8.2 Chancen und Vorteile digitaler Medien aus Elternsicht

Das umfangreiche Wissens- und Informationsangebot des Internets, auf welches Kinder zugreifen können, sehen Eltern 3- bis 8-Jähriger Kinder als zentrale Chance des Internets. Bei noch kleinen Kindern verstehen Eltern hierunter das große Angebot an Spielen, Videos, Filmen und Bildern. Bei größeren Kindern, ab dem Schuleintritt, stehen hier auch Informationen zu bestimmten Themen oder Interessengebieten wie Sportarten und -veranstaltungen, Spielen oder Merchandise-Artikeln zum gerade angesagten Actionfilm, aber auch die Möglichkeit des Suchens und Findens von Erklärungen im Zusammenhang mit Fragen und Aufgaben für die Schule im Fokus.

Eltern sehen mehrere Potenziale des Internets bei der Wissensaneignung. Das im Netz umfangreich vorhandene visuelle Material empfinden Eltern als hilfreich, wenn es darum geht, Kindern Zusammenhänge und Sachverhalte anschaulich, aber auch schnell erklären zu können. Besonders bei kleinen Kindern funktioniere das Erklären mithilfe von Beispielbildern oder kurzen Videos häufig einfacher und sei eingängiger als bloßes Erklären.

Die unmittelbare Verfügbarkeit der gesuchten Informationen stellt einen weiteren Vorteil des Internets dar. Diese wird vor allem bei Eltern von Schulkindern als eine Art „Aufwandsminimierung“ begrüßt, da sie Kindern aus ihrer Sicht das lang dauernde Recherchieren und Wälzen von Büchern erspart und ihnen in kurzer Zeit gut aufbereitete Informationen zur Verfügung stellt.

„Ja, man muss halt jetzt nicht eine riesige Bibliothek zu Hause rumstehen haben. Wenn sie halt was wissen wollen, dann können sie sofort nachgucken, und das wird alles auch schön erklärt, können sich auch Bilder dazu angucken, das ist schon toll.“ (Mutter, Digital Souveräne, Sohn 3 Jahre, Tochter 10 Jahre)

„Es ist halt eine Zeitersparnis. Bevor ich in die Bücherei fahre und mir eine Woche lang ein Buch durchlese oder so […]. Also, für die Schule ist es, gerade wenn sie Vorträge ausarbeiten müssen oder irgendwelche Fragen beantworten müssen, wo sie noch nicht so wissen, was es ist, oder die Schule sagt ja jetzt auch schon, sucht Euch bitte auf der und der Seite, sucht Ihr Euch mal was über Goethe, dann […]“. (Mutter, Unbekümmerte Hedonisten, Sohn 6 Jahre)

„Meiner Meinung nach lernt er damit auch gut lesen, weil, weiß ich nicht, mit den Büchern, die hat er jetzt zwar auch gelesen, aber das meiste macht er schon mit dem Ding. Und da ist er wirklich fit.“ (Vater, Effizienzorientierte Performer, Sohn 8 Jahre)

„Man lernt schnell. Schneller als früher. Vor allem, wie was woher kommt […]. Wenn man einen Computer hat, kann man es reinschreiben in Google, und der Computer zeigt es an.“ (Vater, Unbekümmerte Hedonisten, Söhne 6 und 8 Jahre)

Chancen des Internets aus Elternsicht

Digitale Medien als Lern-Motivator für Kinder

Einen weiteren positiven Effekt digitaler Medien und des Internets sehen Eltern 3- bis 8-Jähriger darin, dass sich Kinder mithilfe digitaler Medien bereitwilliger dem Thema Lernen zuwenden. Nicht nur die Beliebtheit digitaler Endgeräte bei Kindern, sondern vor allem der spielerische Charakter von Lernspielen und Lernangeboten funktioniert hier als Motivator. 57 Prozent der Eltern beobachten, dass Lernspiele auf digitalen Endgeräten die „Lust ihrer Kinder am Lernen vergrößern“. Kinder seien mithilfe dieser Spiele in der Lage, auch allein und ohne Anleitung zu lernen. Sowohl Spiele für kleinere Kinder, in denen es um Farbzuordnungen oder das Erkennen von Tierlauten gehe, als auch komplexere Spiele wie beispielsweise die Lese-Spiele auf der Plattform Antolin, würden von Kindern bevorzugt eigenständig in die Hand genommen und gespielt.

Chancen von Lernspielen aus Elternsicht

„Wenn man sich das anschaut, es ist auch lehrreich, das ist nie von Nachteil, so soll es sein. […] Ich würde unterstellen, dass man da mehr den Grips anstrengen muss. Es ist mehr, dass man strategisch denken muss. Man hat auch gleich eine Bestätigung und bekommt das Resultat mit, […] wenn sie was aufschreibt als Lernvariante, dann braucht sie einen Blick von einem Zweiten, und das bekommt sie dort von dem Computer. Spielerischer und bunter gemacht, weil es einfach auch schön animiert ist. (Vater, Verantwortungsbedachte Etablierte, Tochter 5 Jahre)

„Aber so Nutzen? Also, wenn, dann wirklich so diese Lernprogramme und so, dann finde ich, hat das schon was, ja. Das ist dann ja so spielerisch, so lernfördernd oder wie auch immer, aber jetzt, Chancen und Nutzen, wüsste ich jetzt nicht.“ (Mutter, Unbekümmerte Hedonisten, Sohn 3 Jahre, Tochter 5 Jahre)

„Es erstaunt mich sehr, wie die mit diesen Dingern umgehen können. Da habe ich am Anfang mehr Schwierigkeiten als die. Die gucken sich das einmal an, probieren es aus und wissen, wie es geht. Und das steigert sich natürlich. Umso mehr sie daran üben und lernen, umso schwieriger können die Spiele nachher werden. (Mutter, Effizienzorientierte Performer, Sohn 3 Jahre, Tochter 5 Jahre)

„Online-Lernspiele, da finde ich eigentlich alles gut. Ich nehme auch öfters mit meinem Sohn an Online-Gewinnspielen für Kinder zum Thema Mathematik teil, und damit versuche ich ihn zu motivieren.“ (Vater, Ordnungsfordernde Internet-Laien, Sohn 8 Jahre)

Computerspiele können aus Elternsicht die Konzentrationsfähigkeit von Kindern erhöhen

Spielen ist die beliebteste Tätigkeit von 3- bis 8-jährigen Kindern – auch bei der Nutzung digitaler Medien. Sowohl auf mobilen Endgeräten wie Smartphones, Tasten-Handys und Tablets, aber auch auf Spielekonsolen, stationären Computern und Laptops verbringen Kinder die meiste Zeit mit ver- schiedensten mehr oder weniger komplexen Spielen. Gleichzeitig stehen Computer- und Videospiele häufig in der Kritik, insbesondere, wenn sie besonders ausgedehnt genutzt werden. Wie aber denken die Eltern selbst über Computer- und Videospiele? Wie die folgenden Befunde verdeutlichen, haben Eltern ein ambivalentes Verhältnis zum Thema „Computerspiele und Kinder“ und können diese nicht eindeutig als Chance oder Risiko verorten. 58 Prozent der Eltern sehen in Computerspielen einen ganz konkreten Nutzen für ihre Kinder und bestätigen, dass sie „die Konzentrationsfähigkeit und motorischen Fähigkeiten, beispielsweise die Geschicklichkeit“ ihrer Kinder verbessern können. Die qualitativen Erkenntnisse verdeutlichen diese Einschätzung seitens der Eltern, die sich häufig überrascht und bisweilen beeindruckt zeigen ob der versierten und geschickten Handhabung sowohl der Geräte als auch der Spiele selbst. Ob das (intensive) Spielen von Computer- und Videospielen dazu beiträgt, bestimmte kognitive Fähigkeiten wie beispielsweise den Orientierungssinn zu verbessern, ist auch eine von Wissenschaftlern untersuchte Frage.1

Beobachtet wird von den Eltern auch ein weitgehendes Ein- bzw. Abtauchen ihrer Kinder, während diese sich mit Spielen beschäftigen. Hier ist ein Teil der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder (40 Prozent) der Meinung, dass Computerspiele gut für ihre Kinder seien, da sie mit deren Hilfe mal so richtig abschalten könnten. Sind hinsichtlich der bisher beschriebenen Chancen und Nutzen digitaler Medien und des Internets für Kinder keine nennenswerten Unterschiede entlang der formalen Bildungsgrade der Eltern auszumachen, zeigt sich hier ein anderes Bild: So nehmen 45 Prozent der formal niedriger gebildeten Eltern Computerspiele auch als Entspannungs- bzw. Abschalthilfe für ihre Kinder wahr, bei formal höher gebildeten Eltern sind dies 36 Prozent.

Die beschriebenen Nutzenaspekte von Computerspielen werden auch innerhalb der DIVSI Internet-Milieus der Eltern deutlich unterschiedlich gesehen. So empfinden die Unbekümmerten Hedonisten überdurchschnittlich oft, dass Computerspiele Kindern die Möglichkeit eines tatsächlichen Abschaltens und Entspannens liefern. Eine mögliche Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit bei Kindern mithilfe von Computerspielen wird im Milieuvergleich sowohl von den Unbekümmerten Hedonisten, aber auch von den beiden weiteren sehr internetversierten Milieus der Digital Souveränen und der Effizienzorientierten Performer häufiger gesehen.

Chancen von Computerspielen aus Elternsicht nach Milieus

Zu häufiges und intensives Spielen am Computer bereitet Eltern Sorge

Für die Mehrheit der Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder bergen Computerspiele eine Suchtgefahr für Kinder. Diese Sorge zeigt sich bei formal niedriger gebildeten Eltern etwas seltener; von ihnen stimmen 71 Prozent eher oder voll und ganz der Aussage zu, dass Computerspiele ein großes Suchtpotenzial für Kinder haben (gesamt: 76 Prozent). Mit Blick auf die DIVSI Internet-Milieus stechen besonders die Unbekümmerten Hedonisten heraus, die diese Gefahr im Milieuvergleich als deutlich weniger relevant bewerten: 62 Prozent von ihnen stimmen dieser Aussage voll und ganz oder eher zu. Die Eltern aus dem internetversierten Milieu der Effizienzorientierten Performer sehen zwar die Vorteile von Computerspielen überdurchschnittlich oft auch darin, dass diese beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit von Kindern erhöhen können, gleichzeitig erweisen sie sich auch als sensibilisiert hinsichtlich einer Suchtgefahr, denen Kinder durch das Spielen am Computer ausgesetzt sind: 75 Prozent stimmen der genannten Aussage voll und ganz oder eher zu. Am stärksten ausgeprägt ist die Wahrnehmung einer Suchtgefahr durch Computerspiele für Kinder in den Milieus der Ordnungsfordernden Internet-Laien (87 Prozent) und Internetfernen Verunsicherten (85 Prozent).

Risiken von Computerspielen aus Elternsicht

  1. Eine Studie des Max-Plancks-Instituts Berlin kam zu dem Ergebnis, dass vor allem Logik-, Puzzle- und Jump-and-Run- Spiele Hirnregionen schulten, die für die räumliche Navigation wichtig sind. Siehe Kühn, S., Gallinat, J. (2013): Amount of lifetime video gaming is positively associated with entorhinal, hippocampal and occipital volume. Molecular Psychiatry. Advance online publication. doi: 10.1038/mp.2013.100. Presseinformation unter https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2013/08/orientierungssinn-videospieler-haben-in-relevanten-bereichen-mehr-hirnstruktur (Zugriff: 17.03.2015). [↩︎]