Themen: Vermessung der Netzwelt 

DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland

14. November 2016

Vorwort

Die alten Chinesen wussten es schon lange bevor irgendjemand überhaupt von Begriffen wie Digitalisierung oder World Wide Web auch nur geträumt hat. Sie fassten ihre Erkenntnis in diese Worte zusammen: „Es zählt nicht, wie alt du bist, sondern wie du alt bist.“

Wie wahr. DIVSI, das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, ist jetzt in der Lage, die uralte fernöstliche Weisheit zu untermauern. Die Ü60-Studie, deren Ergebnisse und Erkenntnisse wir hiermit der Öffentlichkeit vorlegen, zeigt deutlich: Das Internet gewinnt auch bei den Älteren immer mehr an Bedeutung. DIVSI hat die Untersuchung gemeinsam mit dem Sinus-Institut realisiert.

Mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe ist online. 15 Prozent, das sind immerhin mehr als drei Millionen Menschen, gehören zu den souveränen Intensivnutzern.

Allein diese beiden Fakten sollten uns alle aufhorchen lassen. Denn die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eindeutig: Auch die Senioren sehen Digitalisierung als wesentliche Entwicklung für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Sie haben erkannt: Das Internet ist ein hervorragendes Medium, Kontakte zu pflegen, auszubauen und den Anschluss an die neue Zeit nicht zu verlieren.

Also alles im Lot? Ist das Internet in nächster Zukunft tatsächlich das Instrument für alle und jeden in unserer Gesellschaft?

Leider nein, wie auch diese Studie offenlegt. Ein tiefer Graben zwischen Onlinern und Offlinern bleibt noch zuzuschütten. Es ist sicherlich keine menschenwürdige Lösung, einfach abzuwarten, bis sich diese Situation quasi von selbst erledigt. Immerhin 83 Prozent der Offliner sind bereits über 70 Jahre alt. Für sie gilt besonders: ohne digitale Teilhabe keine soziale Teilhabe mehr. Hier besteht Handlungsbedarf. Allerdings möchte bitte niemand in den Fehler verfallen, die noch passive Haltung mancher Ü60-Jährigen generell als Desinteresse werten zu wollen. Die bei den Senioren sehr ausgeprägte Risikowahrnehmung und große Sorgen vor den durchaus vorhandenen Gefahren im Internet, mehr, als sie jüngeren Menschen zu eigen sind, sollten ernst genommen werden.

Die Untersuchung liefert Anknüpfungspunkte für Anstrengungen, die unsere Gesellschaft in diesem Zusammenhang unternehmen müsste, um möglichst rasch den Kurs hin zu einer für die über 60-Jährigen insgesamt positiven Entwicklung zu ändern.

Ein Punkt sei besonders hervorgehoben: Digitale Angebote werden überwiegend als selbsterklärend zur Nutzung angeboten und als intuitiv bedienbar angepriesen. Die Studie zeigt, dass dies nicht ausreicht: Gerade die Älteren erwarten zusätzlich ausreichende Erklärungen. Nicht jeder mag Neuem durch Ausprobieren auf die Spur kommen. Gleichzeitig ist ein genaues Verständnis der Angebote die Voraussetzung für deren Nutzung.

Laut Studie ist über 60-Jährigen längst bewusst, dass eine Nutzung des Internets ihr Leben bereichern kann. Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollten es gemeinsam anpacken, um allen zumindest die Chance zu bieten, sich dem Internet auf einer Basis zu nähern, der sie vertrauen.

Die DIVSI Ü60-Studie liefert eine Vielzahl von Fakten für neue Blickwinkel auf die Frage im Sinne der chinesischen Weisheit, „wie du alt bist“, und gibt uns Ansätze zur Entwicklung von geeigneten Maßnahmen für eine bessere Teilhabe am sozialen Leben in der digitalen Zeit.

Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre und freue mich auf Reaktionen.

Matthias Kammer

Foto: Frederike Heim

Matthias Kammer
Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

 

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