Freiheit – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Freiheit versus Regulierung im Internet https://www.divsi.de/freiheit-versus-regulierung-im-internet/ https://www.divsi.de/freiheit-versus-regulierung-im-internet/#respond Mon, 09 Dec 2013 14:25:06 +0000 http://46.30.3.106/?p=5357 Die meisten Internet-Nutzer trauen es sich grundsätzlich zu, Risiken und Gefahren des Netzes einzuschätzen und möchten sich daher völlig frei und uneingeschränkt im Netz bewegen. So eine Erkenntnis aus unserer aktuellen Umfrage, die Allensbach für DIVSI bundesweit erhoben hat.

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Freiheit vs Regulierung

Bild: Berkomaster – Shutterstock | Brocreative – Shutterstock

Von Werner Süßlin

Hamburg/Allensbach – Die meisten Internet-Nutzer trauen es sich grundsätzlich zu, Risiken und Gefahren des Netzes einzuschätzen und möchten sich daher völlig frei und uneingeschränkt im Netz bewegen. So eine Erkenntnis aus unserer aktuellen Umfrage, die Allensbach für DIVSI bundesweit erhoben hat.

Gleichwohl ist die Mehrheit der Nutzer wie der gesamten Bevölkerung davon überzeugt, dass der Staat für die Anbieter von Internet-Seiten gewisse Regeln vor- geben und auch auf deren Einhaltung achten muss. Jeweils 61 Prozent sehen den Staat hier in der Pflicht.

19 Prozent der Bevölkerung (23 Prozent der Nutzer) sind anderer Ansicht. Sie glauben, dass dies nicht Aufgabe des Staates sein könne. Von denjenigen, die das Internet besonders breit und intensiv nutzen, ist jeweils nur etwas mehr als jeder Vierte überzeugt, dass keine staatlichen Vorgaben für die Anbieter von Inhalten erforderlich sind.

Eine klare Mehrheit spricht sich für Forderungen aus, Inhalte des Netzes angesichts vieler bedenklicher Inhalte stärker zu kontrollieren und unter Umständen auch zu verbieten. 57 Prozent der Bevölkerung (54 Prozent der Internet- Nutzer) befürworten eine stärkere Kontrolle und Regulierung der Inhalte. 27 Prozent der Bevölkerung (32 Prozent der Nutzer) lehnen dies ab. Sie argumentieren: Es kann nicht sein, dass der Staat oder eine andere Stelle festlegen, was sich der Einzelne im Internet anschauen darf und was nicht. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.

Im Hinblick auf eine stärkere Kontrolle von Inhalten bzw. die Bedeutung der Eigenverantwortung unterscheiden sich die verschiedenen Nutzergruppen erheblich. Zwar überwiegt auch bei denjenigen, die das Internet besonders breit und häufig nutzen, der Anteil derer, die sich für einen Ausbau von Kontrollen aus- sprechen. Die Unterstützung ist aber wesentlich geringer als bei denen, die vergleichsweise selten online sind.

47 Prozent der Nutzer, die mehrmals am Tag im Internet sind, befürworten stärkere Kontrollen. Von den Befragten, die das Internet nur selten nutzen, sind es dagegen drei Viertel. Umgekehrt betonen 38 Prozent der Intensiv-Nutzer, dass die Nutzung von Angeboten ausschließlich in der Verantwortung des Einzelnen liegen sollte. Von denjenigen, die selten ins Internet gehen, sind lediglich 13 Prozent dieser Ansicht.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich, wenn man die Breite der Internet-Nutzung heranzieht. Personen mit einem breiten Nutzungsspektrum lehnen eine stärkere Kontrolle von Inhalten deutlich häufiger ab als diejenigen, die relativ wenige Angebote in Anspruch nehmen. Entsprechend verweisen sie wesentlich häufiger auf die Bedeutung der Eigenverantwortung. Die Unterstützung für eine stärkere Kontrolle wird maßgeblich auch davon beeinflusst, wieweit man sich selbst eine Einschätzung der Gefahren und Risiken des Internets zutraut. Befürwortet wird eine stärkere Kontrolle weit überdurchschnittlich von den Nutzern, die sich hier eher unsicher sind.

Zweifel, ob und wieweit sich eine Kontrolle und Überwachung des Netzes überhaupt verwirklichen lassen, sind weit verbreitet. Lediglich 37 Prozent der Internet-Nutzer halten eine wirksame Kontrolle für möglich. 49 Prozent äußern ausdrücklich Zweifel, die übrigen trauen sich kein Urteil zu. Auch 43 Prozent derjenigen, die sich für die stärkere Kontrolle von Inhalten aussprechen, sind skeptisch. Immerhin 41 Prozent aus diesem Kreis sind zuversichtlich, dass eine wirksame Kontrolle gelingen kann.

Weitgehende Einigkeit besteht über die Notwendigkeit länderübergreifender Regelungen. Das gilt ganz unabhängig davon, ob man stärkere staatliche Kontrollen befürwortet oder ablehnt. Nicht einmal jeder Zehnte verspricht sich etwas von rein nationalen Maßnahmen und Vorschriften. 72 Prozent sind überzeugt, dass Regelungen nur dann effektiv sein können, wenn sie auch international einheitlich sind.

In welchem Umfang der Staat auf diesem Feld aktiv ist und welche Kontrolle er ausübt, davon haben weite Teile der Bevölkerung wie auch der Onliner nur diffuse Vorstellungen. 49 Prozent der Bevölkerung (45 Prozent der Internet- Nutzer) trauen sich kein Urteil zu, ob der Staat bisher zu viel oder zu wenig kontrolliert und reguliert.

Diejenigen, die sich konkret äußern, sehen eher Versäumnisse. Jeweils rund ein Drittel der Bevölkerung sowie der Internet-Nutzer bemängelt ein unzureichendes staatliches Engagement in diesem Bereich.

Lediglich eine Minderheit ist der Ansicht, dass der Staat bisher zu stark in das Internet eingreift. Nur sieben Prozent der Internet-Nutzer teilen diesen Ein- druck. Auch diejenigen, die das Netz besonders breit und intensiv nutzen, äußern sich bei dieser Frage nicht kritischer.

Gleichzeitig besteht die Sorge, dass die Freiheit im Netz durch den Staat bedroht sein könnte, indem er beispielsweise das Verhalten der Bürger im Internet überwacht. Rund jeder zweite Nutzer schätzt diese Gefahren als groß oder sogar sehr groß ein. Nur sechs Prozent sehen keinerlei Anlass zur Besorgnis.

Noch häufiger sind allerdings Befürchtungen, dass die Freiheit des Internets dadurch gefährdet wird, dass etwa Anbieter von Suchmaschinen oder Online-Shops nicht mehr alle, sondern überwiegend auf das jeweilige Nutzerprofil zugeschnittene Inhalte anzeigen. Zwei Drittel der Onliner sind davon überzeugt, dass dadurch die Freiheit des Netzes in hohem Maße bedroht wird. Nicht einmal jeder Fünfte schätzt diese Gefahr als eher gering ein.

Nur die wenigsten Nutzer haben allerdings bisher den Eindruck, dass es tatsächlich zu zunehmenden Einschränkungen der Freiheit im Netz kommt. Im Hinblick auf die Entwicklung in den letzten Jahren ziehen diejenigen, die überhaupt Veränderungen wahrgenommen haben, eine weit überwiegend positive Bilanz. 35 Prozent der Onliner sind der Ansicht, dass die Freiheit im Internet zugenommen hat, lediglich elf Prozent sind überzeugt, dass sie eher abgenommen hat. 36 Prozent sehen keine Veränderungen. Auch diejenigen, die das Internet besonders häufig und überdurchschnittlich breit nutzen, teilen diese Einschätzung.

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Wearable Technology – das Ende emotionaler Geheimnisse? https://www.divsi.de/wearable-technology-das-ende-emotionaler-geheimnisse/ https://www.divsi.de/wearable-technology-das-ende-emotionaler-geheimnisse/#respond Mon, 11 Nov 2013 12:42:26 +0000 http://46.30.3.106/?p=5159 Von Yi-Ji Lu Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für […]

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Wearable Technology - eine Welt ohne Geheimnisse?

Bild: Ken Tannenbaum – Shutterstock

Von Yi-Ji Lu

Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für Reisepässe als gesetzeskonform zu erklären  – für kontroverse Diskussionen. Verständlich. Doch Wearable Technology bietet Möglichkeiten, die viel weiter reichen.

Nebst dem Potenzial, das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern, erwachsen aus derartigen Technologien ganz neue Dimensionen möglicher Gefährdungen der Privatsphäre. Ihr Einsatz ist bereits heute weiter fortgeschritten, als die futuristisch anmutenden Funktionalitäten vermuten lassen:

So hat Hitachi ein Gerät in Größe einer gewöhnlichen Mitarbeiteridentifikationskarte entwickelt, das vollgestopft mit Sensoren Bewegung und Sprache der Mitarbeiter ebenso misst wie Beleuchtung und Temperatur. Dadurch kann gemessen werden, welcher Mitarbeiter mit welchem Kollegen Kontakt hat und welche Auswirkungen diese Interaktion auf des Energielevel des jeweiligen Mitarbeiters hat. Die Performance von Football-Spielern wird über in der Unterwäsche platzierte Sensoren gemessen, die Aufschluss über Laufzeiten und Belastungslevel der Spieler geben und somit erschöpfungsbedingte Verletzungen verhindern können.

Eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse

Besonders weitreichende Konsequenzen hat die Erfassung von jenen Körperdaten, die Rückschlüsse auf unsere Emotionen zulassen. Dr. Chuck Jorgensen, Wissenschaftler der NASA,  sagt den Vormarsch von Wearable oder Embedded Technology voraus, der nach dem derzeit wahrnehmbaren Rückgang an Privatsphäre auch das Ende der emotionalen Geheimnisse zur Folge haben wird. Mit der Analyse von Gesichtsausdruck, Lidschlagfrequenz, Temperatur von Gesichtsbereichen, Atemfrequenz, Änderung der Pupillengröße, Blickrichtung und Verweildauer des Blickes auf einem Objekt, Muskelanspannung oder Stimm- und Sprechanalyse könnten bereits heute Computer mit einer Trefferquote von bis zu 90 Prozent die Emotionen eines Menschen entschlüsseln.

Dabei steht diese Entwicklung noch am Anfang und es ist anzunehmen, dass die Treffsicherheit immer weiter steigen wird. Wearable-Techology-Lösungen werden ermöglichen, dass ein User mittels der kontrovers diskutierten Datenbrille Google Glass oder mittels eines Kontaktlinsencomputers die Gefühlswelt seines Gesprächspartner scannt, ohne dass dieser davon etwas mitbekommt.

Die Implikationen, so Jorgensen, sind immens. Jederzeit und mit nahezu perfekter Trefferquote seien Emotionen, Zustimmung, Ablehnung, Wahrheit oder Lüge ablesbar. Damit lassen sich gespielte Gefühlsneutralitäten entlarven, die für zwischenmenschliche, geschäftliche und politische Beziehungen essentiell sind. Dies wird zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen.

Die Entwicklung von Wearable Technology sei unumkehrbar und der Weg zur automatisierten Gefühlsanalyse vorgezeichnet.

Die konsequente Nutzung von Wearable Technology bringt uns zu einer Kernfrage: Müssen Kommunikations- und Verhaltensweisen grundsätzlich neu ausgehandelt werden, da künftig in einer Welt ohne Geheimnisse alles das sichtbar wird, was man vorher bewusst oder unbewusst nicht mit dem Gegenüber teilte?

Wearable Technology zum Körper-Monitoring

Eher harmlos sind dagegen Nutzungsmöglichkeiten, die sich in einer Quantified-Self Bewegung bündeln. Hier werden mit elektronischen Armbändern wie Jawbones Up Bewegungs- und Schlafaktivitäten gemessen. So wollen die Nutzer ihre Arbeitsleistung, sportliche Fitness oder Ernährungsweisen visualisieren und verbessern. Die Veröffentlichung ihrer Körper- und Fitnessdaten dient den Usern zugleich als Motivationssystem, da Erfolge für alle sichtbar werden und damit für zusätzlichen Antrieb sorgen.

Auch in Sachen Medizin lässt sich die neue Technologie nutzen. Mit dem Internet verbundene medizinische Implantate, die die Früherkennung gesundheitlicher Risiken ermöglichen oder die Insulinaufnahme von Diabetikern automatisieren, befinden sich bereits in Erprobungsphasen und werden die gesamte Medizin grundlegend verändern.

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STANDPUNKT: Unerledigte Arbeit für den neuen Bundestag https://www.divsi.de/standpunkt-unerledigte-arbeit-fuer-den-neuen-bundestag/ https://www.divsi.de/standpunkt-unerledigte-arbeit-fuer-den-neuen-bundestag/#comments Wed, 18 Sep 2013 11:08:46 +0000 http://46.30.3.106/?p=4981 Wir haben ein Recht auf Klarheit in der Schnüffel-Affäre – Von Matthias Kammer, Direktor des DIVSI – Wären PRISM, NSA und der gesamte Riesen-Skandal nur ein zeitaktueller TV-Film aus der Welt des Internet und der Geheimdienste, so würde ich beim jetzigen Sachstand abschalten. Warum? Ich mag Science Fiction nicht. „Jetzt übertreiben sie aber“, würde ich […]

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Wir haben ein Recht auf Klarheit in der Schnüffel-Affäre

Matthias Kammer STANDPUNKT

– Von Matthias Kammer, Direktor des DIVSI –

Wären PRISM, NSA und der gesamte Riesen-Skandal nur ein zeitaktueller TV-Film aus der Welt des Internet und der Geheimdienste, so würde ich beim jetzigen Sachstand abschalten. Warum? Ich mag Science Fiction nicht. „Jetzt übertreiben sie aber“, würde ich sagen. „Da ist die Phantasie mit den Machern durchgegangen. So was ist im realen Leben undenkbar.“

Leider ist die schlimme Schnüffel-Affäre kein Film. Vielmehr ein Live-Drama mit ungewissem Ausgang und uns allen als hilflosen Statisten. Eine tickende Zeitbombe, die längst weit größere Dimensionen als ein reines Ausspähen erreicht hat. Ich sehe unser ureigenes Persönlichkeitsrecht bedroht.

Selten zuvor haben deutsche Politiker in einer Krisensituation – und genau davon müssen wir reden  – ein derart schwaches Bild abgegeben. Und es wäre unklug, bei diesem erschreckenden Vorgang auf ein Vergessen in der Öffentlichkeit zu hoffen.

Rufen wir uns die groteske Situation noch einmal ins Gedächtnis:

Da empfiehlt der deutsche Innenminister uns Bürgern, selbst mehr für den Schutz unserer Daten zu tun. Da Ausspäh-Technik nun einmal existiere, müssten Verschlüsselungstechnik oder Virenschutz größere Aufmerksamkeit erhalten.

Tage später wird bekannt, dass die Geheimdienste über solche Techniken gelangweilt gähnen. Dass sie längst Datenübertragungen im Internet mitlesen können, selbst wenn mit modernster Technik verschlüsselt wurde. Denn die NSA hat einschlägige Softwarefirmen womit und wodurch auch immer dazu gebracht, für sie Hintertüren einzubauen. Das bedeutet im Klartext: Auch die bislang als sicher geltenden https-Verbindungen beispielsweise beim Online-Banking können geknackt werden.

Nun mag es Menschen geben, die Geheimdiensten das Schnüffeln erlauben möchten, weil dieses so erworbene Wissen zur Vorbeugung und Abwehr terroristischer Angriffe nützlich sein kann. Ist diesen Zeitgenossen eigentlich klar, dass es durchaus auch kriminelle Elemente gibt, die solche Hintertüren öffnen können, um verbrecherische Aktivitäten durchzuführen?

Ist es nicht beschämend für die gesamte deutsche Politik, wenn bei einem solchen Web-Tsunami sich der Präsident unseres Landes mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten treffen muss, weil Regierung und Opposition überfordert sind, die Bürger umfassend aufzuklären – über die wahren Ausmaße des entstandenen Schadens und über Wege, die jetzt eingeschlagen werden müssten, um den Schaden zu begrenzen.

Joachim Gauck war Schirmherr des DIVSI, bevor er zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Er hat in mehreren Interviews geäußert, dass ihn die NSA-Affäre beunruhige. Es unterstreicht sein tiefes, geradliniges  Streben nach Bewahrung und Ausbau der Freiheit und unser aller Freiheitsrechte, wenn er im Interesse seiner eigenen Information den eher ungewöhnlichen Weg über den Datenschutzbeauftragten wählt. Womöglich hat er sich von dem umfassendere sachlich-neutrale Aufklärung versprochen, als von offizieller Politikseite. Denn Peter Schaar, immerhin mit der Erfahrung von gut zehn Jahren auf der Position des obersten Datenschützers, hat mehrfach Kritik am Verhalten der politisch Verantwortlichen geäußert und ihnen Verschleierung vorgeworfen.

Beide sprechen mir mehr aus dem Herzen als die Phalanx der Regierungsvertreter, für die alle Vorwürfe in diesem einmaligen Skandal ausgeräumt sind. Unabhängig davon, welche Mehrheits- und Machtverhältnisse die anstehende Bundestagswahl mit sich bringt – der Skandal um NSA und den britischen GCHQ-Dienst muss als unerledigte Arbeit übernommen werden. Denn ausgeräumt ist gar nichts.

Die Internet-Nutzer haben ein Recht auf Aufklärung, welche Verschlüsselungstechniken sie überhaupt noch sinnvoll nutzen können. Wenn die Politik keine vor Ausspähung sichere Software empfehlen kann, wächst die Gefahr einer tiefgreifenden Vertrauenskrise bei der Nutzung des Internets.

Anzeichen hierfür hat eine repräsentative DIVSI-Umfrage, realisiert durch das renommierte SINUS-Institut, bereits ergeben. Denn das Sicherheitsgefühl der Deutschen im Internet hat sich durch den Abhörskandal verschlechtert. 39 % der Befragten fühlen sich demnach bei ihren Aktivitäten unsicherer als zuvor.

Auch die Wirtschaft müsste daran interessiert sein, dass alle Fakten lückenlos auf den Tisch kommen. Denn eine Vertrauenskrise würde besonders jene Unternehmen empfindlich treffen, deren Geschäftsprozesse maßgeblich auf dem Internet basieren. Es ist für mich höchst verwunderlich, dass die Wirtschaft angesichts nicht auszuschließender Industriespionage sich derart ruhig verhält.

Dabei sollten in den Chefetagen die Alarmglocken schrillen. Zum Zeitpunkt unserer Befragung im Juni hatte bereits fast jeder Fünfte (18 Prozent) sein Verhalten bei der Nutzung des Internets geändert. Vor allem im Umgang mit Online-Diensten wollte man sich künftig vorsichtiger verhalten. Diese Werte liegen heute mit Sicherheit bei weitem höher. Es ist an der Zeit, dass die staatlichen Institutionen diese Sorgen der Bürger endlich ernst nehmen und reagieren.

Oder ist der Staat hier mittlerweile schlicht überfordert? Hat er vielleicht die falsche Arbeitsgrundlage? Anders gefragt: Taugt unser Grundgesetz überhaupt noch für das digitale Zeitalter? Das Lorenz-vom-Stein-Institut überprüft im DIVSI-Auftrag gerade das Fundament unserer Demokratie unter diesem Gesichtspunkt.

Und was kann der einzelne Internet-Nutzer machen? Wir Mitspieler des digitalen Zeitalters sollten trotz des weiter schwelenden Skandals das Lamentieren beenden und nach vorn blicken: Wie lassen sich bessere Schutzwälle errichten?

Ein erster Schritt wäre für mich, in diesem Zusammenhang nicht ausschließlich den überstrapazierten Begriff „Datenschutz“ zu bemühen. Das Ziel muss höher gesteckt werden: Wir brauchen eine Stärkung unserer Freiheitsrechte.

Und ich hoffe darauf,  dass irgendwann alle – staatliche Institutionen, die Wirtschaft, der private Nutzer – sich Leitplanken geben, innerhalb derer man sich im Internet bewegt. Alt-Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog, seit knapp einem Jahr Schirmherr des DIVSI, hat diesen Gedanken bereits bei seiner Amtsübernahme geäußert. Er sprach von einem Digitalen Kodex.

Unser Institut ist jetzt dabei, diese Idee zu konkretisieren. Dabei sollen eine Reihe grundsätzlicher Gedanken beantwortet werden: Brauchen wir neue soziale Regeln, die untereinander gelten sollen?  Lässt sich verbindlich festlegen, wie man künftig miteinander umgeht, um Internet-Missbrauch auszuschließen? Welche Verantwortung sollen Nutzer, Unternehmen und der Staat in der digitalen Welt künftig übernehmen? Sind neue soziale Spielregeln fern von rechtlicher Regulierung in der Gesellschaft erforderlich?

Ich erwarte von den politisch Verantwortlichen der nächsten Jahre, dass auch sie sich endlich seriös diesem gigantischen Fragenberg zumindest nähern. Und ich bin froh, dass wir einen Bundespräsidenten haben, der hier deutliche Zeichen setzt und sich nicht mit lapidaren Antworten abspeisen lässt.

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Mehr Schutz oder mehr Freiheit? https://www.divsi.de/mehr-schutz-oder-mehr-freiheit/ https://www.divsi.de/mehr-schutz-oder-mehr-freiheit/#respond Wed, 19 Jun 2013 10:33:25 +0000 http://46.30.3.106/blog/?p=204 Die DIVSI Milieu-Studie zeigt: Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung – betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet – primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Dies sind Digital Outsiders, Digital Immigrants und eine Minderheit der Digital Natives. Zitat: „Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz. Wer […]

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Die DIVSI Milieu-Studie zeigt: Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung – betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet – primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Dies sind Digital Outsiders, Digital Immigrants und eine Minderheit der Digital Natives. Zitat: „Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz. Wer sich sicher fühlt, wünscht Freiheit.“

Diese Delegationshaltung resultiert einerseits aus Unwissenheit und Überforderung (Digital Outsiders: 39 Prozent), andererseits aus Skepsis gegenüber der Art und Weise, wie im Internet derzeit mit dem Thema umgegangen wird (Digital Immigrants: 20 Prozent). Selbst bei denjenigen Nutzern, die sich als selbstsichere Navigatoren im Internet begreifen und explizit die Verantwortung für Ihre Internet-Aktivitäten übernehmen, besteht ein latentes Gefühl des System-Misstrauens.

Alle, die mit der Verbreitung des Internets aufgewachsen sind, neigen aufgrund ihres selbstverständlichen Umgangs mit dem Medium dazu, Gefahren und Risiken zu unterschätzen. Vor allem Unbekümmerte Hedonisten agieren leichtsinnig und unbedacht im Internet, auch weil sie sich nur wenig um die Konsequenzen ihres Handelns Gedanken machen.

Das Thema Vertrauen und Sicherheit im Internet wird damit zu einer dringlichen gesellschaftspolitischen Aufgabe. Es gilt, Barrieren und Vorbehalte abzubauen und Maßnahmen und Dienstleistungen anzubieten, die mehr Sicherheit bieten bzw. versprechen.

Die DIVSI Entscheider-Studie dagegen zeichnet ein anderes Bild im Hinblick auf Verantwortung: Für den Schutz ihrer Daten liegt die Verantwortung demnach eindeutig beim Nutzer. Sicherheit im Netz kann – wenn überhaupt – nur durch die Medienkompetenz der Bürger erreicht werden, wie 69 Prozent der Entscheider meinen. Eigenverantwortung sei das Gebot der Stunde, nach dem sich die Nutzer im Internet bewegen sollen.

Zitat: „Wenn Sie betrunken mit dem Auto gegen eine Laterne fahren, können Sie auch nicht sagen: ‚Tschuldigung, ich bin doch nur der Endnutzer von Opel.“

 

Gleichzeitig räumen die Entscheider jedoch ein, dass die Nutzer mit dieser Aufgabe weitestgehend überfordert seien. Entsprechend dieser Einschätzung empfehlen sie dem Nutzer, sich vor allem auf Bildung und die eigene Erfahrung zu verlassen, denn die Verantwortung kann ihm niemand abnehmen. Auch Rat von unabhängigen Institutionen und Experten gilt den Entscheidern als relevant; weniger verlassen sollten sich die Menschen jedoch auf staatliche Institutionen, das deutsche Rechtssystem und die Internet- Gemeinde. Staatliche Institutionen und das deutsche Rechtssystem sind aus Sicht der Entscheider von eher geringerer Bedeutung für Sicherheit im Internet.

Immerhin fordert knapp die Hälfte der Entscheider auch einen stärkeren öffentlichen Diskurs zum Thema Sicherheit im Internet. Das sei notwendig, um die Gesellschaft für den Umgang mit Daten im Internet zu sensibilisieren. 25 Prozent dagegen halten den Diskurs für eher übertrieben.

Der mehrheitlich erwünschte öffentliche Diskurs wird als besonders wichtig für Bestimmung von Verantwortlichkeiten im Netz gewertet. Der Nutzer wird zwar als (haupt)verantwortlich gesehen, dennoch braucht es aus Sicht der Entscheider einen Rahmen, innerhalb dessen er sich frei bewegen kann. 79 Prozent sehen Gesetze und Regeln im Internet als Grundvoraussetzung, damit das Internet überhaupt funktionieren kann.

Vergleichsweise selten (39 Prozent) vertreten Entscheider die Meinung, dass das Internet ein freies Medium sei und nicht durch Gesetze und Regeln eingeschränkt werden dürfe. Vielmehr betonen vier von fünf Entscheidern, es könne im Internet nur Freiheit geben, wenn rechtsstaatliche Grundregeln eingehalten werden.

Herausforderungen der Netzgesellschaft

Die Erkenntnisse aus den DIVSI-Studien machen insgesamt deutlich, dass sich die Netzgesellschaft unverändert einer Reihe von Herausforderungen gegenüber sieht. Gleichzeitig lassen sich zahlreiche der gewonnenen Erkenntnisse durchaus als Indikatoren für einen laufenden größeren Umbruch werten.

Dazu DIVSI-Schirmherr Prof. Dr. Roman Herzog:
„Um das Vertrauen ins Internet, in die mit ihm eröffneten Chancen und Möglichkeiten nicht zu verspielen, brauchen wir eine breite Diskussion darüber, welche verbindlichen Spielregeln hier gelten sollen. Wir brauchen Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein.“

Wir haben zwischenzeitlich angefangen, diesen Gedanken zu realisieren. DIVSI ist dabei, in Zusammenarbeit mit dem Think Tank iRights.Lab die Frage zu prüfen: Braucht Deutschland einen digitalen Kodex?

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Allensbach-Umfrage für DIVSI: Freiheit versus Regulierung https://www.divsi.de/allensbach-umfrage-fuer-divsi-freiheit-versus-regulierung/ https://www.divsi.de/allensbach-umfrage-fuer-divsi-freiheit-versus-regulierung/#respond Mon, 15 Apr 2013 09:03:17 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=4161 Hamburg – Das Themenumfeld zwischen Freiheit und Selbstbestimmung im Gegensatz zu Sicherheit und Regulierung im Internet wird eine aktuelle Allensbach-Umfrage ausloten, die DIVSI jetzt initiiert hat. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) ist für diesen Themenbereich auch als Herausgeber der seit 1997 jährlich erscheinenden „Allensbacher Computer- und Technik-Analyse“ (ACTA) ein idealer Partner. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: […]

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Bild: Constantine Pankin – Shutterstock

Hamburg – Das Themenumfeld zwischen Freiheit und Selbstbestimmung im Gegensatz zu Sicherheit und Regulierung im Internet wird eine aktuelle Allensbach-Umfrage ausloten, die DIVSI jetzt initiiert hat. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) ist für diesen Themenbereich auch als Herausgeber der seit 1997 jährlich erscheinenden „Allensbacher Computer- und Technik-Analyse“ (ACTA) ein idealer Partner.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Die Erkenntnisse werden voraussichtlich ein konstrastreiches Gesamtbild zur aktuellen Einschätzung der Bevölkerung bei der persönlichen Internet-Nutzung ergeben. Die Erkenntnisse dürften für Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gleichermaßen von Interesse sein.“

Die Umfrage wird bundesweit repräsentative Ergebnisse erbringen. Als mögliche Fragenkomplexe sind angedacht:

  • Ist die Freiheit im Internet zu groß?
  • Wie viel Freiheit verträgt das Internet?
  • Ist das Internet schon heute ein rechtsfreier Raum?
  • Ist das Internet für Normalbürger noch beherrschbar?

Daneben wird die Umfrage auch sicherheitsrelevante Komplexe sowie die Frage nach Verantwortlichkeiten ansprechen. Rund 1.500 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 16 Jahren werden in die Umfrage einbezogen. Die Ergebnisse sollen im Spätsommer vorliegen.

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