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Kurzüberblick

Vertrauensmessung in der digitalen Welt: Übersicht und Ausblick

2. Oktober 2014

Vertrauen ist der Schlüssel für die digitale Wirtschaft. Da sind sich alle einig. Wenn die Menschen sich online nicht sicher fühlen und kein Vertrauen haben in das, was ihnen über das Internet angeboten wird, dann werden sie es nicht nutzen, bzw. dann werden die Potenziale des Digitalen nicht annähernd ausgeschöpft. Das gilt für E-Commerce genauso wie für E-Government. Nicht die Technik entscheidet darüber, ob die Menschen bestimmte Angebote nutzen, sondern von ihrem Vertrauen in die Anbieter hängt es ab, ob sie sich darauf einlassen.

Menschen sind widersprüchlich. Viele vertrauen Facebook, Google & Co. nicht und nutzen die sogenannten Sozialen Medien trotzdem. Offenbar kann man sich dem Druck, dort präsent zu sein, kaum entziehen und möchte sich auch gern dort zeigen. Das Angebot zu nutzen, ist vordergründig kostenlos, ziemlich einfach, was die Bedienung angeht, und macht auch noch Spaß. Die Risiken scheinen demgegenüber abstrakt und nicht wirklich bedrohlich. Gezielte Werbung mag nerven, kann aber auch nützlich sein. Materiell geschädigt wurden bisher nur wenige, und ernsthafte Nachteile durch das, was sie ins Netz gestellt haben, haben bisher auch nicht viele erfahren. Was soll also passieren? Wenn das Vertrauen nachhaltig erschüttert wird, dürften allerdings auch die Sozialen Medien auf Grenzen des Wachstums stoßen.

Vertrauen ist wichtig, aber schwer zu erfassen. Das ist schon in der realen Welt nicht ganz einfach, aber in der virtuellen Welt – wo man seinem Gegenüber nicht in die Augen sehen und ihn anfassen kann, wo man nicht sicher sein kann, dass er wirklich der ist, für den er sich ausgibt – noch weitaus schwerer. Ganz schwierig wird es, wenn man Indikatoren und Kennzahlen zu einer Art Index verdichten will, an dem man schnell ablesen kann, wo ein bestimmtes Land im Vergleich mit anderen steht oder wie die Menschen bestimmte Dienste bzw. bestimmte Anbieter einschätzen. Hier sind, wenn das Barometer belastbar sein und Vertrauen „richtig“ messen soll, anspruchsvolle theoretische und methodische Probleme zu lösen. Dass Transparency International seinen Corruption Index später in Corruption Perception Index umbenannte, hatte mit genau dieser Frage, nämlich was damit eigentlich gemessen wird, zu tun. Andere Indices versuchen, die Wertschätzung von Freiheit in Deutschland oder die Qualität von Demokratien weltweit zu erfassen. Das alles ist keineswegs trivial.

Manuel Schubert vom Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Passau gibt in dieser Broschüre einen Überblick über Versuche, Vertrauen in der digitalen Welt zu messen. Sieben verschiedene Indizes und Studien analysiert er hinsichtlich ihrer Methodik, ihrer Konstruktion von „Vertrauen“ und ihrer Relevanz, also ihrer Wahrnehmung in Öffentlichkeit oder Wissenschaft. Angesichts der großen Bedeutung, die dem Vertrauen in der digitalen Wirtschaft allgemein zugesprochen wird, muss die überschaubare Resonanz dieser Messungen überraschen.

Alle Instrumente, Vertrauen in der digitalen Welt zu erfassen, haben ihre Stärken und Schwächen; keines ist perfekt. Das haben Instrumente so an sich. Instrumente, die alles können, gibt es nicht. Aber Manuel Schubert gibt Hinweise, worauf es ankommt, wenn man Vertrauen in der digitalen Welt künftig noch besser erfassen will. Er zeigt aber auch alternative Erhebungsmethoden auf, auf die man zurückgreifen könnte, wenn sich eine regelmäßige Erfassung („im besten Fall in Echtzeit“) nicht realisieren lassen sollte.

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) betrachtet den Überblick von Manuel Schubert als Beitrag zu der Diskussion, wie man Vertrauen in der digitalen Welt besser erfassen und womöglich stärken kann. Wenn Vertrauen für das Ausschöpfen der Potenziale, die das Netz für E-Commerce wie für E-Government bietet, wirklich so wichtig ist, wie alle sagen, dann lohnt es sich, diese Diskussion zu intensivieren. Mit seiner Analyse gibt Manuel Schubert dazu einige Anstöße.

Dr. Göttrik Wewer

Dr. Göttrik Wewer

Wir danken ihm für die Arbeit, die er sich gemacht hat, und wünschen seiner Analyse möglichst viele Leserinnen und Leser und vor allem die entsprechende Resonanz. Es wäre schön, wenn sie dazu anregen würde, konkret darüber nachzudenken, wie Vertrauen in der digitalen Welt besser erfasst werden kann. Denn wenn das gelingt, müsste irgendwann auch der Schlüssel für die digitale Wirtschaft besser passen, weil er entsprechend zugeschnitten ist.

Hamburg, im September 2014 Göttrik Wewer

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Der Autor

Dr. Manuel Schubert

Dr. Manuel Schubert

geb. 1981
Wirtschaftswissenschaftler

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Volkswirtschaftstheorie an der Universität Passau

Inhaltliche Schwerpunkte: Verhaltensökonomik, Experimentelle Ökonomik, Spieltheorie, Konfliktforschung

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