12. Beratungsbedarf der Eltern im Kontext „Kinder und digitale Medien“

Welche Beratungsbedarfe zeigen sich bei Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder, wenn es um den Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien geht? Welche Informationen wünschen sie sich, um ihre Kinder adäquat auf die digitalisierte Gesellschaft vorzubereiten, aber auch, um bei möglichen Risiken digitaler Medien handlungsfähig zu sein?

38 Prozent der Eltern fühlen sich – auch aufgrund der in der Öffentlichkeit geführten Diskussionen über den Umgang von Kindern mit digitalen Medien und dem Internet – verunsichert und wissen „nicht mehr, was sie noch glauben“ sollen. Diese Verunsicherung zeigt sich ausgeprägter bei bildungsfernen Eltern (42 Prozent der bildungsfernen und 34 Prozent der bildungsnahen Eltern stimmen voll und ganz/eher zu). Eine deutlich überdurchschnittliche Verunsicherung zeigt sich im DIVSI Internet-Milieu der Internetfernen Verunsicherten, aber auch bei den Unbekümmerten Hedonisten.

Informationen zum Schutz der Daten von Kindern im Internet sind für Eltern am relevantesten

Der Bedarf der Eltern an unterstützenden Informationen bewegt sich entlang der Risiken und Gefahren, die sie hinsichtlich digitaler Medien und insbesondere des Internets für ihre Kinder ausmachen. Wie in Kapitel 8 (Chancen und Risiken digitaler Medien aus Elternsicht) deutlich wurde, stellt ein noch nicht erlernter vorsichtiger Umgang mit den eigenen persönlichen Daten im Netz aus Sicht der Eltern ein Hauptrisiko für Kinder dar. Dementsprechend äußern Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder am häufigsten den Wunsch nach Informationen zum Schutz der Daten ihrer Kinder im Netz. Auch Informationen zu technischen Möglichkeiten, die Kinder in ihrer Internetnutzung „zu beschränken“, erweisen sich aus Sicht der Eltern als interessant. Gemeint sind damit Maßnahmen wie das Sperren bestimmter Websites, das Deaktivieren von Download-Funktionen, aber auch das Begrenzen oder das Abstellen des möglichen Internetzugangs auf internetfähigen Endgeräten zu bestimmten Tageszeiten.

Die Beratungsbedarfe der Eltern unterscheiden sich deutlich entlang der DIVSI Internet-Milieus. Insbesondere die sehr sicherheitsbedachten, aber auch die in Sachen Internet sehr zurückhaltenden und vorsichtigen Milieus äußern einen überdurchschnittlichen Beratungsbedarf. Informationen zum Schutz der Daten von Kindern im Internet wünschen sich 58 Prozent der Verantwortungsbedachten Etablierten, 66 Prozent der Ordnungsfordernden Internet-Laien und 65 Prozent der Internetfernen Verunsicherten. Dahingegen äußern lediglich 38 Prozent bzw. 42 Prozent der internetversierten Eltern aus den Milieus der Digital Souveränen und Effizienzorientierten Performer diesen Wunsch. Entsprechend ihrer im Milieuvergleich sehr sorglosen Haltung gegenüber Risiken und Gefahren durch digitale Medien für Kinder zeigen die Eltern aus dem Milieu der Unbekümmerten Hedonisten einen unterdurchschnittlichen Bedarf an unterstützenden Informationen. Unwissenheit zu einem angemessenen Umgang von Kindern mit digitalen Medien und dem Internet löst bei den Vertretern dieses Milieus nicht den Wunsch nach eventuell hilfreichen Informationen aus.

Beratungsbedarf

Höherer Beratungsbedarf, aber auch geringeres Interesse an unterstützenden Informationen bei bildungsfernen Eltern

Mit Blick auf die Bildungsunterschiede hinsichtlich des Informationsbedarfs werden ein gewisses Desinteresse und eine Distanz zum Thema „Kinder und digitale Medien“ bei bildungsferneren Eltern erkennbar. So fühlen sich diese seltener ausreichend informiert als Eltern mit höherer formaler Bildung. Gleichzeitig empfinden deutlich größere Anteile der bildungsferneren Eltern die verschiedenen Informationen und Themen als uninteressant.

Beratungsbedarf: Bildungsunterschiede

Abnehmender Beratungsbedarf mit steigendem Alter der Kinder trotz steigender Relevanz von Sicherheitsthemen

Der Bedarf der Eltern an unterstützenden Informationen zu allen abgefragten Themen- und Informationsbereichen ist umso geringer, je älter die eigenen Kinder sind. 55 Prozent der Eltern 3-Jähriger geben an, dass sie gerne Informationen zum Schutz der Daten ihrer Kinder im Netz hätten; bei den Eltern 8-jähriger Kinder sind es 40 Prozent. Vermutet werden kann, dass sowohl die Kinder versierter und erfahrener als auch die Eltern gelassener werden. Die subjektive Internetkompetenz der Kinder steigt – wie in Kapitel 9 gezeigt – tatsächlich mit dem Alter der Kinder. Schaut man jedoch auf die Bedeutung von Sicherheitsthemen aus Sicht der Eltern, insbesondere wenn es um das Online-Verhalten ihrer Kinder geht (siehe Kapitel 11), wird deutlich, dass die Relevanz von Sicherheitsthemen bzgl. des Internets entlang des Altersverlaufs der Kinder deutlich zunimmt. Hintergrund ist das aus Elternsicht zunehmend unabhängiger und damit unkontrollierbarer stattfindende Surfen der Kinder im Netz, das sie nicht unterbinden wollen, worin sie aber gleichzeitig Gefahrenquellen für ihre Kinder sehen. Der abnehmende Informationsbedarf der Eltern bei zunehmendem Alter ihrer Kinder kann sicher bis zu einem gewissen Grad als ein Vertrauen in die eigenen Erziehungsmaßnahmen, aber auch als ein „Hinnehmen der Situation“ und ein Vertrauen darauf, „dass schon nichts passieren wird“, interpretiert werden.