8.4 Die Chancen- und Risikowahrnehmung der Eltern im Altersverlauf ihrer Kinder

Je älter die Kinder, desto offener zeigen sich Eltern gegenüber dem Internet

Die Vorbehalte der Eltern gegenüber der Internetnutzung nimmt im Altersverlauf der Kinder deutlich ab: Sind 72 Prozent der Eltern 3-jähriger Kinder der Meinung, dass man Kinder aufgrund der vielfältigen Gefahren des Internets von diesem fernhalten sollte, sind es bei den 6-Jährigen 50 Prozent und bei den 8-Jährigen nur noch 38 Prozent.

Skepsis gegenüber früher Nutzung des Internets durch Kinder

Das Informationsangebot im Internet wird aus Sicht von Eltern mit steigendem Alter der Kinder häufiger als Chance des Internets bewertet. Sehen 66 Prozent der Eltern 3-Jähriger das online verfügbare Informationsangebot als Vorteil für ihre Kinder, sind es bei den Eltern 6-Jähriger 75 Prozent und bei den Eltern 8-Jähriger schon 85 Prozent. Mit Erlangen der Lese- und Schreibfähigkeit sind Kinder in der Lage, sich dieses Informationspools sowohl für die Schule als auch für die Freizeit zu bedienen. Eltern erleben dadurch den praktischen Nutzen dieser Informationen im Alltag ihrer Kinder. Auch Bilder und Videos werden als Erklär- und Verständnishilfe mit steigendem Alter der Kinder häufiger als vorteilhafte Möglichkeit des Internets bewertet.

Chancen des Internets für Kinder aus Elternsicht

Je älter die Kinder, desto eher sehen Eltern die Chancen des Internets und desto geringer ausgeprägt ist ihre Wahrnehmung von Risiken. Kinder zeigen sich mit zunehmendem Alter versierter im Umgang mit Informationen aus dem Internet und haben aus Sicht ihrer Eltern mit 7 bzw. 8 Jahren deutlich weniger Schwierigkeiten, richtige von falschen Informationen zu unterscheiden. Eltern 7- und 8-jähriger Kinder stufen die Gefahr nicht kindgerechter Inhalte, auf die ihre Kinder im Internet stoßen können, geringer ein als Eltern 3- bis 6-jähriger Kinder. Erklärt werden könnte dieser Befund mit einem tatsächlich versierteren Umgang seitens der Kinder mit dem Informationsangebot im Netz und einem kompetenteren Informationsverhalten nach dem Schuleintritt.1 Ebenso gut kann dieser Befund aber auch ein pragmatisches Akzeptieren dieser Gefahr durch die der Eltern und ein Sich-Abfinden mit dem Risiko gewalthaltiger oder anderer nicht kindgerechter Inhalte bedeuten.

Risiken des Internets für Kinder aus Elternsicht

Schutz der Privatsphäre und unkontrollierte Kommunikation über das Internet bleiben aus Elternsicht relevante Risiken über den Altersverlauf

Die elterlichen Sorgen hinsichtlich des kompetenten Umgangs ihrer Kinder mit den eigenen persönlichen Daten und die Gefahr der Kontaktaufnahme durch unbekannte Personen nehmen in ihrer Relevanz entlang des Altersverlaufs von 3- bis 8-jährigen Kindern nur wenig ab. Die Befürchtung, dass Kinder im Internet zu viel von sich preisgeben, und auch die Gefahr, dass Kinder über das Netz Kontakt mit Personen aufnehmen, die sie nicht kennen und denen sie dementsprechend nicht ohne Weiteres trauen sollten, bleibt aus Sicht der Eltern ein ernst zu nehmendes Risiko des Internets auch für 7- und 8-jährige Kinder. Wie die qualitative Untersuchung zeigt, antizipieren die Eltern hier bereits, dass die Nutzung sozialer Netzwerke oder Online-Communitys für ihre Kinder in den kommenden Jahren ansteht. Auch wenn ein eher geringer Teil 8-Jähriger Online-Communitys nutzt (15 Prozent) und von den jüngeren Kindern ein noch deutlich kleinerer Anteil (5 Prozent der 6-Jährigen, bei den jüngeren Kindern bis zu 1 Prozent), wissen Eltern aus Erzählungen von Freunden mit älteren Kindern oder auch von eigenen älteren Kindern, dass diese Entwicklung bevorsteht.2 Vor allem ein unkontrollierter Umgang mit Online-Communitys stellt für Eltern ein unüberschaubares Gefahrenfeld dar.

„Hat man eh immer Angst vor, ja, diesen ganzen einschlägigen Seiten, wo irgendwelche Kinder eben abgefangen werden, irgendwohin gelockt werden, das ist eine ganz große Sorge. Plus, jetzt vielleicht noch nicht, wenn sie so klein sind, aber später wirklich diese ganzen Mobbing-Geschichten, die es eben über die, ja, wie Facebook, also diese ganzen Social-Media-Sachen.“ (Mutter, Verantwortungsbedachte Etablierte, Sohn 4 Jahre, Tochter 5 Jahre)

„Sind andere Leute, die die Kinder anschreiben, die sie vielleicht gar nicht kennen, das ist das, was ich noch nicht möchte. Also, da sind sie einfach noch zu klein. Die sind noch nicht so selbstständig, sage ich mal, dass sie dann vielleicht das sagen, das ist jetzt richtig oder das ist nicht so richtig.“ (Mutter, Unbekümmerte Hedonisten, Sohn 6 Jahre)

„Also, wir haben es jetzt gerade auch an der weiterführenden Schule gehabt mit so einem Fachvortrag von einem Internetbeauftragten aus dem Polizeibereich, ja, was für Gefahren, Cybermobbing, Sexting, was auch immer da natürlich auf uns zukommen kann, ja. Also von daher ist es natürlich auch nicht ohne. Umso wichtiger ist es halt, finde ich, dass die Kinder aufgeklärt sind, auch wenn sie dann mal sagen, ja, komm, das Foto da, und da passiert schon nichts. Nein. Aber wenn man ihnen dann halt mal so eine Geschichte erzählt, was aus so einem Foto passieren kann […].“ (Mutter, Digital Souveräne, Tochter 5 Jahre, Sohn 7 Jahre)

  1. Auf die zunehmende Internetkompetenz von Kindern entlang des Altersverlaufs von 3 bis 8 Jahren wird im nachfolgenden Kapitel zur digitalen Kompetenz näher eingegangen. [↩︎]
  2. Wie in Kapitel 5.1 gezeigt, wird die Anmeldung auf und der Gebrauch von Online-Communitys ab dem achten Lebensjahr häufiger und zeigt einen immensen Anstieg der Nutzung zwischen dem zwölften und dreizehnten Lebensjahr. [↩︎]