3.2.3 Unbekümmerte Hedonisten (18 Prozent)

Unbekümmerte Hedonisten (18 Prozent)

„Da habe ich keine Angst, was soll da passieren? Toi, toi, toi, dass meine Kinder keine aufreizenden Fotos anschauen, also, was soll passieren? Die können ja da komplett machen, was sie wollen, da ist keine Sicherheit drin oder so. Ich habe keine Angst, also, was soll der Computer mir tun?“ (Mutter, Sohn 5 Jahre)

Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder, die dem Internet-Milieu der Unbekümmerten Hedonisten zuzuordnen sind, pflegen einen aktiven und mit Blick auf ihre Kinder lockeren Umgang mit digitalen Medien und dem Internet. Charakteristisch für ihren Erziehungsstil ist eine gewisse Laissez-faire-Haltung, die sich darin äußert, dass sie Kindern eher weniger Regularien auferlegen und sie häufig einfach „machen lassen“.

Das Werteprofil der Unbekümmerten Hedonisten ist geprägt durch eine distanzierte Haltung gegenüber Regeln und Anforderungen der Gesellschaft und eine unverkopfte Orientierung in Richtung Spaß und Unterhaltung. Die Eltern aus diesem Milieu sind im Milieu-Vergleich eher formal niedrig gebildet und entstammen überwiegend niedrigeren Einkommensschichten.

Der Fernseher spielt eine zentrale Rolle im Familienalltag der Unbekümmerten Hedonisten. Er wird oft nach dem Aufstehen eingeschaltet und läuft zuweilen den gesamten Tag über – zumindest im Hintergrund. Ein Drittel der Kinder aus diesem Milieu besitzt einen eigenen Fernseher, welcher dann oftmals im Kinderzimmer untergebracht ist.

„Also, meine haben alle einen Fernseher im Zimmer. Also, die Sharon und ihre Schwester Lea, die jetzt acht wird, die teilen sich ein Zimmer, haben einen Fernseher drin, und der Kleine und die Große auch. Drei Stück. Wir haben alle eigentlich. In jedem Raum steht bei mir ein Fernseher, außer auf Klo. Dazu bin ich noch nicht gekommen.“ (Mutter, Töchter 6 und 8 Jahre)

Kinder Unbekümmerter Hedonisten nutzen das Internet überdurchschnittlich intensiv: 18 Prozent der 3- bis 8-Jährigen sind am Wochenende über drei Stunden im Netz unterwegs (gesamt: 11 Prozent).

Gerätebesitz von Kindern

Das Internet dient dabei vor allem Unterhaltungszwecken; Lernspiele und -programme werden von den Kindern im Milieu-Vergleich seltener genutzt. Insbesondere die actionorientierten Unterhaltungs- und Spielangebote auf Toggo1 stehen bei ihnen deutlich höher im Kurs (49 Prozent, gesamt: 38 Prozent). Die Medienausstattung der Kinder ist umfassend. Insbesondere mit Spielekonsolen und Smartphones sind sie vergleichsweise gut ausgestattet. Beim Herunterladen von Spielen für das Smartphone wird seitens der Eltern in erster Linie darauf geachtet, dass diese kostenfrei sind. Die Wahl des Spiels wird häufig dem Kind überlassen.

Unbekümmerte Hedonisten-18-Prozent

Das Hineinwachsen in den digitalen Alltag wird weniger intensiv betreut und begleitet als in den anderen Internet-Milieus der Eltern. Die Kinder der Unbekümmerten Hedonisten sozialisieren sich im Umgang mit digitalen Medien und dem Internet häufig selbst. Die Eltern sind fasziniert von der schnellen Auffassungsgabe ihrer Kinder, wenn diese sich eigenständig neue Spiele auf den verschiedenen Endgeräten aneignen. 60 Prozent der Eltern sind der Meinung, dass sie ihr Kind im Umgang mit digitalen Medien kaum anzuleiten brauchen, da es diesen von ganz alleine lernt (gesamt 32 Prozent). Der Vater und die Mutter sind zwar die Hauptansprechpartner, wenn die Kinder der Unbekümmerten Hedonisten Fragen zum Internet haben. Allerdings werden den Kindern viele Freiräume im Umgang mit dem Internet gegeben. Frei nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ entwickeln die Kinder ihre digitalen Fähigkeiten häufig selbst. So haben sich 35 Prozent der Kinder, die zumindest manchmal online gehen, den Umgang mit dem Internet eigenständig beigebracht (gesamt: 15 Prozent).

Das Benennen konkreter Vorteile und Chancen digitaler Medien und des Internets für Kinder bereitet den Eltern aus dem Milieu der Unbekümmerten Hedonisten gewisse Schwierigkeiten – insbesondere im Vergleich zu den Eltern der beiden weiteren sehr internetaktiven Milieus der Digital Souveränen und Effizienzorientierten Performer. Statusgewinne, die Kindern durch den Besitz neuester mobiler Endgeräte zuteilwerden können, spielen aus Sicht der Unbekümmerten Hedonisten eine gewichtige Rolle, wenn es um Vorteile und Chancen digitaler Medien für Kinder geht. Computerspiele werden häufiger als nutzbringend empfunden, weil sie Kindern ermöglichen, mal abzuschalten und „runterzukommen“ (61 Prozent, gesamt: 40 Prozent).

„Chancen und Nutzen? Also ich … für mich ist es einfach, also, ich meine, das ist einfach die Zukunft. Und, ähm, also, ich damals, als Kind hatte ich so etwas nicht, aber da gab es das auch noch nicht so richtig. Und deswegen denke ich einfach, dass es mit dazugehört, dass die jetzt das alles schon so kennenlernen und damit so, ja, in Kontakt kommen.“ (Mutter, Tochter 5, Sohn 3 Jahre)

Chancen und Risiken digitaler Medien

Die Risikowahrnehmung der Unbekümmerten Hedonisten ist gering ausgeprägt. Risiken, wie z.B. nicht kindgerechte Inhalte, mit denen Kinder ungewollt konfrontiert werden könnten, oder ein noch nicht erlernter Umgang mit eigenen persönlichen Daten und Angaben, werden gesehen, erscheinen aber wenig handlungsrelevant. Die Eltern fühlen sich einerseits weniger in der Lage, für die Sicherheit ihres Kindes im Internet zu sorgen, andererseits zeichnen sie sich durch eine hohe Toleranzschwelle hinsichtlich dieses Unsicherheitsgefühls aus: Dem Spaß- und Unterhaltungsfaktor für die Kinder wird Vorrang gegeben. Regularien zum Medienkonsum, das heißt vor allem zum Spielen auf mobilen Endgeräten oder auf der sich häufig im Kinderzimmer befindenden Konsole, werden selten ergriffen bzw. durchgesetzt. Als Erklärungsmuster ziehen die Eltern die Befürchtung heran, dass Einschränkungen oder Verbote ein sich noch intensivierendes Interesse und Verlangen seitens der Kinder nach sich ziehen könnten. Dementsprechend überlässt man es gerne den Kindern selbst, zu entscheiden, „wann es genug ist mit der Medienzeit“.

„Das entscheiden die Kinder selber, weil umso mehr ich Fernsehen, Computer und so verbiete, umso mehr Interesse zeigen die daran. Aber wenn ich dann sage, komm, geh dran, dann sind sie vielleicht eine halbe Stunde dran und dann eigentlich über den Tag verteilt, weiß gar nicht, ich gucke da nicht so auf die Uhr. Ich habe da auch nicht so den Draht zu.“ (Mutter, Sohn 5 Jahre)

Unvorhergesehene Situationen im Medienalltag der Kinder sind in den Familien der Unbekümmerten Hedonisten an der Tagesordnung: Dass die Kinder ungefragt Inhalte aus dem Netz herunterladen oder sich heimlich ein mobiles Endgerät wie Smartphone oder Tablet „schnappen“, um darauf zu spielen, ist keine Ausnahme. Die Erlaubnis, an den verschiedenen Endgeräten zu spielen oder sich noch weitere Videos im Internet anzuschauen, wird – als Erziehungsmaßnahme – gerne gekoppelt an Belohnungen oder Bestrafungen. Digitale Medien und das Internet dienen zudem häufig der Entlastung bei der Kinderbetreuung bzw. der Beschäftigung der Kinder.

Kompetenzen und Verantwortung

Unbekümmerte Hedonisten liegen bzgl. der sich selbst zugeschriebenen Internetkenntnisse leicht über dem Milieudurchschnitt. Digitale Kompetenzen, die Kindern aus Elternsicht vermittelt werden sollten, werden allerdings insgesamt als weniger wichtig erachtet: Die eigene Privatsphäre schützen zu können, halten 43 Prozent der Eltern aus diesem Internetmilieu für eine wichtige Fähigkeit, die an Kinder weitergegeben werden sollte (gesamt: 60 Prozent). Auch die sich selbst zugeschriebene Kompetenz hinsichtlich dieser Fähigkeit fällt im Milieuvergleich deutlich geringer aus – 30 Prozent halten sich diesbezüglich für sehr kompetent (gesamt: 40 Prozent). Die Eltern sehen sich zwar als die Hauptverantwortlichen, wenn es darum geht, Kindern einen kompetenten Umgang mit dem Internet beizubringen. Im Milieuvergleich sehen sie jedoch überdurchschnittlich oft die Verantwortung auch bei der Schule und allgemeiner dem Staat.

Unbekümmerte Hedonisten vertrauen relativ sorglos darauf, dass ihren Kindern im Netz nichts passiert und sie nur kindgerechte Seiten besuchen. Konkrete Sicherheitsvorkehrungen für den Schutz der eigenen Kinder treffen sie vergleichsweise selten. Dass die Eltern Kinder- und Jugendschutzprogramme auf den Geräten installieren, mit denen die Kinder online gehen, findet im Milieuvergleich am seltensten statt (32 Prozent, gesamt: 54 Prozent). Charakteristisch für die Eltern aus diesem Milieu ist es, „aus dem Bauch heraus“ zu handeln und weniger an mögliche Konsequenzen des eigenen Handelns oder das der eigenen Kinder zu denken. Informationen oder unterstützende Maßnahmen, um für mehr Sicherheit ihrer Kinder im Umgang mit digitalen Medien zu sorgen, empfinden sie im Vergleich zu den Eltern aus den anderen Internet-Milieus überdurchschnittlich oft als uninteressant.

Aussagen mit über- und -unterdurchschnittlicher Zustimmung (Unbekümmerte Hedonisten)

 

  1. Das Portal Toggo ist ein Angebot der RTL DISNEY Fernsehen GmbH & Co. KG („SUPER RTL“). [↩︎]