Quantify Self – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/ https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/#respond Wed, 17 Jan 2018 09:09:00 +0000 http://46.30.3.106/?p=17036 Erkenntnisse des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Auch das persönliche Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland Verbreitung gefunden. Von Christian P. Hoffmann Ein Schreck jagte durch die Apothekerzunft – ausgelöst durch den Versandhändler Amazon. Ende November ermöglichte die amerikanische Plattform schlagartig zahlreichen Apotheken nicht mehr, ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente über den „Amazon […]

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Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen

Erkenntnisse des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Auch das persönliche Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland Verbreitung gefunden.

Von Christian P. Hoffmann

Ein Schreck jagte durch die Apothekerzunft – ausgelöst durch den Versandhändler Amazon. Ende November ermöglichte die amerikanische Plattform schlagartig zahlreichen Apotheken nicht mehr, ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente über den „Amazon Marketplace“ zu vertreiben. Immerhin rund 40 Apotheken sahen sich plötzlich mit der Gefahr gravierender Umsatzeinbrüche konfrontiert, und dies ausgerechnet vor dem so wertvollen Weihnachtsgeschäft. Die Entwarnung folgte nur kurze Zeit später – Amazon sprach von einem Versehen und versicherte, den Medikamentenversand weiterhin zu ermöglichen.

Ist denn der Online-Handel mit Medikamenten tatsächlich ein so relevantes Geschäft, könnte man nun fragen. Durchaus – wie eine aktuelle Umfrage im Rahmen des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“ zeigt. 61 Prozent der Internetnutzer in Deutschland haben schon über das Internet Medikamente geordert. 26 Prozent geben an, mindestens einmal im Jahr Medikamente zu kaufen, 21 Prozent mindestens einmal im Monat, davon bestellen 3 Prozent sogar mindestens einmal pro Woche Medikamente im Netz.

Internet-Bestellung

Frauen (63 Prozent) sind dabei etwas aktiver als Männer (59 Prozent). Besonders verbreitet ist die Online-Bestellung von Medikamenten unter den 30- bis 39-Jährigen (72 Prozent) und auch unter den 60- bis 69-Jährigen (68 Prozent). Die Urbanität der Wohngegend spielt hingegen keine erkennbare Rolle – Medikamente im Internet zu bestellen, ist in der Stadt (61 Prozent) nahezu gleich verbreitet wie auf dem Land (60 Prozent).

Das Forschungsteam der Universität Leipzig hatte knapp 1.000 Internetnutzer zur Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen befragt. Zuvor waren in einer Literaturanalyse sowie durch Fokusgruppen- Befragungen Online-Aktivitäten gesammelt worden, die der Gesundheitspflege oder der Behandlung von Krankheiten dienen. Insgesamt 33 solcher Aktivitäten wurden identifiziert – die Teilnehmer der quantitativen Umfrage gaben an, wie häufig sie diesen Aktivitäten nachgehen.

Wenig überraschend: Am weitesten verbreitet sind in Deutschland Informationstätigkeiten. 70 – 80 Prozent der Internetnutzer suchen im Netz nach Informationen zu Krankheitsbildern, Behandlungsmöglichkeiten, Gesundheitstipps, nach Ärzten, Krankenhäusern oder Medikamenten. Etwa ein Drittel informiert sich regelmäßig mindestens einmal im Monat. Unter den zehn häufigsten Online-Aktivitäten zu Gesundheitsthemen finden sich alleine sieben Formen der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen. Ebenfalls unter den Top 10 finden sich – neben dem Online-Bestellen von Medikamenten – auch das Anschauen von Trainings- und Fitnessvideos sowie die Nutzung von Fitness- und Trainings- Apps. Vertieft untersucht wurde vor diesem Hintergrund auch die „digitale Selbstvermessung“. Diverse Apps und tragbare Endgeräte („Wearables“) ermöglichen es ihren Nutzern, laufend eigene Gesundheitsdaten zu erfassen – und diese dann online auch mit anderen zu teilen. Dazu können Körpermesswerte wie z.B. Puls und Gewicht gehören, aber auch Ernährungsdaten, Schlafrhythmen etc. Die Umfrageteilnehmer wurden vor diesem Hintergrund gefragt, wie häufig sie (1) online Gesundheitsdaten sammeln (z.B. durch ein Fitnessarmband, eine Smartwatch, digitale Waage etc.) und (2) online Gesundheitsdaten mit anderen teilen oder diskutieren (z.B. über Facebook).

Selbstvermessung

Dabei wurde deutlich: Das Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland tatsächlich eine gewisse Verbreitung gefunden. 17 Prozent sind bereits in der Selbstvermessung aktiv. Zurückhaltender sind die Internetnutzer beim Teilen von Gesundheitsdaten zum Beispiel in Sozialen Netzwerken – mit 10 Prozent haben dies aber schon mehr als die Hälfte derjenigen getan, die Gesundheitsdaten sammeln.

Die Umfrageergebnisse zeigen ein Geschlechtermuster, das relativ typisch ist für die Nutzung neuer technischer Geräte: Männer geben sich hier etwas experimentierfreudiger als Frauen. 19 Prozent der Männer, hingegen 16 Prozent der Frauen sammeln ihre Gesundheitsdaten. Vor allem sind aber Männer im Netz mitteilungsfreudiger: 12 Prozent teilen die gesammelten Daten tatsächlich, bei den Frauen sind dies 8 Prozent. Diese Unterschiede relativieren sich aber, wenn die regelmäßige Nutzung ins Auge gefasst wird – unter den wöchentlichen Nutzern sind die Frauen mit 7 Prozent sogar ein wenig stärker vertreten als die Männer (6 Prozent).

Datensammlung

Vor allem entpuppt sich die digitale Selbstvermessung aber als eine Art Lifestyle-Phänomen der urbanen Oberschichten. Sie nimmt bis zur Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen zu (33 Prozent), danach sukzessive ab. Akademiker sind hier besonders aktiv. Unter jenen mit einer Promotion haben 25 Prozent schon Gesundheitsdaten gesammelt, immerhin 13 Prozent haben diese Daten auch online geteilt. In Großstädten sammeln 20 Prozent eigene Daten (gegenüber 17 Prozent im Bundesdurchschnitt). Diese Aktivität nimmt mit steigendem Einkommen zu. 24 Prozent der Internetnutzer aus Haushalten mit einem Nettoeinkommen von über 4.000 EUR sammeln Gesundheitsdaten, aber nur 15 Prozent jener mit einem Einkommen unter 1.000 EUR.

Das Internet ermöglicht aber nicht nur die Vermessung der eigenen Person, sie erleichtert auch die Beurteilung anderer – durch Likes, Punkte, Sterne oder ähnliche Ratingsysteme. Selbst die einstmaligen „Halbgötter in Weiß“ sind vor dieser Entwicklung nicht sicher. Immer mehr Patienten nehmen sich das Recht, ihre Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin online zu bewerten – über alle Altersgruppen hinweg knapp ein Viertel der Internetnutzer (24 Prozent), davon 3 Prozent einmal im Monat, 2 Prozent sogar einmal pro Woche. Dabei lassen sich keine Geschlechterunterschiede feststellen. Weit verbreitet ist die Online-Bewertung von Ärzten vor allem unter Berufstätigen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren (38 Prozent) sowie den höher Gebildeten. Unter Promovierten geben 8 Prozent an, jeden Monat Ärzte zu bewerten.

Nicht nur Patientenbewertungen fordern die Autorität von Ärztinnen und Ärzten heraus. Zahlreiche Laien nutzen das Internet auch, um sich gegenseitig Gesundheitstipps zu geben. In Online-Gruppen und -Foren teilen sie persönliche Krankheitserfahrungen und bieten sich so auch gegenseitige Unterstützung. Studien zeigen, dass das Erzählen einer Krankheitsgeschichte im Internet und der Austausch von Empfehlungen Individuen dabei helfen können, ihre Erkrankungen besser zu akzeptieren und schneller zu verarbeiten.

Unter den deutschen Internetnutzern ist das Aussprechen von Tipps (18 Prozent) etwas weiter verbreitet als das Teilen von eigenen Krankheitserfahrungen (14 Prozent). Männer (16 Prozent) sind in der Tendenz eher bereit als Frauen (13 Prozent), online ihre Erfahrungen zu beschreiben. Betrachtet man aber nur jene Internetnutzer, die mindestens wöchentlich in Online-Foren aktiv sind, liegen Frauen (3 Prozent) wiederum geringfügig vor den Männern (2 Prozent). 30- bis 39-Jährige bieten am häufigsten Gesundheitstipps im Netz an (32 Prozent), aber auch 10 Prozent der über 80 Jährigen Internetnutzer haben anderen schon online Ratschläge erteilt.

Selbsttest

Angesichts der zahlreichen Möglichkeiten, das Internet für eine Partizipation in Gesundheitsbelangen zu nutzen, stellte sich das Forschungsteam schließlich die Frage, ob es eine Gruppe unter den deutschen Internetnutzern gibt, die besonders ausgiebig von diesen Gebrauch machten. Die Analyse zeigt: Knapp 5 Prozent der Internetnutzer haben tatsächlich bereits online Gesundheits-Selbsttests gemacht, im Netz einen Arzt konsultiert, an einer Online- Therapie teilgenommen, im Internet Medikamente bestellt und auch die Korrespondenz mit der Krankenkasse online abgewickelt. Diese in Gesundheitsfragen online besonders intensiv Beteiligten können als „digitale Rundumversorger“ bezeichnet werden. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung ist diese Nutzergruppe tendenziell männlich (69 Prozent), zwischen 20 und 40 Jahre alt (49 Prozent), einkommensstark (8 Prozent verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 EUR, im Vergleich zu 3 Prozent der Bevölkerung) und hoch gebildet (Akademikeranteil von 44 Prozent).

Welche Motive Internetnutzer antreiben, einen hohen Grad der Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen zu praktizieren, oder welche Sorgen sie umgekehrt davon abhalten, Fitnessdaten im Netz zu teilen, welche Auswirkungen es auf das Wohlbefinden hat, in Foren oder Gruppen Gesundheitsfragen zu diskutieren – diese und weitere Fragen wird eine nächste Studie des DIVSI Forschungsprogramms Beteiligung im Internet beantworten.

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Wearable Technology – das Ende emotionaler Geheimnisse? https://www.divsi.de/wearable-technology-das-ende-emotionaler-geheimnisse/ https://www.divsi.de/wearable-technology-das-ende-emotionaler-geheimnisse/#respond Mon, 11 Nov 2013 12:42:26 +0000 http://46.30.3.106/?p=5159 Von Yi-Ji Lu Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für […]

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Wearable Technology - eine Welt ohne Geheimnisse?

Bild: Ken Tannenbaum – Shutterstock

Von Yi-Ji Lu

Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für Reisepässe als gesetzeskonform zu erklären  – für kontroverse Diskussionen. Verständlich. Doch Wearable Technology bietet Möglichkeiten, die viel weiter reichen.

Nebst dem Potenzial, das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern, erwachsen aus derartigen Technologien ganz neue Dimensionen möglicher Gefährdungen der Privatsphäre. Ihr Einsatz ist bereits heute weiter fortgeschritten, als die futuristisch anmutenden Funktionalitäten vermuten lassen:

So hat Hitachi ein Gerät in Größe einer gewöhnlichen Mitarbeiteridentifikationskarte entwickelt, das vollgestopft mit Sensoren Bewegung und Sprache der Mitarbeiter ebenso misst wie Beleuchtung und Temperatur. Dadurch kann gemessen werden, welcher Mitarbeiter mit welchem Kollegen Kontakt hat und welche Auswirkungen diese Interaktion auf des Energielevel des jeweiligen Mitarbeiters hat. Die Performance von Football-Spielern wird über in der Unterwäsche platzierte Sensoren gemessen, die Aufschluss über Laufzeiten und Belastungslevel der Spieler geben und somit erschöpfungsbedingte Verletzungen verhindern können.

Eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse

Besonders weitreichende Konsequenzen hat die Erfassung von jenen Körperdaten, die Rückschlüsse auf unsere Emotionen zulassen. Dr. Chuck Jorgensen, Wissenschaftler der NASA,  sagt den Vormarsch von Wearable oder Embedded Technology voraus, der nach dem derzeit wahrnehmbaren Rückgang an Privatsphäre auch das Ende der emotionalen Geheimnisse zur Folge haben wird. Mit der Analyse von Gesichtsausdruck, Lidschlagfrequenz, Temperatur von Gesichtsbereichen, Atemfrequenz, Änderung der Pupillengröße, Blickrichtung und Verweildauer des Blickes auf einem Objekt, Muskelanspannung oder Stimm- und Sprechanalyse könnten bereits heute Computer mit einer Trefferquote von bis zu 90 Prozent die Emotionen eines Menschen entschlüsseln.

Dabei steht diese Entwicklung noch am Anfang und es ist anzunehmen, dass die Treffsicherheit immer weiter steigen wird. Wearable-Techology-Lösungen werden ermöglichen, dass ein User mittels der kontrovers diskutierten Datenbrille Google Glass oder mittels eines Kontaktlinsencomputers die Gefühlswelt seines Gesprächspartner scannt, ohne dass dieser davon etwas mitbekommt.

Die Implikationen, so Jorgensen, sind immens. Jederzeit und mit nahezu perfekter Trefferquote seien Emotionen, Zustimmung, Ablehnung, Wahrheit oder Lüge ablesbar. Damit lassen sich gespielte Gefühlsneutralitäten entlarven, die für zwischenmenschliche, geschäftliche und politische Beziehungen essentiell sind. Dies wird zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen.

Die Entwicklung von Wearable Technology sei unumkehrbar und der Weg zur automatisierten Gefühlsanalyse vorgezeichnet.

Die konsequente Nutzung von Wearable Technology bringt uns zu einer Kernfrage: Müssen Kommunikations- und Verhaltensweisen grundsätzlich neu ausgehandelt werden, da künftig in einer Welt ohne Geheimnisse alles das sichtbar wird, was man vorher bewusst oder unbewusst nicht mit dem Gegenüber teilte?

Wearable Technology zum Körper-Monitoring

Eher harmlos sind dagegen Nutzungsmöglichkeiten, die sich in einer Quantified-Self Bewegung bündeln. Hier werden mit elektronischen Armbändern wie Jawbones Up Bewegungs- und Schlafaktivitäten gemessen. So wollen die Nutzer ihre Arbeitsleistung, sportliche Fitness oder Ernährungsweisen visualisieren und verbessern. Die Veröffentlichung ihrer Körper- und Fitnessdaten dient den Usern zugleich als Motivationssystem, da Erfolge für alle sichtbar werden und damit für zusätzlichen Antrieb sorgen.

Auch in Sachen Medizin lässt sich die neue Technologie nutzen. Mit dem Internet verbundene medizinische Implantate, die die Früherkennung gesundheitlicher Risiken ermöglichen oder die Insulinaufnahme von Diabetikern automatisieren, befinden sich bereits in Erprobungsphasen und werden die gesamte Medizin grundlegend verändern.

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