3.2.6 Ordnungsfordernde Internet-Laien (9 Prozent)

Ordnungsfordernde Internet-Laien (9 Prozent)

„Also, man kommt nicht drum rum, weil es eben dieses Zeitalter ist. Aber wenn man den Kindern zeigt, es gibt noch Alternativen zu dem Ganzen, also, man kann einen Brief auch mit der Hand schreiben z.B. Also, so mache ich es meistens, ich schreibe noch Briefe mit der Hand, egal ob an den Vermieter oder sonst irgendwo hin, weil ich einfach schneller bin, ehe ich da was angeschlossen habe und ausgedruckt habe und eh ich das getippt habe, Blatt Papier, schreiben, Briefumschlag – fertig. Und solange das meine Kinder auch noch mitkriegen, dass man sich anders beschäftigen kann, ist, denke ich, die Welt völlig in Ordnung.“ (Mutter, Tochter 3 Jahre, Sohn 5 Jahre)

Die Eltern, die dem Internet-Milieu der Ordnungsfordernden Internet-Laien zuzuordnen sind, haben sowohl privat als auch beruflich wenige Berührungspunkte mit digitalen Medien. Sie sehen für sich kaum einen persönlichen Mehrwert beispielsweise durch die Internetnutzung. Den Teilhabechancen ihrer Kinder hinsichtlich Bildung und Beruf kommt eine ausgeprägte Bedeutung zu, die Kinder „sollen es später mal besser haben“ als sie selbst. Ein frühzeitiges Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien steht für die Eltern aber seltener im Zusammenhang mit zukünftigen Teilhabechancen von Kindern als für den Durchschnitt der Eltern 3- bis 8-Jähriger. Ordnungsfordernde Internet-Laien fühlen sich im Milieuvergleich weniger in der Lage, ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet beizubringen, und verlagern die Verantwortung dafür deutlich häufiger an die Bildungseinrichtungen der Kinder: 29 Prozent der Eltern geben an, dass sie die Schule als hauptverantwortlich dafür sehen, Kindern einen kompetenten Umgang mit dem Internet beizubringen (gesamt: 13 Prozent). Das Werteprofil der Ordnungsfordernden Internet-Laien zeichnet sich durch Struktur, Beständigkeit und langfristige Sicherheit aus. Sie gehören eher zu den Mittel- bis Geringverdienern und sind bei den mittleren bis niedrigen Bildungsgraden einzuordnen.

Dass die Kinder Ordnungsfordernder Internet-Laien ins Internet gehen, findet im Milieuvergleich – abgesehen vom Milieu der Internetfernen Verunsicherten – deutlich seltener statt. 20 Prozent der 3- bis 8-jährigen Kinder gehen online (gesamt: 28 Prozent). Von diesen verbringen – an einem Tag am Wochenende – allerdings leicht überdurchschnittlich viele Kinder mehr als drei Stunden im Netz. Auch der Anteil derjenigen Kinder, die an einem Wochenende mehr als drei Stunden an der Spielekonsole verbringen, ist – verglichen mit den anderen Internet-Milieus – mit 12 Prozent am stärksten ausgeprägt.

Geraetebesitz von Kindern

Eltern aus diesem Internet-Milieu schreiben sich selbst sehr geringe Internetkenntnisse zu, sie rangieren wie ihre Kinder – vor dem Milieu der Internetfernen Verunsicherten – auf dem zweitletzten Platz. Das Netz bedeutet für die Eltern ein unüberschaubares Feld mit vielen Unwägbarkeiten, mit dem sie sich oftmals „nicht mehr als nötig“ auseinandersetzen wollen. Zwar sind die Eltern die primären Ansprechpartner für ihre Kinder, wenn diese Fragen zum Internet haben. Überdurchschnittlich oft werden von den Kindern aber auch die Lehrer bzw. Erzieher zurate gezogen (16 Prozent, gesamt: 9 Prozent). Ordnungsfordernde Internet-Laien sind relativ wenig engagiert, wenn es um das Heranführen ihrer Kinder an digitale Medien und das Internet geht. Sie informieren sich deutlich seltener als der Durchschnitt der Eltern über geeignete Medieninhalte für ihre Kinder und führen wesentlich seltener Gespräche mit ihren Kindern über die Vor- und Nachteile des Internets. Sie möchten ihren Kindern den Zugang zu digitalen Medien zwar nicht gänzlich verschließen, da sie ihre Verbreitung als unumgängliche Entwicklung „akzeptieren“. Dennoch führt insbesondere die eigene Unsicherheit im Umgang mit dem Netz dazu, dass die Eltern ihren Kindern den Zugang zum Internet überdurchschnittlich oft verbieten.

„Der Zugang zum PC ist schon beschränkt, also, für meinen Sohn. Denn man weiß auch nicht, was der dann so alles macht. Ich kenn mich damit ja auch nicht gut aus, wenn er dann irgendwas verstellt oder so was, dann verstehe ich ja selbst nicht, was er da gemacht hat. Das ist dann schon ein komisches Gefühl.“ (Vater, Sohn 8 Jahre)

 

Ordnungsfordernde Internet-Laien

Die Ordnungsfordernden Internet-Laien haben ein ambivalentes Verhältnis zu digitalen Medien. Insbesondere hinsichtlich des Internets realisieren sie nur sehr eingeschränkt konkrete Vorteile und Chancen für sich, aber auch für ihre Kinder. Grundsätzlich sind sie der Meinung, dass das Informationsangebot des Internets auch für ihre Kinder nützlich sei. Dass aber zum Beispiel Bilder und Videos aus dem Netz hilfreich sein könnten, um Kindern Zusammenhänge einfacher erklären zu können, sehen sie deutlich seltener als Vorteil des Internets (36 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 59 Prozent). Dem Thema „Lernen mithilfe digitaler Medien“ können die Eltern nur geringfügig Chancen und Vorteile abgewinnen und bringen ihren Kindern das Lernen mit Lernspielen oder Lernprogrammen nicht von selbst näher. Die Kinder spielen seltener Lernspiele als der Durchschnitt der Kinder aller Milieus und erleben deutlich seltener eine gesteigerte Lust am Lernen, wenn dieses mit Lernprogrammen oder Lernspielen statt mit Papier und Stift stattfindet. Dementsprechend nehmen auch die Eltern seltener wahr, dass Lernspiele am Computer die Lust von Kindern am Lernen vergrößern (49 Prozent, gesamt: 57 Prozent).

Sehr viel ausgeprägter als die Chancen nehmen die Ordnungsfordernden Internet-Laien die Risiken und Gefahren digitaler Medien und des Internets für Kinder wahr. Nicht kindgerechte Inhalte, über die Kinder im Netz, aber auch in Computerspielen „stolpern“ können, Mobbing über das Internet, aber auch die Sorge, dass Kinder durch das Internet „vereinsamen“ – diese Gefahren sehen die Eltern besonders ausgeprägt. Der Aussage, dass das Internet gefährlich für das eigene Kind sei und man es deshalb so lange wie möglich davon fernhalten sollte, stimmen 71 Prozent der Eltern voll und ganz/eher zu, im Milieuschnitt sind dies 54 Prozent.

Chancen und Risiken digitaler Medien

Digitale Medien spielen im Familienalltag der Ordnungsfordernden Internet-Laien und damit in der Lebenswelt, in der die Kinder aufwachsen, eine untergeordnete Rolle. Die Eltern legen Wert darauf, dass ihre Kinder „normale Sachen“ spielen, das heißt sich draußen aufhalten oder sich auch zu Hause mit Spielen abseits digitaler Medien beschäftigen. Die vorhandenen Endgeräte wie Smartphone, Computer oder Tablet werden vergleichsweise oft durch Passwörter oder Codes gesperrt, sodass die Kinder sie nicht ungefragt nutzen können (73 Prozent, gesamt: 64 Prozent). Die Spielzeiten werden gemeinsam festgelegt. Laut den Eltern gibt es kaum Streitigkeiten, wenn das Spielen an einem Gerät wie Spielekonsole oder Smartphone beendet werden soll.

„Wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, dann beschäftigt man sich mit den Kindern, aber vor dem Computer sitzt man dann gar nicht mehr.“ (Vater, Töchter 3 und 10 Jahre, Sohn 5 Jahre)

Kompetenzen und Verantwortung

Die Eltern aus dem Milieu der Ordnungsfordernden Internet-Laien fühlen sich weniger in der Lage, für die Sicherheit ihres Kindes im Netz zu sorgen (70 Prozent der Eltern, deren Kinder ins Internet gehen, stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 80 Prozent). Bei den aus ihrer Sicht wichtigen Kompetenzen, die Kindern für einen versierten Umgang mit dem Internet vermittelt werden sollten, zeigen sich klare Defizite bzgl. der eigenen Fähigkeiten, insbesondere, wenn es um den Schutz der eigenen Privatsphäre im Netz geht. Auch die Fähigkeit, nicht kindgerechten Inhalten im Netz ausweichen zu können, sprechen sie sich selbst seltener zu als der Durchschnitt der Eltern.

Ordnungsfordernde Internet-Laien ergreifen wenige Maßnahmen, um die Internetnutzung ihrer Kinder sicher zu gestalten. Abgesehen davon, dass sie vergleichsweise oft Pop-up-Blocker auf Computern/Laptops installieren, sind ihnen weitere Maßnahmen oftmals nicht präsent oder erscheinen ihnen als zu kompliziert und aufwendig in der Anwendung. Entsprechend groß ist auch ihr Informationsbedarf, insbesondere zu konkreten Möglichkeiten zum Schutz der Daten ihrer Kinder im Internet und zu technischen Möglichkeiten, die Internetnutzung ihrer Kinder zu beschränken.

„Nein, da bin ich wirklich … Ich bin froh, dass ich mit dem Fernseher zurechtkomme, obwohl, das ist jetzt übertrieben, aber dass ich einigermaßen durchkomme, und wenn ich da drauf müsste, auf ein System oder auf einen Ordner oder sonst irgendwas, da stellen sich mir die Nackenhaare auf, weil ich gar nicht weiß, wie das funktioniert.“ (Vater, Töchter 3 und 10 Jahre, Sohn 5 Jahre)

Aussagen mit über- und unterdurchschnittlicher Zustimmung (Ordnungsfordernde Internet-Laien)