9.3 Verantwortung für die Vermittlung von Internetkompetenzen aus Elternsicht

Zwei Drittel aller Eltern sehen sich selbst als die Hauptverantwortlichen, wenn es um die Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit dem Internet geht – obgleich sich nur wenige in den Internetfertigkeiten, die sie für ihre Kinder als besonders wichtig erachten, als sehr kompetent betrachten. Nur für wenige Eltern sind andere Akteure hauptverantwortlich: Den Staat im Allgemeinen sehen 15 Prozent an erster Stelle, die Schulen 13 Prozent.

„Also, wenn dann alle so schreien, ja, das muss der Staat kontrollieren, da muss ich sagen, nee, da müssen sich die Eltern einfach mal selber um ihre Kinder kümmern. Wenn man sich Kinder anschafft, dann muss man halt auch damit leben und sich drum kümmern, auch wenn es manchmal anstrengend ist, aber das kann man nicht alles outsourcen.“ (Mutter, Digitale Souveräne, Sohn 3 Jahre und Tochter 5 Jahre)

„Zuerst die Eltern, klar, und dann die Schule. Aber Schule, ja, bedingt. Aber, so noch weiter von außerhalb, dass da irgendwie Stadt oder Gemeinde oder Land mit eingreifen müssten, das glaube ich nicht.“ (Vater, Effizienzorientierte Performer, Sohn und Stieftochter jeweils 8 Jahre)

„Zum einen die Eltern zu Hause, die sollten ja generell das kontrollieren, was ihre Kinder zu Hause tun. Ich finde es aber auch nicht verkehrt, wenn es halt eben von der Schule aus gemacht wird, weil sie es eben auch später in der Ausbildung brauchen, was alles mit Schule zu tun hat, oder beruflich, was ja auch nicht unbedingt zu Hause stattfindet. Deswegen denke ich mir, sind da Lehrer und Eltern gleichermaßen in der Pflicht, zu gucken.“ (Mutter, Ordnungsfordernde Internet-Laien, Tochter 3 Jahre und Sohn 5 Jahre)

Formal niedriger gebildete Eltern sehen Schule und Staat häufiger in der Verantwortung

Formal niedriger gebildete Eltern 3- bis 8-jähriger Kinder neigen eher dazu, die Verantwortung der Kompetenzvermittlung im Kontext „Internet und Kinder“ an den Staat oder an die Schule abzugeben. Nur 55 Prozent der formal einfach Gebildeten sehen die Hauptverantwortung bei sich selbst. Die Vermutung liegt nahe (und bestätigt sich im nachfolgenden Befund), dass diese Eltern sich teilweise überfordert fühlen, da ihnen das nötige Know-how fehlt, um ihrem Kind selbst ideale digitale Startvoraussetzungen verschaffen zu können, und daher die Verantwortung delegieren.

Verantwortung für die Vermittlung von Kompetenzen

„Ja, es sollten vielleicht doch so ein paar grundsätzliche Regeln vielleicht mal geschaffen werden, bzw. die auch eingehalten werden sollten oder können, wie auch immer. Weil, bei uns ist es ja so, wenn ich den Fernseher anmache und ein Programm wähle, muss ich ja jedes Mal vorher einen PIN-Code eingeben, eine Freischaltung. Die kriege ich aber nur, wenn ich 18 bin. Wenn ich aber jetzt ein Kind da ranlasse, siehe Zigarettenautomaten, ein Kind geht zum Zigarettenautomaten, früher war es ja einfach, der hat das Geld reingeschmissen, zack, rausgeholt. Heute muss ich den Ausweis durchziehen. Könnte genauso gut funktionieren. Dass man sagt, geht nur, wenn ein Erwachsener dabei ist, sonst geht es nicht.“ (Vater, Unbekümmerte Hedonisten, Sohn 7 Jahre)

„Es müsste halt noch viel mehr getan werden mit der Sicherheit. Es müsste ganz verboten werden oder schwerer bestraft vor allen Dingen, dass halt so verschiedene Leute, die so was machen, mit den Kindern dann im Internet schreiben und sich treffen usw. Das müsste halt irgendwie strenger überwacht werden und auch rigoroser bestraft werden. Nicht nur mit einer Geldbuße, sondern es müsste da schon richtig eine Gefängnisstrafe geben, weil die Gefahr ist halt wirklich gegeben, dass die Kinder dadurch missbraucht werden. Es müsste halt vom Gesetzgeber mehr gemacht werden.“ (Vater, Ordnungsfordernde Internet-Laien, Töchter 3 und 10 Jahre, Sohn 5 Jahre)

„Tja, wer ist verantwortlich? Eigentlich die Regierung, würde ich mal sagen, die wirklich, sage ich mal, einen Schlussstrich ziehen sollte.“ (Vater, Unbekümmerte Hedonisten, Sohn 7 Jahre)

Eine eingeschränkte subjektive Internetkompetenz der Eltern geht mit einer Delegation der Verantwortung an andere einher

Wie sehr Eltern sich selbst oder andere Instanzen in der Verantwortung sehen, Kindern eine ausreichende Internetkompetenz mit auf den Weg zu geben, hängt auch mit der eigenen subjektiven Internetkompetenz zusammen. Wie die folgende Grafik zeigt, geben Eltern, die sich selbst als weniger kompetent in Sachen Internet empfinden, diese Verantwortung eher ab und betonen die Rolle des Staates oder der Schule, ihren Kindern bessere digitale Startvoraussetzungen zu ermöglichen.

Verantwortung für die Vermittlung von Kompetenzen