2.1 Arten von Verantwortung

Um zu identifizieren, welche Akteure in einem Handlungsumfeld (zum Beispiel dem Internet) Verantwortung tragen und worauf sie sich bezieht, ist es sinnvoll, zwischen zwei Formen von Verantwortung zu unterscheiden: Verantwortung ex ante und Verantwortung ex post (Lessig 1998). Erstere ist eine Handlungsverantwortung mit ordnungsgestaltendem Inhalt: Der Verantwortliche hat dafür zu sorgen, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die erwünschte Handlungen und Handlungsfolgen fördern und unerwünschtes Verhalten vermeiden. Die Ex-ante-Verantwortung ist also prospektiv orientiert (Bayertz 1995, 32). Ein Beispiel ist die Verantwortung des Staates zur Regelsetzung oder eine mögliche Pflicht der Anbieter sozialer Netzwerke, die anonyme Nutzung ihrer Dienste zu ermöglichen.1

Ex-post-Verantwortung würde in diesem Beispiel entstehen, wenn es eine Norm in Form einer Selbstverpflichtungs- oder Rechtsnorm gäbe, die Anonymität vorschreibt, und der Anbieter sich nicht hieran hält. Ex-post-Verantwortung bedeutet, für Normverstöße oder allgemein für negative Umstände einstehen zu müssen und sich hierfür „zu verantworten“.

„Verantwortung als solche ist ständig in Bewegung. Wir weisen sie zu, wir teilen sie, wir weisen sie von uns, wir reißen sie an uns – es ist ein sehr mobiles Konzept.“

Dr. Jeanette Hofmann, Gründungsdirektorin am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und wissenschaftliche Mitarbeiterin/Projektleiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Öffentliche Veranstaltung München, 04.07.2013

Verantwortung kann individuell oder kollektiv bestehen. Individuell kann sie einem Individuum, einer Institution oder einem Unternehmen zugeordnet werden. Kollektive Verantwortung tragen Gruppen (zum Beispiel die Wirtschaft), soweit ihnen eine Rolle mit identifizierbarem Interesse zukommt. Zudem sind Eigenverantwortung (für selbst herbeigeführte Handlungsfolgen) und Mitverantwortung (für durch andere herbeigeführte Handlungsfolgen) zu unterscheiden.

Verantwortung setzt nach traditionellem Verständnis Handlungsfreiheit und -fähigkeit voraus. Wer nicht handeln kann, ist nicht verantwortlich, wer keine Wahl hat, wie er handelt (zum Beispiel bei Reflexhandeln), ebenfalls nicht. Verantwortung steht damit in einem engen Zusammenhang mit Freiheit. Wer keine Möglichkeiten zum Handeln hat, ist zwar frei von Verantwortung, aber auch unfrei.

  1. Zum Thema: www.datenschutzzentrum.de/presse/20130424-facebook-klarnamen-ovg.htm. []