3.2.7 Internetferne Verunsicherte (6 Prozent)

Internetferne Verunsicherte (6-Prozent)

Die Eltern, die dem Internet-Milieu der Internetfernen Verunsicherten zuzuordnen sind, haben kaum Verständnis für die Existenz digitaler Technologien. Das Internet wird häufig als bedrohlich empfunden, sie fühlen sich überfordert und sind verunsichert, wenn sie mit dem Netz in Kontakt kommen. Die Eltern aus diesem Milieu bewegen sich mit ihren Einstellungen bzgl. digitaler Medien zum Teil fernab der anderen Internet-Milieus.

Die Internetfernen Verunsicherten fühlen sich im Gefüge der modernen Gesellschaft an den Rand gedrängt und neigen hinsichtlich digitaler Medien dazu, die Vergangenheit romantisch zu verklären, als man noch „ganz selbstverständlich“ einen Brief abschickte, anstatt eine „unpersönliche E-Mail schreiben zu müssen“. Das Werteprofil der Internetfernen Verunsicherten zeichnet sich durch Sparsamkeit, Genügsamkeit, Sicherheit und Ordnung aus. Sie lassen sich überwiegend der unteren Bildungsschicht zuordnen und gehören zu den Geringverdienern.

Die subjektive Internetkompetenz sowohl der Eltern als auch der Kinder ist im Milieuvergleich am geringsten ausgeprägt. Hinsichtlich der sich selbst zugeschriebenen Fähigkeit, ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet beizubringen, sind die Eltern aus dem Milieu der Internetfernen Verunsicherten deutlich abgeschlagen (20 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 78 Prozent). Dementsprechend übertragen die Eltern die Verantwortung für die Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit dem Internet deutlich häufiger auf den Staat (31 Prozent, gesamt: 15 Prozent). Vier von fünf Vertretern dieses Milieus sind der Auffassung, dass Kinder aufgrund der Gefahren, die das Internet birgt, so lange wie möglich von diesem ferngehalten werden sollten (gesamt: 54 Prozent).

85 Prozent der Kinder der Internetfernen Verunsicherten gehen nicht ins Internet (gesamt: 72 Prozent). Der Grund dafür liegt, abgesehen von einem überdurchschnittlich oft ausgesprochenen Verbot seitens der Eltern, auch im Nichtvorhandensein eines Internetanschlusses – was bei den anderen Internet-Milieus so gut wie nicht vorkommt. Ähnlich verhält es sich bei den verschiedenen Endgeräten wie Tablets, Computern/Laptops und Smartphones – Letzteres wird von den Kindern nicht genutzt, weil 45 Prozent der Familien keines besitzen (gesamt: 22 Prozent). Auch die Nutzungsintensität derjenigen Kinder, die Zugriff auf das Internet haben, fällt im Milieuvergleich gering aus: Unter der Woche geht beispielsweise über die Hälfte der 3- bis 8-Jährigen aus diesem Milieu gar nicht online (gesamt: 16 Prozent).

Geraetebesitz von Kindern

Internetferne Verunsicherte

In der Lebenswelt der Kinder der Internetfernen Verunsicherten gibt es nur sehr eingeschränkt Berührungspunkte mit digitalen Medien. Die Eltern aus diesem Milieu haben häufig keinen Bedarf oder kein Interesse an digitalen Medien und insbesondere am Internet. 68 Prozent von ihnen sind höchstens einmal in der Woche oder seltener online (gesamt: 11 Prozent). Von den Möglichkeiten des Internets nutzen die Internetfernen Verunsicherten, wenn überhaupt, nur die „Basisfunktionen“, wie „mal ein Produkt“ zu suchen, welches sie planen zu kaufen, bzw. einen Preisvergleich vorzunehmen, um das Produkt „dann aber im Geschäft“ zu kaufen. Online-Banking zählen sie nicht unbedingt zu den Basisfunktionen. Bankgeschäfte werden aus Sicherheitsgründen oder auch aus einer Überforderung heraus bevorzugt am Schalter getätigt. Dementsprechend findet die Sozialisation der Kinder weitgehend ohne digitale Medien statt. Das führt auch dazu, dass die Kinder im Milieuvergleich am wenigsten darüber informiert sind bzw. kaum Vorstellungen davon haben, „was man im Internet alles machen“ kann. Die Kinder greifen bei Fragen zum Internet besonders häufig auf Freunde und Geschwister zurück, vor allem aber – und im Milieuvergleich mit Abstand am häufigsten – auch auf Lehrer bzw. Erzieher.

Chancen und Risiken digitaler Medien

Die Internetfernen Verunsicherten sehen sowohl für sich persönlich als auch für ihre Kinder so gut wie keine Chancen und Vorteile in digitalen Medien. Sei es das Informationsangebot des Internets und das verfügbare Bild- und Videomaterial, welches für Kinder eingesetzt werden könnte, oder auch Lernprogramme und Lernspiele für Kinder – die Distanz zu digitalen Medien und die immense Verunsicherung, die das Internet bei den Eltern aus diesem Milieu auslöst, lässt sie eventuelle Möglichkeiten und Vorteile nicht wahrnehmen. Sie argumentieren dabei zum Teil eher noch in die entgegengesetzte Richtung, wenn sie davon ausgehen, dass „alles auch ohne diese technischen Neuerungen geht“.

Internetferne Verunsicherte zeigen im Milieuvergleich die am stärksten ausgeprägte Risikowahrnehmung, wenn es um Kinder und digitale Medien geht. So wird die von allen Internet-Milieus sehr häufig wahrgenommene Gefahr, dass Kinder im Internet auf nicht kindgerechte Inhalte wie Gewalt und Pornografie stoßen könnten, von Vertretern dieses Milieus am häufigsten gesehen (94 Prozent stimmen voll und ganz/eher zu, gesamt: 81 Prozent). Auch das Risiko, dass Kinder im Netz gemobbt werden können und dass sie durch digitale Medien und das Internet vereinsamen, wird in diesem Milieu am stärksten wahrgenommen.

Kompetenzen und Verantwortung

Trotz der umfassenden Risikowahrnehmung ergreifen die Internetfernen Verunsicherten nur sehr eingeschränkt Maßnahmen, um die Internetnutzung ihrer Kinder sicher zu gestalten: 35 Prozent der Eltern, deren Kinder sich im Netz bewegen, haben auf den jeweiligen Geräten Kinder- und Jugendschutzprogramme (gesamt: 54 Prozent) und 24 Prozent haben einen Pop-up-Blocker installiert (gesamt: 54 Prozent). Der Grund für diese reduzierten Sicherheitsmaßnahmen ist in diesem Internet-Milieu vor allem in der geringen Internetexpertise der Eltern zu suchen. Lediglich 29 Prozent der Eltern, deren Kinder online gehen, fühlt sich dazu in der Lage, für die Sicherheit ihrer Kinder im Internet zu sorgen (gesamt: 80 Prozent). Auch aufgrund der selbst empfundenen mangelnden Internetkompetenz übertragen die Eltern die Verantwortung für die Vermittlung eines versierten Umgangs mit dem Internet auf die Schule und noch häufiger auf den Staat. Dieser soll dem Bedürfnis nach Schutz nachkommen, Kontrollmechanismen einbauen und reglementierend eingreifen.

Der geäußerte oder eben nicht geäußerte Wunsch nach Informationen im Kontext „Digitale Medien und Kinder“ spiegelt die Distanz dieses Milieus zu einem Themen- und Aufgabenbereich wider, mit welchem sich die Eltern nicht besonders ausgiebig befassen können bzw. dieses auch nicht möchten. So zeigt sich zum einen ein überdurchschnittlicher Bedarf an Informationen zu unterschiedlichsten Fragen und möglichen Problemfeldern: Schutz der Daten von Kindern; Informationen zu technischen Möglichkeiten, die Internetnutzung von Kindern zu beschränken; Informationen zu pädagogisch wertvollen Angeboten im Internet; Informationen zu angemessenen Medienzeiten von Kindern. Zum anderen geben Internetferne Verunsicherte zu allen aufgezeigten Punkten häufiger als die Eltern aller anderen Milieus an, diese Informationen „uninteressant“ zu finden, was entweder an der häufig ohnehin nicht stattfindenden Internetnutzung ihrer Kinder oder aber an einem „Sich-Abschotten“ von der digitalen Welt liegen könnte.

Aussagen mit über- und -unterdurchschnittlicher Zustimmung (Internetferne Verunsicherte)