6.2 Engagement der Eltern beim Thema „Kinder und digitale Medien“

Knapp die Hälfte der Eltern führt Gespräche über die Vor- und Nachteile des Internets

Eltern 3- bis 8-Jähriger sehen sich zu einem Großteil gut gerüstet, der Rolle als wichtige Akteure und Ansprechpartner für Fragen des eigenen Kindes zu digitalen Medien und dem Internet gerecht zu werden. Fast 80 Prozent der Eltern stimmen der Aussage, dass sie sich „bestens dazu in der Lage fühlen, ihrem Kind den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet beizubringen“, eher oder voll und ganz zu. Ein ähnlich hoher Anteil Eltern (81 Prozent) gibt an, dass sie „voll darüber im Bilde sind, was ihr Kind auf dem Tablet, Smartphone oder Computer macht“. Aktive Maßnahmen oder ein eigeninitiiertes Engagement im Kontext „Kinder und digitale Medien“ seitens der Eltern sind dagegen seltener festzustellen. 64 Prozent aller befragten Eltern stimmen der Aussage zu, dass sie sich „regelmäßig darüber informieren, welche Medieninhalte für ihr Kind geeignet sind“. Gespräche über die Vor- und Nachteile des Internets finden in knapp der Hälfte der interviewten Familien zumindest gelegentlich statt.

Kinder und digitale Medien: Engagement der Eltern

Trotz verstärkter Internetnutzung mit zunehmendem Alter der Kinder steigt das Thematisieren und Besprechen der Vor- und Nachteile des Internets im familiären Kontext nur unwesentlich an: 45 Prozent der Eltern 3-Jähriger stimmen der Aussage zumindest eher zu, dass in ihrer Familie „die Vor- und Nachteile des Internets häufig Thema sind“, bei den Eltern 6-Jähriger sind es 51 Prozent, bei denen 8-Jähriger 50 Prozent.

Unterschiedlich ausgeprägtes Engagement in den Internet-Milieus

Die Eltern sind – je nach digitaler Lebenswelt – beim Thema „Kinder und digitale Medien“ unterschiedlich stark involviert und engagiert. Digital Souveräne und Effizienzorientierte Performer halten sich selbst überdurchschnittlich oft dazu in der Lage, ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet beizubringen. Diese beiden Milieus, aber auch die zurückhaltenden und eher vorsichtigen Milieus der Verantwortungsbedachten Etablierten und Ordnungsfordernden Internet-Laien haben ihrer eigenen Einschätzung nach einen sehr guten Überblick über das, was ihre Kinder an den verschiedenen Endgeräten wie Smartphone, Tablet oder Computer machen. Am häufigsten informieren sich die etwas kritischeren Internet-Milieus der Postmateriellen Skeptiker und Verantwortungsbedachten Etablierten über geeignete Medieninhalte für Kinder. Deutlich weniger engagiert sind die Eltern aus dem Milieu der Unbekümmerten Hedonisten. So sind 60 Prozent der Eltern dieses Internet-Milieus voll und ganz bzw. eher der Meinung, dass sie ihr Kind beim Umgang mit digitalen Medien kaum anzuleiten bräuchten, da es diesen von ganz allein erlerne (gesamt: 32 Prozent).

Engagement der Eltern nach Milieus

Eltern verlassen sich bei Erziehungsfragen zum Internet auf den sozialen Nahbereich

Eltern wenden sich bei Erziehungsfragen zum Internet zunächst an Menschen in ihrem direkten Umfeld, wie Freunde und Bekannte oder den eigenen Partner (jeweils 48 Prozent der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder). Als eine wichtige Informationsquelle erweist sich auch das Internet selbst: Gut ein Drittel der Eltern recherchiert im Netz über Erziehungsfragen zum Internet. Maßnahmen wie Gespräche mit den Erziehern oder Lehrern der eigenen Kinder (22 Prozent) oder das Konsultieren von Elternzeitschriften oder Ratgeberliteratur findet deutlich seltener statt (bei 17 und bei 14 Prozent der Eltern). Über die Bildungsgrade hinweg verlässt man sich somit hauptsächlich auf Vertrauenspersonen im direkt zur Verfügung stehenden sozialen Nahbereich.

Informationsbeschaffung zum Thema „Kinder und digitale Medien“ bei bildungsferneren Eltern seltener

Ob Eltern sich häufiger oder seltener zum Thema „Internet und Erziehung“ informieren, hängt mit ihrem formalen Bildungsgrad zusammen. Sämtliche Informationsquellen werden von den Eltern mit formal höherer Bildung öfter genutzt. Bildungsfernere Eltern wissen vergleichsweise seltener, wo sie sich informieren können, und geben zudem an, weniger Informationsbedarf in Sachen Erziehungsfragen zum Internet zu haben. Diese Einstellung ist insofern konsequent, als diese Gruppe vergleichsweise häufiger der Meinung ist, man müsse Kinder beim Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien ohnehin kaum anleiten. Je geringer die formale Bildung der Eltern, desto eher setzen sie auf digitale Selbstsozialisation ihrer Kinder und zeigen ein geringer ausgeprägtes Engagement, sich aktiv zu diesem Thema Informationen einzuholen.

Internet und Kinder: Informationsbeschaffung