Interpretation der Befunde

  • Insgesamt zeigt die Erhebung, dass die DIVSI Internet-Milieus trotz der rasanten digitalen Entwicklung stabil bleiben, weil sie die Motive und Barrieren der Internet-Nutzung ganzheitlich betrachten. Die Milieus bleiben damit über einen längeren Zeitraum ein belastbares Instrument, mit dem die digitale Gesellschaft „vermessen“ werden kann und sich ihr Zustand zuverlässig beschreiben lässt.
  • Eine weitreichende Interpretation der Befunde ist auf Basis von zwei Messzeitpunkten zwar noch nicht möglich – erst ab drei Messungen können Veränderungen als Entwicklungstendenzen interpretiert werden. Nach den zwei aufeinanderfolgenden Befragungswellen lassen sich jedoch erste Tendenzen erkennen und einschlägige Vermutungen auf ihre potenzielle Belastbarkeit prüfen.
  • So wird häufig davon ausgegangen, dass der rasante technologische Fortschritt unablässig neue „digitale Generationen“ hervorbringt (Generation@, Generation Smartphone etc.). Die vorliegenden Ergebnisse zeigen allerdings, dass Einstellungsmuster hinsichtlich digitaler Themenfelder relativ konstant bleiben. Die Entwicklungen in der digitalen Gesellschaft lassen sich nicht allein von technischen Innovationen beeinflussen.
  • Die Gründe für oder gegen die Internet-Nutzung speisen sich aus den grundsätzlichen Einstellungen der Menschen, ihrer Wertorientierung und Lebensweise sowie ihrem Bildungsgrad und ihrer sozialen Lage.
  • D.h.: Auch wenn die technische Ausstattung jährlich aktualisiert wird, ändert sich nicht auch gleichzeitig die digitale Denkweise; ein Verantwortungsbedachter Etablierter wird auch mit neuem Tablet weiterhin durch Zurückhaltung und Selbstschutzmaßnahmen sein persönliches Risiko im Internet zu mindern versuchen.
  • Zum anderen zeigt auch ein Blick in die Entwicklung der sozialen Milieus in Deutschland, dass übergeordnete Einstellungsmuster und die Zugehörigkeit von Menschen zu bestimmten Gruppen relativ stabil sind und sich qualitativ neue Formationen einer Gesellschaft in der Regel eher in langsamen Schritten von acht bis zehn Jahren entwickeln.