Ethik – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Herausforderungen der Digitalethik https://www.divsi.de/herausforderungen-der-digitalethik/ https://www.divsi.de/herausforderungen-der-digitalethik/#respond Mon, 23 Jul 2018 08:21:52 +0000 https://www.divsi.de/?p=18310 Noch steht die Debatte darüber am Anfang. Sie wird sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben. Von Björn Haferkamp In Vorträgen, Positionspapieren und dem lebhaften Konferenzprogramm zu Themen der Digitalisierung ist das Stichwort der Digitalethik mittlerweile eine feste Größe. Doch so komplex und vielschichtig die Digitalisierung ist – die Ethik für eine digitale Welt ist es […]

The post Herausforderungen der Digitalethik appeared first on DIVSI.

]]>
Digitalethik

Foto: pikcha – Shutterstock

Noch steht die Debatte darüber am Anfang. Sie wird sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben.

Von Björn Haferkamp

In Vorträgen, Positionspapieren und dem lebhaften Konferenzprogramm zu Themen der Digitalisierung ist das Stichwort der Digitalethik mittlerweile eine feste Größe. Doch so komplex und vielschichtig die Digitalisierung ist – die Ethik für eine digitale Welt ist es nicht weniger. Die Karikatur all der gut gemeinten Reden und Manifeste zur Digitalisierung ist das schon seit Langem beliebte Buzzword- Bingo. Es persifliert die gehäufte Verwendung inhaltsleer gewordener Schlagworte. Dieses Schicksal sollte der Digitalethik erspart bleiben. Die Digitalethik sollte keine Buzzword-Ethik werden.

Für Skeptiker vielleicht ein frommer Wunsch, doch auf anderen Ethikfeldern ist das tatsächlich einigermaßen gut gelungen, etwa in der Wirtschaftsethik oder in der Medizinethik. Dieser Stand wurde allerdings nicht von heute auf morgen erreicht. Dahinter stecken allgemeine und detailreiche Analysen, zahlreiche Lösungsvorschläge und viele Diskussionen.

Definition

Einige Erfahrungen mit diesen Ethiken kann man auf die Digitalethik übertragen: zum Beispiel, dass niemand über eine größere ethische Autorität als jeder andere klar denkende Beurteiler verfügt, wie der Moralphilosoph Dieter Birnbacher hervorhebt, aber auch, dass mitunter von Ethikern zu viel erwartet wird, nämlich Sicherheit und weltanschauliche Orientierung. Auch die Digitalethik kann keine Doktrin oder Formelsammlung sein. Denn oft sind ethische Probleme vielschichtig, nicht auf Anhieb transparent und betreffen die Interessen sehr unterschiedlicher Akteure.

Häufig sind auch die Begriffe, die ein Thema vorgeben, unklar. Was genau ist Big Data, was Social Media, Dateneigentum, Digitale Teilhabe oder Maschinenlernen? Das sind nicht nur Fragen von Laien, auch die Fachleute operieren mit uneinheitlichen Definitionen. Meist ist das kein Problem, solange sich Arbeitsfelder nicht überlappen. Dies ändert sich aber spätestens, sobald sich ethische Probleme aufdrängen. Denn unterschiedliche Auffassungen einer Sache können zu sehr verschiedenen normativen Schlussfolgerungen führen. Was in der einen Sicht Kern des Problems ist, taucht in einer anderen vielleicht nur am Rande auf.

Problemfeld

Überhaupt liegt hier eine der größten derzeitigen Aufgaben der Digitalethik. In der konventionellen ethischen Praxis ist in der Regel das Problem bekannt, für das dann eine ethisch angemessene Lösung gesucht wird. Bei der Digitalisierung sind aber oft nicht einmal Art und Anzahl der ethischen Probleme eindeutig: Bei dem raschen technologischen Fortschritt „hinkt das Verständnis der ethischen Implikationen oft hinterher“, wie Brent Mittelstadt und Luciano Floridi vom Oxford Internet Institute konstatieren. Ein solches Verständnis wäre aber erst einmal die Voraussetzung, um über ethische Antworten nachdenken zu können. Entsprechend geht es in der Digitalethik zunächst auch darum, das Problemfeld zu kartografieren und zu strukturieren.

Nehmen wir die Frage des Dateneigentums. Rechtswissenschaft und politische Akteure diskutieren eifrig, denn Entscheidungen darüber, wie mit Daten umgegangen werden soll, sind dringend notwendig. Dabei bezieht man sich auf bestehende Gesetze, Regelungen und die Rechtsprechungspraxis. Sollen Daten den betroffenen Personen als Vermögensrecht zugewiesen werden? Handelt es sich um Sacheigentum oder um Immaterialgüter? Oder führen solche Konzepte bei Daten zu unerwünschten Resultaten, wie etwa der leichtfertigen und endgültigen Übertragung von Rechten an den eigenen Daten? Und wie kann man dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und dem Selbstbestimmungsrecht gerecht werden?

Selbst juristische Laien in dieser Debatte erkennen, dass den dringenden ethischen Erfordernissen bislang keine eindeutigen und überzeugenden Normen gegenüberstehen. Der Klärungsbedarf besteht nicht nur juristisch und politisch, sondern ganz grundsätzlich auch auf der Ebene der Ethik. Solange das so ist, darf man erwarten, dass die Diskussionen – auch wenn Vereinbarungen getroffen wurden – anhalten werden. Zu viele unterschiedliche Aspekte sind betroffen – Lebensbereiche, Interessen, ordnungspolitische Aspekte, Werte usw. –, als dass unmittelbar auf der Hand läge, welcher Weg zu beschreiten ist.

Ethik beharrlich

Privatsphäre

Besitzt ein mittelständisches Unternehmen seine Maschinen- und Produktionsdaten? Wie ist es mit Anwendern von eHealth-Apps? Oder mit Autofahrern, Herstellern, Versicherern und Verkehrsbehörden? Viele unterschiedliche Arten von Akteuren spielen eine Rolle. Bei all dem sind die Interessen des einzelnen Menschen aus ethischer Sicht besonders prekär und schützenswert. Aber für das Recht auf Privatsphäre des Einzelnen finden sich unterschiedliche ethische Begründungen, die teils weit in die vordigitale Zeit zurückreichen. Macht sie das obsolet oder im Gegenteil vielleicht besonders relevant?

Manche ethischen Begründungen führen das Recht auf Privatheit auf andere, grundlegendere Rechte zurück, betrachten es also als reduzibel. Die Auffassung dagegen, Privatheit sei ein intrinsischer Wert, kommt der verbreiteten Intuition entgegen, dass sie an sich wertvoll ist. Schließlich gibt es noch eigentumsbasierte und funktionale Begründungen des besonderen Wertes des Privaten. Nicht alle diese Positionen sind befriedigend, aber sie heben unterschiedliche Aspekte hervor, die nicht außer Acht gelassen werden können, wenn man ethisch akzeptable Prinzipien finden will.

Besonders deutlich wird das Problem der Identifikation und Implementierung ethisch akzeptabler Prinzipien bei autonomen Maschinen, denn hier möchte man natürlich keine wahllosen und unverantwortlichen Verhaltensweisen in die Welt setzen, sondern besonders umsichtige und schadensminimierende. Entsprechende Prinzipien wird aber nur eine sorgfältige Debatte liefern können, die nicht von Marketing- oder politischen Werbestrategien dominiert wird. Das gilt auch für die anderen ethischen Herausforderungen, die teilweise überhaupt erst einmal angemessen aufbereitet und verstanden werden müssen.

Wie bei Medizinethik, Wirtschaftsethik oder Technikethik erfordert auch die Digitalethik Sachkenntnis von Vertretern verschiedener Bereiche, ein ethisches Gespür für die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der Stakeholder und manchmal auch Geduld. Die Vielfalt der Gesichtspunkte hat dabei auch ihr Gutes. Sie trägt dazu bei, dass in einer komplexen Gemengelage wichtige Einzelaspekte nicht unter den Tisch fallen – ein Problem, das man in den letzten Jahren bei der Digitalisierung gelegentlich beobachten konnte.

Beharrlichkeit

Es ist mitunter eine Versuchung für wirtschaftliche und politische Akteure, voreilig vollendete Tatsachen zu schaffen. Aber die Ethik ist beharrlich. Unbefriedigend beantwortete Fragen stellt sie einfach immer weiter. Noch steht die Debatte über die Digitalethik in vielem ganz am Anfang. Sie wird sicher auf absehbare Zeit notwendig bleiben.

The post Herausforderungen der Digitalethik appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/herausforderungen-der-digitalethik/feed/ 0
DIVSI-Bucerius-Forum 2016: Is Code the New Law? – Ethik und Verantwortung in der digitalen Welt https://www.divsi.de/divsi-bucerius-forum-2016-is-code-the-new-law-ethik-und-verantwortung-in-der-digitalen-welt/ https://www.divsi.de/divsi-bucerius-forum-2016-is-code-the-new-law-ethik-und-verantwortung-in-der-digitalen-welt/#respond Wed, 24 Feb 2016 15:13:17 +0000 http://46.30.3.106/?p=14490 Forum des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und der Bucerius Law School am 12. und 13. Mai 2016 in Hamburg Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet und die Bucerius Law School setzen auch in diesem Jahr ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort, und so wird das diesjährige DIVSI-Bucerius-Forum am 12. […]

The post DIVSI-Bucerius-Forum 2016: Is Code the New Law? – Ethik und Verantwortung in der digitalen Welt appeared first on DIVSI.

]]>
Bucerius Law School

Forum des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und der Bucerius Law School am 12. und 13. Mai 2016 in Hamburg

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet und die Bucerius Law School setzen auch in diesem Jahr ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort, und so wird das diesjährige DIVSI-Bucerius-Forum am 12. und 13. Mai 2016 ebenfalls in den Räumen der Bucerius Law School stattfinden.

Ohne Informationstechnologie und eine Vernetzung über das Internet geht inzwischen fast nichts mehr. Die IT leitet uns in unseren beruflichen und privaten Lebenswelten. Sie trifft dort oftmals selbst Entscheidungen oder gibt uns zumindest Richtungen oder Rahmen für unsere Entscheidungen vor. Aber was bedeutet es eigentlich, wenn wir uns zunehmend auf Entscheidungsstrukturen verlassen, die nicht mehr menschlich sind? Welche Menschen bleiben dann noch verantwortlich und welche ethischen Grundsätze sollen dabei eigentlich gelten? Hierüber möchten wir mit Ihnen auf dem DIVSI-Bucerius-Forum 2016 ins Gespräch kommen und haben daher den Titel „Is Code The New Law? – Ethik und Verantwortung in der digitalen Welt“ als Leitfrage für unsere Veranstaltung gewählt.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung wird die Chefredakteurin der WirtschaftsWoche Prof. Dr. Miriam Meckel ethische Fragen am Mensch-Maschine-Merger aufwerfen. Auf dem anschließenden Podium werden die Diskutanten sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und darüber diskutieren, ob wir im digitalen Zeitalter eine neue Ethik brauchen. Für das Podium haben zugesagt: Stephan Noller, Geschäftsführer ubirch GmbH, Prof. Dr. Björn Bloching, Roland Berger, Prof. Dr. Dagmar Borchers, Universität Bremen und Silke Lautenschläger, Mitglied des Vorstands der ERGO Versicherungsgruppe AG, Maria Reimer, Gründerin Jugend hackt. Der zweite Tag wird aus akademischer Perspektive die Aspekte von Ethik und Verantwortung in Zeiten der Digitalisierung beleuchten. Vortragende werden sein: Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem, Bucerius Law School, Prof. Dr. Ingrid Schneider, Universität Hamburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann und Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Buchmann, Technische Universität Darmstadt.

Das vorläufige Programm können Sie hier und unter ipcenter.law-school.de einsehen.

Programm

„Is Code The New Law?“
Ethik und Verantwortung in der digitalen Welt

DIVSI-Bucerius Forum
am 12./13. Mai 2016

Donnerstag, 12. Mai 2016
14.00 Registrierung und Begrüßungskaffee
14.30

Begrüßung

Prof. Dr. Karsten Thorn, LL.M., Bucerius Law School, Hamburg
Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg

14.45

Grußwort

Staatssekretär Gerd Billen, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Berlin

15.00

Die Lücke, die der Teufel lässt – Ethische Fragen an den Mensch-Maschine-Merger

Prof. Dr. Miriam Meckel, WirtschaftsWoche, Düsseldorf

16:00

kurze Pause
16:15

Podiumsdiskussion: „Das Internet – ethikfreie Zone?“ Wie ändern sich in Zeiten der Digitalisierung Normen und Werte? Brauchen wir neue ethische Standards? Mit diesen Fragen wird sich die Diskussionsrunde befassen.

Prof. Dr. Björn Bloching, Roland Berger, Hamburg
Prof. Dr. Dagmar Borchers, Universität Bremen
Silke Lautenschläger, Mitglied des Vorstands der ERGO Versicherungsgruppe  AG, Düsseldorf
Stephan Noller, Geschäftsführer ubirch GmbH, Berlin
Maria Reimer, Jugend hackt, Berlin

Moderation: Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg

Im Anschluss


Ausklang mit Buffet

 

Freitag, 13. Mai 2016

8.30 Registrierung und Begrüßungskaffee
9.00

Begrüßung

Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg

Vorträge mit Diskussion
9.15

Rechtliche und außerrechtliche Regeln in der „Welt“ des Internets – Steuerungs- und Selektionswirkungen

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem, Bucerius Law School, Hamburg

10.15

Potentiale und Grenzen der professionsethischen Selbstregulierung in der Informatik

Prof. Dr. Ingrid Schneider, Universität Hamburg

11.15 Kaffeepause
11.45

Die digitale Agenda im Gesundheitssystem. Chancen und Risiken – Ethische Fragen

Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen

12.45

Big Hype, Big Brother – die ethische Dimension von Big Data

Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Buchmann, Technische Universität Darmstadt

13.45

Schlusswort

Matthias Kammer, DIVSI, Hamburg 

Im Anschluss Imbiss und Ausklang der Veranstaltung

Zur Anmeldung

The post DIVSI-Bucerius-Forum 2016: Is Code the New Law? – Ethik und Verantwortung in der digitalen Welt appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/divsi-bucerius-forum-2016-is-code-the-new-law-ethik-und-verantwortung-in-der-digitalen-welt/feed/ 0