Themen: Vermessung der Netzwelt 

Teilen statt kaufen

15. März 2013

Cebit Fahnen

Bild: Deutsche Messe AG

Hamburg/ Hannover. Shareconomy: So heißt das Motto der CeBIT 2013. Dieser Kunstbegriff soll mit einem Wort beschreiben, was in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft weltweit passiert: Teilen statt kaufen ist Trend. CeBIT-Chef Frank Pörschmann: „Shareconomy beschreibt die Veränderung des gesellschaftlichen Verständnisses vom Haben und Sein.“ DIVSI sprach mit dem Chef der weltweit wichtigsten Veranstaltung für die ITK-Industrie.

Ein Blick zurück: Managing Trust war das Schwerpunktthema der CeBIT 2012. Passte das?
Mit „Managing Trust“ haben wir das richtige Thema zum richtigen Zeitpunkt adressiert. Gerade in Zeiten von Cloud Computing rücken die Diskussionen rund um die Sicherheit und Vertrauens-würdigkeit von Technologien immer stärker in den Mittelpunkt. Das war auf der gesamten Veranstaltung spürbar. Auch in Zukunft werden Sicherheit und Vertrauen zu den zentralen Herausforderungen unserer Branche  zählen.

Was soll 2013 der Begriff Shareconomy signalisieren?
Wir wollen mit diesem Motto-Wort das Teilen und gemeinsame Nutzen von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen als neue Formen der Zusammenarbeit in den Fokus rücken.

Welches ist für Sie die wichtigste Erkenntnis der CeBIT 2012?
Unseren Erfolg bemessen wir am Erfolg unserer Kunden. An den fünf Messetagen wurden mehr als sieben Millionen Geschäftskontakte generiert. Damit ist die CeBIT Maßstab für Geschäftsanbahnung weltweit. Um dies zu erreichen, bauen wir unser Leistungsportfolio kontinuierlich aus und entwickeln immer neue Beteilungsmodelle und Dienstleistungen, die individuelle Vermarktungs-Bedürfnisse abdecken.

Was sich ebenfalls bewährt hat, ist der kontinuierliche Ausbau der kommunikativen Reichweite der CeBIT über alle Kanäle. Die beteiligten Unternehmen konnten durch ihren Auftritt in Hannover eine deutlich höhere Aufmerksamkeit in der internationalen Berichterstattung erzielen. Selbst als Apple das neue iPad in den USA vorstellte, konzentrierten sich die Diskussionen der Netzgemeinde innerhalb kürzester Zeit auf die weiteren Tablet- und Smartphone-Anbieter, die in Hannover vertreten waren. Das war vermutlich der schnellste und intensivste Produkt- und Leistungsvergleich der CE-Branche.

Wo sehen Sie die CeBIT 2020 und behält sie ihre weltweite Anziehungskraft?
CeBIT steht einerseits für das weltweit wichtigste Ereignis der ITK-Industrie. Darüber hinaus ist die CeBIT eine Marke mit dem Leistungsversprechen, Innovationen zu fördern und Geschäft anzubahnen. Unabhängig davon, wie die ITK-Welt im Jahr 2020 aussehen mag, wer digitale Innovationen und sein Geschäft vorantreiben möchte, wird sich fragen „Wie kann die CeBIT mich dabei unterstützen?“.

Schon heute ist die CeBIT viel mehr als nur eine Messe. Sie bietet Ausstellung, Foren und Kongresse, Services zur Lead-Generierung und eine einzigartige Möglichkeit zur Markenpositionierung, Pressekommunikation sowie zur Netzwerk- und Community-Pflege. Damit schafft die CeBIT ein Alleinstellungsmerkmal, das sich in seiner Wertigkeit deutlich von dem anderer Veranstaltungen abhebt. Unsere Kunden – egal ob Nischen-Anbieter oder internationaler Großkonzern – werden von uns individuell bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützt – das gilt sowohl vor und während als auch nach der Veranstaltung. Diesen Service werden wir weiter ausbauen. Denn er ist der Schlüssel in eine erfolgreiche Zukunft.

Ein Blick zurück: Was hat Sie bei der Internet-Entwicklung der letzten Jahre am meisten beeindruckt?
Am nachhaltigsten beeindruckt hat mich die Veränderung der Lebens- und Arbeitswelten. Ich selbst gehöre ja noch einer Generation an, die vor Jahren ohne mobiles Internet und Smartphone auskommen musste. Damals fanden Informationsbeschaffung, Meinungsbildung, Kommunikation und Beziehungspflege noch in einem anderen Rahmen statt. Mein heutiges Leben wäre unter den damaligen Umständen gar nicht denkbar. Heute genieße ich die vielfältigen digitalen Möglichkeiten, die mein Leben unabhängiger, mobiler und facettenreicher machen. Gleichzeitig können Innovationen auch Schattenseiten mit sich bringen, das Internet hat einige davon. Deshalb müssen wir aufmerksam und kritisch mit dem Internet umgehen, und den Mut zur selbstbestimmten Lebensführung haben – dazu zählt auch ein mutiges „Nein“ zur Dauererreichbarkeit.

Ein Blick voraus: Was erwarten Sie von der Internet-Entwicklung der nächsten Jahre?
Die mobile, vernetzte Kommunikation wird unsere Gesellschaft weiterhin spürbar beeinflussen. Ich gehe davon aus, dass beispielsweise die aktive Bürgerbeteiligung durch den Einsatz von Internet und Social-Media-Instrumenten in der Verwaltung zunehmen wird.

Im geschäftlichen Umfeld sind ebenfalls große strukturelle Umbrüche zu erwarten. Denn das Internet verändert nicht nur die Art und Weise, wie wir extern kommunizieren, sondern auch die Kommunikation innerhalb von Unternehmen. Hierarchien und Strukturen werden sich an das veränderte Kommunikationsverhalten anpassen müssen. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen und ist höchst spannend mitzuerleben.

Laut DIVSI-Studie sind 39% der Deutschen Digital Outsiders, also online kaum oder gar nicht aktiv. Erstaunt Sie diese hohe Zahl?
Es gibt auch andere Studien, die diese Zahl deutlich geringer sehen. Dennoch denke ich, dass die Branche und auch wir als CeBIT gefordert sind, Hilfestellungen zu geben, um jedem einen einfachen und schnellen Einstieg in das digitale Leben zu ermöglichen.

Wir dürfen in dieser Diskussion allerdings nicht dazu tendieren, die Digital Outsiders auszugrenzen. Wer bewusst und gewollt Abstand zu digitalen Instrumenten sucht, muss auch mit dieser Entscheidung akzeptiert werden und kann möglicherweise aus dieser neutralen Sicht gute Anregungen für zukünftige Entwicklungen geben.

Sehen Sie Möglichkeiten, diese Digital Outsiders ans Netz zu führen? Vielleicht mit einer speziellen Einrichtung im Rahmen einer CeBIT?
Schon seit Jahren ist dies eines der Anliegen, das die CeBIT sehr ernsthaft verfolgt. Mit  Aktionen wie „Bürger trifft Behörde“, Informationsveranstaltungen zu speziellen Themen oder geführten Touren über das Messegelände versuchen wir, Menschen aller Altersklassen, Berufsstände und Gruppenzugehörigkeiten für digitale Technologien zu begeistern.

Im Übrigen sehen wir bei der CeBIT einen erfreulichen Trend der Senioren Generation, deren Teilnahme jetzt wieder zugenommen hat. Sie alle kommen, um sich auf der CeBIT über die digitalen Möglichkeiten zu informieren.

Eine der Kernfragen beim Umgang mit dem Netz ist die Sicherheits-Problematik. Um für mehr Schutz zu sorgen: Ist jeder Nutzer selbst gefordert oder sollte der Staat mehr eingreifen?
Der Staat kann dazu beitragen, die erforderlichen Normen und einen verlässlichen Rechtsrahmen zu definieren. Grundsätzlich ist es allerdings wichtig, dass sich jeder seiner eigenen Verantwortung bewusst ist. Verantwortung schließt dabei auch die Pflicht ein, informiert zu sein und sich etwa vor Angriffen aus dem Netz zu schützen. Die CeBIT bietet allen Besuchern vielfältige Möglichkeiten, sich über die neuesten digitalen Lösungen und deren Sicherheit und Beherrschbarkeit zu informieren.

Wie sehen Sie die Entwicklung des E-Government?
eGovernment ist eines der Megathemen der Zukunft und sollte gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Urbanisierung als dauerhafte strategische Aufgabe verstanden werden. Die CeBIT trägt dieser Entwicklung Rechnung und fördert gezielt den Austausch zwischen ITK-Anbietern und der öffentlichen Hand. Im Rahmen von  CeBIT gov können sich Vertreter der EU, des Bundes sowie der Länder und Kommunen über aktuelle Entwicklungen austauschen. In den vergangenen Jahren haben wir die erfolgreiche Plattform kontinuierlich ausgebaut. Auch international hat CeBIT gov spürbar an Bedeutung gewonnen.

Was bedeutet Cloud Computing für Sie? Ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung oder eine riskante Weiterentwicklung?
Die zunehmende Nachfrage nach Cloud Computing wird zu einer grundlegenden Neustrukturierung der internationalen ITK-Welt führen. Hohe Bandbreiten, Rechnergeschwindigkeiten und ein immer einfacherer Zugang zum Internet über mobile Endgeräte sind wesentliche Treiber dieser Entwicklung. Für Unternehmen und Organisationen bietet die Cloud entscheidende Vorteile. Auch Privatpersonen profitieren davon. Sicherheit und Vertrauen sind dabei derzeit die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Welche Maßnahmen für eine sicheren und vertrauensvollen Umgang mit den Daten im Netz erforderlich sind, hat die CeBIT in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt.

Der Autor

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Frank Pörschmann

Frank Pörschmann (*1969) ist seit dem 1. April 2012 Mitglied im Vorstand der Deutschen Messe AG. In dem Gremium trägt er die Gesamtverantwortung für die CeBIT als weltweit wichtigste Veranstaltung der digitalen Wirtschaft. Zudem verantwortet er die Bereiche Technik und Gelände, Protokoll und Events sowie Messe Gastronomie. Pörschmann kam 2010 vom IT-Konzern IBM zur Deutschen Messe AG und übernahm dort zunächst als Bereichsleiter die operativen Geschäfte der CeBIT. Bei IBM war er mehr als zehn Jahre in unterschiedlichen internationalen Beratungs-, Vertriebs- und Management- Funktionen tätig. Zuvor war Pörschmann für Vertriebs-, Redaktions- und Projektarbeit in Unternehmen der Telekommunikation, Medien und Unterhaltungselektronik zuständig. Pörschmann ist Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik, studierte zusätzlich Medienwirtschaft und hält einen britischen MBA.

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