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DIVSI Studie: Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie? Formen, Vorteile und Hürden der Beteiligung im Internet aus Sicht der DIVSI Internet-Milieus

28. Juli 2015

Vorwort

Im April 2014 hat DIVSI in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen einen Bericht zu „Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet“ vorgelegt. Prof. Dr. Miriam Meckel hatte dabei festgehalten, dass der Begriff „Beteiligung“ zu einem „Schlagwort avanciert“ sei und seine „exakten Koordinaten verloren“ habe. Es sei Zeit, „ein paar Mythen der Beteiligung zu entlarven“.

Die Studie räumte dann mit fünf Mythen auf, die sich bis dahin beharrlich in der Öffentlichkeit hielten. Dabei beruhten die vorgestellten Erkenntnisse auf einer systematischen deutsch- und englischsprachigen Literaturanalyse.

Mit der jetzt vorgelegten zweiten Untersuchung des Forschungsprogramms werden direkte Antworten aus Sicht der deutschen Internetnutzer beschrieben und analysiert. Die Experten haben dazu in mehreren Online- und Offline-Fokusgruppen Vertreter aller sieben Internet-Milieus befragt. Die Eingliederung in die von DIVSI entwickelten Internet-Milieus hat sich dabei auch in dieser Untersuchung bewährt, da sie eine sehr präzise Spezifikation ermöglicht.

Bei den Interviews ging es nicht nur um den Punkt, wie und warum der Einzelne sich beteiligt. Geklärt werden sollte vor allem auch die Problematik, was die Internetnutzer insgesamt denn überhaupt unter dem Begriff „Beteiligung“ verstehen.

Vermutlich wird es die eine, alles umfassende und von allen getragene Definition nie geben. Im Ergebnis zeigt die Studie je nach Milieu eine sehr unterschiedliche Begriffsbestimmung. Manche der Befragten bezeichnen bereits die bloße Nutzung von Online-Diensten, sogar das reine Online-Sein als Beteiligung.

Grundsätzlich jedoch zeigt sich, dass Beteiligung im Internet nicht nur bei den Digital Natives und den Digital Immigrants angekommen ist. Auch die Digital Outsiders werten ihre meist sehr selektive Nutzung als „Beteiligung“. Einzig die Internetfernen Verunsicherten aus diesem Segment bleiben praktisch außen vor. Viele haben Mühe, die Vorteile einer Beteiligung zu erkennen. Es zeigt sich also einmal mehr, wie wichtig Aufklärung und Information sind. Nur so lässt sich eine größere Teilhabe an den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und Informationsangeboten des Internets erreichen.

Sonst droht, was die Studie als einen wesentlichen Aspekt festhält: Eine neue Qualität der digitalen Spaltung. Auf der einen Seite finden wir dann jene Nutzer, die von den Vorteilen einer Beteiligung im Internet profitieren. Auf der anderen Seite stehen alle, die den Zugang nicht finden. Die Studie zeigt, dass neben sachlicher Überforderung oft fehlendes Vertrauen und Unsicherheit eine Rolle spielen. Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt scheinen mir aufgerufen, zeitnah Maßnahmen zu entwickeln, die eine digitale Spaltung bekämpfen können.

Das durch die Studie erkannte „Wie“ der praktischen Beteiligung im Internet könnte dazu geeignet sein, Entscheider aus ganz verschiedenen Bereichen verstärkt zu aktivieren. So zeigt beispielsweise ein Ergebnis, dass eine politische Beteiligung noch vergleichsweise wenig verbreitet ist. Brachland also, das den Verantwortlichen durchaus eine größere Pflege wert sein sollte. Zivilgesellschaftliche Anliegen nämlich werden bereits sehr wohl und häufig durch Internetbeteiligung vorangetrieben. Der aktive Austausch und die Verbreitung im Netz sind auf diesem Feld längst Alltag.

Auch Beteiligungen in der Wirtschaft, in der Kultur, in der Bildung und zu Gesundheitsfragen haben sich im Bewusstsein der deutschen Internetnutzer etabliert. Dabei macht die Studie deutlich, dass das Internet längst keine Domäne der jüngeren Generationen ist. Vor allem nämlich ältere Nutzer sind aktiv dabei, Gesundheitsinformationen zu sammeln, Fragen zu beantworten oder auch Tipps zu geben.

Wo viel Licht ist, ist aber bekanntlich auch viel Schatten. Das bedeutet hier: Beteiligung kann durchaus mit Gefahren verbunden sein. Denn das globale Netz ist mittlerweile so groß, dass sich auch für zwielichtige Projekte und Ideen Nutzer finden lassen, die sich beteiligen. Hier drohen womöglich Gefahren, vor denen wir die Augen nicht verschließen sollten.

Doch auch solche negativen Aspekte machen deutlich, welche soziale Dynamik eine Beteiligung auslösen kann. Das Internet vereinfacht die Verbindung mit anderen mehr denn je. Nie war es leichter, sich deutlich zu positionieren, sich mit anderen abzusprechen und sich gegenseitig den Rücken zu stärken. Die neuen Medien schaffen neue Beteiligungsmöglichkeiten – und dadurch „Empowerment“. Sie können, so eine Erkenntnis der Studie, unterstützen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Untersuchung macht deshalb auch Vorschläge, wie eine konstruktive Nutzung neuer Medien gefördert werden kann. Dabei differenziert sie nach den DIVSI Internet-Milieus.

Die Erkenntnisse der Studie können für die aktuelle Debatte um den Wert und die Wirkung von Beteiligung neue Grundlagen liefern. DIVSI folgt damit seiner Aufgabe, Impulse und Wissensgrundlagen für Diskussionen anzubieten, die sich mit Themen unserer digitalen Zeit beschäftigen. Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und freue mich über Reaktionen.

Matthias Kammer

Foto: Frederike Heim

Matthias Kammer
Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

 

 

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