Themen: Vermessung der Netzwelt Vertrauen und Sicherheit im Internet 

DIVSI Internet-Milieus 2016: Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung

20. Juni 2016

Vorwort

Das Internet hat in den vergangenen Jahren praktisch alle Lebensbereiche rasant verändert oder zumindest beeinflusst. Eine Vielfalt an Angeboten und fortschreitende Mobilität haben es omnipräsent gemacht. Was bedeutet diese Entwicklung für die Menschen in Deutschland? Ticken wir jetzt alle gleichermaßen digital? Oder gibt es doch noch große Unterschiede im Nutzungsverhalten des Einzelnen? Wie werden technische Neuerungen in den Alltag integriert? Vor welchen gesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen stehen wir angesichts der enormen Entwicklungsdynamik?

Eine Vielzahl von Fragen stellt sich also auch noch nach der ersten DIVSI Milieu-Studie aus dem Jahr 2012, mit der die digitale Gesellschaft in Deutschland erstmals gründlich vermessen wurde. Die vorliegende umfangreiche Aktualisierung – erneut basierend auf Tiefeninterviews sowie bundesweit repräsentativen Umfragen – zeigt inwieweit sich das tatsächliche Nutzungsverhalten, aber auch bereits digitale Grundhaltungen verändert haben. Damit bietet die Untersuchung nicht nur einen aktuellen Stand, sondern stellt eine Fortentwicklung des Ursprungsmodells dar, mit der Veränderungen, die mit dem digitalen Wandel einhergehen, und Auswirkungen auf die Gesellschaft wissenschaftlich fundiert dargestellt werden können.

Wir wollten wissen, was sich seit 2012 in der und für die digitalisierte Gesellschaft verändert hat:

  • Wie oft, wie lange, womit und wofür Menschen „ins Internet gehen“,
  • welche Chancen und Risiken sie dabei wahrnehmen,
  • wen sie in der Verantwortung sehen, wenn es um Sicherheit im Internet-Alltag geht,
  • wem sie diesbezüglich wie weit vertrauen und etwas zutrauen und
  • inwiefern sie sich selbst souverän oder überfordert fühlen in der digitalen Welt.

Eine wesentliche Erkenntnis zeigt dabei, dass sich der digitale Wandel nicht nur technisch vollzieht. Gleichzeitig ändern sich auch die Haltungen zum Internet kontinuierlich.

2016 zeigt die Bevölkerung in Deutschland einen ausgeprägten Internet-Optimismus: Eine große Mehrheit (72 Prozent) sieht mehr Chancen als Gefahren im Internet. Die Menschen fühlen sich heute dem Internet deutlich verbundener und möchten es nicht mehr missen. Das Internet ist gewissermaßen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gleichzeitig werden die digitalen Lebenswelten vielfältiger, insbesondere Einstellungen und Haltungen der Internet-Intensivnutzer differenzieren sich weiter aus. Nicht mehr jeder „Heavy User“ liebt das Internet bedingungslos.

Und es zeigen sich (neue) Herausforderungen:

69 Prozent der Bevölkerung in Deutschland möchten am Internet-Geschehen teilhaben. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie dazu auch in der Lage sind.

Immer noch jeder Sechste ist Offliner und nutzt das Internet nie. Diese Gruppe bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit und Unterstützung. Nicht wenige fühlen sich überfordert, und es macht ihnen Angst, dass immer mehr Bereiche ihres vertrauten Alltags dem digitalen Wandel unterworfen werden. Aber auch teilweise sehr aktive Internetnutzer fühlen sich überfordert und sind eingeschränkt in ihren Teilhabe-Möglichkeiten.

Die Bereitstellung technischer Zugänge oder aktivere Internetnutzung allein scheinen nicht ausreichend, um die digitale – und damit auch immer mehr die soziale und gesellschaftliche Teilhabe – sicherzustellen. Menschen müssen sich souverän in der digitalen Welt bewegen und Risiken richtig einschätzen können. Elementar ist dabei auch die Frage, wie vertrauensbildende Rahmenbedingungen geschaffen werden können.

Die vorliegende Studie liefert vier Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Typologie zum Komplex „Vertrauen und Sicherheit im Internet“ ein aktualisiertes Modell der DIVSI Internet-Milieus. Sie zeigt damit Veränderungen und Entwicklungsdynamiken in der digitalen Gesellschaft. Dies kann wertvolle Erkenntnisse liefern für Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um zielgruppenspezifisch auf Befindlichkeiten und Entwicklungen reagieren zu können.

Matthias Kammer

Foto: Frederike Heim

Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und freue mich auf Reaktionen.

Matthias Kammer
Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

 

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