11.2 Vertrauen in die eigenen Kinder versus konkrete Sicherheitsmaßnahmen

Ein höheres Vertrauen in die „umsichtige“ Internetnutzung der eigenen Kinder zieht weniger Sicherheitsmaßnahmen nach sich

Eltern haben großes Vertrauen in die eigenen Kinder und in ihre eigenen Erziehungsmaßnahmen, wenn es darum geht, ob die Kinder sich sicher im Netz bewegen. 60 Prozent der Eltern 3- bis 8-jähriger Internetnutzer stimmen voll und ganz oder eher zu, dass sie darauf vertrauen, dass ihr Kind im Internet „nur kindgerechte Seiten“ besucht. Die nachfolgende Grafik zeigt: Je ausgeprägter das Vertrauen in die eigenen Kinder, desto weniger konkrete Sicherheitsmaßnahmen ergreifen ihre Eltern und umgekehrt. So haben 49 Prozent der Eltern, die voll und ganz oder eher darauf vertrauen, dass ihr Kind „nur kindgerechte Seiten“ besucht, Kinder- und Jugendschutzprogramme installiert. Eltern, die eher nicht oder überhaupt nicht darauf vertrauen, dass ihr Kind nur kindgerechte Seiten besucht, haben hingegen zu 62 Prozent Schutzprogramme installiert.

Sicherheitsmaßnahmen im Netz und Vertrauen

Sicherheitsmaßnahmen werden trotz zunehmender Relevanz von Sicherheitsthemen nicht proportional häufiger ergriffen

Sowohl die quantitativen Befunde als auch die qualitativen Ergebnisse zeigen, dass Eltern die möglichen Sicherheitsmaßnahmen – trotz steigender Bedeutung von Sicherheitsfragen – nicht unbedingt häufiger ergreifen, je älter die Kinder sind und entsprechend häufiger online gehen. So sind Kinder- und Jugendschutzprogramme bei 61 Prozent der Eltern 4-jähriger Kinder, die online gehen, auf den genutzten Geräten installiert, bei 53 Prozent der Eltern 6-Jähriger und bei 60 Prozent der Eltern 8-Jähriger. Die Installation von Pop-up-Blockern nimmt über den Altersverlauf der Kinder nur leicht zu. Das Einrichten einer kindgerechten Startseite nimmt dagegen ab: 52 Prozent bei den 3-jährigen Internetnutzern und 45 Prozent bei den 8-jährigen. Allerdings führen Eltern mit zunehmendem Alter und intensiverer Internetnutzung ihrer Kinder häufiger Gespräche mit ihnen über den Schutz der Privatsphäre. Das Risiko von Persönlichkeitsverletzungen im Netz wird über den Altersverlauf von Kindern nicht weniger relevant. Das „Gesprächeführen“ über Informationen, die persönlich sind und daher nicht im Netz öffentlich gemacht werden sollten, findet bei älteren Kindern deutlich häufiger statt als bei jüngeren und macht einen Sprung zwischen dem fünften und siebten bzw. achten Lebensjahr.

Die qualitativen Befunde lassen die Interpretation zu, dass Eltern trotz wahrgenommener Risiken und persönlich gehegter Bedenken aufgrund noch nicht erlebter Problemsituationen „noch“ keinen Handlungsdruck verspüren und zum Teil auch aus Bequemlichkeit keine konkreten Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

„Joah, wenn man es richtig überlegt, müsste man eigentlich was machen, aber wie gesagt, ich warte dann auf irgendeinen Hinweis, dass da irgendwie was im Argen ist, und so was gab es aber noch nicht. Aber ich denke mal, das kommt. Mit zunehmendem Alter kommt das. Wenn die sich dann gegenseitig in der Schule erzählen, ich habe das und das auf YouTube geguckt, dann werden sie neugieriger und dann […]. Aber noch sind die so […]“ (Mutter, Effizienzorientierte Performer, Sohn 8 Jahre, Stiefsohn 8 Jahre)

„Na ja, man hört ja immer von Kindersperren und was weiß ich, dass man da im Internet was machen kann. Dadurch, dass die Mädels aber bis jetzt noch gar nicht alleine im Internet in dem Sinne unterwegs sind, habe ich mich damit noch nicht näher beschäftigt. In der Schule wird jetzt, also, ging irgendwie eine Liste rum, oder man konnte sich im Internet in eine Liste eintragen, da haben sie einen Referenten von der Volkshochschule organisiert, und im September gibt es da irgendwie so einen zweistündigen Vortrag, Internetsicherheit für Eltern, trallala, irgendwie in die Richtung, und da habe ich mich eingetragen.“ (Mutter, Postmaterielle Skeptiker, Töchter – Zwillinge, 8 Jahre)