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Vertrauen und Sicherheit im Internet: Was will DIVSI, wer steckt dahinter? Alles über Pläne, Ziele und erste Erfolge

2. Januar 2012

Matthias Kammer, DIVSI-Direktor

DIVSI – Vor zwölf Monaten aus der Taufe gehoben. Alles über die Arbeitsbasis, Pläne, Ziele und erste Erfolge.

Von Matthias Kammer

Die Durchdringung von Staat und Gesellschaft mit IT wird immer mehr zunehmen. Schon heute gilt: In vielen Bereichen des täglichen Lebens geht nichts mehr ohne Internet. Das Internet ist längst mehr als eine moderne technische Erscheinung. Es ist eine Kulturleistung der Menschheit. Das Internet bietet große Entwicklungspotenziale und gleichzeitig, wie wir aus der täglichen Berichterstattung wissen, Raum für neuen Missbrauch persönlicher Identitäten und für kriminelle Handlungen. Wir alle sind entweder längst angekommen im Internetzeitalter, befinden uns im Übergang oder werden außen vor bleiben.

Worum geht es DIVSI insgesamt?

Wir beobachten, dass es krasse Unterschiede der gesellschaftlichen Milieus im Umgang mit dem Internet gibt, die überwiegend auch noch diametral gegeneinander stehen. Während die einen regelrecht Angst vor der Nutzung des Internets haben oder die Entwicklung mit Sorge begleiten, wollen die anderen ohne Internet nicht mehr leben und halten Risiken für gering und beherrschbar. Es sind Grundhaltungen, die den Umgang der Menschen miteinander im Lebensalltag prägen. Diese Grundhaltungen sind auch bestimmend für den Zugang und die Entfaltung in der virtuellen Welt. Dabei sind nach unserer Auffassung Vertrauen und Sicherheit von zentraler Bedeutung.

Wie verstehen wir Vertrauen und Sicherheit?

Vertrauen ist eine wichtige Triebfeder unserer Entscheidungsfindung. Das gilt in allen Lebenslagen – mit und ohne Internet. Konkret kann Vertrauen dabei zweierlei bedeuten: Vertrauen in eine Person, in eine Institution, in eine Marke („ich vertraue auf…“) oder in eine Sache („ich bin mit etwas vertraut“). Beide Vertrauensdimensionen bestimmen mit, wie das Internet genutzt wird. Aus diesem Grund ist Vertrauen für uns ein Kernbegriff beim Diskurs über Chancen und Risiken des Internets.

Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Das gewünschte Maß an Sicherheit bestimmt unser Handeln und Nutzungsverhalten. Wie sicher wir im Internet wirklich sind, können die wenigsten beurteilen. Einerseits ist die Sicherheit abhängig von der Technik und andererseits von einem gemeinsamen Konsens über sicheres Agieren im Internet. Hier nimmt Datenschutz eine besondere Rolle ein und trägt wesentlich zur Sicherheit bei. Gleichzeitig ist ein übermäßig verordnetes Maß an Sicherheit dazu geeignet, die Freiheit einzuschränken. In einer freien und demokratischen Gesellschaft gilt es daher immer, die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit zu gewährleisten. Sicherheit ist somit der zweite Kernbegriff unseres Verständnisses bei der Gestaltung des Internets. Unser Ziel ist es, zu mehr Vertrauen und Sicherheit im Internet beizutragen.

Wie soll diese Mithilfe aussehen?

DIVSI versteht sich als Forum für einen offenen und transparenten Dialog über Vertrauen und Sicherheit im Internet, in dem ökonomische, regulatorische, rechtliche, soziale, kulturelle, mediale und politische Perspektiven betrachtet werden. Mit unseren Projekten wollen wir den interdisziplinären Austausch von Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fördern und unterstützen, um neue Erkenntnisse für die Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet zu gewinnen.

Das erste Forschungsprojekt – eine bundesweit angelegte bevölkerungsrepräsentative Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet – stellen wir in diesem ersten „DIVSI magazin“ ausführlich vor. In unserem Auftrag und auf der Basis gemeinsam entwickelter Fragestellungen hat das SINUS-Institut geforscht. Die Studie wurde im Januar abgeschlossen. Natürlich existieren bereits Arbeiten in angrenzenden Themengebieten. Eine derart detaillierte Studie gab es bislang jedoch nicht.

Die Entwicklung des Internets verläuft mit einer rasanten Geschwindigkeit. Mit der Studie wollten wir erfahren, welche Motivationen und Einstellungen die in Deutschland lebenden Menschen in ihrem Verhältnis zum Internet bestimmen und welche Erwartungen sie hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz haben. Die Studie zeigt uns deutlich: Anders als bisher lautet die übergreifende Frage nicht mehr: Wie viele sind online, wie viele (noch) offline? Heute müssen wir uns mit den unterschiedlichen, ja sehr konträren Grundeinstellungen gegenüber dem Internet auseinandersetzen.

Die Studie eröffnet einen neuen Blick auf die Gesellschaft im Internetzeitalter. Nicht nur deshalb werte ich das 164 Seiten starke Werk als Erfolg. DIVSI stellt die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

Wer ist DIVSI ?

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet ist ein gemeinnütziges Institut, gegründet von der Deutsche Post AG. Es hat seinen Sitz in Hamburg. Die Gründung von DIVSI wurde auf der CeBIT 2011 bekanntgegeben. Anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen DIVSI Milieu-Studie hat Briefvorstand Jürgen Gerdes dieses Engagement der Post bekräftigt: „Das Thema Vertrauen und Sicherheit beschäftigt alle Menschen in Deutschland. Wir brauchen eine Landkarte der Strukturen im Netz, damit wir künftig zeigen können, welche Pfade sicher sind. Und wie wir durch eigenes Verhalten Risiken vermindern können. Solche Landkarten im Web zu erstellen, die Wege darin zu erforschen und daraus neue Erkenntnisse über das Netz zu erzielen, die für uns alle als User wichtig sind – das ist der Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet – kurz DIVSI“.

Stolz sind wir darauf, dass Joachim Gauck uns im ersten Jahr des Instituts als Schirmherr zur Seite gestanden hat. Auf die Verbindung von Joachim Gauck und Internet bin ich mehrfach angesprochen worden: „Wie passt das eigentlich zusammen?“

Es passte, und zwar hervorragend. Joachim Gauck sieht die Bedeutung des Internets unter einem Blickwinkel, der sich hundertprozentig mit der DIVSI-Grundeinstellung deckt. Im Kern hat er sein Engagement stets so begründet: „Das

Internet verändert unsere Welt und geht uns deshalb alle an – ob wir es selbst nutzen oder nicht. Wir wollen und müssen daher darauf vertrauen können, dass diese Technologie unserer Gesellschaft nutzt. Dieses Vertrauen erfordert einen transparenten Diskurs darüber, wie wir in Zukunft mit den Chancen und Risiken dieser faszinierenden, aber auch

ambivalenten Technologie umgehen. Es ist unübersehbar, welchen Beitrag das Internet für mehr Wohlstand, Verteilungsgerechtigkeit und Freiheit leisten kann. Diese großen Chancen für eine bessere Zukunft müssen wir gemeinsam erhalten und ausbauen.“

Mehr über die Schwerpunkte unserer Arbeit finden Sie auf unserer Homepage (www.divsi.de).

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Der Autor

Matthias Kammer

Matthias Kammer

Foto: Frederike Heim

ist Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

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