4.2.3 Unbekümmerte (18%)

Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung UnbekümmerteJunge experimentierfreudige Internet-Nutzer ohne Berührungsängste. Kaum Sicherheitsbedenken und Gefahrenbewusstsein.

Die Unbekümmerten entstammen vorwiegend den hedonistisch geprägten und eher formal niedrig gebildeten Lebenswelten Jugendlicher und junger Erwachsener. Der Anteil von weiblichen und männlichen Vertretern ist annähernd gleich. In diesem U25-Internet-Milieu gibt es ein breites Altersspektrum, 18- bis 24-Jährige sind insgesamt etwas stärker vertreten als 14- bis 17-Jährige.

Unbekümmerte nutzen das Internet regelmäßig und intensiv: 68 Prozent sind täglich online, zwölf Prozent davon sind nie offline oder fast den ganzen Tag online. In der Bewertung der eigenen Internet-Kenntnisse zeigen sie sich allerdings zurückhaltender als der Durchschnitt der 14- bis 24-Jährigen: Nur 56 Prozent (im Vergleich zu 63 Prozent im Gesamtdurchschnitt) halten ihre Kenntnisse für sehr gut oder gut.

Im Mittelpunkt des Werteprofils der Unbekümmerten stehen Spaß, Abenteuer und Genuss. Gemeinschaft, Zusammenhalt, Anerkennung und Prestige sind ebenfalls zentrale Werte. Demgegenüber erfolgt eine offenkundige Distanzierung von Pflicht- und Kontrollwerten wie Gehorsam und Ordnung.

Vernetzung spielt in der Alltagswelt dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine bedeutende Rolle – das gilt online wie offline. Die Partizipation in Online-Communitys ist dementsprechend hoch. Darüber hinaus werden in diesem U25-Internet-Milieu vorrangig Unterhaltungs- und Kommunikationsangebote im Internet genutzt. Information steht demgegenüber eher im Hintergrund ihrer Netzaktivitäten. Typisch für diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind große Freundes und Bekannten-Netzwerke. Freundschaften nehmen insgesamt einen sehr hohen Stellenwert im Alltag ein. Sie organisieren sich gern in Szenen und Cliquen und ziehen die Gemeinschaft dem Alleinsein klar vor. Geschätzt wird ein dauerhaftes, verlässliches Netzwerk. Viele Leute zu kennen ist auch ein Prestige-Faktor – das eigene Netzwerk für andere nachvollziehbar abzubilden, also in seiner Quantität in den Online-Communitys zu materialisieren, spielt diesem Bedürfnis ideal zu.

Die Unbekümmerten machen gern auf sich aufmerksam. Typisch ist beispielsweise ein selbstbewusstes, häufig auch recht lautes Auftreten im öffentlichen Raum oder ein besonders auffälliger Kleidungsstil. Diese Inszenierungslust übersetzt sich teilweise auch in die digitale Sphäre: Online-Communitys bieten eine ideale Bühne hierfür. Zudem erlauben sie, Reaktionen des Umfelds und vor allem positive Zustimmungen dauerhaft sichtbar abzubilden. Das reizt die Unbekümmerten. Gleichzeitig handelt es sich dabei um eine wichtige Schlüsselfunktion nahezu aller Online-Angebote: Internet ist da, wo man seine Leute trifft.

Dieses U25-Internet-Milieu ist gering sensibilisiert gegenüber Fragen von Legalität und Illegalität. Selbst „wenn man da mal gegen ein Gesetz verstoßen sollte“ – so schlimm kann das kaum sein, schließlich tun es ja alle. Diese Legitimierung des eigenen Verhaltens über den Verweis auf gängige Praxis ist für Jugendliche und junge Erwachsene insgesamt recht typisch, wenn es ums Tauschen und Teilen im Netz geht. Bei den Unbekümmerten kommt hinzu, dass die Kontroll- und Autoritätsorientierung gering und zugleich die Risikoaffinität recht stark ausgeprägt sind. Ein bisschen die Gesetze zu überschreiten, können sie dementsprechend ganz gut aushalten. Moralische Dilemmata sind den Unbekümmerten eher fremd.

Entsprechend gering ist das Wissen um die genaue Rechtslage hinsichtlich des Tauschens und Teilens im Netz. Hier vertreten sie die Auffassung, dass das, was technisch möglich ist, auch erlaubt sein muss. Distanzieren sich die Unbekümmerten vom kostenlosen Tauschen und Teilen, dann aufgrund befürchteter Sanktionen. Urheberrechte spielen keine Rolle. Vielmehr sind sie überzeugt, dass die erfolgreichen Musiker „das Geld eh nicht mehr brauchen, weil die schon so reich sind“.

Obgleich ihre Beziehung zu Vertrauen und Sicherheit im Internet als unbekümmert charakterisiert wird, gilt das keinesfalls für andere Lebensbereiche. Im Vergleich der U25-Internet-Milieus ist ihre aktuelle Lebenszufriedenheit am niedrigsten. Mit den Beziehungen zu Freunden, den Eltern oder den persönlichen Freiheiten sind sie weniger zufrieden als nahezu alle anderen, was auch an ihren hohen Ansprüchen an einen „vorzeigbaren“ Freundeskreis liegt, aus dem sie großes Selbstbewusstsein ziehen. Für diese oft stark gegenwarts-, unterhaltungs- oder konsumorientierten jungen Menschen ist das Internet bzw. das Leben online somit eine attraktive Gegenwelt, in der Kommunikation und Vernetzung teilweise leichter fallen. In diesem U25-Internet-Milieu gibt es zudem kaum elterliche oder anderweitige Kontrolle, da ihre Eltern in der Online-Welt zumeist nicht anzutreffen sind.

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Aussagen zum Thema Medien, Internet und Online-Communitys

Die Sorglosigkeit und Unbekümmertheit dieses U25-Internet-Milieus zeigen sich in erster Linie in seiner Haltung zu Risiken im Internet. So haben die abgefragten Risikodimensionen in diesem Milieu eher keine Relevanz. Kriminelle Übergriffe, Belästigung, Datenschutzverletzungen und Verletzung der Privatsphäre gehören hier nicht zu den relevanten Risiken im Internet. 62 Prozent finden das Thema Schutz der Privatsphäre im Internet zwar wichtig, aber auch damit liegen sie unter dem Durchschnitt der Gleichaltrigen (70 Prozent).

Der Schwerpunkt des Vertrauenskonzepts der Unbekümmerten ist inhaltsorientiert, d. h. sie verlassen sich auf ein einfaches, merkmalsorientiertes System zur Unterscheidung sicherer und unsicherer Internet-Seiten: Wo viele Pop-ups sind, kann man Geld verlieren und es kann auf manchen Seiten passieren, dass man etwas kauft, ohne dies zu wollen.

Ihre Sicherheitsvorkehrungen konzentrieren sich – sofern überhaupt vorhanden – auf die Regulierung des eigenen Online-Verhaltens: Im Sinne einer Datenkontrolle verzichten sie eher auf das Hoch- und Herunterladen von Daten, wenn auch schweren Herzens. Wohingegen technische Sicherheitsmaßnahmen rund um Softwarekontrollen (Virenscanner1, Firewall2, Ad-Blocker3, regelmäßige Aktualisierung von Sicherheitseinstellungen auf den Plattformen der Online-Communitys) eher abgelehnt bzw. nicht genutzt werden.

Vertrauen und Sicherheit

Vertrauen und Sicherheit

Das für Unbekümmerte typische, stark unterhaltungsorientierte Erleben des Internets bedingt auch ihre Sicht auf dessen zukünftige Bedeutung für das eigene Leben: Viele sind überzeugt, dass das Internet in Zukunft für sie weniger wichtig wird. Das Internet wird als „Jugend-Ding“ oder Zeitvertreib erlebt, für den in einem Erwachsenenleben mit Erwerbsarbeit und Familie kein Platz mehr sein wird. Mit Blick auf die lebenswelttypischen Berufsvorstellungen, häufig Arbeiter- und Handwerksberufe, die in der Wahrnehmung der Jugendlichen keine Tätigkeit an Computer oder Internet beinhalten, überrascht diese Einschätzung nicht. Gleichwohl werden digitalisierte Dienstleistungen wie Online-Banking oder -Shopping bereits jetzt genutzt, so dass wahrscheinlich ist, dass die gelebte Zukunft digitalisierter sein wird, als sich die Unbekümmerten dies momentan selbst vorstellen können.

„Ja, peinliche Sachen werden immer hochgeladen. Peinliche Situation oder so, macht man sich im Netz kurz mit Freunden lustig drüber. So was passiert immer.“ (18-24 Jahre, m)

„Ich kann ja auch eigentlich PC nutzen und Internet nutzen zusammen machen. Ist ja das Gleiche.“ (18-24 Jahre, m)

„Eigentlich kann man Fernsehen, Internet und Telefonieren auf einmal, weißt du. Wenn du Kopfhörer hast, du bist bei WhatsApp und gleichzeitig siehst du Fernseher.“ (18-24 Jahre, w)

„Ich glaube, das Internet ist dann [für die persönliche Zukunft] nicht mehr so wichtig wie jetzt. Ich glaube, dann bin ich berufstätig, habe eine eigene Familie, und dann sitze ich nicht am PC oder am Handy die ganze Zeit.“ (18-24 Jahre, w)

„Also bei mir ist es irgendwie so, dass ich den ganzen Tag durchgehend SMS schreibe und Musik höre, halt am Handy, (lacht) und ja, also es ist eigentlich das größte und danach kommt halt Zocken und Internet.“ (14-17 Jahre, w)

„Aber wie gesagt, … Internet muss jeder.“ (18-24 Jahre, w)

  1. Ein Virenscanner ist ein Programm, das einen Computer nach Viren oder anderen schadhaften Programmen durchsucht. []
  2. Eine Firewall ist ein Sicherungssystem, das ein Netzwerk oder einen einzelnen Computer vor unerwünschtem Zugriff über Datenleitungen von außen, besonders über das Internet, schützt. []
  3. Ein Ad-Blocker meint einen Werbeblocker.Dies ist ein Programm, das Werbung auf einer Webseite entfernt. Werbung auf Webseiten kommt in verschiedenen Arten vor, etwa in Bildern, Animationen, Texten und Pop-ups. []