3.4 Gründe für mangelndes Vertrauen in der digitalen Welt

Der Feststellung, dass ein Misstrauen in Kommunikationswege in der digitalen Welt weit verbreitet ist, schließt sich die Frage nach den Gründen an. Dazu ist zunächst festzuhalten, dass die Entstehung von Vertrauen von einer Reihe von Faktoren abhängig ist. Individuell vertrauen wir anderen Personen, wenn wir ihr künftiges Verhalten zumindest zu einem bestimmten Grad voraussehen können, es also eine gewisse Konsistenz aufweist. Der primäre Gradmesser hierfür ist ihr Verhalten in der Vergangenheit.1 Wird die so geformte Erwartungshaltung durch eine Handlung, die die Konsistenz durchbricht, enttäuscht, so geht Vertrauen verloren. Daneben spielen andere Aspekte eine Rolle, wenn Vertrauen gebildet werden soll, wie bestimmte als vertrauenswürdig akzeptierte Eigenschaften, zum Beispiel Ehrlichkeit, Loyalität oder Besonnenheit.2

Vertrauen in ein System ist ebenfalls davon abhängig, dass es sich als stabil erweist, also in einem Mindestmaß konsistent ist, so dass die Erwartungen des Einzelnen an das Verhalten des Systems nur im Ausnahmefall enttäuscht werden. Stabilität wird insbesondere dann erreicht, wenn sich die Akteure, die an dem System beteiligt sind, ihren (beruflichen oder institutionellen) Rollen entsprechend verhalten.3 Repräsentanten des Systems Kommunikation sind beispielsweise Briefträger oder E-Mail-Serviceprovider.

  1. Nissenbaum, S. 159. []
  2. Ebd. []
  3. Bamberger, ebenda. []