Themen: Vermessung der Netzwelt Vertrauen und Sicherheit im Internet 

Vertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter

21. November 2017

Vorwort von Matthias Kammer

Gleichsam wie ein roter Faden ziehen sich die Begriffe Vertrauen und Sicherheit durch alle Bereiche der grenzenlosen Angebotspalette des Internets. Jeder, der aus welchen Gründen und wo auch immer online geht, erwartet bei einem geöffneten Portal, dass er diesem vertrauen kann, seine Daten dort geschützt sind und es auch bleiben – er sich insgesamt sicher fühlen darf.

Insoweit erleben die uralten Begriffe Vertrauen und Sicherheit gerade seit der Geburt unseres digitalen Zeitalters eine Renaissance. Für mich bilden sie praktisch das Fundament. Die Nutzer müssen darauf bauen können. Je weniger Skepsis bei ihnen vorhanden ist, umso stärker werden sie die unendliche Bandbreite des Internets nutzen. Dieses gilt selbstverständlich nicht nur für Kaufangebote oder andere kommerzielle Spielfelder. Dieses gilt gleichermaßen auch für die zunehmenden Möglichkeiten digitaler Kontakte mit Behörden oder Versorgern.

Der Convenience-Gedanke spielt im zunehmend digitalen Alltag eine große Rolle. Hauptsache bequem, es wird schon nichts Böses passieren, warum soll es gerade mich treffen? Wer will schon hören, dass Cybercrime eine absolut boomende Branche ist und auch Unternehmen immer wieder riesige Datenlecks abdichten müssen.

Vor diesem Hintergrund schien es uns höchste Zeit, nach Wegen zu suchen, die das „Vertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter“ auf eine neue, höhere Ebene heben können. Zwar gehören digitale Kommunikationsmittel für die meisten heute zum Alltag. Eine von uns mit dimap kürzlich realisierte Studie zeigt jedoch, dass eine überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung mit dem aktuellen Zustand unzufrieden ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Einzelne gegenüber Behörden oder Unternehmen eigene, sensible Daten preisgeben soll.

Gerade staatliche Stellen dürften es schwer haben, ihre Angebote einer breiten Öffentlichkeit schmackhaft zu machen, wenn dort kein tiefes Vertrauen vorherrscht. Es verwundert nicht, dass die Menschen mehrheitlich sensible persönliche Nachrichten lieber klassisch-haptisch zugestellt bekommen möchten als über digitale Wege, wie eine weitere DIVSI-Untersuchung gezeigt hat.

Wie also einen Weg finden, den beide Seiten – Nutzer und Anbieter – gemeinsam gehen können? Die Untersuchung findet hierfür die folgenden grundsätzliche Überlegungen für eine künftige sichere digitale Kommunikation. Inhaltlich besagen diese:

Rechtliche, technische und organisatorische Aspekte sollten miteinander verbunden werden. Neue Maßnahmen greifen nur in einem übergeordneten Verbund. Dieser so gewährleistete Sicherheitsstandard muss den Menschen gegenüber transparent sein. Gleichzeitig ist darauf zu achten: Ein Plus an Sicherheit darf nicht durch ein Minus an Nutzerfreundlichkeit geschaffen werden.

Ausdrücklich unterstreicht die Untersuchung die unveränderte Bedeutung analoger Kommunikationsmittel. Tatsächlich scheint es mir eine Art von Arroganz zu sein, wenn Internetexperten unterstellen, jeder sei mit der digitalen Kommunikation glücklich und vertraut.

Bereits diese knappe Vorschau auf die grundsätzlichen Gedanken, in die der hier präsentierte Bericht mündet, verdeutlicht die Komplexität der Aufgabe. Skeptiker mögen fragen, ob sich all das tatsächlich in die Praxis umsetzen lässt. Ich meine, sicherlich nicht im Alleingang einzelner Beteiligter. Das notwendige gesteigerte Vertrauen in digitale Kommunikation wird sich nur in einem Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft erreichen lassen. Vor allem sollte möglichst rasch ein Anfang gemacht werden. Eine Aufgabe, der sich auch der neu formierte Bundestag nachdrücklich widmen könnte.

Positive Aktivitäten scheinen mir dringend geboten. Diese Untersuchung steuert dazu nicht nur Anregungen bei. Sie bietet darüber hinaus Anstöße, die ein Nachdenken sicherlich lohnen. Ich freue mich über jedes Feedback, natürlich auch und besonders über kritische Ansätze. Denn nur Vielfalt wird uns letzten Endes die erforderlichen Parameter liefern, aus der zum Wohle aller jener Weg gefunden wird, der zum gesteigerten Vertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter führt.

Matthias Kammer

Foto: Frederike Heim

Matthias Kammer
Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

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