4. Der Digitale Kodex: zwei Modelle

Ein „Digitaler Kodex“ ist zunächst nur ein möglicher Begriff für ein alternatives Konzept für die Regelung von netzspezifischen Konfliktfeldern. Dahinter steht die Frage, wie das Verhalten im Netz effizienter und wirkmächtiger geregelt werden kann, als es herkömmliche Regulierungsformen offensichlich leisten können.

„Die Idee eines Digitalen Kodex halte ich für sehr sinnvoll. Auch im Bereich der digitalen Arbeitswelt wäre so etwas wünschenswert. Dies betrifft beispielsweise die ständige Erreichbarkeit für Arbeitnehmer und mobile Arbeitsweisen, wie sie durch die Digitalisierung der Arbeit möglich geworden sind.“

Michael Schwemmle, Geschäftsführer von Input Consulting GmbH, Konsultation

Wie ein Digitaler Kodex aussehen müsste, um bestimmten unerwünschten Verhaltensweisen im Netz begegnen zu können, hängt dabei entscheidend davon ab, wie er konzipiert ist und wie er umgesetzt wird. Um sich über das „Ob“ (Deutschland einen Digitalen Kodex braucht) klar zu werden, muss zumindest eine ungefähre Vorstellung vom „Wie“ (ein solcher Kodex aussehen könnte) bestehen.

Die denkbaren Möglichkeiten sind vielfältig. Ein Digitaler Kodex könnte etwa durch Mechanismen der Selbstregulierung der Wirtschaft oder der regulierten Selbstregulierung entstehen, oder rein durch die ungesteuerte Durchsetzung von sozialen Normen, die sich die Nutzer selbst setzen und die aus intrinsischen Motiven eingehalten werden. Denkbar sind auch Zwischenmodelle, die Aspekte dieser Konzepte kombinieren.

„Das Internet wird von verschiedenen Akteuren gestaltet und gepflegt: Technologieanbietern, Nutzern und Regierungen. Um einheitliche Standards im Netz zu schaffen, muss man auch auf diesen verschiedenen Ebenen aktiv arbeiten.“

Michelle Thorne, Global Strategist bei der Mozilla Foundation, Konsultation

Im Anschluss werden daher konzeptionelle Überlegungen vorgestellt, wie ein Digitaler Kodex auf- und umgesetzt werden könnte. Hierbei handelt es sich um die modellhafte Skizzierung zweier denkbarer, sehr unterschiedlicher Optionen, die als Arbeitshypothese und damit als Diskussionsgrundlage dienen können.