Vorwort Philipp Otto

Parameter für Vertrauen in die digitale Kommunikation

„Durch Schrift wird Kommunikation aufbewahrbar, unabhängig von dem lebenden Gedächtnis von Interaktionsteilnehmern.“
Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1984

Kommunikation spielt eine zentrale Rolle im Zusammenleben von Menschen. Wie kaum ein anderes Element durchzieht sie alle gesellschaftlichen Bereiche. Durch ihre Verschriftlichung verändert sich die Dimension von Kommunikation. Die Inhalte werden – wie Luhmann feststellt – gespeichert und festgehalten.

Unsere Kommunikationsmöglichkeiten und -mittel haben sich im historischen Verlauf immer wieder stark gewandelt. Galt Mitte des 19. Jahrhunderts noch das Telegrafenkabel als große Innovation und Beginn der modernen Kommunikation, treten wir heute mit unseren Smartphones ohne Probleme mit Freunden und Familie über Landesgrenzen hinweg in Kontakt und tauschen in Sekundenschnelle Nachrichten oder Fotos aus.

Mit der Digitalisierung haben sich unsere Kommunikationsmöglichkeiten enorm schnell verändert. Diese Dynamik betrifft nicht nur unseren Austausch im privaten Bereich, sondern auch mit Unternehmen wie Banken oder auch Behörden, die zunehmend digitale Kommunikationswege anbieten. Das ist eine große Bereicherung. Wir warten nicht mehr tagelang auf Antworten, die E-Mails von Geschäftspartnern treffen vielmehr innerhalb kürzester Zeit auf unseren Rechnern ein. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung auch neue Fragen auf.

Die Rahmenbedingungen und Strukturen, die unsere Kommunikation schützen sollen, sind nicht so schnell mitgewachsen, wie es wünschenswert wäre. Neben allen Vorteilen birgt die Digitalisierung der Kommunikation auch Möglichkeiten des Missbrauchs. Die Nutzer und Nutzerinnen sind zunehmend unsicher, wer ihre Kommunikation mitlesen kann, für wen und bei wem sie im Luhmann’schen Sinne aufbewahrt wird. An diesem Punkt setzt diese Publikation an und fragt danach, wie es um unser Vertrauen in die digitale Kommunikation bestellt ist und unter welchen Bedingungen ein Vertrauen überhaupt gerechtfertigt sein kann.

Ohne zu viel vom Ergebnis unserer Ausarbeitungen vorwegzunehmen, ist es offensichtlich, dass es dringend notwendig ist, das Vertrauen in digitale Kommunikationsmittel zu stärken. In der Publikation wird eruiert, welche politischen, technischen, rechtlichen, aber auch gesellschaftlichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um die Sicherheit und Authentizität der digitalen Kommunikation zu gewährleisten und damit auch das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer wiederherzustellen beziehungsweise zu stärken.

Sie finden in der Publikation Hintergrundinformationen und Analysen zu diesen Fragen. Wir haben zahlreiche Experten aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft befragt und ihre Einschätzungen mit berücksichtigt. Die Publikation liefert Ihnen neue Perspektiven auf ein Thema, das uns als Gesellschaft wichtig sein sollte und bei dem es sich lohnt, gemeinsam mit allen Stakeholdern zu diskutieren und an Lösungen zu arbeiten.

Philipp Otto

Foto: Andi Weiland

Philipp Otto
Direktor Think Tank iRights.Lab