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Wearable Technology – das Ende emotionaler Geheimnisse?

11. November 2013

Wearable Technology - eine Welt ohne Geheimnisse?

Bild: Ken Tannenbaum – Shutterstock

Von Yi-Ji Lu

Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für Reisepässe als gesetzeskonform zu erklären  – für kontroverse Diskussionen. Verständlich. Doch Wearable Technology bietet Möglichkeiten, die viel weiter reichen.

Nebst dem Potenzial, das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern, erwachsen aus derartigen Technologien ganz neue Dimensionen möglicher Gefährdungen der Privatsphäre. Ihr Einsatz ist bereits heute weiter fortgeschritten, als die futuristisch anmutenden Funktionalitäten vermuten lassen:

So hat Hitachi ein Gerät in Größe einer gewöhnlichen Mitarbeiteridentifikationskarte entwickelt, das vollgestopft mit Sensoren Bewegung und Sprache der Mitarbeiter ebenso misst wie Beleuchtung und Temperatur. Dadurch kann gemessen werden, welcher Mitarbeiter mit welchem Kollegen Kontakt hat und welche Auswirkungen diese Interaktion auf des Energielevel des jeweiligen Mitarbeiters hat. Die Performance von Football-Spielern wird über in der Unterwäsche platzierte Sensoren gemessen, die Aufschluss über Laufzeiten und Belastungslevel der Spieler geben und somit erschöpfungsbedingte Verletzungen verhindern können.

Eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse

Besonders weitreichende Konsequenzen hat die Erfassung von jenen Körperdaten, die Rückschlüsse auf unsere Emotionen zulassen. Dr. Chuck Jorgensen, Wissenschaftler der NASA,  sagt den Vormarsch von Wearable oder Embedded Technology voraus, der nach dem derzeit wahrnehmbaren Rückgang an Privatsphäre auch das Ende der emotionalen Geheimnisse zur Folge haben wird. Mit der Analyse von Gesichtsausdruck, Lidschlagfrequenz, Temperatur von Gesichtsbereichen, Atemfrequenz, Änderung der Pupillengröße, Blickrichtung und Verweildauer des Blickes auf einem Objekt, Muskelanspannung oder Stimm- und Sprechanalyse könnten bereits heute Computer mit einer Trefferquote von bis zu 90 Prozent die Emotionen eines Menschen entschlüsseln.

Dabei steht diese Entwicklung noch am Anfang und es ist anzunehmen, dass die Treffsicherheit immer weiter steigen wird. Wearable-Techology-Lösungen werden ermöglichen, dass ein User mittels der kontrovers diskutierten Datenbrille Google Glass oder mittels eines Kontaktlinsencomputers die Gefühlswelt seines Gesprächspartner scannt, ohne dass dieser davon etwas mitbekommt.

Die Implikationen, so Jorgensen, sind immens. Jederzeit und mit nahezu perfekter Trefferquote seien Emotionen, Zustimmung, Ablehnung, Wahrheit oder Lüge ablesbar. Damit lassen sich gespielte Gefühlsneutralitäten entlarven, die für zwischenmenschliche, geschäftliche und politische Beziehungen essentiell sind. Dies wird zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen.

Die Entwicklung von Wearable Technology sei unumkehrbar und der Weg zur automatisierten Gefühlsanalyse vorgezeichnet.

Die konsequente Nutzung von Wearable Technology bringt uns zu einer Kernfrage: Müssen Kommunikations- und Verhaltensweisen grundsätzlich neu ausgehandelt werden, da künftig in einer Welt ohne Geheimnisse alles das sichtbar wird, was man vorher bewusst oder unbewusst nicht mit dem Gegenüber teilte?

Wearable Technology zum Körper-Monitoring

Eher harmlos sind dagegen Nutzungsmöglichkeiten, die sich in einer Quantified-Self Bewegung bündeln. Hier werden mit elektronischen Armbändern wie Jawbones Up Bewegungs- und Schlafaktivitäten gemessen. So wollen die Nutzer ihre Arbeitsleistung, sportliche Fitness oder Ernährungsweisen visualisieren und verbessern. Die Veröffentlichung ihrer Körper- und Fitnessdaten dient den Usern zugleich als Motivationssystem, da Erfolge für alle sichtbar werden und damit für zusätzlichen Antrieb sorgen.

Auch in Sachen Medizin lässt sich die neue Technologie nutzen. Mit dem Internet verbundene medizinische Implantate, die die Früherkennung gesundheitlicher Risiken ermöglichen oder die Insulinaufnahme von Diabetikern automatisieren, befinden sich bereits in Erprobungsphasen und werden die gesamte Medizin grundlegend verändern.

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Der Autor

Yi-Ji Lu

Yi-Ji Lu

Foto: CREATIVE CONSTRUCTION HEROES GMBH

ist Content Strategist bei CREATIVE CONSTRUCTION HEROES GMBH.

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