11.1 Wie sorgen Eltern für die Sicherheit ihrer Kinder im Internet?

Die Darstellung der Chancen und Risiken digitaler Medien aus Sicht der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder hat deutlich aufgezeigt, dass die Risikowahrnehmung der Eltern ganz besonders auf das Internet fokussiert ist. Das Netz ist aus Elternsicht ein eher unsicheres Terrain für Kinder. Welche Konsequenzen ziehen Eltern nun aus dieser Wahrnehmung, und welche Bedeutung hat für sie das Thema „Sicherheit im digitalen Alltag von Kindern“? Welche Maßnahmen ergreifen sie, und worauf vertrauen sie, wenn es um Sicherheitsfragen im Netz geht?

Sicherheit im Netz wird mit zunehmendem Alter der Kinder relevanter

Mit zunehmendem Alter des Kindes steigt aus Sicht der Eltern die Bedeutung des Themas „Sicherheit im Internet“ deutlich an. Während 64 Prozent der Eltern 3-Jähriger, die ins Internet gehen, der Auffassung sind, dass Sicherheit im Internet noch kein Thema sei, sind es bei den Eltern der 5-Jährigen 32 Prozent und bei den Eltern der 8-Jährigen nur noch 27 Prozent. Mit zunehmender Internetnutzung der Kinder – die im Altersverlauf immer häufiger ohne Begleitung stattfindet (siehe Kapitel 6.1) – werden Sicherheitsfragen für Eltern relevanter. Hinzu kommt die voraussichtlich bevorstehende Nutzung von digitalen Netzwerken, weshalb besonders die Eltern von älteren Kindern bei diesem Thema aufhorchen und es als zunehmend akut für den eigenen Alltag einordnen.

Auch die qualitativen Interviews haben ergeben, dass bei Eltern kleinerer Kinder Sicherheitsfragen in Hinblick auf das Internet noch nicht so präsent bzw. handlungsrelevant sind.

„Joah, also da werden wir uns dann beraten lassen, wenn es so weit ist. Erst einmal durch einen Passwortschutz und später, dass man eben, ich weiß, dass es so eine Suchmaschine gibt für Kinder, die dann, also ich weiß noch nicht, wie im Detail, aber ich sage mal, ich weiß, was es für Verfahren gibt. Ich möchte auch nicht, dass sich meine Tochter mit einem Pädophilen trifft, ja, und umgekehrt, bei meinem Sohn möchte ich das auch nicht. Aber ich denke, ich bin optimistisch, dass wir das hinkriegen.“ (Mutter, Digital Souveräne, Sohn 3 Jahre, Tochter 5 Jahre)

Die Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen ist bei der Internetnutzung von Kindern keine Selbstverständlichkeit

Auch wenn die Sicherheit von Kindern im Netz aus Sicht der Eltern ein wichtiges Thema ist, sind konkrete Maßnahmen, um das Online-Verhalten ihrer Kinder sicher zu gestalten, in den Familien nicht die Regel. Die am häufigsten ergriffenen Maßnahmen sind Gespräche mit den Kindern über „persönliche Informationen“, die im Internet nicht öffentlich gemacht werden sollten. Gut die Hälfte der Eltern der internetnutzenden Kinder hat auf den Geräten, mit denen ihre Kinder online gehen, Kinder- und Jugendschutzprogramme, die bestimmte Inhalte im Netz sperren, sowie Pop-up-Blocker installiert.

Sicherheitsmaßnahmen für die Nutzung des Internets

Bei größerer Risikowahrnehmung werden mehr Sicherheitsmaßnahmen ergriffen

Ein Zusammenhang ergibt sich zwischen der elternseitigen Wahrnehmung von Gefahren im Netz und dem Ergreifen von Sicherheitsmaßnahmen. Je ausgeprägter die Risikowahrnehmung der Eltern, deren Kinder ins Netz gehen, desto häufiger ergreifen sie die genannten Sicherheitsmaßnahmen. Eltern, die der Auffassung sind, dass das Internet gefährlich für ihr Kind ist, weil es dort leicht auf nicht kindgerechte Inhalte stoßen kann, ergreifen häufiger Sicherheitsmaßnahmen als Eltern, die diese Gefahr seltener sehen: Sie spielen häufiger Kinder- und Jugendschutzprogramme auf die Geräte (59 Prozent versus 38 Prozent), installieren öfter Pop-up-Blocker (59 Prozent versus 40 Prozent) und richten vermehrt kindgerechte Startseiten ein (49 Prozent versus 42 Prozent). Eine gesteigerte Gefahrenwahrnehmung begünstigt offenbar das Ergreifen von Sicherheitsvorkehrungen.

Je kompetenter Eltern sich im Umgang mit dem Netz fühlen, desto mehr Sicherheitsmaßnahmen ergreifen sie

Ob und welche Sicherheitsmaßnahmen Eltern mit Blick auf die Internetnutzung ihrer Kinder ergreifen, hängt auch damit zusammen, wie kompetent sie sich selbst in Hinblick auf den Umgang mit dem Netz einschätzen. Eltern internetnutzender Kinder, die sich selbst eine höhere Internetkompetenz zusprechen, ergreifen deutlich häufiger Maßnahmen, um das Online-Verhalten ihrer Kinder sicher zu gestalten. So haben 56 Prozent der Eltern, die sich selbst gute oder sehr gute Internetkenntnisse zuschreiben, auf den Geräten, mit denen ihre Kinder online gehen, Kinder- und Jugendschutzprogramme installiert. Bei den Vätern und Müttern mit subjektiv weniger guten Internetkenntnissen sind es hingegen nur 36 Prozent. 17 Prozent der Eltern, die die eigene Internetkompetenz eher schlecht bewerten, sind der Meinung, dass es „keiner speziellen Sicherheitsmaßnahmen“ bedarf, da sich das Kind „bereits alleine sicher im Netz bewegen“ könne. Dieser Aussage stimmen dagegen nur 9 Prozent der Eltern zu, die ihre eigene Kompetenz in Sachen Internet eher gut bewerten. Hintergrund dieses Befundes kann sowohl eine Unkenntnis bzgl. verschiedener möglicher Maßnahmen zum Schutz der Internetnutzung von Kindern sein wie auch eine gewisse Unbekümmertheit hinsichtlich möglicher Risiken im Netz für ihre Kinder.

In den digitalen Lebenswelten gibt es unterschiedliche Sicherheitskonzepte

Ein Blick auf die digitalen Lebenswelten differenziert die Befunde noch weiter und zeigt, dass sowohl die sicherheitsbedachten als auch die eher versierten und aus eigener Sicht kompetenten Internet-Milieus wesentlich aktiver sind und vermehrt Maßnahmen ergreifen, um die Internetnutzung des eigenen Kindes sicher zu gestalten. Kinder- und Jugendschutzprogramme werden vor allem von Effizienzorientierten Performern, Postmateriellen Skeptikern und Verantwortungsbedachten Etablierten installiert. Pop-up-Blocker werden am häufigsten von den sicherheitsorientierten Ordnungsfordernden Internet-Laien verwendet. Die Unbekümmerten Hedonisten wenden im Milieuvergleich – entsprechend ihrer deutlich geringer ausgeprägten Risikowahrnehmung hinsichtlich der Internetnutzung durch Kinder – am seltensten konkrete Maßnahmen an. Sie stimmen auch am häufigsten der Aussage zu, dass das Ergreifen „spezieller Maßnahmen“ nicht notwendig sei, da sich ihr Kind bereits allein sicher im Netz bewegen könne (15 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 10 Prozent). Der Grund dafür, dass die Eltern aus dem Milieu der Internetfernen Verunsicherten deutlich seltener geeignete Maßnahmen ergreifen, dürfte insbesondere die Unkenntnis über diese Programme oder das fehlende Wissen über die Handhabung der Sicherheitsmaßnahmen sein (siehe Kapitel 9 und Kapitel 3.2.7). Auf eine Begleitung der eigenen Kinder beim Surfen im Netz als Sicherheitsmaßnahme setzen insbesondere die Eltern des Internet-Milieus der Postmateriellen Skeptiker.

Sicherheitsmaßnahmen nach Milieus