge erfordert neue verbindliche Regeln, denn große Macht geht mit großer Verantwortung einher. Verantwortung wird durch Regeln zugeordnet, seien es Gesetze, Konzepte der Selbstregulierung oder soziale Normen. Wenn diese Regeln versagen, ineffizient werden oder nicht durchgesetzt werden können, entstehen gravierende Probleme.

  1. „Gatekeeper“ (engl. für Pförtner, Türhüter) im Internet sind Akteure, die den Zugang zu Informationen oder Interaktionen kontrollieren. []
  2. „Microblogging“ ist eine Kommunikationsform im Internet, bei der Nutzer sehr kurze, oftmals situationsbezogene Nachrichten über eine Plattform veröffentlichen. []