3.2.5 Verantwortungsbedachte Etablierte (9 Prozent)

Verantwortungsbedachte Etablierte (9 Prozent)

„Ich denke, am allerwichtigsten ist es, bei den Kindern so viele Interessen außerhalb der digitalen Welt wie möglich irgendwie zu wecken. Also, dass die digitale Welt nur ein Mittel zum Zweck ist.“ (Mutter, Sohn 5 Jahre, Tochter 4 Jahre)

Die Eltern aus dem Internet-Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten haben einen pragmatischen, aber zurückhaltenden Zugang zu digitalen Medien. Die technischen Möglichkeiten dienen als „Mittel zum Zweck“ und erleichtern im besten Fall die Arbeit. Ein „Sich-dominieren-Lassen“ von digitalen Medien und dem Internet – bespielsweise durch eine ständige Erreichbarkeit – lehnen sie ab. Die Verantwortungsbedachten Etablierten lassen sich als leistungs- und sicherheitsorientiert, pragmatisch und traditionell beschreiben. Sie haben ein gehobenes Bildungsniveau und gehören zu den Besserverdienern.

Insbesondere mit Blick auf die berufliche Zukunft ihrer Kinder und um grundsätzlich „mit der Zeit zu gehen“, möchten sich die Eltern digitalen Medien gegenüber nicht verschließen. Sie denken zwar mehrheitlich, dass Kinder den Umgang mit digitalen Medien frühzeitig erlernen sollten – alle anderen sechs Internet-Milieus stimmen hier aber stärker zu. Besonders wichtig ist ihnen ein kontrollierter und „sinnvoller Einsatz“ digitaler Medien und des Internets insbesondere im Zusammenhang mit der Suche nach und der Nutzung von Informationen. Die Kinder der Verantwortungsbedachten Etablierten gehen seltener ins Internet als der Durchschnitt der Kinder aller Milieus. Die Dauer, die sie im Netz verbringen, ist gering ausgeprägt; am Wochenende sind 3 Prozent der 3- bis 8-jährigen Internetnutzer länger als zwei Stunden online (gesamt: 11 Prozent). Ähnlich zurückhaltend wie die Eltern im Umgang mit digitalen Medien sind, steht das Spielen mit Spielekonsole, Smartphone und Computer/Laptop bei ihren Kindern als Freizeitaktivität deutlich niedriger im Kurs als bei den Kindern der anderen Internet-Milieus.

„Also, ich benutze es ja zu Hause, ich sage jetzt mal, die Google-Funktion, wenn man was sucht, wenn man was online bestellt oder so. Und ansonsten … Ja, oder Wikipedia. Oder mit meinem großen Sohn muss ich dann halt mal für Referate dann auch was nachschlagen. Das ist eigentlich die Hauptsache. Oder E-Mail-Verkehr, wenn man so was Privates zu schreiben hat. Für mehr benutze ich das Internet nicht.“ (Mutter, Söhne 5 und 11 Jahre)

Gerätebesitz von Kindern

Die Kinder aus dem Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten besitzen seltener und später als der Durchschnitt der Kinder aller Internet-Milieus verschiedene Endgeräte wie Smartphones, Computer/Laptops oder Handys.

Die Eltern lenken und leiten das Hineinwachsen ihrer Kinder in die digitalisierte Welt sehr intensiv und genau. Sie zeigen sich als sehr engagiert und involviert, nicht nur, wenn es darum geht, was ihre Kinder auf Tablets, Smartphones oder Computern/Laptops machen, sondern auch, wenn es um einen Einblick in die Aktivitäten ihrer Kinder mit digitalen Medien in der Schule oder Kita geht. Verantwortungsbedachte Etablierte sind im Milieuvergleich am seltensten der Auffassung, dass Kinder den Umgang mit digitalen Medien von ganz allein lernen und man sie dabei kaum anleiten bräuchte (17 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 32 Prozent). Die Eltern sehen sich überdurchschnittlich oft als Hauptverantwortliche, wenn es darum geht, Kindern den Umgang mit digitalen Medien beizubringen. Und sie rüsten sich umfassend für diese Aufgabe: Sie informieren sich regelmäßig darüber, welche Medieninhalte für ihre Kinder geeignet sind, und führen besonders häufig Gespräche mit Freunden, die selbst Kinder haben, wenn sie Erziehungsfragen in Sachen Internet haben. Besonders genau werden auch die von ihren Kindern gewünschten Spiele unter die Lupe genommen, bevor diese heruntergeladen werden.

„Also, ich kenne viele Freunde von meinem Sohn, die haben jetzt schon so eine PlayStation Portable und so was, und das kommt mir halt noch überhaupt nicht in die Tüte. Und ich denk einfach, da ist so ein, so ein kleines Köpfchen noch total mit überfordert.“ (Mutter, Sohn 5 Jahre, Tochter 4 Jahre)

Verantwortungsbedachte Etablierte

Die Eltern aus dem Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten sehen die Chancen digitaler Medien hauptsächlich in einer praktischeren Alltagsorganisation. Insbesondere das Internet wird für die einfache Informationsbeschaffung geschätzt und genutzt. Im Zusammenhang mit Kindern wird das Internet hauptsächlich zum Schauen von Filmen und Videos verwendet. Dabei werden explizit Formate mit möglichst „lehrreichen“ und „kulturellen“ Inhalten präferiert und ausgewählt. Die Eltern schätzen insbesondere die Möglichkeit, unabhängig die für Kinder geeigneten Inhalte wählen zu können, vor allem auf den Internetseiten von Fernsehsendern wie beispielsweise KiKA1 .

Praktisch ist das Internet aus Sicht der Verantwortungsbedachten Etablierten auch für Kommunikationszwecke. So sehen sie die Vorteile von E-Mail-Verkehr oder auch von Videotelefonie wie Skype insbesondere in der Schnelligkeit dieser Kommunikationswege und dem „einfachen Kontakthalten“ mit Freunden und Familie. Gleichzeitig leiten sie aus diesem eigenen Verhalten nicht automatisch Chancen des Internets für ihre Kinder ab.

Chancen und Risiken digitaler Medien

Aus Sicht der Verantwortungsbedachten Etablierten überwiegen die Risiken und Gefahren digitaler Medien für Kinder im Vergleich zu den Chancen und Vorteilen. Ihrer Meinung nach sind Kinder nicht in der Lage, das umfassende Informationsangebot des Internets sinnvoll und nutzbringend einzusetzen. Sie würden stattdessen Gefahr laufen, über unpassende, weil zu gewalthaltige Inhalte zu stolpern. Die Sorge, dass Kinder im Netz zu viel von sich preisgeben, ist in diesem Internet-Milieu am stärksten ausgeprägt (89 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 78 Prozent). Dem praktischen Zweck der schnellen Informationsgewinnung im Internet stellen die Verantwortungsbedachten Etablierten eine „zunehmende Faulheit“ oder Bequemlichkeit gegenüber. Die Kinder würden sich nicht mehr intensiv mit Inhalten auseinandersetzen und differenzieren, sondern nur noch schnell etwas anklicken und das Gefundene als „real“ bzw. „wahr“ hinnehmen. Auch die Kommunikationsmöglichkeiten über das Netz werden oftmals nicht nur als Gewinn dargestellt, in Online-Communitys oder beim Schreiben von Kurznachrichten würden ständig Abkürzungen benutzt, was zur „Verkümmerung“ der Sprache beitrage.

Das Lernen mit digitalen Medien spielt im Alltag der Kinder aus dem Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten keine ausgeprägte Rolle. Die Eltern zeigen eine grundsätzlich kritische Haltung gegenüber dem Spielen am Computer, Smartphone oder Tablet; ihre Kinder beschäftigen sich insgesamt deutlich seltener sowohl mit Lern- als auch mit Unterhaltungsspielen als der Durchschnitt der Kinder aller Internet-Milieus.

„Ja, es ist halt einfach erwiesen, dass Kinder in dem Alter noch ganz andere Dinge erfahren, lernen und verknüpfen müssen, bevor sie wirklich in der Lage sind, so Computerspiele, also gerade schnelle Spiele richtig umsetzen zu können. Da kann man mehr Schaden mit anrichten, als dass man ihnen was Gutes tut.“ (Mutter, Tochter 5 Jahre, Sohn 4 Jahre)

Häufig ist der Familienalltag streng organisiert, und die Freizeit der Kinder ist zeitlich und inhaltlich durchgeplant. Die Kinder nehmen nach der Schule vielfach sportliche Aktivitäten wahr oder werden musikalisch gefördert. Zwar geben 74 Prozent der 6- bis 8-jährigen Kinder aus dem Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten an, dass sie gerne mehr am Computer oder der Spielekonsole spielen würden, Auseinandersetzungen hinsichtlich zeitlicher Eingrenzungen des Spielens an verschiedenen Endgeräten oder des Schauens von Videos oder Filmen im Netz gibt es laut Angaben der Eltern allerdings nicht besonders oft.

Kompetenzen und Verantwortung

Die subjektive Internetkompetenz sowohl der Eltern als auch der Kinder aus dem Milieu der Verantwortungsbedachten Etablierten bewegt sich im Milieuvergleich im Mittelfeld zwischen einem versierten Umgang damit und einer geringen Kenntnis von dessen Möglichkeiten. Insbesondere die aus Sicht der Eltern für Kinder sehr relevanten Fähigkeiten im Umgang mit dem Netz (Schutz der eigenen Privatsphäre und ein Vermeiden nicht kindgerechter Inhalte) beherrschen sie – ihrer eigenen Einschätzung nach – deutlich weniger gut als der Durchschnitt der Eltern. Da das Thema „Sicherheit im Internet“ mit Blick auf ihre Kinder jedoch einen besonders hohen Stellenwert hat, versuchen die Verantwortungsbedachten Etablierten die Internetnutzung ihrer Kinder (wenn sie online gehen) so sicher wie möglich zu gestalten: 65 Prozent der Eltern haben Kinder- und Jugendschutzprogramme installiert (gesamt: 54 Prozent), und 59 Prozent haben – im Milieuvergleich am häufigsten – eine kindgerechte Startseite eingerichtet (gesamt: 47 Prozent). Dass sie aus Sicherheitsgründen dabei sind, wenn ihre Kinder online gehen, ist – abgesehen von den Postmateriellen Skeptikern – häufiger der Fall als in allen anderen Milieus.

Verantwortungsbedachte Etablierte sind offen für Beratungsangebote und wünschen sich überdurchschnittlich oft Informationen zum Schutz der Daten ihres Kindes im Internet und zu Möglichkeiten, bestimmte Websites zu sperren oder Downloads zu verhindern.

Aussagen mit über- und -unterdurchschnittlicher Zustimmung (Verantwortungsbedachte Etablierte)

  1. Der Kinderkanal KiKA von ARD und ZDF ist ein Gemeinschaftsprogramm der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF). [↩︎]