3.2.1 Digital Souveräne (26 Prozent)

Digital Souveräne (26 Prozent)

„Wir haben keinen Fernseher, aber wir haben unsere Rechner, wir haben unsere Smartphones, und das ist ein täglicher Bestandteil unseres Lebens. Für mich, für meine Arbeit auch, ohne Internet hätte ich keinen Online-Shop, ohne Rechner funktioniert nichts. Ich bin rund um die Uhr online. […] Auch in Bezug auf die Kinder. Theo hat hier in der Ecke seinen kleinen Rechner. Das ist ein alter Rechner von meinem Mann halt, und den hat er dann irgendwann bekommen. Wenn er sich dann beispielsweise Zeichentrickfilme anschauen möchte oder so was Kindgerechtes, suchen wir das halt über YouTube aus, und dann darf er sich das darauf anschauen.“ (Mutter, Sohn 3 Jahre)

Das Internet-Milieu der Digital Souveränen zeichnet eine hohe Affinität zu digitalen Medien aus. Der Umgang mit den verschiedenen Endgeräten und dem Internet fügt sich selbstverständlich in den Familienalltag. Sowohl die Eltern als auch die Kinder lassen sich im Milieuvergleich als „Internet-Profis“ bezeichnen. Die Eltern sehen primär die Chancen des Internets für sich und ihre Kinder und begleiten ihren Nachwuchs intensiv auf dessen Weg in eine digitalisierte Welt. Der Wertekanon der Digital Souveränen ist rund um Individualität, Selbstbestimmtheit und Zielstrebigkeit angelegt. Sie distanzieren sich von Konventionen des bürgerlichen Mainstreams und schreiben sich häufig eine Vorreiterrolle zu, wenn es um das Entdecken und Verbreiten technologischer Innovationen im Kontext digitaler Medien geht. Sie gehören im Vergleich zu den anderen Internet-Milieus zu den Besserverdienern und Hochgebildeten.

In den Familien der Digital Souveränen finden sich im Milieuvergleich die meisten Kinder, die ins Internet gehen, sie verbringen jedoch kaum mehr Zeit im Netz als andere 3- bis 8-jährige Kinder. Sowohl die Eltern als auch die Kinder sind hinsichtlich ihrer subjektiven Internetkompetenz Spitzenreiter. Auch die Fähigkeit der Kinder, selbstständig eine Internetseite aufzurufen, ist bei ihnen am stärksten ausgeprägt.

„Er weiß mittlerweile auch schon, wie der Computer funktioniert, also wie der angeht, wie man Mozilla drückt. Er kann sich das natürlich auf YouTube noch nicht aussuchen, weil er nicht schreiben kann, aber so die ersten Schritte oder wie er das Bild vergrößert von YouTube, damit er das als ganzes Bild sieht. Er weiß auch schon, wie hier vorne diese Touchscreen-Maus geht. Die kann er auch benutzen.“ (Mutter, Sohn 3 Jahre)

Der Gerätebesitz der Kinder der Digital Souveränen bewegt sich leicht über dem Durchschnitt aller Internet-Milieus. Computer, Smartphone und Handy gehören im Milieu-Vergleich etwas häufiger zum persönlichen Equipment der Kinder.

 Gerätebesitz von Kindern

Ein frühes Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien ist aus Sicht der Eltern unumgänglich. Eine kompetente Verwendung der verschiedenen Endgeräte und insbesondere des Internets ist ihrer Meinung nach Grundvoraussetzung für die Zukunft und die Teilhabechancen ihrer Kinder. Viele Eltern sehen die Zukunft ihrer Kinder gänzlich digitalisiert und gehen davon aus, dass der Umgang mit digitalen Medien im Alltag von Kindern schon bald so selbstverständlich funktionieren und dazugehören wird „wie das Zähneputzen“.

Auf diesem Entwicklungsweg bedarf es nach Meinung der Eltern allerdings einer umfassenden Begleitung der Kinder. Die Digital Souveränen sind sehr involviert in den Lernprozess ihrer Kinder, sie zeigen oder erklären ihnen, wie die genutzten Geräte funktionieren oder wie man das Internet nutzt. Die Eltern informieren sich außerdem genau, welche Medieninhalte für das jeweilige Alter der Kinder geeignet sind. Und sie sind nicht nur überdurchschnittlich darüber im Bilde, was ihre Kinder zu Hause auf dem Tablet, Smartphone oder Computer machen (86 Prozent, gesamt: 81 Prozent), sondern auch – soweit diese stattfindet –, was die Mediennutzung in der Schule, dem Kindergarten oder der Kita betrifft (79 Prozent, gesamt: 74 Prozent).

Digital Souveräne Für die Eltern aus dem Milieu der Digital Souveränen stehen die Vorteile und Chancen des Internets – verglichen mit den Risiken – deutlich im Vordergrund. Das Internet biete nicht nur einen „schnelleren Zugang“ zu Wissen, dieses sei auch leichter und vor allem „überall und immer“ verfügbar. Das World Wide Web bedeutet ein immenses Informationsangebot, auf das auch Kinder Zugriff haben sollten. Insbesondere die selbstbestimmte und unabhängige Nutzung eben dieses Informationspools wird von den Eltern betont und geschätzt. Die Möglichkeit einer gezielten Auswahl von für Kinder geeigneten Medieninhalten sehen sie als besonderen Pluspunkt, verglichen beispielsweise mit starren, linearen Medieninhalten des Fernsehens.

Digitale Medien werden außerdem als Erfolg versprechende Lernhilfen begrüßt. Die Kinder der Digital Souveränen präferieren eher Online-Angebote, Apps und Anwendungen, die das Lernen und Spielen miteinander verbinden. 66 Prozent der Kinder nutzen laut Aussage der Eltern Lernspiele (gesamt: 61 Prozent) etwas häufiger als Spiele, die ausschließlich Unterhaltungszwecken dienen.

Die Integration digitaler Medien in den Familienalltag bedeutet auch Entlastung der Eltern. Insbesondere der Einsatz mobiler Endgeräte verschafft den Eltern Freiräume und die Möglichkeit, sich „Zeit zu kaufen“:

„Also, wenn jetzt jemand anruft, oder ich muss noch was besprechen oder muss noch was fertig machen, willst das Abendbrot vorbereiten, und ein Kind rechts, ein Kind links, oder beide schlagen sich die Schädel ein, dann ist es halt wirklich, dann wirft man das iPad in die Runde, sagt, hier, spielt eine Runde, und dann ist zehn Minuten Stille und Frieden.“ (Mutter, Sohn 3 Jahre, Tochter 5 Jahre)

Chancen und Risiken digitaler Medien

„Gefährlich“ werde der Umgang mit dem Internet für Kinder, wenn der Zugang unkontrolliert stattfindet. Nicht kindgerechte Inhalte, über welche Kinder beispielsweise durch zwischengeschaltete Trailer bei den ausgewählten Sendungen oder Videos im Internet stolpern können, werden von den Eltern sehr kritisch gesehen. Für Kinder nicht angemessene Werbung wecke Wünsche und Begehrlichkeiten bei den Kleinen, welche sie gerne vermeiden möchten. Des Weiteren beobachten Digital Souveräne zum Teil, dass ihre Kinder nach ungeplantem Schauen von gewalthaltigen Inhalten „verschüchtert“ und „verängstigt“ reagieren.

Kinder aus dem Milieu der Digital Souveränen zeigen ein überdurchschnittliches Interesse an den verschiedenen Endgeräten wie Smartphone, Tablet oder Computer/Laptop. Gefragt nach ihren Lieblingsaktivitäten in der Freizeit, geben die Kinder jeweils am häufigsten an, sich sehr gerne mit diesen Endgeräten zu beschäftigen, das heißt in den allermeisten Fällen, auf ihnen zu spielen. Der Medienalltag der Kinder ist dabei häufig durch klare Regeln und Absprachen organisiert. Die Eltern achten beispielsweise darauf, wie lange ihre Kinder online aktiv sind und welche Internetseiten sie besuchen. Digital Souveräne setzen bei der Durchsetzung der Regeln insbesondere auf den Dialog mit ihren Kindern: 73 Prozent der Eltern geben an, dass sie mit ihrem Kind gemeinsam festlegen, wie lange verschiedene Medien genutzt werden dürfen (gesamt: 68 Prozent). Die von den Kindern gewünschten Spiele für Smartphones, Tablets oder Computer/Laptops werden im Milieuvergleich überdurchschnittlich oft von den Eltern begutachtet, auch um zu verhindern, dass die Kinder an „irgendwelche Ballerspiele“ geraten.

„Also, wir haben das so reglementiert, dass die Kiddies so Medienzeiten haben. Die können sie an schulfreien Tagen nutzen, hauptsächlich an Wochenenden oder Ferientagen, ab und zu auch mal zwischendurch. Wir versuchen das aber auch zeitlich zu begrenzen, dass das nicht länger wie Dreiviertelstunde, Stunde ist, manchmal auch nur halbe Stunde. Das kommt so ein bisschen auf die Tagessituation an. Und wenn jetzt dieses Zeitfenster ist, darf ich spielen, dann dürfen sie frei entscheiden, ob sie am Fernsehen etwas gucken wollen, am Nintendo spielen wollen oder am PC spielen wollen.“ (Mutter, Sohn 8 Jahre)

Kompetenzen und Verantwortung

Um den Kindern eine weitgehend freie Internetnutzung zu ermöglichen, ergreifen diese Eltern eher Maßnahmen im Hintergrund, als zu sehr in das Nutzungsverhalten ihrer Kinder einzugreifen oder „rigide Verbote“ durchzusetzen. Die Digital Souveränen sind im Milieuvergleich nicht die Spitzenreiter im Ergreifen konkreter Maßnahmen, um die Internetnutzung ihrer Kinder sicher zu gestalten. Dennoch haben sie auf den Geräten, mit denen ihre Kinder online gehen, vergleichsweise oft Pop-up-Blocker sowie Kinder- und Jugendschutzprogramme installiert und/oder eine kindgerechte Startseite eingerichtet. Sie vertrauen auf ihre sich selbst zugeschriebene ausgeprägte Internetkompetenz und fühlen sich klar in der Lage, für die Sicherheit ihrer Kinder im Netz zu sorgen (90 Prozent der Digital Souveränen, deren Kinder ins Internet gehen, stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 80 Prozent).

„Also, ich habe da schon ein Auge drauf, was sie im Internet tun. Ich gucke mir auch manchmal hinterher den Verlauf an, ob sie wirklich dann da zuverlässig auf den Seiten geblieben sind, die wir abgesprochen haben.“ (Mutter, Sohn 8 Jahre)

Die Digital Souveränen besitzen ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, was ihre Erziehungskompetenz in Sachen digitale Medien und insbesondere in Sachen Internet betrifft. Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Kinder aus Sicht der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder beherrschen sollten, um an der digitalisierten Welt teilhaben zu können, ist der Schutz der eigenen Privatsphäre im Internet. Hier schätzen die Eltern aus dem Milieu der Digital Souveränen ihre eigene Kompetenz im Milieuvergleich am höchsten ein (57 Prozent, gesamt: 40 Prozent). Beratungsbedarf besteht aufgrund der eigenen empfundenen Souveränität kaum, die Eltern fühlen sich vergleichsweise gut informiert.

Aussagen mit über- und unterdurchschnittlicher Zustimmung (Digitale Souveräne)