10.3 Digitale Medien als Alltagserleichterung und Erziehungsinstrument

Digitale Medien werden in jeder dritten Familie zur Entlastung in stressigen Situationen eingesetzt

Ein Drittel der Eltern gibt an, in Stressmomenten oder in Situationen, in denen sie „Zeit für sich benötigen“, ihre Kinder „eher mal“ die Spielekonsole, das Tablet oder ein anderes Endgerät nutzen zu lassen. In der Wahrnehmung der Kinder kommt diese Situation häufiger vor: Knapp die Hälfte der Kinder bestätigt, dass sie „mehr Zeit an den Geräten oder im Internet verbringen dürfen, wenn die Eltern mal keine Zeit“ für sie haben. Unterschiede zeigen sich hierbei entlang der Bildungsgrade: Die formal niedrig Gebildeten nutzen digitale Medien häufiger, um sich etwas Zeit für sich selbst zu verschaffen bzw. um die Kinder in Stresssituation zu beschäftigen, als die mittel und hoch Gebildeten. Dass die bei Kindern beliebten Endgeräte zur Alltagserleichterung zum Einsatz kommen, findet deutlich häufiger bei älteren Kindern – insbesondere bei 7- und 8-Jährigen – statt als bei 3- und 4-Jährigen.

Medienangebote werden als Erziehungsmaßnahme eingesetzt

Mehr als ein Drittel der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder setzen Medienangebote zur Belohnung und Medienverbote zur Bestrafung ihrer Kinder ein. Auch hier zeigen sich Unterschiede entlang des formalen Bildungsgrades der Eltern und entlang des Altersverlaufs der Kinder: Formal niedrig gebildete Eltern und Eltern mit älteren Kindern verwenden digitale Medien häufiger als Erziehungsinstrument.

Digitale Medien: Regeln- und Maßnahmen

In den qualitativen Gesprächen wurde deutlich, dass Eltern ein zwiespältiges Verhältnis zum Einsatz digitaler Medien als Hilfestellung im Alltag haben. Sie schätzen die Wirksamkeit von digitalen Medien als „Beruhigungsmittel“ oder Erziehungsinstrument, lassen aber auch durchklingen, dass sie diese Maßnahmen nicht inflationär einsetzen möchten.

„Das einzig Blöde ist, dass ich mich natürlich auch dabei ertappe. Es ist ab und zu schon wie abparken. Wenn man als Elternteil seine Ruhe haben will, ist es natürlich eine bequeme Nanny, so ein Teil.“ Interviewer: „Was sind das für Situationen?“ Vater: „Restaurant, ganz oft. Das machen wir schon länger. Dann kriegt er halt sein Nintendo oder irgendwas in die Hand gedrückt und beschäftigt sich da sehr gut damit. Und dann haben wir natürlich relative Ruhe. Da ist es ganz toll. Aber ansonsten, dass ich ihn jetzt direkt irgendwie mal abparke, nein, eigentlich … Ja, aber bei Restau- rants, und wenn Du mal Deine Ruhe selber haben willst, aber das ist jetzt zu Hause nicht allzu oft.“ (Vater, Effizienzorientierte Performer, Sohn 8 Jahre, Stiefsohn 8 Jahre)

„Und dadurch, dass der Fernseher bei uns nicht ständig läuft und das iPad auch nicht ständig in Benutzung ist, hat es immer noch so diesen Leckerli- und Bonus-Wert […]. Was früher die Schokolade war. Man weiß ja, dass man das mit Schokolade nicht mehr machen soll [Lachen], das machen wir jetzt mit Fernsehen und iPad.“ (Mutter, Digital Souveräne, Sohn 3 Jahre, Tochter 5 Jahre)

„Was wir auch durchaus zu schätzen gelernt haben, ist, einfach mit dem Tablet, ähm, wenn wir irgendwo sind im Urlaub, essen gehen oder so was, die Kinder echt mal zu parken.“ (Mutter, Verantwortungsbedachte Etablierte, Sohn 5 Jahre, Tochter 4 Jahre)