3.2.4 Postmaterielle Skeptiker (13 Prozent)

Postmaterielle Skeptiker (13 Prozent)

„Diese digitalen Lernspiele würde ich vielleicht … so spät wie möglich erlauben, aber mit der Schulzeit vielleicht. Ich sehe das als nicht so sinnvoll an, weil die meisten Sachen, die man da lernen kann, die kann man auch irgendwie anders lernen. Durch Holzspiele oder Erfahrungen. […] Aber ich möchte das ja auch nicht bremsen, diese Technikfaszination. Weil er soll schon alles wissen, aber es ist halt so zwiespältig.“ (Mutter, Tochter 4 Jahre, Sohn 7 Jahre)

Die dem Internet-Milieu der Postmateriellen Skeptiker zuzuordnenden Eltern zeichnen sich durch eine kritische Einstellung gegenüber der Konsum- und Mediengesellschaft aus. Sie sind zwar der Meinung, dass sie ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet nicht verwehren können, wenn diese den Anschluss an die heutige Informations- und Wissensgesellschaft nicht verpassen sollen. Sie selbst als Eltern empfinden jedoch häufig eine Verunsicherung insbesondere gegenüber dem Internet. Sie stellen oftmals hohe Ansprüche an ihre Erziehungsleistung, dabei ist es ihnen wichtig, ihre Kinder zu „fördern“, aber nicht zu „überfordern“. Diese Eltern gehören zu den mittleren bis höheren Einkommens- und Bildungsschichten.

Die Kinder Postmaterieller Skeptiker gehen etwas seltener als der Durchschnitt der Kinder aller Internet-Milieus ins Netz. So wie die Eltern selbst das Internet sehr selektiv und explizit für bestimmte Zwecke nutzen, lenken und gestalten sie die Internetnutzung ihrer Kinder in diesem Sinne und führen überdurchschnittlich oft Gespräche mit ihnen über die Vor- und Nachteile des Internets.

Die Kinder der Postmateriellen Skeptiker besitzen im Milieuvergleich etwa durchschnittlich viele eigene Endgeräte wie beispielweise Computer/Laptops oder Spielekonsolen. Es wird seitens der Eltern allerdings großer Wert darauf gelegt, dass sich die Geräte nicht in den Kinderzimmern befinden, weil ein unkontrollierter Zugang vermieden werden soll. Auch die Dauer, die 3- bis 8-Jährige dieses Internet-Milieus an den verschiedenen Endgeräten und im Internet verbringen, bewegt sich im Milieuvergleich im Mittelfeld; allerdings sind die Eltern sehr darauf bedacht, ihren Kindern bewusst die Inhalte wie Videos oder Sendungen im Internet oder Filme auf DVD auszuwählen.

„Ja, also, das ist ein alter Fernseher, wir haben keinen Flachbildschirm, weil wir haben noch einen Fernseher, einen alten von meinem Vater und noch einen alten von meiner Oma, und wir haben gesagt, wir verbrauchen die erst mal, bevor wir uns einen Flachbildschirm kaufen. Und so lange die halten, wird auch nichts Neues gekauft, weil ich denke, das ist eine überflüssige Geldausgabe, wenn man so Geräte hat.“ (Mutter, Tochter 4 Jahre, Sohn 7 Jahre)

Geraetebesitz von Kindern

Die Postmateriellen Skeptiker erleben, dass ihre Kinder medienbegeistert und sehr wissbegierig hinsichtlich der verschiedenen Endgeräte und auch des Internets sind. Um die kindliche Affinität zu digitalen Medien zu unterstützen, diese aber nicht den Alltag dominieren zu lassen, begleiten die Eltern ihre Kinder sehr intensiv. Sie setzen sich zum Beispiel an vereinbarten „Medientagen“ gemeinsam mit ihren Kindern an den Computer und besuchen bestimmte Internetseiten oder suchen konkrete Informationen heraus. Im Milieuvergleich spielen die Kinder deutlich weniger Spiele, die der reinen Unterhaltung dienen. Außerdem informieren sich die Postmateriellen Skeptiker häufig über für Kinder geeignete Medieninhalte. 65 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind aus Sicherheitsgründen nur im Beisein eines Elternteils ins Internet gehen darf (gesamt: 46 Prozent).

„Das ist das Zimmer von meiner Tochter. Also, hier ist auch nichts mit …, ich möchte auch nicht, dass hier irgendwie Computer stehen oder Fernseher oder so. Sie hat hier auch einen Schreibtisch, und da soll sie basteln und … ja.“ (Mutter, Sohn 6 Jahre, Tochter 8 Jahre)

Postmaterielle Skeptiker

Die Postmateriellen Skeptiker nutzen das Internet sehr selektiv und beurteilen dementsprechend auch die Chancen. Die größten Errungenschaften digitaler Medien und insbesondere des Internets werden in den Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten gesehen. Das Internet sei praktisch, um schnell auf spezifisches Wissen zugreifen zu können. Dennoch weisen sie darauf hin, dass die vorgefundenen Informationen „nicht nur konsumiert“, sondern auch kritisch hinterfragt und abgewogen werden müssten. Dass das Internet ein großes Informationsangebot auch für Kinder biete, sehen die Eltern im Milieuvergleich seltener als Vorteil bzw. Chance. Auch das leichtere Erklären von Zusammenhängen mithilfe von Bildern und Videos aus dem Netz empfinden sie seltener als Vorteil des Netzes (48 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 59 Prozent).

Postmaterielle Skeptiker heben sich in ihrer Risikowahrnehmung in Bezug auf das Internet nicht besonders von den anderen Internet-Milieus ab – im Vordergrund stehen hier ein noch nicht erlerntes Einschätzen richtiger und falscher Informationen, das Preisgeben zu vieler „privater“ Informationen und die Gefahr des Mobbings. Leicht überdurchschnittlich oft sind die Eltern aber der Meinung, dass man Kinder aufgrund der Gefahren des Internets so lange wie möglich von diesem fernhalten sollte.

Deutliche Risiken für Kinder sehen sie im Zusammenhang mit Spielen auf Computern, Smartphones oder Spielekonsolen: Die Konzentrationsfähigkeit nehme ab, und die Eltern befürchten, dass durch einen zu hohen Konsum die Fantasie und Kreativität der Kinder verloren gehe. Außerdem wird bemängelt, dass man sich, beispielsweise über Apps für die Organisation des Alltags (wie digitale Karten oder Stadtpläne) zu sehr von mobilen Endgeräten abhängig mache; kognitive Fähigkeiten, wie ein guter Orientierungssinn, gingen verloren. Auch die Rechtschreibung und das Ausdrucksvermögen sehen sie beispielsweise durch die Nutzung von Messenger-Diensten oder Online-Communitys gefährdet.

„Also …, ja, Handy, sie fragen ab und zu mal, wann kriegen wir eins? Muss jetzt noch nicht sein, ja. Also, ich kann es bis jetzt noch irgendwie unterdrücken. Ich sehe da irgendwie keine Notwendigkeit. Ja, und dann … ich meine, diese ganze Facebook-Geschichte, erst mal, ich werde versuchen, auch das so irgendwie zu erklären, dass das nicht unbedingt notwendig ist.“ (Mutter, Töchter – Zwillinge, 8 Jahre)

Chancen und Risiken digitaler Medien

Der Familienalltag im Milieu der Postmateriellen Skeptiker ist geprägt von Routinen und Regeln. So wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden und diese Zeit bewusst miteinander verbracht wird. Dass beispielsweise der Fernseher nebenher läuft, gibt es so gut wie gar nicht. Wenn die Eltern bemerken, dass selbst der häufig stark reglementierte Umgang mit den verschiedenen Endgeräten einen negativen Einfluss auf die Kinder hat, wie beispielsweise die Einforderung längerer Medienzeiten seitens der Kinder, schreiten die Eltern ein. Dass die Postmateriellen Skeptiker sich selbst Freiräume schaffen, indem sie ihre Kinder beispielsweise in Situationen, in denen sie als Eltern gestresst sind, auch mal länger mit Smartphone, Laptop und Co. spielen lassen, kommt im Milieuvergleich deutlich seltener vor (39 Prozent, gesamt: 49 Prozent).

„Ja, na ja, also, solche Sachen wie das Dosentelefon meiner Kinder finde ich eben schön, dass es nicht so hyper-, megatechnische Sachen sind, sondern mit solchen Dingern beschäftigen sie sich dann eben auch. Technik ist gut und schön, aber solche Sachen finde ich eben auch schön.“ (Mutter, Töchter – Zwillinge, 8 Jahre)

Kompetenzen und Verantwortung

Die subjektiven Internetkenntnisse der Postmateriellen Skeptiker bewegen sich mit Blick auf die anderen Internet-Milieus im Mittelfeld. Die sich selbst zugeschriebenen Fähigkeiten, Kindern den Umgang mit digitalen Medien beizubringen und für die Sicherheit des eigenen Kindes im Internet zu sorgen – wenn das eigene Kind ins Netz geht –, sind dagegen geringer ausgeprägt als im Milieudurchschnitt. Geht es um spezifische, aus Elternsicht wichtige Kompetenzen für Kinder, zeigen sich auch hier Defizite: Nur 28 Prozent der Postmateriellen Skeptiker, deren Kinder online gehen, sehen sich sehr gut in der Lage, die eigene Privatsphäre zu schützen (gesamt: 37 Prozent). Die sichere Gestaltung der Internetnutzung ihrer Kinder hat einen hohen Stellenwert. Zwei Drittel der Eltern, deren Kinder online gehen, haben Kinder- und Jugendschutzprogramme installiert, die bestimmte Inhalte sperren, damit die Kinder nicht auf unangemessene Internetseiten geraten können. 56 Prozent der Eltern haben eine kindgerechte Startseite eingerichtet (gesamt: 47 Prozent).

Postmaterielle Skeptiker sind besonders bemüht, wenn es um das Begleiten ihrer Kinder in die digitale Welt geht. Gleichzeitig sehen sie sich selbst weniger in der Lage als andere Eltern, ihren Kindern einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln und für ihre Sicherheit im Netz zu sorgen. Dementsprechend zeigen sie einen im Milieuvergleich überdurchschnittlichen Wunsch nach Informationen im Bereich des Schutzes der Daten von Kindern im Netz und zu den Gefahren beim Surfen im Internet.

Aussagen mit über- und -unterdurchschnittlicher Zustimmung (Postmaterielle Skeptiker)