Your Net – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Unterstützung im Digitalen Dickicht erwünscht https://www.divsi.de/unterstuetzung-im-digitalen-dickicht-erwuenscht/ https://www.divsi.de/unterstuetzung-im-digitalen-dickicht-erwuenscht/#respond Mon, 28 Dec 2015 08:41:13 +0000 http://46.30.3.106/?p=14312 Von Joanna Schmölz Die umfangreiche Auswertung aller Erkenntnisse von der Your Net ist nunmehr abgeschlossen. Dabei wurden im letzten Arbeitsgang Befragungsergebnisse der jungen Teilnehmer aufgeschlüsselt. Demnach ging es den gut 500 jungen Gäste bei der zweitägigen Veranstaltung in Hamburg im Wesentlichen um vier Themen: Vertrauen und Sicherheit, Law & Order, Digitale Identität und digitalisierter Alltag […]

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Your Net – DIVSI Convention 2015

Foto: Stefan Zeitz

Von Joanna Schmölz

Die umfangreiche Auswertung aller Erkenntnisse von der Your Net ist nunmehr abgeschlossen. Dabei wurden im letzten Arbeitsgang Befragungsergebnisse der jungen Teilnehmer aufgeschlüsselt. Demnach ging es den gut 500 jungen Gäste bei der zweitägigen Veranstaltung in Hamburg im Wesentlichen um vier Themen: Vertrauen und Sicherheit, Law & Order, Digitale Identität und digitalisierter Alltag sowie Karriere und Internet.

Die Fakten machen deutlich, dass das Your-Net-Angebot die Interessenpunkte der jungen Menschen getroffen hat. Gleichzeitig lässt sich daraus ablesen, auf welchen Feldern ein Schwerpunkt für die nachwachsende Generation liegt. Joanna Schmölz, wissenschaftliche Leiterin von DIVSI: „Erfreulicherweise sind bei uns sehr viele Rückmeldungen eingegangen, sodass wir für die Auswertung auf eine breite Basis zurückgreifen konnten. Ziel der Your Net war es ja gerade, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Wort kommen zu lassen. Und sie haben ihre Wünsche und Bedarfe sehr deutlich formuliert.“

Your Net–Feedback

Your Net: Die Auswertung von Teilnehmerwünschen ist abgeschlossen. (Foto: Stefan Zeitz)

Im Hinblick auf „Vertrauen und Sicherheit“ kritisieren die Your-Net-Teilnehmer eine zunehmende Intransparenz in der digitalen Welt. Insgesamt führe dies zu einer Verunsicherung und technischen Überforderung. Um dies zu verhindern, wünsche man sich kontinuierliche Aufklärung, Sensibilisierung sowie konkrete Handlungsempfehlungen zu Chancen und Risiken. Gewünscht werden mehr Dialoge über netzpolitische Themen mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft.

Aufklärung

Im Bereich „Law & Order im Netz“ halten die jungen Menschen die Rechtslage für „einfach nicht durchschaubar“. Rechtliche Grauzonen und Gesetzesüberschreitungen werden wahrgenommen, aber von der gängigen Alltagspraxis und der Orientierung an dem, „was alle machen“, überlagert. Hier wird vor allem Aufklärung über Grauzonen und eine laiengerechte Erläuterung der Rechtslage gewünscht, um besser zu verstehen, wie nahe man sich an der Legalitätsgrenze bewegt. Beim Thema „Digitale Identität und digitalisierter Alltag“ wurden konkrete Ängste im Hinblick auf ungewollte Einblicke in persönliche Daten und damit verbundene Reputation bei künftigen Arbeitgebern deutlich. Ein „Kontrollverlust“ und Unsicherheiten bei der Frage, wie viel man von sich selbst im Internet preisgeben möchte und sollte, führen zu Unbehagen. Gleichzeitig haben die jungen Menschen aber keine Lösung für das Problem. Gleichgültig hinsichtlich der Verwendung ihrer Daten im Internet sind nur die wenigsten. Die Your-Net-Besucher wünschen sich stärkere Mündigkeit und Selbstbestimmung durch mehr Informationen und Transparenz.

Veränderung

Beim Stichwort „Karriere und Internet“ wissen junge Menschen eindeutig, dass durch die Digitalisierung eine Veränderung des Berufslebens statt ndet. Sie suchen nach Möglichkeiten, wie man sich darauf vorbereiten kann. Gleichzeitig sind sie an Hinweisen auf neue Geschäftsmodelle und Möglichkeiten zur beruflichen Selbstverwirklichung durch das Internet interessiert. Dabei wünschen sie sich, mehr über zukunftsträchtige Berufe im Zusammenhang mit Internet und Medien zu erfahren. Gleichzeitig möchten sie Voraussetzungen und Kompetenzen für solche zukunftsorientierten Aufgaben kennenlernen und detailliert über Chancen und Vorgehensweisen zur Gründung eines Business im Internet informiert werden.

Joanna Schmölz: „Die Your Net hat uns einen detaillierten Einblick in die Ansichten junger Menschen zum Internet ermöglicht. Sie blicken chancenorientiert in die Zukunft, sind sich dabei aber auch der Risiken bewusst. Auf sich allein gestellt, sind diese scheinbar so selbstverständlich in der digitalisierten Welt aufwachsenden jungen Menschen jedoch (noch) nicht immer in der Lage, sich souverän durch das digitale Dickicht zu bewegen. Hier sind Politik, Wirtschaft, ja sind wir alle gefragt, uns mit den Anliegen der jungen Generation auseinanderzusetzen und ihnen einen Weg in eine chancenreiche Zukunft zu ebnen.“

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Jugend entdeckt das Internet neu https://www.divsi.de/jugend-entdeckt-das-internet-neu/ https://www.divsi.de/jugend-entdeckt-das-internet-neu/#respond Wed, 29 Jul 2015 10:50:42 +0000 http://46.30.3.106/?p=12563 Your Net – DIVSI Convention 2015: Hamburger Kongress ein voller Erfolg. Zwei Tage lernen, diskutieren, Spaß haben. Von Tom Solbrig Über Nana Domenas Gesicht kullern große Schweißperlen. Er ist voller Energie. Um ihn herum Sand, Palmen und euphorische Menschen. Der aus Ghana stammende Moderator hat soeben mit Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und […]

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Your Net – DIVSI Convention 2015

Foto: Stefan Zeitz

Your Net – DIVSI Convention 2015: Hamburger Kongress ein voller Erfolg. Zwei Tage lernen, diskutieren, Spaß haben.

Von Tom Solbrig

Über Nana Domenas Gesicht kullern große Schweißperlen. Er ist voller Energie. Um ihn herum Sand, Palmen und euphorische Menschen.

Der aus Ghana stammende Moderator hat soeben mit Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet, die erste „Your Net-Convention“ im Beach Hamburg eröffnet. „Ich erhoffe mir, dass die jungen Leute im Netz vom Nutzer zum Macher werden“, sagt Kammer.

Ungewöhnlich ist die Location. Aus Liegestühlen kann man die Veranstaltung verfolgen. „Man ist irgendwie vom Alltag herausgelöst“, sagt Stimmungskanone Domena, der begeistert von der Idee ist, durch Sand bei einem Kongress zu laufen.

Promis vor Ort

Mit dabei sind Viviana und Lennart. Der 16-jährige Schüler interessiert sich wie auch viele andere für den Datenschutz im Internet.

Mit der Convention erhofft er sich, wichtige Fragen beantwortet zu bekommen. Wie öffentlich muss unser Leben sein? Wie schnell werden unsere Daten missbraucht? Ist ein Leben ohne Internet vorstellbar?

Dafür stehen Referenten auf Podiumsdiskussionen und in Workshops Rede und Antwort. Große der Szene wurden eingeladen. Einer der bekanntesten ist Max Schrems. Der österreichische Autor sorgt derzeit mit einer Schadensersatzklage im Millionenbereich gegen Facebook für Furore – wie auch gegen das NSA-Überwachungsprogramm „PRISM“, über das in Kürze der Europäische Gerichtshof entscheiden wird.

Für die 20 Jahre junge Viviana wurde das Thema jedoch oft genug in den Medien thematisiert.„Die NSA-Affäre ist schon ausgekaut“, sagt die Kommunikationsstudentin und besucht daher am Vormittag den Workshop „Berufsfeld Internet“.

Datenklau-Debatte

Zeitgleich verfolgt Lennart im Plenum die Podiumsdiskussion „Privacy – Wie öffentlich möchtest du sein?“. Mit dabei sind unter anderem Max Schrems und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Der Datenklau wird auch debattiert. Dass man nüchtern betrachtet als Nutzer nicht viel gegen den Internetriesen Facebook und dessen Datenmissbrauch unternehmen kann, lautet im Endeffekt das Fazit.

Podiumsdiskussion Privacy

Podiumsdiskussion Privacy mit Michaela Schröder, Sebastian Hahn, Daniel Bröckerhoff, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Max Schrems (v.l.) (Foto: Yi-Ji Lu)

„Man sollte am besten keine Postings machen, die nicht notwendig sind. Sonst kann man nicht viel tun, außer dass man auf alles verzichtet. Denn selbst bei der Synchronisation des Handys deines Freundes gelangen Informationen von dir ins Netz“, sagt Schrems.

Draußen im Pavillon ist der Workshop zu Ende gegangen, den Viviana besuchte. In der Hoffnung, neue Impulse zu bekommen, wurde sie ein wenig enttäuscht. „Es hat mir nicht wirklich was gebracht. Das lag vielleicht auch an den jungen Teilnehmern. Die Fragen gingen teilweise echt am Thema vorbei“, erzählt die Studentin. Zudem gab es Probleme mit dem WLAN, weshalb kaum Zeit für die Gruppenarbeit blieb.

Währenddessen beschäftigt man sich ein paar Pavillons weiter mit der Frage: „Liegt im Netz immer die Wahrheit?“ Wie schwierig es ist, Fehlinformationen von der Wahrheit zu trennen, zeigt der „Stinkefinger-Eklat“ um den griechischen Finanzminister Varoufakis. Wenn selbst die seriösen und öffentlich-rechtlichen Sender nicht die Wahrheit wissen, wie kann dann der Einzelne verlässliche Informationen aus dem Internet beziehen?

„Im Internet läuft es nicht mehr so ab, dass nur noch Medienmacher Informationen zu den Konsumenten spielen, sondern dass es auch mittlerweile umgekehrt ablaufen kann. Informationen sind somit inzwischen von jedermann manipulierbar“, sagt der Mediendesigner Anselm Sellen und rät: „Wichtig ist, dass jeder eine tiefe Sensibilität besitzt, Informationen aus dem Internet aufzunehmen und diese zu hinterfragen.“

Ein wenig erschöpft strömen die 500 Teilnehmer nach den ersten neun Workshops in die zwei großen Hallen, um sich am Buffet zu bedienen. Essen, Getränke, Unterkunft und Anreise sind für alle Teilnehmenden kostenlos. „Ziel war es, diese Veranstaltung jedem zu ermöglichen – also allen frei zugänglich zu machen“, so Direktor Kammer.

Knack-Zeit

Auch in das Plenum strömen wieder die Massen. Anziehungspunkt ist diesmal Deutschlands erster IT-Comedian. Die Zuschauer werden beim Live-Hacker Tobias Schrödel Augenzeuge, dass es nicht lange braucht, Passwörter oder Smartphones zu knacken. Mithilfe eines ZIP-Archives kann er in nur acht Sekunden ein fünfstelliges Passwort knacken. „Zum einen sollten vernünftige Passwörter verwendet werden. Nicht zu vergessen ist ein aktueller Virenschutzscanner. Und alles, was funkt, nicht immer nur funken lassen. Sondern nur verwenden, wenn man es braucht“, rät Schrödel.

Live Hacker Tobias Schrödel auf der Your Net

Live Hacking: Tobias Schrödel zeigt, wie leicht er in Laptops etc. eindringen kann. (Foto: Yi-Ji Lu)

In den Nachmittagsworkshops sind unter anderem Florian Thalmann, Journalist, und Alexander Bangula, YouTube-Blogger, dabei. Während Alexander Bangula, bekannt als „Mr. Helfersyndrom“, beruflich aufs Internet angewiesen ist, hat Florian Thalmann einen Selbstversuch gewagt und sich die Frage gestellt: „Ist ein Leben ohne Internet vorstellbar?“ Dafür war er vier Wochen offline. „Ich hatte viele Momente, wo ich kurz vor dem Einknicken war und gemerkt habe, jetzt brauche ich das Internet“, sagt Florian Thalmann und empfiehlt daher, nicht komplett auf das Internet zu verzichten: „Ich finde es wichtiger, man schafft sich kleine Oasen. Also dass man mal spazieren geht und das Handy zu Hause lässt.“

Der YouTube-Blogger Alex Bangula sieht es ähnlich. Sein Smartphone schaltet er etwa abends aus oder checkt nicht mehr unterwegs die Mails. „Man muss lernen, vernünftig umzugehen“, sagt er, der mit seinem Kanal mehrere Tausend Fans erreicht und Smartphones bewertet. Auf der Convention gibt er einen Einblick in das Business Internet und zeigt auch, wie er sein Geld verdient, etwa mit Affiliate-Marketing.

Vivianas zweiter Workshop ist mittlerweile auch vorbei. „Der Workshop jetzt war viel besser. Ich fand gut, dass sich gleich drei Professoren aus den Wissenschaftsfeldern Soziologie, Psychologie und Neurologie mit der Frage, wie uns das Internet verändert, beschäftigt haben“, sagt sie. Der Kongress hat ihr sehr gefallen. „Die Auswahl an Angeboten war groß. Man hätte vielleicht noch ein, zwei Workshops mehr mitnehmen können statt nur die zwei. Location, Atmosphäre und Programm waren auch gut.“

Daumen hoch

Auch Lennarts Fazit fällt positiv aus. Besonders der Live-Hacker hat ihm gefallen. „Man hört ja regelmäßig über diverse Sicherheitslücken. Aber irgendwie konnte ich mir nie richtig vorstellen, dass es jeden so einfach treffen könnte“, sagte er und will bewusster umgehen: „Ich werde in nächster Zeit einige meiner Passwörter ändern und weniger Daten in meiner Cloud speichern.“

Dafür, dass es die erste Veranstaltung war, fanden es beide gelungen. Auch Nana Domena ist begeistert: „Das ist wahnsinnig cool, dass die jungen Leute durch DIVSI so eine Chance bekommen.“

Fotografische Eindrücke gibt es unter: http://www.yournet2015.de/news/impressionen-von-der-your-net-divsi-convention-2015/

Mehr zu den Themen und dem Programm unter: http://www.yournet2015.de/

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Eine Lanze für unsere Jugend https://www.divsi.de/eine-lanze-fuer-unsere-jugend/ https://www.divsi.de/eine-lanze-fuer-unsere-jugend/#respond Thu, 23 Apr 2015 08:00:27 +0000 http://46.30.3.106/?p=11881 Aufräumen mit Vorurteilen, Ideen sammeln, Anregungen geben. Von Matthias Kammer DIVSI plant auch 2015 eine Reihe von Veranstaltungen und Veröffentlichungen, die mit Sicherheit bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen dürften. Den Auftakt bildete gerade das vierte öffentliche Info-Meeting im Zusammenhang mit dem „Digitalen Kodex“. Dabei ist das Gesamtbild unserer diversen Aktivitäten in diesem Jahr noch umfassender geworden. […]

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Lanze brechen für unsere Jugend

Bild: BigLike Images – Shutterstock

Aufräumen mit Vorurteilen, Ideen sammeln, Anregungen geben.

Von Matthias Kammer

DIVSI plant auch 2015 eine Reihe von Veranstaltungen und Veröffentlichungen, die mit Sicherheit bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen dürften. Den Auftakt bildete gerade das vierte öffentliche Info-Meeting im Zusammenhang mit dem „Digitalen Kodex“. Dabei ist das Gesamtbild unserer diversen Aktivitäten in diesem Jahr noch umfassender geworden. Erstmals stellen wir ein Forum speziell für junge Menschen zur Verfügung.

Der bundesweite Kongress zur Zukunft der digitalen Welt wird in Hamburg 500 Teilnehmer ab 16 Jahren versammeln. Die Vorbereitungen laufen bereits seit Monaten.

Warum öffnet sich DIVSI so nachhaltig für die junge Generation? Ich bin überzeugt, dass eine gedeihliche Weiterentwicklung unserer digitalen Zeit zum Nutzen aller generationsübergreifende Initiativen erfordert. Dabei können die Jüngeren durchaus auch von den älteren lernen – etwa was den sinnvollen Umgang mit dem Internet angeht. Und die reiferen Semester sollten sich von einigen ihrer sorgsam gepflegten Vorurteile befreien.

Uralt-Kritik

Dieser Konflikt ist keine Erfindung unserer Gegenwart. Junge Menschen mussten sich immer für manche ihrer Attitüden Kritik von der Elterngeneration anhören. Daran hat sich im Laufe der Jahrtausende nichts geändert. Dem griechischen Philosophen Sokrates, der 399 v. Chr. starb, wird diese Aussage zugeschrieben: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Die jungen Leute widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Heute würde dieser große Denker des Altertums die heftige Kritik – wenn er denn der Urheber ist – vielleicht noch so ergänzen: „Außerdem spielen sie permanent mit ihren Smartphones rum und hängen pausenlos im Internet ab!“ Ist das so? Die Erfindung von mobilen, internetfähigen Geräten hat dazu geführt, dass das Online-Sein besonders für die nachwachsende Generation vollkommen in den Alltag integriert ist. Gemeinsam mit dem SINUS-Institut haben wir in der U25-Studie das Verhalten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der digitalen Welt untersucht. Demnach sind die jungen Leute nicht nur mehr oder weniger den ganzen Tag online – noch härter: Sie empfinden den Zustand, mal offline sein zu müssen, als Notsituation.

Falsche Tendenz

Dennoch – eine pauschale Verdammnis zu ihrem Umgang mit dem Internet wird der jungen Generation keinesfalls gerecht. Auch das belegt die Untersuchung. Ich jedenfalls bin überzeugt, dass die Jugend besser ist als ihr Ruf, auch was das Internet angeht. Und selbst wenn die jungen Menschen in dieser Hinsicht vielleicht manchmal über das Ziel hinausschießen – so what …? Räumen wir also mit Vorurteilen auf.

Bestes Beispiel ist vielleicht der Umgang der jungen Internet-Generation mit dem Begriff „Freund“. Denn dazu hält sich bei uns älteren beharrlich eine Meinung mit falscher inhaltlicher Tendenz.

Sicherlich wird das Wort „Freund“ in Zeiten der sog. sozialen Netzwerke inflationär genutzt. Viele ältere schütteln darüber den Kopf. Ein Ergebnis der DIVSI-Studie zeigt jedoch: Niemand braucht Bedenken zu haben, dass die jungen Leute leichtfertig damit umgehen, wen sie als „echten Freund“ empfinden und nah an sich heranlassen.

Für die Befragten unter 25-jährigen ist es ein wesentlicher Unterschied, einen Freund „nur“ zu „adden“ oder eine persönliche Freundschaft zu schließen. Populäre Mythen rund um die Unfähigkeit junger Menschen, den Wert von wirklicher Freundschaft zu erkennen, werden dieser Generation nicht gerecht.

Vielmehr differenzieren sie gerade in dieser Hinsicht sehr genau: Facebook-Freunde, Bekannte, echte Freunde. Die Jugendlichen (14– bis 17 Jahre) verfügen im Durchschnitt über 163 Online-Freundschaften, bezeichnen aber nur elf davon als „wirkliche Freunde“. Die jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) sind durchschnittlich 175 Online-Freundschaften eingegangen, aber nur neun davon sind enge – wie die ältere Generation formulieren würde – „echte Freunde“.

Die Bezeichnung „Freund“ ist also zu einem mehrdimensionalen Begriff geworden, mit dessen unterschiedlichen Bedeutungen man sehr sicher und differenziert umgeht. Unverändert macht echte Freundschaft mehr aus als gegenseitig gezeigte Profile in Online-Communitys. Wie seit Urzeiten bedeutet Freundschaft auch für junge Menschen geteilte Interessen, gleiche Werte und verbindende, gemeinsame Erlebnisse im realen Leben.

Verändert hat sich bestenfalls die kommunikative Infrastruktur von Freundschaften, was sich vor allem in neuen Kommunikationsformen äußert. Online-Communitys sind eine selbstverständlich genutzte Austauschform geworden.

Netzwerker

Was den älteren früher der Beatschuppen war, wird heute ergänzt durch gegenseitige Statusmeldungen und Posts bei Facebook und Co. 74 % der jungen Erwachsenen (18–24 Jahre), 68% der Jugendlichen (14–17 Jahre) sind mindestens dreimal pro Woche auf Facebook aktiv. Bei den Kindern (9–13 Jahre) sind es bereits 26 %.

Weg also mit dem Vorurteil! Lasst uns als ein Ergebnis der U25-Studie akzeptieren: Facebook-Freunde haben wenig mit dem zu tun, was im Alltag einen Freund ausmacht. Online-Communitys sind Meeting Points für potenzielle Bekanntschaften, aus denen die professionellen Netzwerker – das sind junge Menschen heute – bei Bedarf schöpfen können.

Auch in puncto Privatsphäre ist längst nicht alles so, wie manche ältere es sich vorstellen. Keinesfalls legt die U25-Generation ihr Intimleben permanent und so freizügig wie nur möglich im Netz offen, so wie dies medial bekannt gewordene spektakuläre Ausnahmen zu signalisieren scheinen. Die Jüngeren assoziieren mit Privatsphäre lediglich anderes als frühere Generationen. Sie halten klassische personenbezogene Daten nicht unbedingt für schützenswert. Dafür jedoch – das gilt jedenfalls für die klare Mehrheit – unbedingt solche Informationen, die ihrer sozialen Reputation schaden könnten.

Privatsphäre bedeutet für Jugendliche und junge Erwachsene vor allem Privatsphäre-Einstellungen in Online-Communitys. Sehr Persönliches oder Intimes gehört für die meisten nicht in die Online-Welt, sondern nach wie vor in ein Vieraugengespräch. Ein gewisses Maß an Offenheit in sozialen Netzwerken wird allerdings als Muss angesehen, wenn man mitspielen will. Für 51% der Jugendlichen ist der bei Facebook fehl am Platz, der nichts von sich preisgibt. Informationsmanagement – also wem wann zu welchen Inhalten Zugang gewährt wird – ist eine Kernkompetenz, die viele junge Menschen sicher handhaben.

Milieu-Betrachtung

Zeit wird es auch, mit einem fehlerhaften Begriff aufzuräumen. Die „Internet-Jugend“ gibt es nicht. Zwar sind die 14- bis 24-Jährigen bis auf 2% sämtlich online. Dieser Status sagt jedoch kaum etwas über ihre Haltung zum und den Umgang mit dem Internet aus.

Eine konsequente Betrachtung der unterschiedlichen Netzkulturen ist daher notwendig. Die sieben DIVSI U25-Internet-Milieus, gemeinsam mit SINUS entwickelt, machen deutlich, dass die junge Generation in vielen Detailpunkten verantwortungsbewusster handelt, als ihr allgemein unterstellt wird.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Milieu-Gruppierungen gibt es ein verbindendes Element der allermeisten U-25-Jährigen – dies ist die generelle Einstellung, wenn man sich einer Grauzone im Netz nähert. Die wesentliche Studienerkenntnis zu diesem Punkt: Erlaubt ist, was alle machen. Vorgenommen werden Risikoabstufungen mit der zentralen Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich strafrechtlich belangt werde?

Die meisten jungen Leute sind gegenüber Fragen von Legalität und Illegalität so eingestellt, wie es eine junge Frau im Interview für die Studie unbekümmert formulierte: Selbst „wenn man mal gegen ein Gesetz verstoßen sollte – so schlimm kann das kaum sein, schließlich tun es ja alle“.

Kultur der Angst

Hier könnte ein Ansatzpunkt für die ältere Generation gegeben sein: Wir sollten den Jüngeren schon vermitteln, dass eine solche Haltung Risiken birgt. Denn die Logik, „was alle machen, wird schon richtig sein“, ist gefährlich und falsch.

Grundsätzlich sollten die älteren jedoch nicht in den Fehler verfallen, das Internet als „böse“ darzustellen, weil vielleicht Unverständnis darüber herrscht, was Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen den ganzen Tag über so im Netz machen. Die US-amerikanische Sozialforscherin Danah Boyd sieht die Kritik an der angeblich internethörigen Jugend übrigens ebenfalls als überzogen an. Sie beurteilt die Diskussion als von einer Kultur der Angst geprägt und ist frustriert von dem Denken über die Jugend, dass die Technologie für sie alles viel schlimmer machen müsse.

Ich stimme dem voll zu. Die U25-Generation und wir älteren sollten versuchen, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Die einen sollten vielleicht gelegentlich das Smartphone aus der Hand legen und sich – auch mit den älteren – einfach nur unterhalten. Und die wiederum sollten nicht allergisch reagieren, wenn die Jüngeren fast permanent ein mobiles Internet-Gerät in der Hand halten.

Solche unterschiedlichen Sichtweisen werden im Rahmen des DIVSI-Jugendkongresses sicher ein Diskussionsthema sein. Ich bin gespannt, wie die Your Net-Teilnehmer diesen Punkt sehen. Und ich bin auch gespannt, welche Anregungen die jungen Menschen uns älteren insgesamt geben können. Vor allem jedoch bin ich überzeugt, dass nach dem Jugendkongress eine Reihe von Vorurteilen Schnee von gestern sein werden. Und das ist gut so.

Your Net-Schirmherrin und -Experten

Schirmherrin

Manuela Schwesig

Foto: Bundesregierung / Denzel

Familienministerin Manuela Schwesig

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Hohe Anerkennung für „Your Net – DIVSI Convention 2015“ bereits im Vorfeld: Manuela Schwesig, die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „über das Engagement und die Unterstützung von Frau Ministerin Schwesig freuen wir uns sehr. Es ist von allgemeinem gesellschaftspolitischem Interesse, zu erkennen, wo der Trend bei jungen Menschen hingeht und welche Erwartungen, welche Ideen sie im Zusammenhang mit dem digitalen Zeitalter haben.“

Manuela Schwesig wird die 500 Teilnehmer im Hamburger BeachCenter nicht nur willkommen heißen. Von großem Interesse dürfte für sie auch der Gedankenaustausch im Rahmen der Workshops sein. So, wie die Ministerin bei der Abschlussveranstaltung des YouTube-Wettbewerbs „361 Grad Respekt“ unter dem Motto „Was macht dich stark gegen Cybermobbing?“ das direkte Gespräch mit den jungen Akteuren gesucht hat.

Dabei würdigte Manuela Schwesig deren Einsatz: „Ich freue mich, mit wie viel Engagement und Kreativität die Jugendlichen mit ihren Videos gegen Cybermobbing Farbe bekennen. Im Internet gibt es viel Ausgrenzung und Beleidigungen, auch Diskriminierung und Hass. Gerade weil sich viele hinter dem Schutz der Anonymität verstecken. Die Jugendlichen setzten ein klares Zeichen: Nein zu Cybermobbing!“

Das Thema Cybermobbing wird auch bei der „Your Net – DIVSI Convention 2015“ von Bedeutung sein. Im Workshop „Privat war gestern?!“ sollen alle dazu relevanten Fragen angesprochen werden. Manuela Schwesig hat mehrfach darauf hingewiesen, wie wichtig Angebote der Beratung und Aufklärung im Internet sind: „In unserem Zentrum für Kinderschutz im Internet, dem I-KiZ, arbeiten wir daran, den Zugang zu Rat- und Hilfeangeboten zu verbessern. Besonders gut funktioniert Aufklärung aber dann, wenn junge Menschen sie selbst in die Hand nehmen. Denn die Jugendlichen wissen oft am besten, wie sie Gleichaltrige ansprechen können.“

Experten

Marina WeisbandMarina Weisband

Marina Weisband, frühere Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Sie nimmt teil an der Podiumsdiskussion „Illegal oder legal – Law & Order im Netz“.

Online Musik zu hören, Filme zu schauen und das Hoch- und Herunterladen von Inhalten ist üblich. Dass es sich dabei häufig um rechtliche Grauzonen handelt, ist einem Großteil der 9- bis 24-Jährigen durchaus bewusst. Wo genau liegt die Grenze zwischen Legalität und Illegalität? Wie verändert das Internet die Bedeutung von geistigem Eigentum? Widerspricht das Urheberrecht der Internet-Freiheit oder umgekehrt, in welche Richtung sollte vielleicht eine Angleichung stattfinden? Mit Marina Weisband diskutieren: Prof. Dr. Tobias Keber (siehe Seite 8) und Dr. Florian Drücke (Jurist, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie e. V.).

Florian ThalmannFlorian Thalmann

Florian Thalmann, Journalist, der im Mai 2014 einen Selbstversuch unternommen hat: vier Wochen offline! Er ist beim Workshop „Always on – wie möchtest du leben?“ dabei.

Mehr als zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind täglich online. Gleichzeitig ist eine Zukunft ohne Internet für einzelne Milieus durchaus im Bereich des Möglichen, wie die DIVSI U25-Studie gezeigt hat. Dass die Frage, wie ein Leben ohne Internet eigentlich aussehen könnte, für junge Menschen eine Rolle spielt, zeigen zahlreiche Selbstversuche. Frage: Macht das Internet den Einzelnen unabhängiger, oder zwingt es ihn in einen ständigen Bereitschaftsmodus? Wie sieht der „gesunde Mittelweg“ aus zwischen Verzicht und Dauerbetrieb?

Tobias SchrödelTobias Schrödel

Tobias Schrödel, Fachinformatiker, Buchautor („Ich glaube, es hackt!“) und vor allem auch Live-Hacker.

Nur 40 Prozent der 14- bis 24-Jährigen sehen die persönlichen Daten im Internet als sicher an. Dennoch glauben 60 Prozent von ihnen, dass ihre persönlichen Daten noch nicht missbraucht wurden. Wie schnell das möglich ist, wird ihnen Schrödel beim Live-Hacking überzeugend demonstrieren. Auf unterhaltsame Weise bringt der IT-Comedian den Zuhörern den wichtigen Bereich Datensicherheit näher. Er erklärt technische Systemlücken und Zusammenhänge für jeden verständlich und lässt dabei auch den Spaß nicht zu kurz kommen.

Bert Te WildtBert te Wildt

Dr. med. Bert te Wildt. Er leitet als Oberarzt die Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum. Er ist beim Workshop „Wie viel ‚on‘ ist normal?“ dabei. Wo hören Spaß und Entertainment auf, wo fangen Online- und Spielsucht an? (Wie) Muss man die eigene Internet-Nutzung steuern und kontrollieren? Was kann man selbst tun, um sich oder Freunden zu helfen?

Gabriele FarkeGabriele Farke

Gabriele Farke, Autorin („Gefangen im Netz“) und Website-Betreiberin www. onlinesucht.de). Sie war Bundesvorsitzende des HSO e.V. (Hilfe zur Selbsthilfe für Online-Süchtige). Sie ist beim Workshop „Wie viel ‚on‘ ist normal?“ dabei. Wo hören Spaß und Entertainment auf, wo fangen Online- und Spielsucht an? (Wie) Muss man die eigene Internet-Nutzung steuern und kontrollieren? Was kann man selbst tun, um sich oder Freunden zu helfen?

Tobias KeberTobias Keber

Prof. Dr. Tobias Keber lehrt an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) Medienrecht und Medienpolitik in der digitalen Gesellschaft.

Er leitet den Workshop „Law & Order“. Musik und Filme sind massenhaft online zu finden und zu konsumieren – auch ohne notwendigerweise dafür zahlen zu müssen. Die Rechtslage zur Nutzung online verfügbarer Inhalte ist jedoch sehr komplex. Es ist nicht abschließend geklärt, was legal oder illegal und damit potenziell strafbar ist. Fragen also: (Warum) Darf ich streamen, aber nicht downloaden? Welche Strafen drohen für die illegale Nutzung von Online-Gütern?

Nico Lumma

Foto: Nico Lumma

Nico Lumma

Nico Lumma, Co-Vorsitzender von D64, dem Zentrum für digitalen Fortschritt. Er hat sich einen Namen durch Netzkolumnen gemacht und ist beim Workshop „Wem gehört das Internet?“ dabei.

Auf das Internet gibt es kein Patent, jeder darf es mitgestalten und sich an seiner Weiterentwicklung beteiligen – so der Grundgedanke. Doch was ist davon geblieben? Funktionieren Konzepte wie Open Source oder auch Wikipedia? Wie sieht das aktuelle Kräfteverhältnis von gemeinschaftlichen bzw. zivilgesellschaftlichen Bestrebungen auf der einen Seite und staatlichen sowie kommerziellen Interessen auf der anderen Seite aus?

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Your Net – DIVSI Convention 2015: Jetzt anmelden! https://www.divsi.de/your-net-divsi-convention-2015-jetzt-anmelden/ https://www.divsi.de/your-net-divsi-convention-2015-jetzt-anmelden/#respond Thu, 05 Mar 2015 15:35:10 +0000 http://46.30.3.106/?p=11576 DIVSI startet Website zum Kongress „Zukunft der digitalen Welt“ für Jugendliche und junge Erwachsene Ab sofort sind auf unserer Your Net – DIVSI Convention 2015 Website alle Informationen rund um das Programm, die Speaker und Anmeldung zu finden. Hier kann man sich auch schon einmal einen Eindruck von der entspannten Beach-Location machen. Auf unserer zugehörigen Facebook-Seite berichten wir zudem stets über Neuigkeiten und Hintergrundinformationen. […]

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Your Net – DIVSI Convention 2015

Bild: Syda Productions – Shutterstock

DIVSI startet Website zum Kongress „Zukunft der digitalen Welt“ für Jugendliche und junge Erwachsene

Ab sofort sind auf unserer Your Net – DIVSI Convention 2015 Website alle Informationen rund um das Programm, die Speaker und Anmeldung zu finden. Hier kann man sich auch schon einmal einen Eindruck von der entspannten Beach-Location machen.

Auf unserer zugehörigen Facebook-Seite berichten wir zudem stets über Neuigkeiten und Hintergrundinformationen. Mit einem Like gibt es alle Updates direkt im Facebook-Newsfeed.

Anmeldungen zur Your Net – DIVSI Convention 2015 sind nun möglich. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und spannende Diskussionen.

Wissen sammeln. Fragen stellen. Meinungen bilden – It’s YOUR NET

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