10.2 Befürchtete und tatsächlich erlebte Gefahrensituationen

Nicht kindgerechte Inhalte im Internet sind Bestandteil des Alltags

Die Befürchtung, dass das eigene Kind im Internet auf nicht kindgerechte Inhalte stoßen könnte, teilen 81 Prozent der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder. Im digitalisierten Alltag ist diese Situation jedoch laut Angaben der Eltern offenbar kaum zu vermeiden: Dass Kinder durch gewalthaltige Inhalte im Internet oder in Spielen eingeschüchtert werden, ist Normalität im digitalen Alltag von Familien. So geben 29 Prozent der Eltern an, dass es häufig bzw. gelegentlich vorkommt, dass ihr Kind „von gewalttätigen Inhalten in Videos oder Spielen eingeschüchtert“ wird. Mit zunehmendem Alter der Kinder, das heißt auch mit zunehmender Nutzung des Internets, erleben Eltern die Situation, dass ihr Kind sich aufgrund unangemessener, weil zu brutaler Szenen oder Bilder im Netz oder in Spielen verängstigt oder eingeschüchtert zeigt, noch häufiger (25 Prozent der Eltern 3- und 4-Jähriger, aber 33 Prozent der Eltern 7- und 8-Jähriger geben an, dass die Situation häufig bzw. gelegentlich vorkommt).

In der Wahrnehmung des Risikos, im Internet auf für Kinder unangemessene Inhalte zu stoßen, und auch bzgl. der tatsächlich erlebten Situationen zeigen sich klare Unterschiede zwischen den DIVSI Internet-Milieus. Kinder aus Milieus, in denen Eltern diese Gefahr höher einstufen, werden tendenziell seltener von gewalthaltigen Spielen oder Videos eingeschüchtert und umgekehrt. Wie bereits dargestellt, sind es auch diese Internet-Milieus, in denen verstärkt beispielweise Gespräche über angemessene Medieninhalte, aber auch über Nutzungsdauern geführt werden. Als auffallend im Milieuvergleich erweisen sich auch hier die Eltern aus dem Milieu der Unbekümmerten Hedonisten, die eine sehr gering ausgeprägte Risikowahrnehmung haben. Die – auch im Milieuvergleich – deutlich seltener ergriffenen Maßnahmen und Regeln zur Nutzung digitaler Medien durch ihre Kinder führen dementsprechend dazu, dass die Kinder der Unbekümmerten Hedonisten überdurchschnittlich oft gewalthaltigen Inhalten im Netz und in Spielen ausgesetzt sind. Auch die Eltern aus dem Internet-Milieu der Internetfernen Verunsicherten erleben vergleichsweise häufig die Situation, dass ihre Kinder durch nicht kindgerechte Inhalte eingeschüchtert werden. Obgleich die Eltern aus diesem Milieu eine überdurchschnittlich ausgeprägte Wahrnehmung dieses Risikos zeigen, sind sie grundsätzlich bei der Handhabung digitaler Medien überfordert und sehen sich (wie in Kapitel 9.2 gezeigt) im Milieuvergleich am wenigsten in der Lage, nicht kindgerechten Inhalten im Netz ausweichen zu können.

Gefahrenbewertung und negative Erfahrungen nach Milieus

Kontaktaufnahme von fremden Personen und Mobbing sind aus Elternsicht ernst zu nehmende Gefahren für Kinder im Internet

Die von Eltern wahrgenommenen Risiken des Internets zeigen, dass drei Viertel der Väter und Mütter 3- bis 8-jähriger Kinder das Internet als gefährlich betrachten, weil dort „fremde Personen den Kontakt zu Kindern suchen“. Tatsächlich erlebt haben dies nach Angaben der Eltern 3 Prozent der 3- bis 8-Jährigen – dies sind rund 120.000 Kinder in Deutschland. 60 Prozent der Eltern sehen zudem die Gefahr, dass ihre Kinder im Internet Opfer von Mobbing werden könnten. Der prozentuale Anteil der Kinder, die im Internet gemobbt wurden, beläuft sich auf 4 Prozent, was rund 160.000 Kinder sind. Obgleich negative Erlebnisse dieser Art nur von einem verhältnismäßig kleinen Anteil der Kinder erlebt werden, erweisen sich diese Gefahren sowohl aufgrund von Erzählungen aus dem größeren Familien- oder Freundeskreis als auch durch Medienberichte als präsent und real. Hinzu kommt hier auch das von Eltern befürchtete Ausmaß der möglichen persönlichen Verletzung des eigenen Kindes und der weitreichenden Konsequenzen, die Mobbing für das betroffene Kind und die Familie nach sich zieht.

„Ja, sagen wir mal so: Wir hatten das in der Familie, dass meine Cousine so doll da drüber gemobbt worden ist, so dass sie dann auch die Schule gewechselt hat. […] Die ist 14, jetzt 14, und das war vor zwei Jahren, da war sie zwölf. Wurden Bilder ins Internet von ihr gestellt, wo sie heimlich fotografiert wurde auf der Schultoilette und was nicht alles, und das ist, das ist das, was ich eigentlich nicht möchte.“ (Mutter, Unbekümmerte Hedonisten, Sohn 6 Jahre)

„Ähm, dass er jetzt irgendwie angesprochen wird von, also, ich habe das auch schon mal erlebt bei meinem älteren Sohn. Das war damals so eine, so ein Kinderportal oder Schülerportal, wo der halt so massiv angeschrieben wurde von jemandem, den er nicht kannte, und wo ich ihm halt gesagt habe oder ihn gewarnt habe, und gesagt habe da treiben sich auch durchaus Erwachsene rum, und dass er da halt vorsichtiger sein soll. Sich auf gar keinen Fall mit irgendjemand treffen, den er nicht kennt.“ (Mutter, Verantwortungsbedachte Etablierte, Söhne, 6 und 20 Jahre)