14.1 Methode

Erste qualitative Phase

Ziel der ersten Phase der qualitativen Vorstudie war das Öffnen des Themas „Kinder und digitale Medien“. Im Fokus stand neben der Erhebung der Nutzung digitaler Medien durch Kinder auch das Identifizieren relevanter Themenfelder und handlungsleitender Einstellungen, insbesondere aufseiten der Eltern, aber auch bei Grundschullehrern und Erziehern. Die DIVSI U9-Studie startete im April 2014 mit 17 ausführlichen explorativen Einzelgesprächen mit Eltern von Jungen und Mädchen im Alter von 3 bis 8 Jahren. Darüber hinaus wurde das Thema „Kinder und digitale Medien“ in 3 qualitativen Fokusgruppen mit Grundschullehrern und Erziehern diskutiert; eine Fokusgruppe bestand dabei aus Grundschullehrern, eine aus Erziehern von Kindern im Vorschulalter, und eine Gruppe setzte sich aus Grundschullehrern und Erziehern zusammen. In dieser ersten Phase war das Ziel, zu untersuchen, in welchem Alter und wie Kinder erstmals mit digitalen Medien in Kontakt kommen und wie diese in die Medienbiografien der Jungen und Mädchen integriert sind. Darüber hinaus war die Grundhaltung der Eltern, Lehrer und Erzieher in Kindertageseinrichtungen zu diesem Thema Forschungsinteresse. So wurden Fragen zu den wahrgenommenen Chancen und Risiken, zum Vertrauen in digitale Medien, zur Haltung zu digitalen Medien in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, aber auch zur eigenen (elterlichen) Kompetenz und zu den Verantwortlichkeiten im Kontext „Kinder und digitale Medien“ thematisiert. Neben einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis in der Stichprobe der Kinder war das DIVSI Internet-Milieu der Eltern ein Kriterium bei der Rekrutierung der Gesprächspartner für die Einzelgespräche, um ein Gesamtbild der relevanten Sicht- und Herangehensweisen zu erfassen.

Um sicherzustellen, dass sämtliche forschungsrelevanten Fragen in allen Fokusgruppen und Einzelinterviews zur Sprache kamen, wurde mit Themenkatalogen gearbeitet, die eine gezielte Gesprächssteuerung auch auf Themenkomplexe ermöglichte, die von den Befragten selbst nicht angesprochen wurden. Die Inhalte der Themenkataloge basieren auf der Sichtung aktueller Studien und beziehen die bisherigen Erkenntnisse im Rahmen der DIVSI-Studien ein. Zusätzlich wurden zentrale Positionen und Thesen medialer Debatten aufgenommen und operationalisiert.

Die Einzel- und Gruppeninterviews wurden von speziell ausgebildeten Mitarbeitern des SINUS-Instituts in Berlin durchgeführt. Sie wurden digital aufgezeichnet, transkribiert und analysiert. Anhand dieser Erkenntnisse wurde der Themenkatalog für die zweite qualitative Phase erarbeitet.

Zweite qualitative Phase

Ziel des zweiten qualitativen Erhebungsschrittes war die vertiefende Untersuchung der Themen, die sich im ersten Schritt als relevant erwiesen hatten. Zudem wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Zielgruppen, den DIVSI Internet-Milieus der Eltern sowie den Altersgruppen der Kinder erforscht. Dazu wurde in 28 ca. 2,5-stündigen ethnografischen In-Home-Interviews bei Familien zu Hause untersucht, wie Eltern und Kinder digitale Medien wahrnehmen bzw. nutzen und welche Rolle sie im Alltag der Familien spielen. Neben Gesprächen mit den Eltern (gestützt durch einen überarbeiteten Themenkatalog, in dem die Ergebnisse des ersten qualitativen Schrittes integriert wurden) bedienten sich die speziell geschulten Interviewer bei der Interaktion mit den Kindern der Methode der teilnehmenden Beobachtung aus der ethnologischen Forschung. In den meisten Fällen war neben den eigenen Kindern der besuchten Familien noch ein eingeladenes befreundetes Gastkind anwesend, um so eine gewohnte und natürliche Situation herzustellen, in welcher die Kinder sich vertraut und sicher fühlten und so authentisch wie möglich agieren konnten.

Die ethnografischen In-Home-Interviews wurden im Juni 2014 in Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main durchgeführt. Es wurden digitale Aufnahmen und Transkripte erstellt. Zudem fotografierten die Interviewer mit Einverständnis der Befragten die Wohnwelten der Familien, um Bildmaterial für die Studie zu gewinnen.

Repräsentative quantitative Befragung

Aus den Ergebnissen der beiden qualitativen Phasen wurde ein Fragebogen für die anschließende quantitative Erhebung entwickelt. An dieser computergestützten persönlichen Befragung (CAPI) nahmen insgesamt 1.832 Eltern teil. Auch 1.029 Kinder im Alter zwischen 6 und 8 Jahren wurden befragt, um die Kindersicht zu integrieren und um es zu ermöglichen, die Perspektiven von Eltern und Kindern zu vergleichen. Die bundesweite Befragung führte das auf Befragungen mit und über Kinder spezialisierte Feldinstitut iconkids & youth durch.

Demografische Merkmale der Stichproben

Die sozidemografischen Merkmale Alter und Bildung der Stichprobe sind repräsentativ für die Bevölkerungsgruppe der Eltern von 3- bis 8-Jährigen in Deutschland. Befragt wurde jeweils die Person, die die Haupterziehungsverantwortung oder mit einem Partner gleichwertige Erziehungsverantwortung für das Kind hat. Dies waren zu 65 Prozent Mütter und zu 35 Prozent Väter. In den untersuchten Haushalten leben im Schnitt 1,6 Kinder, die Befragung der Eltern bezog sich aber immer nur auf eines der Kinder. Im Durchschnitt waren die interviewten Eltern 37,7 Jahre alt.

Soziodemografie der Eltern

In der Studie wird zwischen drei formalen Bildungsgraden unterschieden, die wie folgt definiert sind: formal hochgebildet (Fachhochschulreife, Abitur, Fachhochschulabschluss, Universitäts-/Hochschulabschluss, Promotion), formal mittelgebildet (mittlere Reife/Realschulabschluss oder polytechnische Oberschule mit Abschluss nach der zehnten Klasse), formal niedriggebildet (Schule ohne Abschluss beendet, Volks-/Hauptschulabschluss oder polytechnische Oberschule mit Abschluss nach der achten oder neunten Klasse) mit einer Verteilung von 36 Prozent Hochgebildeten, 35 Prozent Mittelgebildeten und 29 Prozent Einfachgebildeten.

Auch die monatlichen Haushaltsnettoeinkommen wurden drei verschiedenen Gruppen zugeordnet: niedriges Haushaltsnettoeinkommen (bis 2.229 €, 33 Prozent), mittleres Haushaltsnettoeinkommen (von 2.300 bis 3.599 €, 36 Prozent) und hohes Haushaltsnettoeinkommen (ab 3.600 €, 31 Prozent). Die folgende Kreuztabelle verdeutlicht den wohlbekannten Zusammenhang zwischen den Bildungs- und Einkommensklassen.

Soziodemografie der Eltern

In der folgenden Grafik ist die Demografie der Kinder aufgeführt. Im oberen Teil sind die demografischen Merkmale der 3- bis 8-jährigen Kinder zu sehen, zu welchen die Eltern befragt wurden (Elternbefragung). Im unteren Teil ist die demografische Verteilung der 6- bis 8-Jährigen dargestellt, die selbst befragt wurden (Kinderbefragung).

Soziodemografie der Kinder