2. Einleitung

„Die Menschen haben es fast aufgegeben, ein Vertrauen in die Sicherheit und Verschlossenheit der digitalen Kommunikation zu haben. Man sieht es auch daran, dass allgemein immer offener kommuniziert wird. Das ist eine Veränderung im gesellschaftlichen Verhalten, die auch mit dem fehlenden Vertrauen in die Vertrautheit nichtöffentlicher Kommunikation zu tun hat.“
Florian Rötzer, Chefredakteur Telepolis, Konsultation

Die beiden Beispiele mit Frau Schmidt und Herrn Schulz zeigen: Digitale Kommunikation ist für die meisten inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig verliert der klassische, „analoge“ Brief an Bedeutung. Nicht nur mit Freunden und Familie, sondern auch mit Unternehmen und staatlichen Stellen findet die Kontaktaufnahme mit immer größerer Regelmäßigkeit digital statt. Die Vorteile für Nutzerinnen und Nutzer scheinen auf der Hand zu liegen – sind sie doch schnell, bequem und kostengünstig. Auch Unternehmen können durch die Umstellung auf digitale Kommunikationskanäle und Online-Portale erheblich Ressourcen sparen.

Doch der gut belegte und vielfach veröffentlichte Anstieg an Computerkriminalität sowie die zahlreichen Überwachungs- und Datenschutzskandale, über die in den vergangenen Jahren immer wieder prominent berichtet wurde, haben zur Genüge gezeigt, dass digital gespeicherte und versandte Informationen angreifbar sind. Dies hat dazu geführt, dass das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer in digitale Kommunikation gelitten hat, insbesondere dann, wenn es um die Übermittlung sensibler Informationen geht.

So zeigen jüngere Umfragen beachtliche Vorbehalte hinsichtlich digitaler Kommunikation über sensible Inhalte mit Unternehmen oder Behörden.1 Zwar geben einer weiteren Studie zufolge 70 Prozent der Internetnutzer an, ein Online-Postfach auf einem Kundenportal im Internet zu haben, und eine Mehrheit hält diese Postfächer auch für praktisch.2 Gleichzeitig sind sich zwei Drittel derjenigen, die selbst solche Online-Postfächer nutzen, manchmal unsicher, ob sie dem Anbieter vertrauen können oder nicht. Ganze 72 Prozent machen sich Sorgen darüber, dass unbefugte Dritte auf ihr Online-Postfach zugreifen könnten. Lediglich 31 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer finden, dass auf diesem Weg ein sicherer Dokumentenaustausch möglich ist. Zwei Drittel wiederum haben nur geringes bis gar kein Vertrauen darauf, dass die Unternehmen sich ausreichend um die Sicherheit ihrer Kunden kümmern.3

Selbst dem Staat wird in dieser Hinsicht nur wenig zugetraut. Obwohl 85 Prozent der Befragten der Ansicht sind, der Staat sollte sich stärker um das Thema Sicherheit im Internet kümmern, glauben fast ebenso viele nicht (84 Prozent), dass er dieser Aufgabe überhaupt gerecht werden und die Bürgerinnen und Bürger schützen kann.((Ebd.))

Dass digitale Kommunikationswege angesichts dieser Zahlen dennoch zur Selbstverständlichkeit geworden sind, könnte auf Gleichgültigkeit oder aber Fatalismus auf Seiten der Nutzerinnen und Nutzer schließen lassen. Doch ganz so simpel ist es nicht. Wie bereits angedeutet, fühlen sich viele geradezu dazu gedrängt, digital zu kommunizieren. Direkt befragt, kommen andere Präferenzen zum Ausdruck: Nicht weniger als 92 Prozent möchten selbst wählen können, ob Dokumente analog oder digital zugestellt werden. Darüber hinaus fänden es acht von zehn Nutzerinnen und Nutzern besser, wenn ihnen wichtige Dokumente per Briefpost zugeschickt würden und sie diese eben nicht von einem Online-Portal herunterladen müssten.((Ebd.))

Diese Zahlen zeigen, dass viele Nutzerinnen und Nutzer mit dem gegenwärtigen Zustand der digitalen Kommunikation mit Unternehmen und Behörden, wenn es um die Übermittlung sensibler Informationen geht, unzufrieden sind. Sie wünschen sich eine Wahlmöglichkeit und sichere digitale Kommunikationsmittel, die Übersichtlichkeit gewährleisten. Von diesem Befund ausgehend, unternimmt der vorliegende Bericht zum Projekt „Vertrauen in digitale Kommunikation“ eine Bestandsaufnahme digitaler Kommunikation und erörtert, wie Lösungen für die beschriebenen Probleme und Wünsche der Nutzerinnen und Nutzer gefunden werden können.

  1. Vgl. z. B. DIVSI, „Elektronische Dokumentenzustellung“, repräsentative dimap-Umfrage ab 18 Jahren, 1. und 2. März 2017, https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2017/03/2017-03-08_Unterlage_DIVSI-dimap-Umfrage_Dokumentenzustellung.pdf. []
  2. DIVSI, Digitalisierung – Deutsche fordern mehr Sicherheit. Was bedeutet das für Vertrauen und für Kommunikation? Eine Studie von dimap im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), Hamburg, August 2017. []
  3. Alle Zahlen ebd. []