4.3.2 Souveräne Realisten (12 Prozent)

Souveräne Realisten

„Meine gesamte Arbeit wäre ohne das Internet nicht möglich. Also das ist quasi die Basis meiner Existenz.“ (männlich, 32 Jahre)

Souveräne Realisten sind unaufgeregte Intensivnutzer. Sie sind zwar von den bisherigen und in Zukunft zu erwartenden Errungenschaften und Möglichkeiten des Internets überzeugt, beobachten die digitale Entwicklung aber durchaus kritisch, insbesondere wenn es um Soziale Netzwerke geht. In diesem Internet-Milieu sind 83 Prozent täglich online (gesamt: 58 Prozent).

Unter den Souveränen Realisten findet sich mit 61 Prozent der höchste Männeranteil im Vergleich aller Internet-Milieus. Auch das formale Bildungsniveau ist am höchsten. In dieser Gruppe finden sich die meisten Hochverdiener. Ihr Altersschwerpunkt liegt bei 45 bis 54 Jahren. Eine unabhängige und selbstgestaltete Lebensführung mit Raum für Kreativität ist ihnen von zentraler Bedeutung, gepaart mit dem Wunsch nach einem zufriedenstellenden Lebensstandard.

„Meine persönliche Freiheit, dieses Mich-Ausleben-Können, das ist mir schon ziemlich wichtig. Dass ich meine Kreativität ausleben kann, dass ich meinen Lebensstil auch beibehalten kann.“ (weiblich, 24 Jahre)

„Ein gutes Leben, dass man sich auch etwas gönnt, dass man, wenn man essen geht, auch etwas Gutes isst. Ich lege auch viel Wert auf entsprechend gutes IT-Equipment, zum Beispiel einen guten Laptop oder einen guten PC, der vielleicht ein bisschen teurer ist aber mehr Möglichkeiten bietet, das kostet vielleicht ein bisschen mehr Geld, aber das ist in Ordnung.“ (männlich, 40 Jahre)

Soziodemografisches Profil – Souveräne Realisten

Die Rolle des Internets in der Lebenswelt der Souveränen Realisten

Das Interesse am Internet und der Wunsch, an dem teilzuhaben, was im Netz passiert ist überdurchschnittlich hoch; ein Leben ohne Internet können sich drei Viertel der Souveränen Realisten nicht vorstellen (gesamt: 60 Prozent) – auch weil ihnen damit willkommene Kommunikations- und Organisationsmöglichkeiten fehlen würden. Charakteristisch für dieses Internet-Milieu ist eine zurückhaltende Einstellung gegenüber Sozialen Netzwerken, bei einer gleichzeitig sehr hohen Internetaffinität. 27 Prozent der Onliner unter ihnen nutzen keine Online-Communitys (gesamt Onliner: 31 Prozent). Eigene Beiträge wie Bilder, Videos oder Texte stellen sie durchschnittlich oft ins Internet. Ohne Soziale Netzwerke grundsätzlich abzulehnen, sind die Souveränen Realisten dennoch der Meinung, dass diese nicht zu sehr den eigenen Alltag und das soziale Miteinander beeinflussen sollten. Nur ein Zehntel von ihnen sagt, dass sie sich ein Leben ohne Online-Community nicht vorstellen können (gesamt: 33 Prozent). Sich in ihrem Leben „bestimmen lassen“, sei es von Kommunikationsplattformen und/oder von internetfähigen Geräten, möchten sie nicht.

„Ich denke schon, dass junge Menschen auf jeden Fall abhängig sind von Sozialen Netzwerken.“ (männlich, 40 Jahre)

„Vielleicht reden Menschen irgendwann gar nicht mehr miteinander in den Clubs. Und jeder steht dann nur noch mit seinem Handy da. Das geht mir jetzt schon total auf den Keks.“ (weiblich, 23 Jahre)

„Ich mache eigentlich nichts bei Facebook. Ich gucke nur ab und zu rein, wenn mir langweilig ist, was da für Bilder gepostet werden oder was für Artikel gepostet wurden, welche Veranstaltungen wann, wo sind. Da ist Facebook auch ganz hilfreich.“ (männlich, 19 Jahre)

Nutzungshäufigkeit, Gerätebesitz und subjektive Internetkompetenz

Souveräne Realisten trennen im Milieu-Vergleich am wenigsten zwischen beruflicher und privater Internetnutzung. 54 Prozent der Onliner lesen in ihrer Freizeit auch berufliche Mails (gesamt Onliner: 43 Prozent), über Privates kommunizieren 61 Prozent von ihnen während der Arbeitszeit über digitale Kanäle (gesamt Onliner: 48). Sie besitzen von allen Internet-Milieus klar am häufigsten einen stationären Computer – eingerichtet an einem festen Arbeitsplatz in der Wohnung, für den privaten und den beruflichen Gebrauch. Verglichen mit den anderen Internet-Milieus finden sich in dieser Gruppe auch überdurchschnittlich viele Personen, die mobile internetfähige Geräte besitzen.

Inhaltliche Schwerpunkte, für die sie sich im Internet interessieren, sind eher nüchterner und nutzenorientierter Natur: Themenbereiche wie Finanzanlagen, Versicherungen und Steuertipps, aber auch Wissenschaft und Technik stehen bei ihnen im Milieu-Vergleich am höchsten im Kurs. Deutlich ausgeprägter ist auch ihr Interesse an Politik und Zeitgeschehen (43 Prozent der Onliner, gesamt Onliner: 32 Prozent). Unterhaltungsaspekte spielen in diesem Internet-Milieu insbesondere in Form von Online PC- oder Konsolenspielen eine Rolle (29 Prozent der Onliner, gesamt Onliner: 25 Prozent).

Einstellungen zum Internet

Die Sicht auf das Internet ist klar chancenorientiert: 79 Prozent sind der Meinung, das Internet berge mehr Chancen als Gefahren. Erleichterungen des privaten und beruflichen Alltags, Erledigungen, um die man sich unabhängig von Zeit und Ort kümmern kann, aber auch die große Informationsfülle und kostenlose Kommunikationsmöglichkeiten rangieren oben auf ihrer Liste der Vorteile. Souveräne Realisten betonen außerdem den Zugang zu freien und unabhängigen Meinungen; 32 Prozent der Onliner begrüßen die Möglichkeit, sich politisch einzubringen – zum Beispiel in Form von Diskussionen im Netz (gesamt Onliner: 23 Prozent).

„Ja, es ist momentan immer noch die ehrlichste Berichterstattung. Klar, man muss da auch differenzieren, aber es ist immer noch die, die am wenigsten vom Geld beeinflusst wird, weil es schwer ist, die Meinung im Internet zu kaufen.“ (männlich, 29 Jahre)

Werbung, die passgenau auf die eigenen Interessen zugeschnitten ist, stehen sie kritisch gegenüber. Dass das Internet als eine Art Gedächtnisstütze fungieren könnte, sehen sie im Milieu-Vergleich unterdurchschnittlich als Vorteil (44 Prozent der Onliner, gesamt Onliner: 54 Prozent).

Vertrauen, Sicherheit und Verantwortung

Hinsichtlich des Themas Sicherheit im Internet und der Frage, wer für diese verantwortlich sein könnte und sollte, befinden sich die Souveränen Realisten in einem gewissen Dilemma. „Nur“ etwas mehr als die Hälfte geht davon aus, dass es Datensicherheit im Netz grundsätzlich nicht geben könne (gesamt: 68 Prozent) und mit 47 Prozent haben sie sich im Milieu-Vergleich am seltensten damit abgefunden, dass das Internet – per se – unsicher sei (gesamt: 57 Prozent). Andererseits fällt es ihnen schwer, Akteure zu benennen, denen Verantwortung für (Daten-)Sicherheit übertragen werden sollte beziehungsweise könnte: Den Nutzer selbst sehen sie mit 66 Prozent seltener als der Durchschnitt für den Schutz der eigenen Daten verantwortlich (gesamt: 68 Prozent) und nur ein Drittel ist der Meinung, dass Nutzer für Schäden haften sollten, wenn ihre Geräte nicht genügend gesichert sind und sie damit andere gefährden (gesamt: 49 Prozent). Auch Unternehmen werden von ihnen weniger stark in die Verantwortung genommen, für einen besseren Datenschutz zu sorgen, was darin begründet sein kann, dass sie diesen im Milieu-Vergleich (abgesehen von den Vorsichtigen Skeptikern) am wenigsten zugestehen, sorgfältig mit persönlichen Daten umzugehen. Dass der Staat aktiv für Sicherheit im Internet sorgt, erwarten sie mit 44 Prozent im Milieu-Vergleich am seltensten (gesamt: 70 Prozent). Auch zeigen sie ein eingeschränktes Vertrauen in Internetangebote des Staates.

Dieses eher unklare Sicherheits- und Verantwortungskonzept wirkt sich jedoch nicht auf ihr eigenes Nutzungsverhalten aus. Souveräne Realisten schreiben sich im Milieu-Vergleich nach den Netz-Enthusiasten die zweithöchste subjektive Kompetenz im Umgang mit dem Netz zu. Möglichen Gefahren und Risiken begegnen sie mit souveräner Gelassenheit: Dass sie sich – aus Sorge, Fehler zu machen – zurückhaltend oder vorsichtig bewegen, kommt lediglich bei 20 Prozent vor (gesamt: 55 Prozent); lediglich 5 Prozent sehen sich vom Internet überfordert. Sie gehen mehrheitlich davon aus, dass ihre Daten sicher sind, was an den ergriffenen Schutzmaßnahmen, aber auch an einer eigengestalteten und zum Teil von Dritten unabhängigen Sicherheitsstrategie liegt.

„Ich bin da eher ein Klassiker, ich mache Back-ups für mich und habe da jetzt nicht alles outgesourct und in Clouds gespeichert, das mache ich nicht. Die Speicherung habe ich schon bei mir. Deswegen bin ich da sicher und beruhigt und sage zum Thema Sicherheit: ‚Okay, ich sehe da kein Problem‘.“ (männlich, 40 Jahre)

Einstellungen zum Internet

Der Blick in die digitalisierte Zukunft

Souveräne Realisten haben so gut wie keine Vorbehalte gegenüber einer weitergehenden Digitalisierung. Die Vorstellung, dass in Zukunft vieles nur noch über das Internet erledigt werden kann, löst lediglich bei 11 Prozent Unbehagen aus (gesamt: 38 Prozent). Dass im Internet „jeder machen kann, was er will“ sehen sie eher als Zugewinn an Freiheit und dementsprechend als Chance des Internets, denn als mögliche Bedrohung des demokratischen Systems. Sie sind überdurchschnittlich oft der Meinung, dass Kinder den Umgang mit dem Netz so früh wie möglich lernen sollten, um bestmöglich auf die digitalisierte Welt vorbereitet zu sein.

Kritisch stehen sie einer möglicherweise sich verbreitenden Ökonomisierung persönlicher Daten und einem „zu laxen“ Umgang damit gegenüber. Sie sind im Milieu-Vergleich etwas seltener als der Durchschnitt bereit, ihre persönlichen Daten im Internet gegen entsprechende Vergütung bereitzustellen (15 Prozent, gesamt: 19 Prozent). Hintergrund dieser Zurückhaltung ist ihre vergleichsweise skeptische Einstellung gegenüber einer unbedarften (auch unbewussten) Weitergabe persönlicher Daten. Das Thema Privatsphäre spielt ihrer Meinung nach eine wichtige Rolle im Kontext Internet, ihnen ist es seltener als dem Durchschnitt egal, dass Dritte persönliche Dinge im Internet über sie erfahren könnten (19 Prozent der Onliner, gesamt Onliner: 25 Prozent). Sie sind sich darüber bewusst, dass Daten heute schon eine relevante Ware sind und halten das Argument, man habe im Netz nichts zu befürchten, „nur“ weil man grundsätzlich nichts zu verbergen habe, für kurzsichtig und irreführend beziehungsweise irrelevant für eine umfassender zu führende Diskussion über Privatsphäre, Datenschutz und Überwachung. Sie halten das Thema „Überwachung der Bürger durch neue Technologien“ im Milieu-Vergleich am seltensten für überbewertet (abgesehen von den Internetfernen Verunsicherten).

„Daten sind zumindest ein sehr wichtiger Handelsposten, glaube ich, zwischen großen Firmen, auch jetzt schon. Ich glaube, auch jetzt tauschen viele Firmen untereinander die Daten aus, das sind garantiert wichtige Handelsgüter.“ (männlich, 29 Jahre)

„Ich sehe die Gefahr, dass natürlich die allgemeine Überwachung immer stärker wird, dass man jetzt immer sagen kann, was wer wann wo wie und mit wem gemacht hat.“ (männlich, 32 Jahre)

Souveräne Realisten – Wohnbilder