8.1 Digitale Medien und die Sicherstellung der sozialen Teilhabe von Kindern

Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder sind sich grundsätzlich einig, dass digitale Medien bereits heute, aber noch mehr mit Blick in die Zukunft der eigenen Kinder wesentlicher Bestandteil des Alltags sind bzw. sein werden. Eltern teilen in diesem Zusammenhang überwiegend die Auffassung, dass man „mit der Zeit gehen“ müsse und es „keinen Sinn“ habe, sich der Verbreitung und dem Umgang mit digitalen Medien „entgegenzustellen“.1

Eltern plädieren für einen frühen Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien

Mit Perspektive auf die Bildungschancen und die berufliche Zukunft ihrer Kinder erscheint es Eltern nicht ausreichend, digitale Medien im Umfeld der eigenen Kinder lediglich zuzulassen bzw. sich diesen nicht entgegenzustellen. Im Gegenteil erachten sie einen frühen digitalen Zugang als unabdingbar für eine erfolgreiche Teilhabe an zukünftigen Bildungs- und Berufschancen. So ist die Mehrheit der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder davon überzeugt, dass Kinder den Umgang mit digitalen Medien „von klein auf lernen müssen, um nicht von der Gesellschaft abgehängt“ zu werden. Digitale Teilhabe bedeutet aus Elternsicht also auch soziale Teilhabe. Diese Einschätzung findet sich zwar häufiger bei Eltern etwas älterer, nämlich 7- und 8-jähriger Kinder (74 und 75 Prozent), die schon einen intensiveren Kontakt mit digitalen Medien und dem Internet haben, doch auch aus Sicht der Eltern 3-jähriger Kinder trifft diese Aussage mehrheitlich zu (55 Prozent).

Eltern sehen und erleben, dass ihre Kinder einen intuitiven und spielerischen Umgang vor allem mit mobilen Endgeräten mit Touchscreens an den Tag legen. Diese Beobachtung, aber auch die Erinnerung an die eigenen ersten, bisweilen etwas holperigen Schritte mit digitalen Medien in fortgeschrittenerem Alter bringt Eltern zu der Einschätzung, dass das schnelle und einfache Lernen im Kindesalter durchaus genutzt werden sollte.

Statusaspekte spielen eine nicht unerhebliche Rolle, wenn es um die Frage geht, ob Kinder die neuesten digitalen Geräte nicht nur nutzen, sondern auch besitzen sollten. Eltern verspüren zum Teil einen sozialen Druck von außen, vor dem sie ihre Kinder, die zu Hause von der Medienausstattung der anderen Kinder berichten, schützen möchten. Dass die „Anerkennung im Freundeskreis“ schwierig ist, wenn die entsprechende digitale Ausstattung fehlt, wird von der Mehrheit der Eltern geteilt, findet sich allerdings etwas häufiger bei Eltern mit formal niedrigerem Bildungshintergrund (65 Prozent; demgegenüber 59 Prozent der formal höher Gebildeten).

 Argumente für die frühe Nutzung digitaler Medien

Insbesondere die Effizienzorientierten Performer und die Digital Souveränen stimmen der Notwendigkeit eines frühen Heranführens von Kindern an digitale Medien überdurchschnittlich häufig zu. Dies entspricht ihrer im Milieuvergleich sehr offenen Einstellung gegenüber dem Internet. Diese beiden Milieus, aber mehr noch die Unbekümmerten Hedonisten betonen auch den Statusgewinn, der aus ihrer Perspektive mit dem Besitz neuester digitaler Geräte einhergeht. Die weniger internetversierten Internetfernen Verunsicherten sehen seltener eine Verbindung zwischen dem Besitz digitaler Geräte und zukünftiger Teilhabechancen ihrer Kinder.

Argumente für die frühe Nutzung digitaler Medien nach Milieus 

„Es wäre ja hirnlos zu glauben, dass die ohne Internet besser dran sind, und die müssen mit digitalen Medien umgehen können, bloß es soll so sanft wie möglich geschehen und so klug wie möglich. Also, dass die irgendwie nature-techies sind, das muss so sein. Und ich glaube, wenn das nicht so sein würde, dann hätten wir was falsch gemacht. Also, die müssen das draufhaben.“ (Mutter, Effizienzorientierte Performer, Zwillinge – Söhne, 7 Jahre)

„Die ganzen Sachen am Rechner haben wir ja viel älter gelernt, und ich habe gemerkt, das war für uns wirklich ein schwieriger Entwicklungsweg. Wenn ich es jetzt bei unseren Kindern sehe […], ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Zukunft keine Rechner mehr geben wird, das geht nicht. Eher das Gegenteil.“ (Mutter, Digital Souveräne, Tochter 7 Jahre)

„Weil sie es ja später brauchen. Wenn sie mit zwanzig lernen sollen, wie ein Fernseher angeht oder wie eine PlayStation oder wie ein Computer funktioniert, ich finde, das ist dann viel zu spät.“ (Mutter, Unbekümmerte Hedonisten, Söhne 7 und 9 Jahre)

„Digitale Medien sind die Zukunft, da führt kein Weg dran vorbei.“ (Mutter, Verantwortungsbedachte Etablierte, Töchter 4 und 7 Jahre)

„Es ist auch gut, den Umgang mit digitalen Medien früh zu lernen, da sie in unserer Zeit unentbehrlich sind.“ (Mutter, Ordnungsfordernde Internet-Laien, Sohn 4 Jahre)

  1. Diese Erkenntnis entstammt insbesondere den qualitativen Interviews mit Eltern. [↩︎]