Themen: Vertrauen und Sicherheit im Internet 

Kupata bei der KDO und Netzdialog Bayern

30. Mai 2012

Kupata bei der KDO und Netzdialog BayernOldenburg/ München – Eine der wichtigen Aufgaben des DIVSI liegt darin, Wege zu entdecken und aufzuzeigen, die letztlich zu mehr Vertrauen und Sicherheit im Internet führen. Welch’ nachhaltiges Interesse diese Denkanstösse mittlerweile bundesweit finden, beweisen jetzt wieder zwei aktuelle Veranstaltungen. Der Zweckverband Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg (KDO) hatte zu seinen Kunden – und Partnertagen (KUPATA) eingeladen. Und in München ging es um den „Netzdialog Bayern 2012“. DIVSI-Direktor Matthias Kammer referierte bei beiden Treffen.

„Vertrauen und Sicherheit im Internet – eine Illusion?“, fragte Kammer bei der KDO, mittlerweile der größte kommunale IT-Dienstleister in Niedersachsen. Er machte deutlich: „Sicherheit ist auch im Internet ein menschliches Grundbedürfnis. Dabei kann es absolute Sicherheit weder im realen Leben noch in der virtuellen Welt geben. Das Maß an ‚tragbarer Unsicherheit’ (Luhmann) sowie das noch ‚akzeptable Risiko’ (Giddens) muss jeder für sich selbst bestimmen.“

In Sachen Vertrauen wies Matthias Kammer auf einen eklatanten Widerspruch hin: „Das Vertrauen in die sozialen Netzwerke wie Facebook, Google oder Twitter ist gering, die Nutzung dagegen hoch.“ Laut einer aktuellen Bitkom-Studie misstrauen rund zwei Drittel aller Nutzer der Sicherheit. Dennoch gibt es deutliche Steigerungsraten bei den Teilnehmerzahlen.

Der DIVSI-Direktor: „Vertrauen ist ein knappes Gut, mühsam aufzubauen oder schnell zerstörbar.“ Letztlich sei es jedoch „soziales Kapital“. Alle wie auch immer am Netz Beteiligten sollten diesen Wert schützen. DIVSI versucht es durch Gestaltung eines offenen und interdisziplinären Dialogs, Förderung von Forschung und Wissenschaft, Aufklärungsarbeit sowie durch die Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

„Digitale Gesellschaft und Verwaltung: Mit Sicherheit zukunftsfähig“ lautete das Leitwort beim ‚Netzdialog Bayern 2012’, Franz Josef Pschierer, IT-Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, betonte dabei in seinem Grußwort: „Bayern 2.0 ist Realität geworden. Rund die Hälfte aller über 50-jährigen sind mittlerweile online, bei den unter 50-jährigen sind es knapp 93 Prozent. Dabei hat das Internet neue Spannungsfelder mitgebracht, die sowohl Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch Bürger und Konsumenten vor große Herausforderungen stellen, aber eben auch große Chancen bieten. Das sich hieraus ergebende Verhältnis von Offenheit und Transparenz auf der einen Seite sowie Sicherheit und Schutz für den Einzelnen auf der anderen Seite wird sich durch die Entwicklung des Internets weiter dynamisch entfalten.“

Es stellten sich jetzt zwei wichtige Fragen. Zum einen: „Welche Aufgaben muss die Staatsregierung leisten, was muss auf Bundesebene getan werden, um eine sichere Internet-Zukunft zu gewährleisten?“ Und zum anderen mit speziellen Blickwinkel auf Bayern: „Gibt es neue Wege, die Breitbandinfrastruktur auch in ländlichen Gebieten schneller auszubauen und welche Möglichkeiten haben wir, die Medienkompetenz zu verbessern?“

Ergänzend zu Franz-Josef Pschierer machte Matthias Kammer deutlich, dass die hohen Zahlen derjenigen, die technisch online sind, für sich genommen nur wenig aussagekräftig seien: „Die Unterscheidung zwischen technisch online oder offline reicht heute nicht mehr aus. Diese Differenzierung spiegelt die Realität nicht richtig wider.“

Dabei berief er sich auf Erkenntnisse der bundesweit hoch beachteten DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet. Demnach leben in Deutschland rund 27 Millionen Menschen als Digital Outsiders – sie kommen komplett oder nahezu komplett ohne Internet aus.

Gleichzeitig skizzierte Kammer ein bislang nicht gelöstes Problem im Hinblick auf den Sicherheitsgedanken: „Wer sich im Netz nicht auskennt, fordert Schutz. Wer sich sicher fühlt, wünscht Freiheit. Die Verantwortlichen müssen eine Balance zwischen Freiheit und Sicherheit finden.“

Der DIVSI-Direktor abschließend: „Unsere digitale Gesellschaft ist vielfältig. Sowohl in ihrem Internet-Verhalten als auch in ihren Ansprüchen an Sicherheit und Datenschutz. Alle Verantwortlichen sind gefordert, auch die bisherigen Digital Outsiders ans Netz zu führen. Der Slogan ‚WLAN für alle’ reicht dafür allerdings nicht. Erforderlich sind Angebote, die auf das jeweilige Milieu maßgeschneidert sind.“

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