Freiheit – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Privatsphäre-Problem Facebook-Messenger? Android-Vorschriften und Kontrolle via iOS https://www.divsi.de/privatsphaere-problem-facebook-messenger-android-vorschriften-und-kontrolle-via-ios/ https://www.divsi.de/privatsphaere-problem-facebook-messenger-android-vorschriften-und-kontrolle-via-ios/#respond Tue, 19 Aug 2014 12:41:27 +0000 http://46.30.3.106/?p=8993 Vor einigen Tagen hat Facebook die lang angekündigte Auslagerung des Nachrichtendienstes aus seiner App vorgenommen. Um die Facebook-Mitteilungen auf mobilen Geräten weiterhin zu nutzen, müssen die User nun die separate Messenger-App verwenden. Auch wenn sich Facebook mit dem Unbundling eine schlankere und nutzerfreundlichere App verspricht – der Zwang zur Nutzung einer weiteren App stieß erwartungsgemäß auf große Verärgerung und schlug sich […]

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Empörungswelle über Datenschutzlücken im Facebook Messenger

Vor einigen Tagen hat Facebook die lang angekündigte Auslagerung des Nachrichtendienstes aus seiner App vorgenommen. Um die Facebook-Mitteilungen auf mobilen Geräten weiterhin zu nutzen, müssen die User nun die separate Messenger-App verwenden.

Auch wenn sich Facebook mit dem Unbundling eine schlankere und nutzerfreundlichere App verspricht – der Zwang zur Nutzung einer weiteren App stieß erwartungsgemäß auf große Verärgerung und schlug sich dementsprechend in schlechten App-Bewertungen im Google Play Store und iTunes App Store nieder.

Rating des Facebook Messengers im iTunes App Store

Rating des Facebook Messengers im iTunes App Store

Sorge um massive Verletzung der Privasphäre

Performance-Probleme sowie Nutzungszwang können sicherlich einen Teil der negativen Bewertungen erklären. Eine erhebliche Rolle wird jedoch auch die Sorge um die Privatsphäre spielen. So häufen sich in diesen Tagen Berichte, die App greife massiv in die Privatsphäre ein und stehe der NSA hinsichtlich der Überwachungsmethoden in nichts nach.

Auslöser waren ein drastisch formulierter Artikel der Huffington Post vom Dezember 2013, der im Zuge der Auslagerung erneut veröffentlicht wurde, sowie ein Beitrag des US-Radiosenders The Bull. In beiden Beiträgen wird von massiv in die Privatsphäre eingreifenden Berechtigungen berichtet, mittels derer Facebook u.a. in der Lage sei, Adressbücher, Anruflisten, GPS-Daten und andere Geräteinformationen auszulesen. Zudem könne Facebook zu jedem Zeitpunkt ohne User-Einwilligung Kamera- oder Audioaufnahmen machen, Nachrichten versenden und Anrufe tätigen.

Weitere Besorgnis schürte nicht zuletzt ein Videobeitrag von FOX & Friends sowie eine Online-Petition zur Aufhebung des Messenger-Zwangs.

Verzerrte Darstellung aufgrund der Formulierungsvorgaben im Google Play Store?

Unlängst äußerte sich auch Facebook zu diesem Sachverhalt. Die Formulierungen für erforderliche Berechtigungen seien vom Google Play Store vorgegeben und verfälschten die Art und Weise, wie die Messenger-App die Berechtigungen ausreize. In dem Statement bemüht sich Facebook dementsprechend um eine Erläuterung der vorgegebenen Formulierungen. Liest man die Vielzahl an Berechtigungen (eine detaillierte Auflistung findet sich am Ende dieses Artikels), könnte tatsächlich der Eindruck entstehen, Facebook wolle mittels der Messenger-App User- und Kontaktdaten nahezu uneingeschränkt auslesen und das Gerät ohne Nutzereinwilligung zu einem hohen Grad steuern.

Dagegen führt die Washington Post an, die App erfordere zwar tatsächlich recht tiefgreifende Berechtigungen, doch sei diese Art von Berechtigungen auch bei anderen Apps keineswegs unüblich. So haben auch simple Wetter- oder Fitness-Apps ebenso Zugriff auf persönliche und standortbezogene Daten.

Auf den Vorwurf der Panikmache lenkt auch der Autor des Huffington Post-Artikels ein, dass das heimliche Sammeln von Userdaten wohl nicht unmittelbar die Motivation hinter der App sei. Der Artikel wurde inzwischen um Formulierungsvorgaben im Google Play Store erweitert. Dennoch warnt er vor den Missbrauchsmöglichkeiten, die diese Berechtigungen bieten, sollte die App oder das Gerät von Malware befallen werden.

Mashable analysierte die einzelnen Berechtigungen und erläuterte, inwiefern sie für den Betrieb der App oder bestimmte Funktionalitäten erforderlich sind. So sei die Mikrofon-Berechtigung etwa notwendig, damit die App auf Eingabe des Nutzers auf das Mikrofon zugreifen und Videos mit Ton versenden könne. Das Mashable-Fazit: die Messenger-App stellt kein neuartiges Überwachungsmittel dar, sondern erfordert die gleichen Berechtigungen wie schon zuvor die reguläre Facebook-App.

Zwar spricht das Facebook nicht von Datenhunger oder Sammelwut frei, verdeutlicht jedoch, wie die Empörungswelle über die Verletzung von Privatsphäre einer verzerrten Darstellung der Android-Berechtigungen entspringt und durch die Eigendynamik sozialer Netzwerke an Vehemenz gewinnt. Ein Blick auf das Berechtigungsmanagement in iOS entschärft den Spionageverdacht sogleich etwas.

Mehr Kontrolle durch das granulare Berechtigungssystem in iOS

In iOS werden die App-Berechtigung anders vergeben, wodurch der Nutzer mehr Kontrolle hat. Im Gegensatz zu Android müssen iOS-Nutzer vor dem App-Download nicht pauschal allen Berechtigungen zustimmen. Erst bei Nutzung der Messenger-App wird der Nutzer gefragt, für welche Systembereiche die App eine Berechtigung erhalten darf. So können Berechtigungen für verschiedene Funktionen, wie etwa Zugriff auf Mikrofon, Adressbuch oder Fotos, einzeln vergeben oder verweigert werden.

Granulares Berechtigungssystem in iOS

Granulares Berechtigungssystem in iOS

Die erforderlichen Android-Berechtigungen der Facebook Messenger-App im Detail

Identität

  • Konten auf dem Gerät suchen
  • Kontaktkarten lesen

Kontakte/Kalender

  • Kontakte lesen

Standort

  • Ungefährer Standort (netzwerkbasiert)
  • Genauer Standort (GPS- und netzwerkbasiert)

SMS

  • SMS oder MMS bearbeiten
  • SMS empfangen
  • SMS oder MMS lesen
  • SMS senden
  • MMS empfangen

Telefon

  • Telefonnummern direkt anrufen
  • Anrufliste lesen

Fotos/Medien/Dateien

  • Zugriff auf geschützten Speicher testen
  • USB-Speicherinhalte ändern oder löschen

Kamera/Mikrofon

  • Bilder und Videos aufnehmen
  • Audio aufnehmen

WLAN-Verbindungsinformationen

  • WLAN-Verbindungen abrufen

Geräte-ID & Anrufinformationen

  • Telefonstatus und Identität abrufen

Sonstige

  • Daten aus dem Internet abrufen
  • Dateien ohne Benachrichtigung herunterladen
  • Beim Start ausführen
  • Ruhezustand deaktivieren
  • Netzwerkverbindungen abrufen
  • Verknüpfungen installieren
  • Audio-Einstellungen ändern
  • Google-Servicekonfiguration lesen
  • Über anderen Apps einblenden
  • Zugriff auf alle Netzwerke
  • Synchronisierungseinstellungen lesen
  • Vibrationsalarm steuern
  • Netzwerkkonnektivität ändern

Quelle: App-Beschreibung im Google Play Store

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DIVSI Study on Freedom Versus Regulation on the Internet https://www.divsi.de/publikationen/studien/divsi-study-on-freedom-versus-regulation-on-the-internet/ Wed, 18 Dec 2013 16:08:08 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=studien&p=5414 Freedom versus regulation on the Internet In its relatively short life-time, DIVSI has already produced a range of acclaimed papers, studies and investigations. In these publications, we have often managed to address topical issues and problems of great relevance and importance while simultaneously providing solutions in the form of scientifically proven findings. I am sure […]

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Freedom versus regulation on the Internet

In its relatively short life-time, DIVSI has already produced a range of acclaimed papers, studies and investigations. In these publications, we have often managed to address topical issues and problems of great relevance and importance while simultaneously providing solutions in the form of scientifically proven findings.

I am sure that this new study, „Freedom versus regulation on the Internet“, carried out by the renowned Allensbach Institute, will fully earn its place next to these previous studies.

But first a brief review. The DIVSI background study on trust and security on the Internet, the starting point of our representative investigations, examined with an almost hitherto unseen precision the motivations and attitudes of people living in Germany when it comes to their relationship with the Internet. The investigation also describes the expectations these people have in terms of safety and data privacy on the Internet.

The policy study conducted thereafter focused for the first time on decision-makers in the fields of economics, politics, the media, science and society. This investigation illustrated their thoughts, objectives and assessment regarding responsibilities in our digital world. Never before had it been so clear that those in power actually wish to „pass the buck“, so to speak, and shift responsibility for security on the Internet back to the users themselves.

Faced with this potential for conflict, it made sense to take another, closer look at the user perspective: How safe do Germans feel when using the Internet? How much freedom and self-regulation do they want? How much regulation is called for?

These are the questions that the „Freedom versus regulation on the Internet“ study focuses on. To do this, a survey was conducted among approximately 1,500 persons in October 2013, providing a detailed impression of how Germans use the Internet, and how they perceive the associated benefits and risks, alongside state and business-related influences.

Without setting out the results and findings at this stage, I would like to point out three issues that I found particularly interesting:

  • Germans are well aware of the benefits and opportunities offered by the Internet. At the same time, however, they are concerned about the risks faced by users of the Internet
  • As individual solutions, users predominantly use technical means of protection or seek to avoid any potential danger. In this, data analysis by companies that run online shops or search engines, for example, is viewed as a threat to freedom on the Internet
  • The state is also seen as having a protective role in the digital environment.

If the state is required to play a role, it must be considered what framework conditions are required to ensure that the state is able to exert influence here and what form this „binding leadership“ by the state would actually take in the digital world. But this immediately raises the question as to whether the state could ever meet this expectation. In any case, the users must not be left on their own; they must be taken seriously in their wish for „guardrails“ in the digital environment.

I hope that you find this DIVSI study „Freedom versus regulation on the Internet“ informative, and would be pleased to receive any critical observations.

Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI)

Matthias Kammer,
Director
DIVSI

 

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DIVSI magazin – Ausgabe 04/2013 https://www.divsi.de/publikationen/magazine/divsi-magazin-ausgabe-12014/ Tue, 17 Dec 2013 11:00:12 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=magazine&p=5352 zum Inhalt: Trotz Ausspäh-Aktionen: „Ein Rückzug aus dem Internet wäre fatal!“ Und weitere Themen…

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zum Inhalt: Trotz Ausspäh-Aktionen: „Ein Rückzug aus dem Internet wäre fatal!“
Und weitere Themen…

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Freiheit versus Regulierung im Internet https://www.divsi.de/freiheit-versus-regulierung-im-internet/ https://www.divsi.de/freiheit-versus-regulierung-im-internet/#respond Mon, 09 Dec 2013 14:25:06 +0000 http://46.30.3.106/?p=5357 Die meisten Internet-Nutzer trauen es sich grundsätzlich zu, Risiken und Gefahren des Netzes einzuschätzen und möchten sich daher völlig frei und uneingeschränkt im Netz bewegen. So eine Erkenntnis aus unserer aktuellen Umfrage, die Allensbach für DIVSI bundesweit erhoben hat.

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Freiheit vs Regulierung

Bild: Berkomaster – Shutterstock | Brocreative – Shutterstock

Von Werner Süßlin

Hamburg/Allensbach – Die meisten Internet-Nutzer trauen es sich grundsätzlich zu, Risiken und Gefahren des Netzes einzuschätzen und möchten sich daher völlig frei und uneingeschränkt im Netz bewegen. So eine Erkenntnis aus unserer aktuellen Umfrage, die Allensbach für DIVSI bundesweit erhoben hat.

Gleichwohl ist die Mehrheit der Nutzer wie der gesamten Bevölkerung davon überzeugt, dass der Staat für die Anbieter von Internet-Seiten gewisse Regeln vor- geben und auch auf deren Einhaltung achten muss. Jeweils 61 Prozent sehen den Staat hier in der Pflicht.

19 Prozent der Bevölkerung (23 Prozent der Nutzer) sind anderer Ansicht. Sie glauben, dass dies nicht Aufgabe des Staates sein könne. Von denjenigen, die das Internet besonders breit und intensiv nutzen, ist jeweils nur etwas mehr als jeder Vierte überzeugt, dass keine staatlichen Vorgaben für die Anbieter von Inhalten erforderlich sind.

Eine klare Mehrheit spricht sich für Forderungen aus, Inhalte des Netzes angesichts vieler bedenklicher Inhalte stärker zu kontrollieren und unter Umständen auch zu verbieten. 57 Prozent der Bevölkerung (54 Prozent der Internet- Nutzer) befürworten eine stärkere Kontrolle und Regulierung der Inhalte. 27 Prozent der Bevölkerung (32 Prozent der Nutzer) lehnen dies ab. Sie argumentieren: Es kann nicht sein, dass der Staat oder eine andere Stelle festlegen, was sich der Einzelne im Internet anschauen darf und was nicht. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.

Im Hinblick auf eine stärkere Kontrolle von Inhalten bzw. die Bedeutung der Eigenverantwortung unterscheiden sich die verschiedenen Nutzergruppen erheblich. Zwar überwiegt auch bei denjenigen, die das Internet besonders breit und häufig nutzen, der Anteil derer, die sich für einen Ausbau von Kontrollen aus- sprechen. Die Unterstützung ist aber wesentlich geringer als bei denen, die vergleichsweise selten online sind.

47 Prozent der Nutzer, die mehrmals am Tag im Internet sind, befürworten stärkere Kontrollen. Von den Befragten, die das Internet nur selten nutzen, sind es dagegen drei Viertel. Umgekehrt betonen 38 Prozent der Intensiv-Nutzer, dass die Nutzung von Angeboten ausschließlich in der Verantwortung des Einzelnen liegen sollte. Von denjenigen, die selten ins Internet gehen, sind lediglich 13 Prozent dieser Ansicht.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich, wenn man die Breite der Internet-Nutzung heranzieht. Personen mit einem breiten Nutzungsspektrum lehnen eine stärkere Kontrolle von Inhalten deutlich häufiger ab als diejenigen, die relativ wenige Angebote in Anspruch nehmen. Entsprechend verweisen sie wesentlich häufiger auf die Bedeutung der Eigenverantwortung. Die Unterstützung für eine stärkere Kontrolle wird maßgeblich auch davon beeinflusst, wieweit man sich selbst eine Einschätzung der Gefahren und Risiken des Internets zutraut. Befürwortet wird eine stärkere Kontrolle weit überdurchschnittlich von den Nutzern, die sich hier eher unsicher sind.

Zweifel, ob und wieweit sich eine Kontrolle und Überwachung des Netzes überhaupt verwirklichen lassen, sind weit verbreitet. Lediglich 37 Prozent der Internet-Nutzer halten eine wirksame Kontrolle für möglich. 49 Prozent äußern ausdrücklich Zweifel, die übrigen trauen sich kein Urteil zu. Auch 43 Prozent derjenigen, die sich für die stärkere Kontrolle von Inhalten aussprechen, sind skeptisch. Immerhin 41 Prozent aus diesem Kreis sind zuversichtlich, dass eine wirksame Kontrolle gelingen kann.

Weitgehende Einigkeit besteht über die Notwendigkeit länderübergreifender Regelungen. Das gilt ganz unabhängig davon, ob man stärkere staatliche Kontrollen befürwortet oder ablehnt. Nicht einmal jeder Zehnte verspricht sich etwas von rein nationalen Maßnahmen und Vorschriften. 72 Prozent sind überzeugt, dass Regelungen nur dann effektiv sein können, wenn sie auch international einheitlich sind.

In welchem Umfang der Staat auf diesem Feld aktiv ist und welche Kontrolle er ausübt, davon haben weite Teile der Bevölkerung wie auch der Onliner nur diffuse Vorstellungen. 49 Prozent der Bevölkerung (45 Prozent der Internet- Nutzer) trauen sich kein Urteil zu, ob der Staat bisher zu viel oder zu wenig kontrolliert und reguliert.

Diejenigen, die sich konkret äußern, sehen eher Versäumnisse. Jeweils rund ein Drittel der Bevölkerung sowie der Internet-Nutzer bemängelt ein unzureichendes staatliches Engagement in diesem Bereich.

Lediglich eine Minderheit ist der Ansicht, dass der Staat bisher zu stark in das Internet eingreift. Nur sieben Prozent der Internet-Nutzer teilen diesen Ein- druck. Auch diejenigen, die das Netz besonders breit und intensiv nutzen, äußern sich bei dieser Frage nicht kritischer.

Gleichzeitig besteht die Sorge, dass die Freiheit im Netz durch den Staat bedroht sein könnte, indem er beispielsweise das Verhalten der Bürger im Internet überwacht. Rund jeder zweite Nutzer schätzt diese Gefahren als groß oder sogar sehr groß ein. Nur sechs Prozent sehen keinerlei Anlass zur Besorgnis.

Noch häufiger sind allerdings Befürchtungen, dass die Freiheit des Internets dadurch gefährdet wird, dass etwa Anbieter von Suchmaschinen oder Online-Shops nicht mehr alle, sondern überwiegend auf das jeweilige Nutzerprofil zugeschnittene Inhalte anzeigen. Zwei Drittel der Onliner sind davon überzeugt, dass dadurch die Freiheit des Netzes in hohem Maße bedroht wird. Nicht einmal jeder Fünfte schätzt diese Gefahr als eher gering ein.

Nur die wenigsten Nutzer haben allerdings bisher den Eindruck, dass es tatsächlich zu zunehmenden Einschränkungen der Freiheit im Netz kommt. Im Hinblick auf die Entwicklung in den letzten Jahren ziehen diejenigen, die überhaupt Veränderungen wahrgenommen haben, eine weit überwiegend positive Bilanz. 35 Prozent der Onliner sind der Ansicht, dass die Freiheit im Internet zugenommen hat, lediglich elf Prozent sind überzeugt, dass sie eher abgenommen hat. 36 Prozent sehen keine Veränderungen. Auch diejenigen, die das Internet besonders häufig und überdurchschnittlich breit nutzen, teilen diese Einschätzung.

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DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet https://www.divsi.de/publikationen/studien/divsi-studie-zu-freiheit-versus-regulierung-im-internet/ Tue, 03 Dec 2013 09:45:27 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=studien&p=5235 Freiheit versus Regulierung im Internet In der relativ kurzen Zeit seines Bestehens hat DIVSI bereits eine Reihe von viel beachteten Schriften, Studien und Untersuchungen vorgelegt. Dabei ist es uns regelmäßig gelungen, mit diesen Veröffentlichungen aktuelle Fragen und Problemstellungen von hoher Brisanz und Wichtigkeit aufzugreifen und dazu gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse als Antworten zu liefern. Ich bin überzeugt, dass sich die hier […]

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Freiheit versus Regulierung im Internet

In der relativ kurzen Zeit seines Bestehens hat DIVSI bereits eine Reihe von viel beachteten Schriften, Studien und Untersuchungen vorgelegt. Dabei ist es uns regelmäßig gelungen, mit diesen Veröffentlichungen aktuelle Fragen und Problemstellungen von hoher Brisanz und Wichtigkeit aufzugreifen und dazu gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse als Antworten zu liefern.

Ich bin überzeugt, dass sich die hier vorgelegte neue Studie „Freiheit versus Regulierung im Internet“, realisiert durch das renommierte Institut für Demoskopie Allensbach, würdig in die Reihe ihrer Vorgänger eingliedert.

Ein kurzer Blick zurück. Die DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet, der Auftakt unserer repräsentativen Untersuchungen, hat in zuvor kaum gekannter Präzision die Motivationen und Einstellungen der in Deutschland lebenden Menschen in ihrem Verhältnis zum Internet untersucht. Ausgeführt ist dort auch, welche Erwartungen sie hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz im Internet haben.

Die später folgende Entscheider-Studie rückte erstmals die Entscheider in Wirtschaft, Politik, Medien, Wissenschaft und Gesellschaft in den Fokus. Diese Untersuchung verdeutlichte ihr Denken, ihre Ziele und auch ihre Einschätzung von Verantwortlichkeiten in unserer digitalen Welt. Nie zuvor wurde so klar geäußert, dass die Macher die Verantwortung für die Sicherheit im Netz quasi als „Schwarzen Peter“ an die Nutzer weiter schieben.

Vor diesem Spannungsverhältnis lag es nahe, noch einmal die Nutzerperspektive heranzuziehen und näher zu untersuchen: Wie sicher fühlen sich die Deutschen im Internet? Wie viel Freiheit und Selbstbestimmung wollen sie? Nach wie viel Regulierung wird verlangt?

Fragen dieser Art stehen in der Studie „Freiheit versus Regulierung im Internet“ im Fokus. Dafür wurden im Oktober 2013 rund 1.500 Personen befragt. Herausgekommen ist ein detailliertes Bild des Nutzungsverhaltens der Deutschen im Internet und ihrer Wahrnehmung von Chancen und Risiken
sowie staatlicher und unternehmerischer Einflussnahmen.

Ohne die Ergebnisse und Erkenntnisse an dieser Stelle auszubreiten, möchte ich auf drei Punkte hinweisen, die mir besonders interessant erscheinen:

  • Die Deutschen wissen sehr wohl um Nutzen und Chancen, die das Internet bietet. Gleichzeitig jedoch werden die Risiken gefürchtet, die den Nutzer im Netz bedrohen.
  • Als individuelle Lösung bauen die Nutzer zu ihrem Schutz vor allem auf technische Maßnahmen oder versuchen, möglicherweise Gefährliches zu meiden. Dabei wird die Datenauswertung von Unternehmen, die beispielsweise Online-Shops oder Suchmaschinen betreiben, als Bedrohung der Freiheit im Internet wahrgenommen.
  • Dem Staat wird auch im digitalen Lebensraum eine Rolle als beschützendes Organ zugewiesen.

Sofern der Staat gefordert ist, muss erörtert werden, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit dieser handeln kann und wie eine „verbindliche Führung“ des Staates in der digitalen Gesellschaft aussehen kann. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der Staat dieser Erwartung überhaupt gerecht werden kann. Auf jeden Fall darf der Nutzer nicht allein gelassen, er muss in seinem Wunsch nach „Leitplanken im digitalen Leben“ ernst genommen werden.

Ich wünsche Ihnen informative Stunden mit der DIVSI Studie „Freiheit versus Regulierung im Internet“ und freue mich auf Ihre – kritischen – Anmerkungen.

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Wearable Technology – das Ende emotionaler Geheimnisse? https://www.divsi.de/wearable-technology-das-ende-emotionaler-geheimnisse/ https://www.divsi.de/wearable-technology-das-ende-emotionaler-geheimnisse/#respond Mon, 11 Nov 2013 12:42:26 +0000 http://46.30.3.106/?p=5159 Von Yi-Ji Lu Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für […]

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Wearable Technology - eine Welt ohne Geheimnisse?

Bild: Ken Tannenbaum – Shutterstock

Von Yi-Ji Lu

Auf den Punkt gebracht: Wir sollten dem wachsenden Markt von Wearable Technology erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Technik könnte eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse mit sich bringen. Schon jetzt sorgt die Nutzung biometrischer Daten – etwa Apples neues Smartphones mit Fingerabdrucksensor und der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs, die Erfassung von Fingerabdrücken für Reisepässe als gesetzeskonform zu erklären  – für kontroverse Diskussionen. Verständlich. Doch Wearable Technology bietet Möglichkeiten, die viel weiter reichen.

Nebst dem Potenzial, das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern, erwachsen aus derartigen Technologien ganz neue Dimensionen möglicher Gefährdungen der Privatsphäre. Ihr Einsatz ist bereits heute weiter fortgeschritten, als die futuristisch anmutenden Funktionalitäten vermuten lassen:

So hat Hitachi ein Gerät in Größe einer gewöhnlichen Mitarbeiteridentifikationskarte entwickelt, das vollgestopft mit Sensoren Bewegung und Sprache der Mitarbeiter ebenso misst wie Beleuchtung und Temperatur. Dadurch kann gemessen werden, welcher Mitarbeiter mit welchem Kollegen Kontakt hat und welche Auswirkungen diese Interaktion auf des Energielevel des jeweiligen Mitarbeiters hat. Die Performance von Football-Spielern wird über in der Unterwäsche platzierte Sensoren gemessen, die Aufschluss über Laufzeiten und Belastungslevel der Spieler geben und somit erschöpfungsbedingte Verletzungen verhindern können.

Eine Welt ohne Privatsphäre und emotionale Geheimnisse

Besonders weitreichende Konsequenzen hat die Erfassung von jenen Körperdaten, die Rückschlüsse auf unsere Emotionen zulassen. Dr. Chuck Jorgensen, Wissenschaftler der NASA,  sagt den Vormarsch von Wearable oder Embedded Technology voraus, der nach dem derzeit wahrnehmbaren Rückgang an Privatsphäre auch das Ende der emotionalen Geheimnisse zur Folge haben wird. Mit der Analyse von Gesichtsausdruck, Lidschlagfrequenz, Temperatur von Gesichtsbereichen, Atemfrequenz, Änderung der Pupillengröße, Blickrichtung und Verweildauer des Blickes auf einem Objekt, Muskelanspannung oder Stimm- und Sprechanalyse könnten bereits heute Computer mit einer Trefferquote von bis zu 90 Prozent die Emotionen eines Menschen entschlüsseln.

Dabei steht diese Entwicklung noch am Anfang und es ist anzunehmen, dass die Treffsicherheit immer weiter steigen wird. Wearable-Techology-Lösungen werden ermöglichen, dass ein User mittels der kontrovers diskutierten Datenbrille Google Glass oder mittels eines Kontaktlinsencomputers die Gefühlswelt seines Gesprächspartner scannt, ohne dass dieser davon etwas mitbekommt.

Die Implikationen, so Jorgensen, sind immens. Jederzeit und mit nahezu perfekter Trefferquote seien Emotionen, Zustimmung, Ablehnung, Wahrheit oder Lüge ablesbar. Damit lassen sich gespielte Gefühlsneutralitäten entlarven, die für zwischenmenschliche, geschäftliche und politische Beziehungen essentiell sind. Dies wird zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen.

Die Entwicklung von Wearable Technology sei unumkehrbar und der Weg zur automatisierten Gefühlsanalyse vorgezeichnet.

Die konsequente Nutzung von Wearable Technology bringt uns zu einer Kernfrage: Müssen Kommunikations- und Verhaltensweisen grundsätzlich neu ausgehandelt werden, da künftig in einer Welt ohne Geheimnisse alles das sichtbar wird, was man vorher bewusst oder unbewusst nicht mit dem Gegenüber teilte?

Wearable Technology zum Körper-Monitoring

Eher harmlos sind dagegen Nutzungsmöglichkeiten, die sich in einer Quantified-Self Bewegung bündeln. Hier werden mit elektronischen Armbändern wie Jawbones Up Bewegungs- und Schlafaktivitäten gemessen. So wollen die Nutzer ihre Arbeitsleistung, sportliche Fitness oder Ernährungsweisen visualisieren und verbessern. Die Veröffentlichung ihrer Körper- und Fitnessdaten dient den Usern zugleich als Motivationssystem, da Erfolge für alle sichtbar werden und damit für zusätzlichen Antrieb sorgen.

Auch in Sachen Medizin lässt sich die neue Technologie nutzen. Mit dem Internet verbundene medizinische Implantate, die die Früherkennung gesundheitlicher Risiken ermöglichen oder die Insulinaufnahme von Diabetikern automatisieren, befinden sich bereits in Erprobungsphasen und werden die gesamte Medizin grundlegend verändern.

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Digitale Agenda 2013-2017: Netzpolitik im neuen Deutschen Bundestag https://www.divsi.de/publikationen/diskussionsbeitraege/digitale-agenda-2013-2017/ Thu, 07 Nov 2013 10:10:59 +0000 http://46.30.3.106/?post_type=schriften&p=5172 Ausbau des Breitbandnetzes, Netzneutralität und Datenskandale: der Sommer 2013 hat gezeigt, wie unverzichtbar das Internet und die Informations- und Kommunikationstechnologien für uns geworden sind. Gleichermaßen sind auch die Problemfelder zutage getreten, die von Gesellschaft und Politik noch zu bewältigen sind. Was wurde in Sachen Netzpolitik bewegt? Wurden gesetzlichen Grundlagen für den Ausbau einer deutschen Führungsposition […]

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Digitale Agenda 2013-2017. Netzpolitik im neuen Deutschen Bundestag

Bild: bikeriderlondon – Shutterstock

Ausbau des Breitbandnetzes, Netzneutralität und Datenskandale: der Sommer 2013 hat gezeigt, wie unverzichtbar das Internet und die Informations- und Kommunikationstechnologien für uns geworden sind. Gleichermaßen sind auch die Problemfelder zutage getreten, die von Gesellschaft und Politik noch zu bewältigen sind.

Was wurde in Sachen Netzpolitik bewegt? Wurden gesetzlichen Grundlagen für den Ausbau einer deutschen Führungsposition in netzpolitischen Fragen auf europäischer Ebene geschaffen? Bedarf es neuer Regelungen und wie sieht eine künftige digitale Agenda aus? Zumindest letztere Frage kann erst dann beantwortet werden, wenn die Regierungsparteien feststehen. Gleichwohl lassen sich schon jetzt die netzpolitischen Schwerpunkte der Parteien und die möglichen Konfliktfelder herauskristallisieren.

Zu diesem Zweck hat Dr. Göttrik Wewer, Leiter der DIVSI Schriftenreihe, die Wahlprogramme der Parteien analysiert und übersichtlich und verständlich aufbereitet. Nach Lektüre dieser Arbeit hat man mit Sicherheit einen exzellenten Überblick, ein klares Verständnis für Absichten und Probleme und viel mehr Gespür fürs Detail.

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STANDPUNKT: Unerledigte Arbeit für den neuen Bundestag https://www.divsi.de/standpunkt-unerledigte-arbeit-fuer-den-neuen-bundestag/ https://www.divsi.de/standpunkt-unerledigte-arbeit-fuer-den-neuen-bundestag/#comments Wed, 18 Sep 2013 11:08:46 +0000 http://46.30.3.106/?p=4981 Wir haben ein Recht auf Klarheit in der Schnüffel-Affäre – Von Matthias Kammer, Direktor des DIVSI – Wären PRISM, NSA und der gesamte Riesen-Skandal nur ein zeitaktueller TV-Film aus der Welt des Internet und der Geheimdienste, so würde ich beim jetzigen Sachstand abschalten. Warum? Ich mag Science Fiction nicht. „Jetzt übertreiben sie aber“, würde ich […]

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Wir haben ein Recht auf Klarheit in der Schnüffel-Affäre

Matthias Kammer STANDPUNKT

– Von Matthias Kammer, Direktor des DIVSI –

Wären PRISM, NSA und der gesamte Riesen-Skandal nur ein zeitaktueller TV-Film aus der Welt des Internet und der Geheimdienste, so würde ich beim jetzigen Sachstand abschalten. Warum? Ich mag Science Fiction nicht. „Jetzt übertreiben sie aber“, würde ich sagen. „Da ist die Phantasie mit den Machern durchgegangen. So was ist im realen Leben undenkbar.“

Leider ist die schlimme Schnüffel-Affäre kein Film. Vielmehr ein Live-Drama mit ungewissem Ausgang und uns allen als hilflosen Statisten. Eine tickende Zeitbombe, die längst weit größere Dimensionen als ein reines Ausspähen erreicht hat. Ich sehe unser ureigenes Persönlichkeitsrecht bedroht.

Selten zuvor haben deutsche Politiker in einer Krisensituation – und genau davon müssen wir reden  – ein derart schwaches Bild abgegeben. Und es wäre unklug, bei diesem erschreckenden Vorgang auf ein Vergessen in der Öffentlichkeit zu hoffen.

Rufen wir uns die groteske Situation noch einmal ins Gedächtnis:

Da empfiehlt der deutsche Innenminister uns Bürgern, selbst mehr für den Schutz unserer Daten zu tun. Da Ausspäh-Technik nun einmal existiere, müssten Verschlüsselungstechnik oder Virenschutz größere Aufmerksamkeit erhalten.

Tage später wird bekannt, dass die Geheimdienste über solche Techniken gelangweilt gähnen. Dass sie längst Datenübertragungen im Internet mitlesen können, selbst wenn mit modernster Technik verschlüsselt wurde. Denn die NSA hat einschlägige Softwarefirmen womit und wodurch auch immer dazu gebracht, für sie Hintertüren einzubauen. Das bedeutet im Klartext: Auch die bislang als sicher geltenden https-Verbindungen beispielsweise beim Online-Banking können geknackt werden.

Nun mag es Menschen geben, die Geheimdiensten das Schnüffeln erlauben möchten, weil dieses so erworbene Wissen zur Vorbeugung und Abwehr terroristischer Angriffe nützlich sein kann. Ist diesen Zeitgenossen eigentlich klar, dass es durchaus auch kriminelle Elemente gibt, die solche Hintertüren öffnen können, um verbrecherische Aktivitäten durchzuführen?

Ist es nicht beschämend für die gesamte deutsche Politik, wenn bei einem solchen Web-Tsunami sich der Präsident unseres Landes mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten treffen muss, weil Regierung und Opposition überfordert sind, die Bürger umfassend aufzuklären – über die wahren Ausmaße des entstandenen Schadens und über Wege, die jetzt eingeschlagen werden müssten, um den Schaden zu begrenzen.

Joachim Gauck war Schirmherr des DIVSI, bevor er zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Er hat in mehreren Interviews geäußert, dass ihn die NSA-Affäre beunruhige. Es unterstreicht sein tiefes, geradliniges  Streben nach Bewahrung und Ausbau der Freiheit und unser aller Freiheitsrechte, wenn er im Interesse seiner eigenen Information den eher ungewöhnlichen Weg über den Datenschutzbeauftragten wählt. Womöglich hat er sich von dem umfassendere sachlich-neutrale Aufklärung versprochen, als von offizieller Politikseite. Denn Peter Schaar, immerhin mit der Erfahrung von gut zehn Jahren auf der Position des obersten Datenschützers, hat mehrfach Kritik am Verhalten der politisch Verantwortlichen geäußert und ihnen Verschleierung vorgeworfen.

Beide sprechen mir mehr aus dem Herzen als die Phalanx der Regierungsvertreter, für die alle Vorwürfe in diesem einmaligen Skandal ausgeräumt sind. Unabhängig davon, welche Mehrheits- und Machtverhältnisse die anstehende Bundestagswahl mit sich bringt – der Skandal um NSA und den britischen GCHQ-Dienst muss als unerledigte Arbeit übernommen werden. Denn ausgeräumt ist gar nichts.

Die Internet-Nutzer haben ein Recht auf Aufklärung, welche Verschlüsselungstechniken sie überhaupt noch sinnvoll nutzen können. Wenn die Politik keine vor Ausspähung sichere Software empfehlen kann, wächst die Gefahr einer tiefgreifenden Vertrauenskrise bei der Nutzung des Internets.

Anzeichen hierfür hat eine repräsentative DIVSI-Umfrage, realisiert durch das renommierte SINUS-Institut, bereits ergeben. Denn das Sicherheitsgefühl der Deutschen im Internet hat sich durch den Abhörskandal verschlechtert. 39 % der Befragten fühlen sich demnach bei ihren Aktivitäten unsicherer als zuvor.

Auch die Wirtschaft müsste daran interessiert sein, dass alle Fakten lückenlos auf den Tisch kommen. Denn eine Vertrauenskrise würde besonders jene Unternehmen empfindlich treffen, deren Geschäftsprozesse maßgeblich auf dem Internet basieren. Es ist für mich höchst verwunderlich, dass die Wirtschaft angesichts nicht auszuschließender Industriespionage sich derart ruhig verhält.

Dabei sollten in den Chefetagen die Alarmglocken schrillen. Zum Zeitpunkt unserer Befragung im Juni hatte bereits fast jeder Fünfte (18 Prozent) sein Verhalten bei der Nutzung des Internets geändert. Vor allem im Umgang mit Online-Diensten wollte man sich künftig vorsichtiger verhalten. Diese Werte liegen heute mit Sicherheit bei weitem höher. Es ist an der Zeit, dass die staatlichen Institutionen diese Sorgen der Bürger endlich ernst nehmen und reagieren.

Oder ist der Staat hier mittlerweile schlicht überfordert? Hat er vielleicht die falsche Arbeitsgrundlage? Anders gefragt: Taugt unser Grundgesetz überhaupt noch für das digitale Zeitalter? Das Lorenz-vom-Stein-Institut überprüft im DIVSI-Auftrag gerade das Fundament unserer Demokratie unter diesem Gesichtspunkt.

Und was kann der einzelne Internet-Nutzer machen? Wir Mitspieler des digitalen Zeitalters sollten trotz des weiter schwelenden Skandals das Lamentieren beenden und nach vorn blicken: Wie lassen sich bessere Schutzwälle errichten?

Ein erster Schritt wäre für mich, in diesem Zusammenhang nicht ausschließlich den überstrapazierten Begriff „Datenschutz“ zu bemühen. Das Ziel muss höher gesteckt werden: Wir brauchen eine Stärkung unserer Freiheitsrechte.

Und ich hoffe darauf,  dass irgendwann alle – staatliche Institutionen, die Wirtschaft, der private Nutzer – sich Leitplanken geben, innerhalb derer man sich im Internet bewegt. Alt-Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog, seit knapp einem Jahr Schirmherr des DIVSI, hat diesen Gedanken bereits bei seiner Amtsübernahme geäußert. Er sprach von einem Digitalen Kodex.

Unser Institut ist jetzt dabei, diese Idee zu konkretisieren. Dabei sollen eine Reihe grundsätzlicher Gedanken beantwortet werden: Brauchen wir neue soziale Regeln, die untereinander gelten sollen?  Lässt sich verbindlich festlegen, wie man künftig miteinander umgeht, um Internet-Missbrauch auszuschließen? Welche Verantwortung sollen Nutzer, Unternehmen und der Staat in der digitalen Welt künftig übernehmen? Sind neue soziale Spielregeln fern von rechtlicher Regulierung in der Gesellschaft erforderlich?

Ich erwarte von den politisch Verantwortlichen der nächsten Jahre, dass auch sie sich endlich seriös diesem gigantischen Fragenberg zumindest nähern. Und ich bin froh, dass wir einen Bundespräsidenten haben, der hier deutliche Zeichen setzt und sich nicht mit lapidaren Antworten abspeisen lässt.

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Mehr Schutz oder mehr Freiheit? https://www.divsi.de/mehr-schutz-oder-mehr-freiheit/ https://www.divsi.de/mehr-schutz-oder-mehr-freiheit/#respond Wed, 19 Jun 2013 10:33:25 +0000 http://46.30.3.106/blog/?p=204 Die DIVSI Milieu-Studie zeigt: Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung – betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet – primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Dies sind Digital Outsiders, Digital Immigrants und eine Minderheit der Digital Natives. Zitat: „Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz. Wer […]

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Die DIVSI Milieu-Studie zeigt: Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung – betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet – primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Dies sind Digital Outsiders, Digital Immigrants und eine Minderheit der Digital Natives. Zitat: „Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz. Wer sich sicher fühlt, wünscht Freiheit.“

Diese Delegationshaltung resultiert einerseits aus Unwissenheit und Überforderung (Digital Outsiders: 39 Prozent), andererseits aus Skepsis gegenüber der Art und Weise, wie im Internet derzeit mit dem Thema umgegangen wird (Digital Immigrants: 20 Prozent). Selbst bei denjenigen Nutzern, die sich als selbstsichere Navigatoren im Internet begreifen und explizit die Verantwortung für Ihre Internet-Aktivitäten übernehmen, besteht ein latentes Gefühl des System-Misstrauens.

Alle, die mit der Verbreitung des Internets aufgewachsen sind, neigen aufgrund ihres selbstverständlichen Umgangs mit dem Medium dazu, Gefahren und Risiken zu unterschätzen. Vor allem Unbekümmerte Hedonisten agieren leichtsinnig und unbedacht im Internet, auch weil sie sich nur wenig um die Konsequenzen ihres Handelns Gedanken machen.

Das Thema Vertrauen und Sicherheit im Internet wird damit zu einer dringlichen gesellschaftspolitischen Aufgabe. Es gilt, Barrieren und Vorbehalte abzubauen und Maßnahmen und Dienstleistungen anzubieten, die mehr Sicherheit bieten bzw. versprechen.

Die DIVSI Entscheider-Studie dagegen zeichnet ein anderes Bild im Hinblick auf Verantwortung: Für den Schutz ihrer Daten liegt die Verantwortung demnach eindeutig beim Nutzer. Sicherheit im Netz kann – wenn überhaupt – nur durch die Medienkompetenz der Bürger erreicht werden, wie 69 Prozent der Entscheider meinen. Eigenverantwortung sei das Gebot der Stunde, nach dem sich die Nutzer im Internet bewegen sollen.

Zitat: „Wenn Sie betrunken mit dem Auto gegen eine Laterne fahren, können Sie auch nicht sagen: ‚Tschuldigung, ich bin doch nur der Endnutzer von Opel.“

 

Gleichzeitig räumen die Entscheider jedoch ein, dass die Nutzer mit dieser Aufgabe weitestgehend überfordert seien. Entsprechend dieser Einschätzung empfehlen sie dem Nutzer, sich vor allem auf Bildung und die eigene Erfahrung zu verlassen, denn die Verantwortung kann ihm niemand abnehmen. Auch Rat von unabhängigen Institutionen und Experten gilt den Entscheidern als relevant; weniger verlassen sollten sich die Menschen jedoch auf staatliche Institutionen, das deutsche Rechtssystem und die Internet- Gemeinde. Staatliche Institutionen und das deutsche Rechtssystem sind aus Sicht der Entscheider von eher geringerer Bedeutung für Sicherheit im Internet.

Immerhin fordert knapp die Hälfte der Entscheider auch einen stärkeren öffentlichen Diskurs zum Thema Sicherheit im Internet. Das sei notwendig, um die Gesellschaft für den Umgang mit Daten im Internet zu sensibilisieren. 25 Prozent dagegen halten den Diskurs für eher übertrieben.

Der mehrheitlich erwünschte öffentliche Diskurs wird als besonders wichtig für Bestimmung von Verantwortlichkeiten im Netz gewertet. Der Nutzer wird zwar als (haupt)verantwortlich gesehen, dennoch braucht es aus Sicht der Entscheider einen Rahmen, innerhalb dessen er sich frei bewegen kann. 79 Prozent sehen Gesetze und Regeln im Internet als Grundvoraussetzung, damit das Internet überhaupt funktionieren kann.

Vergleichsweise selten (39 Prozent) vertreten Entscheider die Meinung, dass das Internet ein freies Medium sei und nicht durch Gesetze und Regeln eingeschränkt werden dürfe. Vielmehr betonen vier von fünf Entscheidern, es könne im Internet nur Freiheit geben, wenn rechtsstaatliche Grundregeln eingehalten werden.

Herausforderungen der Netzgesellschaft

Die Erkenntnisse aus den DIVSI-Studien machen insgesamt deutlich, dass sich die Netzgesellschaft unverändert einer Reihe von Herausforderungen gegenüber sieht. Gleichzeitig lassen sich zahlreiche der gewonnenen Erkenntnisse durchaus als Indikatoren für einen laufenden größeren Umbruch werten.

Dazu DIVSI-Schirmherr Prof. Dr. Roman Herzog:
„Um das Vertrauen ins Internet, in die mit ihm eröffneten Chancen und Möglichkeiten nicht zu verspielen, brauchen wir eine breite Diskussion darüber, welche verbindlichen Spielregeln hier gelten sollen. Wir brauchen Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein.“

Wir haben zwischenzeitlich angefangen, diesen Gedanken zu realisieren. DIVSI ist dabei, in Zusammenarbeit mit dem Think Tank iRights.Lab die Frage zu prüfen: Braucht Deutschland einen digitalen Kodex?

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Allensbach-Umfrage für DIVSI: Freiheit versus Regulierung https://www.divsi.de/allensbach-umfrage-fuer-divsi-freiheit-versus-regulierung/ https://www.divsi.de/allensbach-umfrage-fuer-divsi-freiheit-versus-regulierung/#respond Mon, 15 Apr 2013 09:03:17 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=4161 Hamburg – Das Themenumfeld zwischen Freiheit und Selbstbestimmung im Gegensatz zu Sicherheit und Regulierung im Internet wird eine aktuelle Allensbach-Umfrage ausloten, die DIVSI jetzt initiiert hat. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) ist für diesen Themenbereich auch als Herausgeber der seit 1997 jährlich erscheinenden „Allensbacher Computer- und Technik-Analyse“ (ACTA) ein idealer Partner. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: […]

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Bild: Constantine Pankin – Shutterstock

Hamburg – Das Themenumfeld zwischen Freiheit und Selbstbestimmung im Gegensatz zu Sicherheit und Regulierung im Internet wird eine aktuelle Allensbach-Umfrage ausloten, die DIVSI jetzt initiiert hat. Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) ist für diesen Themenbereich auch als Herausgeber der seit 1997 jährlich erscheinenden „Allensbacher Computer- und Technik-Analyse“ (ACTA) ein idealer Partner.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Die Erkenntnisse werden voraussichtlich ein konstrastreiches Gesamtbild zur aktuellen Einschätzung der Bevölkerung bei der persönlichen Internet-Nutzung ergeben. Die Erkenntnisse dürften für Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gleichermaßen von Interesse sein.“

Die Umfrage wird bundesweit repräsentative Ergebnisse erbringen. Als mögliche Fragenkomplexe sind angedacht:

  • Ist die Freiheit im Internet zu groß?
  • Wie viel Freiheit verträgt das Internet?
  • Ist das Internet schon heute ein rechtsfreier Raum?
  • Ist das Internet für Normalbürger noch beherrschbar?

Daneben wird die Umfrage auch sicherheitsrelevante Komplexe sowie die Frage nach Verantwortlichkeiten ansprechen. Rund 1.500 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 16 Jahren werden in die Umfrage einbezogen. Die Ergebnisse sollen im Spätsommer vorliegen.

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