3.2.2 Effizienzorientierte Performer (19 Prozent)

Effizienzorientierte Performer (19 Prozent)

„Es erstaunt mich sehr, wie die mit diesen digitalen Dingern umgehen können. Die gucken sich das einmal an, probieren es aus und wissen, wie es geht. Und das steigert sich natürlich.“ (Mutter, Sohn 3 Jahre, Tochter 5 Jahre)

Für die Eltern aus dem Internet-Milieu der Effizienzorientierten Performer stehen Leistungsorientierung, Fortschrittsglaube und Flexibilität im Zentrum ihrer Wertewelt. Sie sind sehr versierte und aktive Internetnutzer und sehen digitale Medien als Alltagserleichterung sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Die verschiedenen Endgeräte sind dabei nicht nur Mittel zum Zweck, sondern lösen auch Begeisterung aus. Ihre Kinder werden von klein auf mit digitalen Medien und dem Internet sozialisiert.

Die Haushalte der Effizienzorientierten Performer, die insgesamt zu den Höhergebildeten und Besserverdienenden gehören, sind umfassend ausgestattet mit verschiedenen Endgeräten: Tablets, Laptops, Smartphones und Spielekonsolen sind – auch wenn sie meist den Eltern gehören – vorhanden und für die Kinder zugänglich. Häufig sind diese zwar gesperrt, der Umgang mit den Geräten wird aber grundsätzlich eher erlaubt als untersagt. Am Abend vor dem Schlafengehen, zwischendurch am Nachmittag und manchmal auch vor der Schule oder dem Kindergarten verbringen die Kinder ganz selbstverständlich Zeit mit dem Tablet, Laptop oder dem Fernseher. Die Dauer, die Kinder aus diesem Milieu an den Endgeräten verbringen, ist dabei im Milieu-Vergleich nicht überdurchschnittlich.

Die Kinder der Effizienzorientierten Performer besitzen frühzeitig einfache Tasten-Handys. Insbesondere die Erreichbarkeit der Kinder steht dabei im Vordergrund. Da der Familienalltag, auch aufgrund der beruflichen Auslastung der Eltern, stark „durchgetaktet“ ist, werden Absprachen und spontane Planänderungen mit den Kindern über die mobilen Endgeräte organisiert.

„Jetzt hat mein Sohn das neue Nintendo mit 3-D, das Kindle Fire ist immer noch aktiv, hat er ja erst seit zwei Jahren. Dann hat er ein Smartphone, das nutzt er aber nicht, das hat er aber. Dann hat er noch ein einfaches Telefon zum Rumtelefonieren, ein Motorola, ein altes, oder älteres. Und einen eigenen Fernseher jetzt seit Kurzem, den er von Oma geschenkt bekommen hat, der über Kabel angeschlossen ist in seinem Zimmer.“ (Vater, Sohn 8 Jahre, Stiefsohn 8 Jahre)

Geraetebesitz von Kindern

Ein versierter Umgang mit digitalen Medien wird von den Eltern als Optimierung und Maximierung der Zukunftschancen der eigenen Kinder gesehen. Die Einstellung, dass Kinder „von der Gesellschaft abgehängt werden“, wenn sie den Umgang mit digitalen Medien nicht von klein auf erlernen, ist bei ihnen im Milieuvergleich am stärksten verbreitet. Die Eltern führen ihre Kinder dementsprechend „lieber früher als später“ an die jeweiligen Geräte und das Internet heran. Und sie erleben sich dabei als professionelle „Berater“: 95 Prozent der Effizienzorientierten Performer fühlen sich bestens in der Lage, ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet beizubringen (gesamt: 78 Prozent). Auch wenn sich ihre Kinder an den Geräten häufig selbst ausprobieren dürfen, sind die Eltern möglichst in der Nähe, um ihnen zu Hilfe zu eilen.

„Vor der Schule, wenn noch Zeit ist, vielleicht macht er noch fünf Minuten was im Internet, wenn er irgendwas gesehen hat bei Amazon oder eBay. Da informiert er sich gerne. Er guckt dann … was guckt er denn immer? Was ihn gerade so interessiert, irgendwelche Fußballbilder oder Pokémonkarten oder neue Nintendo-DS-Spiele.“ (Vater, Sohn 8 Jahre)

Effizienzorientierte Performer

Leistungs- und Effizienzsteigerung sind aus Sicht der Eltern die dominanten Chancen und Vorteile digitaler Medien und des Internets für Kinder. Eine kompetente Nutzung des umfassenden Informationsangebots im Netz verspricht sowohl ein „schnelleres Lernen“ als auch Zeitersparnis. Effizienzorientierte Performer fördern dementsprechend eine frühe Nutzung des Internets ihrer Kinder zu Informationszwecken und sehen auch mit Begeisterung, wie sie beispielsweise Rechercheaufgaben für die Schule erledigen und sich die passenden Bilder und Fakten für ihre Hausaufgaben heraussuchen. Ein gewisser Komfort und eine willkommene, weil bequemere Art des Lernens – da keine schweren Bücher gewälzt und geschleppt werden müssen – liefern hier entscheidende Anreize.

„Also, Tim ist ja auch sehr bequem. Er hat ja ein Grundschullexikon, und wenn wir irgendwas suchen […] aber da ist er schon zu faul, das zu blättern und zu suchen, und bei Google, ja, da spreche ich das rein, und dann kommt ja ein Vorschlag oder ein Bild. Da ist auch eine Bequemlichkeit dabei. Sich durch irgendein Buch zu quälen oder eben durch Schlagworte irgendwas schnell zu finden. […] Und ich finde es eigentlich o.k., weil wir machen es ja nicht anders. Also, wer hat noch einen Brockhaus zu Hause stehen?“ (Vater, Sohn 8 Jahre, Stiefsohn 8 Jahre)

Auch das Spielen auf dem Smartphone, dem Tablet, dem Computer oder der Spielekonsole kann aus Sicht der Eltern aus dem Milieu der Effizienzorientierten Performer zu einer möglichen Leistungssteigerung bei den Kindern führen. Die Wahrnehmung, dass Lernspiele die Lust ihrer Kinder am Lernen steigern und dass Computerspiele die Konzentrationsfähigkeit und die motorischen Fähigkeiten von Kindern verbessern können, ist in diesem Internet-Milieu am stärksten ausgeprägt; die Kinder spielen im Milieuvergleich am häufigsten Lernspiele auf den verschiedenen Endgeräten.

Einen weiteren Vorteil sehen die Eltern im alltagserleichternden Effekt digitaler Medien. Zur Überbrückung langer Wartezeiten, wenn sie mal etwas Zeit für sich brauchen oder sich „im Restaurant in Ruhe unterhalten“ wollen, kommen mobile Endgeräte gerne zum Einsatz, um die Kinder zu beschäftigen.

Chancen und Risiken digitaler Medien

Die Eltern aus diesem Milieu zeigen zwar eine ausgeprägte Risikowahrnehmung hinsichtlich digitaler Medien und des Internets, haben aber aufgrund der sich selbst zugeschriebenen Kompetenz insbesondere im Umgang mit dem Internet und der von ihnen getroffenen Sicherheitsmaßnahmen eine ausgesprochen positive Grundhaltung gegenüber dem Thema „Kinder und digitale Medien“. Sie sehen sich im Vergleich zu den Eltern aus den anderen Internet-Milieus am häufigsten in der Lage, für die Sicherheit ihrer Kinder im Netz zu sorgen. Das Sperren bestimmter Inhalte im Netz mithilfe von Kinder- und Jugendschutzprogrammen auf den Geräten, mit denen ihre Kinder online gehen, findet bei den Effizienzorientierten Performern im Milieuvergleich am häufigsten statt. Bei der von allen Milieus als mit am wichtigsten bewerteten Kompetenz, die Kindern für den Umgang mit dem Netz vermittelt werden sollte, nämlich pornografischen, rassistischen und gewalttätigen Inhalten im Internet ausweichen zu können, schreiben sich 65 Prozent der Effizienzorientierten Performer zu, diese Fähigkeit sehr gut zu beherrschen (gesamt: 47 Prozent). Die Eltern klären ihre Kinder frühzeitig über Risiken im Netz auf und weisen sie darauf hin, welche Informationen man nicht online stellen sollte. Die Kinder dürfen zwar zum Teil auch eigenständig Spiele über App-Stores herunterladen, die Eltern begutachten dennoch überdurchschnittlich häufig die tatsächliche Auswahl der Spiele.

Die Eltern reglementieren, oft in Absprache mit ihren Kindern, die Dauer der an den verschiedenen Endgeräten wie Tablet, Smartphone und Computer/Laptop verbrachten Zeit. Effizienzorientierte Performer sind dennoch auch der Ansicht, dass man Kinder beim Umgang mit digitalen Medien „nicht komplett kontrollieren“ könne und sie diesbezüglich ihre eigenen Erfahrungen sammeln müssten. Beobachten Eltern jedoch negative Folgen, wie „Nervosität“ durch bestimmte Spiele oder „Reizüberflutungen“ durch einen zu hohen Medienkonsum, schränken sie die Medienzeiten ein oder verbieten bestimmte Spiele. Außerdem werden Verbote im Zusammenhang mit digitalen Medien zum Teil auch als Bestrafung (beispielsweise für schlechte Schulnoten) genutzt.

Mutter: „Du hast eine Fünf geschrieben. Und was ist dann die Konsequenz? Was durftest Du dann nicht mehr?“ Kind: „Fernsehen gucken. Und iPad eine Woche.“ (Tochter 8 Jahre)

Kompetenzen und Verantwortung

Sowohl die subjektiven Internetkenntnisse als auch die Begeisterung für das Netz übertragen sich von den Eltern aus dem Milieu der Effizienzorientierten Performer auf ihre Kinder. Die Kinder sind nicht nur häufiger als die Kinder anderer Milieus in der Lage, selbstständig eine Internetseite zu öffnen und sich beispielsweise Videos im Netz anzuschauen, sondern gehen einen Schritt weiter und würden am liebsten selber eigene Inhalte im Internet mit anderen teilen.

„Also, was die Jungs zum Beispiel unglaublich gerne mal machen würden, ist, von sich etwas auf YouTube einzustellen, weil sie das total cool finden, also, das hat halt auch etwas Selbstdarstellerisches. Und wenn die bei Mindcraft irgendwie eine Achterbahn erbaut haben, die irgendwie 900.000 km lang ist, dann würden sie das unglaublich gerne sharen.“ (Mutter, 3 Söhne: Zwillinge 7 Jahre und ein 9-Jähriger)

Aussagen mit über- und unterdurchschnittliche Zustimmung (Effizienzorientierte Performer)