E-Partizipation – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen? https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/ https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/#respond Mon, 07 May 2018 08:14:06 +0000 https://www.divsi.de/?p=17590 Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen. Von Gabriele Buchholtz Digital kommunizieren wir anders als früher. So viel steht fest. Fest steht auch, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe verändert haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch Risiken. Wie kann der Staat die neuen Technologien demokratieförderlich […]

The post Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen? appeared first on DIVSI.

]]>
Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen?

Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen.

Von Gabriele Buchholtz

Digital kommunizieren wir anders als früher. So viel steht fest. Fest steht auch, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe verändert haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch Risiken. Wie kann der Staat die neuen Technologien demokratieförderlich nutzen? Es wird für eine zweigleisige Strategie plädiert: Einerseits brauchen wir bessere digitale Beteiligungsmöglichkeiten. Andererseits muss der Staat dabei helfen, das Internetbewusstsein der Bürger zu schärfen.

Schlagworte

Die neuen digitalen Beteiligungsmöglichkeiten firmieren unter den Schlagworten Electronic Government und Liquid Democracy. Was verbirgt sich dahinter? Electronic Government erfasst einerseits alle technologischen Beteiligungsmöglichkeiten, die der Staat anbietet. Man spricht hier von der sog. Top-down-Kommunikation. Dazu gehören beispielsweise E-Votings, die in einigen europäischen Nachbarländern – darunter Estland und die Schweiz – bereits gang und gäbe sind. Weitere Top-down-Angebote liefert etwa der Deutsche Bundestag durch Online-Petitionen oder die EU durch Online-Konsultationen. Andererseits bezeichnet Electronic Government auch alle von der Zivilgesellschaft bereitgestellten Beteiligungsmöglichkeiten. Hier ist von einer Bottom-up-Kommunikation die Rede. Bekannte Beispiele sind die Petitionsplattformen wie Campact, Change.org oder openpetition.

Zunehmend bilden sich auch Mischformen mit Top-down- und Bottom-up- Elementen. Zu diesem Typus gehört etwa die Europäische Bürgerinitiative, die mit dem Lissabon-Vertrag in Art. 11 Abs. 4 EUV Einzug in das europäische Entscheidungssystem gefunden hat. Mit der EU-Bürgerinitiative können Unionsbürger – es muss sich eine Mindestanzahl von einer Million zusammenfinden – die Europäische Kommission auffordern, ein bestimmtes Gesetzgebungsvorhaben einzuleiten. Dahinter steht ein ehrenwertes Anliegen: Traditionell ist die EU auf dem direktdemokratischen Auge blind. Das soll sich mit der Möglichkeit zur Bürgerinitiative ändern. Welche Rolle spielt hier die Digitalisierung? Eine große, denn der Erfolg einer europäischen Bürgerbeteiligung steht und fällt mit der digitalen Infrastruktur. Seit 2012 sind EU-Bürgerinitiativen möglich. Die bisherigen Erfahrungen sind aber gemischt: Lediglich zwei Initiativen haben den vorgesehenen Prozess erfolgreich durchlaufen. Hervorzuheben ist die Initiative „Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung“. Dahinter steht das Ziel, alle EU-Bürger mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und eine Liberalisierung der Wasserwirtschaft zu verhindern. Der gewünschte Gesetzgebungsvorschlag kam jedoch nie zustande.

Und was ist Liquid Democracy? Dieses Schlagwort verbindet unterschiedliche Formen der direkten und indirekten Demokratie. Dahinter steht der Wunsch, die politische Entscheidungsfindung breiter zu legitimieren. In der „flüssigen Demokratie“ kann jeder Bürger jederzeit neu entscheiden, ob er sich kompetent fühlt, Politik mitzugestalten, oder ob er seine Stimme lieber einem Experten bzw. einer Partei überträgt. Das Konzept ist nicht neu, es wird insbesondere mit der allseits bekannten Piratenpartei in Verbindung gebracht. Mittlerweile ist der Hype um die Piraten vorbei. Es lohnt sich aber, erneut über Liquid Democracy nachzudenken.

Risiken

Den Chancen der digitalen Partizipation stehen erhebliche Risiken gegenüber. Vor allem die Missbrauchsanfälligkeit ist „demokratiegefährlich“. Jüngst treiben sog. Social Bots im Netz ihr Unwesen. Dabei handelt es sich um Computerprogramme, die in Sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer auftreten. Sie streuen Scheinargumente und verunglimpfen Meinungen, um politische Diskussionen zu lenken. Im US-Wahlkampf, aber auch im Ukraine-Konflikt oder in der deutschen Flüchtlingsfrage haben sie den Diskurs entscheidend mitgeprägt. Bekanntlich stammt jeder dritte Trump- Tweet von einem Social Bot. Besorgniserregend ist, dass die algorithmengesteuerte Meinungsmache mit der Realität häufig nichts zu tun hat. Trotzdem erliegen Menschen der Mehrheitsillusion. Längst sind „Alternative Facts“ Faktum unserer Zeit. Gleichzeitig sinkt – mit zunehmender Bedeutung von Einzelmeinungen – der Einfluss von Parlamenten, Fraktionen und Parteien. Der politische Willensbildungsprozess entfernt sich immer weiter von staatlichen Organen – zum Nachteil der Demokratie!

Die Ursache des Problems liegt aber auch bei den staatlichen Organen selbst: Denn bei vielen Bottom-up-Aktionen hat die digitale Bürgerbeteiligung häufig gar keine politische Wirkung. Die abgegebenen Meinungen werden entweder gar nicht oder nur halbherzig in den politischen Entscheidungsprozess eingespeist, weil es den Politikern schlicht am Willen fehlt und oftmals auch am Know-how. Es verwundert also nicht, dass die Bürgerresonanz auf digitale Beteiligungsangebote – gelinde gesagt – schwach ist.

Mit einer zweigleisigen Strategie ist den Problemen beizukommen.

Berücksichtigungspflicht

Zunächst brauchen wir partizipationsfreundlichere Strukturen, d.h. niedrigschwellige, themenspezifische Angebote, die Bürger zur Teilhabe motivieren. Außerdem müssen die digitalen Angebote verbindlicher werden, d.h. in den politischen Entscheidungsprozess eingebracht werden. Der Bürger hat ein berechtigtes Interesse daran, dass der jeweils zuständige Politiker eine digital abgegebene Äußerung berücksichtigt und ggf. ein Feedback abgibt. Insoweit könnte der Begriff einer demokratischen „Berücksichtigungspflicht“ Karriere machen. Eine so verstandene Liquid Democracy würde sich als zukunftsträchtig und praktikabel erweisen. Aber Achtung! Mit der Digitalisierung darf das Ideal der repräsentativen Demokratie nicht überdehnt werden. Die repräsentative Demokratie hat sich als beste Form zur Wahrung des Gemeinwohls erwiesen. Bewusst hat das Grundgesetz das Parlament zur „Mitte der Demokratie“ bestimmt. In diesem Sinne ist eine umfassende Bürgerbeteiligung nicht erstrebenswert, wohl aber eine maßvolle und ehrliche Mitwirkung. Grenzen sind dort zu ziehen, wo Repräsentation der Partizipation umfassend geopfert wird.

Nährboden

Mit der Technik allein ist es nicht getan. Wichtig ist die Erkenntnis, dass demokratische Teilhabe eine zweiseitige Aufgabe ist: Auf den Mitgestaltungswillen der Bürger kommt es ebenso an wie auf die staatlich-institutionellen Mitgestaltungschancen. Dafür braucht es einen sozialen und politischen Nährboden, den das Internet selbst nicht bietet. Laut der aktuellen DIVSI-Milieu- Studie von 2016 fühlen sich immer noch 30 Prozent der Befragten vom Internet „überfordert“. Ursache ist, dass die Medienkompetenz mit sinkendem Bildungsniveau ebenfalls nachlässt. Ziel muss es sein, dass sich alle Bürger in der Datenwelt zurechtfinden, vor allem Missbrauchs- und Manipulationsgefahren erkennen. Andernfalls ist das demokratieförderliche Potenzial der Digitalisierung schnell vertan. Vor allem die Schulen sollten die digitalen Technologien stärker als Bildungsinstrument verstehen. Auch bei der Integration von Zuwanderern ist die Nutzung digitaler Medien ein entscheidender Faktor. Sie kann Integrationsprozesse durch bessere Teilhabe stärken. Hier gilt allemal, dass der Staat „Kommunikationsvorsorge“ betreiben und Verständnishilfen anbieten muss. Nicht schon die technischen Möglichkeiten führen zu mehr Demokratie, sondern erst deren reflektierte Nutzung. In diesem Sinne könnte die Digitalisierung der Demokratie sogar zum Segen werden.

Dieser aktualisierte Beitrag basiert auf einem Vortrag beim DIVSI/Bucerius-Forum und wurde in Langfassung in der DÖV veröffentlicht.

The post Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/demokratische-teilhabe-2-0-fluch-oder-segen/feed/ 0
Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/ https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/#respond Wed, 17 Jan 2018 09:09:00 +0000 http://46.30.3.106/?p=17036 Erkenntnisse des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Auch das persönliche Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland Verbreitung gefunden. Von Christian P. Hoffmann Ein Schreck jagte durch die Apothekerzunft – ausgelöst durch den Versandhändler Amazon. Ende November ermöglichte die amerikanische Plattform schlagartig zahlreichen Apotheken nicht mehr, ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente über den „Amazon […]

The post Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen appeared first on DIVSI.

]]>
Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen

Erkenntnisse des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“. Auch das persönliche Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland Verbreitung gefunden.

Von Christian P. Hoffmann

Ein Schreck jagte durch die Apothekerzunft – ausgelöst durch den Versandhändler Amazon. Ende November ermöglichte die amerikanische Plattform schlagartig zahlreichen Apotheken nicht mehr, ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente über den „Amazon Marketplace“ zu vertreiben. Immerhin rund 40 Apotheken sahen sich plötzlich mit der Gefahr gravierender Umsatzeinbrüche konfrontiert, und dies ausgerechnet vor dem so wertvollen Weihnachtsgeschäft. Die Entwarnung folgte nur kurze Zeit später – Amazon sprach von einem Versehen und versicherte, den Medikamentenversand weiterhin zu ermöglichen.

Ist denn der Online-Handel mit Medikamenten tatsächlich ein so relevantes Geschäft, könnte man nun fragen. Durchaus – wie eine aktuelle Umfrage im Rahmen des DIVSI Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“ zeigt. 61 Prozent der Internetnutzer in Deutschland haben schon über das Internet Medikamente geordert. 26 Prozent geben an, mindestens einmal im Jahr Medikamente zu kaufen, 21 Prozent mindestens einmal im Monat, davon bestellen 3 Prozent sogar mindestens einmal pro Woche Medikamente im Netz.

Internet-Bestellung

Frauen (63 Prozent) sind dabei etwas aktiver als Männer (59 Prozent). Besonders verbreitet ist die Online-Bestellung von Medikamenten unter den 30- bis 39-Jährigen (72 Prozent) und auch unter den 60- bis 69-Jährigen (68 Prozent). Die Urbanität der Wohngegend spielt hingegen keine erkennbare Rolle – Medikamente im Internet zu bestellen, ist in der Stadt (61 Prozent) nahezu gleich verbreitet wie auf dem Land (60 Prozent).

Das Forschungsteam der Universität Leipzig hatte knapp 1.000 Internetnutzer zur Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen befragt. Zuvor waren in einer Literaturanalyse sowie durch Fokusgruppen- Befragungen Online-Aktivitäten gesammelt worden, die der Gesundheitspflege oder der Behandlung von Krankheiten dienen. Insgesamt 33 solcher Aktivitäten wurden identifiziert – die Teilnehmer der quantitativen Umfrage gaben an, wie häufig sie diesen Aktivitäten nachgehen.

Wenig überraschend: Am weitesten verbreitet sind in Deutschland Informationstätigkeiten. 70 – 80 Prozent der Internetnutzer suchen im Netz nach Informationen zu Krankheitsbildern, Behandlungsmöglichkeiten, Gesundheitstipps, nach Ärzten, Krankenhäusern oder Medikamenten. Etwa ein Drittel informiert sich regelmäßig mindestens einmal im Monat. Unter den zehn häufigsten Online-Aktivitäten zu Gesundheitsthemen finden sich alleine sieben Formen der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen. Ebenfalls unter den Top 10 finden sich – neben dem Online-Bestellen von Medikamenten – auch das Anschauen von Trainings- und Fitnessvideos sowie die Nutzung von Fitness- und Trainings- Apps. Vertieft untersucht wurde vor diesem Hintergrund auch die „digitale Selbstvermessung“. Diverse Apps und tragbare Endgeräte („Wearables“) ermöglichen es ihren Nutzern, laufend eigene Gesundheitsdaten zu erfassen – und diese dann online auch mit anderen zu teilen. Dazu können Körpermesswerte wie z.B. Puls und Gewicht gehören, aber auch Ernährungsdaten, Schlafrhythmen etc. Die Umfrageteilnehmer wurden vor diesem Hintergrund gefragt, wie häufig sie (1) online Gesundheitsdaten sammeln (z.B. durch ein Fitnessarmband, eine Smartwatch, digitale Waage etc.) und (2) online Gesundheitsdaten mit anderen teilen oder diskutieren (z.B. über Facebook).

Selbstvermessung

Dabei wurde deutlich: Das Sammeln von Gesundheitsdaten über intelligente Endgeräte hat in Deutschland tatsächlich eine gewisse Verbreitung gefunden. 17 Prozent sind bereits in der Selbstvermessung aktiv. Zurückhaltender sind die Internetnutzer beim Teilen von Gesundheitsdaten zum Beispiel in Sozialen Netzwerken – mit 10 Prozent haben dies aber schon mehr als die Hälfte derjenigen getan, die Gesundheitsdaten sammeln.

Die Umfrageergebnisse zeigen ein Geschlechtermuster, das relativ typisch ist für die Nutzung neuer technischer Geräte: Männer geben sich hier etwas experimentierfreudiger als Frauen. 19 Prozent der Männer, hingegen 16 Prozent der Frauen sammeln ihre Gesundheitsdaten. Vor allem sind aber Männer im Netz mitteilungsfreudiger: 12 Prozent teilen die gesammelten Daten tatsächlich, bei den Frauen sind dies 8 Prozent. Diese Unterschiede relativieren sich aber, wenn die regelmäßige Nutzung ins Auge gefasst wird – unter den wöchentlichen Nutzern sind die Frauen mit 7 Prozent sogar ein wenig stärker vertreten als die Männer (6 Prozent).

Datensammlung

Vor allem entpuppt sich die digitale Selbstvermessung aber als eine Art Lifestyle-Phänomen der urbanen Oberschichten. Sie nimmt bis zur Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen zu (33 Prozent), danach sukzessive ab. Akademiker sind hier besonders aktiv. Unter jenen mit einer Promotion haben 25 Prozent schon Gesundheitsdaten gesammelt, immerhin 13 Prozent haben diese Daten auch online geteilt. In Großstädten sammeln 20 Prozent eigene Daten (gegenüber 17 Prozent im Bundesdurchschnitt). Diese Aktivität nimmt mit steigendem Einkommen zu. 24 Prozent der Internetnutzer aus Haushalten mit einem Nettoeinkommen von über 4.000 EUR sammeln Gesundheitsdaten, aber nur 15 Prozent jener mit einem Einkommen unter 1.000 EUR.

Das Internet ermöglicht aber nicht nur die Vermessung der eigenen Person, sie erleichtert auch die Beurteilung anderer – durch Likes, Punkte, Sterne oder ähnliche Ratingsysteme. Selbst die einstmaligen „Halbgötter in Weiß“ sind vor dieser Entwicklung nicht sicher. Immer mehr Patienten nehmen sich das Recht, ihre Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin online zu bewerten – über alle Altersgruppen hinweg knapp ein Viertel der Internetnutzer (24 Prozent), davon 3 Prozent einmal im Monat, 2 Prozent sogar einmal pro Woche. Dabei lassen sich keine Geschlechterunterschiede feststellen. Weit verbreitet ist die Online-Bewertung von Ärzten vor allem unter Berufstätigen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren (38 Prozent) sowie den höher Gebildeten. Unter Promovierten geben 8 Prozent an, jeden Monat Ärzte zu bewerten.

Nicht nur Patientenbewertungen fordern die Autorität von Ärztinnen und Ärzten heraus. Zahlreiche Laien nutzen das Internet auch, um sich gegenseitig Gesundheitstipps zu geben. In Online-Gruppen und -Foren teilen sie persönliche Krankheitserfahrungen und bieten sich so auch gegenseitige Unterstützung. Studien zeigen, dass das Erzählen einer Krankheitsgeschichte im Internet und der Austausch von Empfehlungen Individuen dabei helfen können, ihre Erkrankungen besser zu akzeptieren und schneller zu verarbeiten.

Unter den deutschen Internetnutzern ist das Aussprechen von Tipps (18 Prozent) etwas weiter verbreitet als das Teilen von eigenen Krankheitserfahrungen (14 Prozent). Männer (16 Prozent) sind in der Tendenz eher bereit als Frauen (13 Prozent), online ihre Erfahrungen zu beschreiben. Betrachtet man aber nur jene Internetnutzer, die mindestens wöchentlich in Online-Foren aktiv sind, liegen Frauen (3 Prozent) wiederum geringfügig vor den Männern (2 Prozent). 30- bis 39-Jährige bieten am häufigsten Gesundheitstipps im Netz an (32 Prozent), aber auch 10 Prozent der über 80 Jährigen Internetnutzer haben anderen schon online Ratschläge erteilt.

Selbsttest

Angesichts der zahlreichen Möglichkeiten, das Internet für eine Partizipation in Gesundheitsbelangen zu nutzen, stellte sich das Forschungsteam schließlich die Frage, ob es eine Gruppe unter den deutschen Internetnutzern gibt, die besonders ausgiebig von diesen Gebrauch machten. Die Analyse zeigt: Knapp 5 Prozent der Internetnutzer haben tatsächlich bereits online Gesundheits-Selbsttests gemacht, im Netz einen Arzt konsultiert, an einer Online- Therapie teilgenommen, im Internet Medikamente bestellt und auch die Korrespondenz mit der Krankenkasse online abgewickelt. Diese in Gesundheitsfragen online besonders intensiv Beteiligten können als „digitale Rundumversorger“ bezeichnet werden. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung ist diese Nutzergruppe tendenziell männlich (69 Prozent), zwischen 20 und 40 Jahre alt (49 Prozent), einkommensstark (8 Prozent verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 EUR, im Vergleich zu 3 Prozent der Bevölkerung) und hoch gebildet (Akademikeranteil von 44 Prozent).

Welche Motive Internetnutzer antreiben, einen hohen Grad der Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen zu praktizieren, oder welche Sorgen sie umgekehrt davon abhalten, Fitnessdaten im Netz zu teilen, welche Auswirkungen es auf das Wohlbefinden hat, in Foren oder Gruppen Gesundheitsfragen zu diskutieren – diese und weitere Fragen wird eine nächste Studie des DIVSI Forschungsprogramms Beteiligung im Internet beantworten.

The post Online-Beteiligung in Gesundheitsfragen appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/online-beteiligung-in-gesundheitsfragen/feed/ 0
Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei! https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/ https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/#respond Fri, 16 Oct 2015 10:12:48 +0000 http://46.30.3.106/?p=14005 Neue DIVSI Studie zeigt ganz unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Milieus. Von Meike Otternberg Deutsche Internet-Nutzer sind auf einer Reihe von Feldern aktiv im Netz dabei. Sie nutzen es für Teilhabe an Kultur, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Häufig findet Beteiligung im wirtschaftlichen Kontext statt, aber auch in Verbindung mit Hobbys oder für zivilgesellschaftliche Anliegen. So […]

The post Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei! appeared first on DIVSI.

]]>
Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei!

Bild: venimo – Shutterstock

Neue DIVSI Studie zeigt ganz unterschiedliche Sichtweisen in den verschiedenen Milieus.

Von Meike Otternberg

Deutsche Internet-Nutzer sind auf einer Reihe von Feldern aktiv im Netz dabei. Sie nutzen es für Teilhabe an Kultur, Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Häufig findet Beteiligung im wirtschaftlichen Kontext statt, aber auch in Verbindung mit Hobbys oder für zivilgesellschaftliche Anliegen. So lautet ein Kernergebnis einer neuen qualitativen DIVSI-Untersuchung, realisiert mit den Experten des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen im Rahmen des DIVSI-Forschungsprogramms „Beteiligung im Internet“.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass Beteiligung im politischen Bereich eine eher untergeordnete Rolle spielt. Nur wenige setzen sich im Internet für politische Anliegen ein, indem sie Kommentare schreiben, Parteien folgen, in politischen Foren diskutieren oder E-Petitionen unterzeichnen. Es sind wenige, die sich digital an Politik beteiligen und sie auf diesem Weg beeinflussen oder verändern wollen.

Wer, wie, wann, warum?

Doch was verstehen die Internet-Nutzer eigentlich unter Beteiligung im Internet? Wer ist wie und mit welcher Absicht dabei? Die aktuelle Studie zeigt hier eine enorme Bandbreite. Sie beginnt bei der Vorstellung, dass bereits reines Online-Sein Beteiligung ist. Zitat: „Ich finde, man ist immer dann beteiligt, wenn man, wie z.B. bei einem Computer, auf das Internet-Symbol klickt. Weswegen ich die letzten Tage am Internet beteiligt war.“

Auf der anderen Seite gibt es jene, die unbedingt auf den kreativen, produktiven Aspekt Wert legen. Demnach beteiligt sich nur, wer etwas schafft, ergänzt oder verändert: „Damit sich jemand beteiligt, müsste man bloggen, in Foren Hilfestellung geben und versuchen, in irgendeiner Art und Weise Spenden zu sammeln, also in irgendeiner Weise im Netz aktiv sein.“

Eindeutig zeigt die Studie, dass die Nutzer zwischen „aktiver“ und „passiver“ Beteiligung differenzieren. Das Aufnehmen von Informationen oder die Nutzung von Diensten, ein bloßes Herumsurfen sind Formen „passiver Beteiligung“. Man ist irgendwie Teil unserer digitalen Lebenswelt, ohne aber selbst etwas zu leisten. Dennoch scheint auch eine passive Beteiligung nicht unwichtig. Allein durch die Nutzung des Mediums und seiner Angebote tragen die „passiv Beteiligten“ dazu bei, dass diese bestehen können.

Im Unterschied dazu verlangt aktive Beteiligung einen höheren Aufwand und ist durch ein Mehr an Eigenverantwortung geprägt. Die Gruppe der „aktiv Beteiligten“ trägt nachhaltig zur Ergänzung des Internets bei, etwa durch Kommentare in einem Forum. Solche Äußerungen können eine Diskussion beflügeln, wertvoller machen – und auf diese Weise auch das Internet insgesamt.

Auch negative Beteiligung ist ein Thema. Denn im globalen Netz lassen sich auch für zwielichtige Projekte und Ideen Anhänger finden. Es bestehen bei Internet-Nutzern außerdem Ängste, durch Unachtsamkeit im Internet ggf. mit den falschen Anliegen in Verbindung gebracht zu werden.

Datenspuren

Beteiligung im Internet bedeutet immer auch, dass man genau dadurch Datenspuren hinterlässt. Diese werden umso sichtbarer, je stärker das Engagement des Einzelnen ist. Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich die Nutzer darüber im Klaren zu sein scheinen. Zitat: „Umso öffentlicher ich mitmache, desto angreifbarer mache ich mich.“

Bei einer Beteiligung muss man sich also zwangsläufig exponieren und wird so angreifbar für Kritik, Beleidigungen, Mobbing, Verfolgung oder Überwachung. Um sich von solchen negativen Auswirkungen nicht beeinflussen zu lassen, brauchen die Nutzer Vertrauen in die persönliche und auch technische Sicherheit, in die eigenen Kompetenzen, in den Anstand anderer Nutzer und in die Durchsetzbarkeit rechtlicher Spielregeln.

Viele Nutzer scheinen dieses Vertrauen zumindest bislang nicht aufzubringen. Deshalb können und wollen sie nur bedingt von den möglichen Vorzügen einer Beteiligung im Internet profitieren.

Um ein fundiertes Verständnis von Beteiligung in den (digitalen) Lebenswelten deutscher Internet-Nutzer zu gewinnen, wurden diese auf Basis der sieben DIVSI Internet-Milieus befragt. Die Milieus sind Ausprägungen einer Typologie, die Menschen nach sozioökonomischen Merkmalen, aber auch nach ihren Einstellungen gegenüber dem Internet und ihren Nutzungsgewohnheiten unterscheidet. Im Prinzip differenzieren die Milieus die Bevölkerung in drei Cluster: Digital Natives, Digital Immigrants und Digital Outsiders. Innerhalb dieser Gruppierungen gibt es weitere Spezifizierungen.

Angekommen

Grundsätzlich ist – so zeigt die Untersuchung – Beteiligung im Internet nicht nur bei den Digital Natives und den Digital Immigrants angekommen. Auch die Digital Outsiders werten ihre meist sehr selektive Nutzung als „Beteiligung“. Diese Erkenntnis ist unabhängig davon, dass die milieuspezifische Auslegung des Begriffs ganz unterschiedlich ausfällt.

Abbildung 4: Die DIVSI-Internet-Milieus (2013)

Studienansatz: Die Untersuchung baut auf den DIVSI Internet-Milieus auf.

Spaltungsgefahr

Die „Internetfernen Verunsicherten“ bleiben praktisch außen vor! Viele haben Mühe, die Vorteile einer Beteiligung im Internet zu erkennen. Dazu passt in der Logik diese Begründung: „Man sagt doch, ich bin Online-Nutzer und nicht Online-Beteiligter.“

Hier droht eine neue Qualität der digitalen Spaltung, ein „Participation Divide“. Auf der einen Seite finden wir dann jene Nutzer, die von den Vorteilen einer Beteiligung im Internet profitieren. Jene, die Kontakte knüpfen, ihre Interessen vertreten, etwas dazulernen, Geld verdienen oder mit den Möglichkeiten des Internets einfach nur Spaß haben wollen.

Auf der anderen Seite stehen alle, die den Zugang nicht finden, die das Internet selten und – falls doch einmal – mit großen Vorbehalten nutzen. Eine aktive Beteiligung im Internet findet bei ihnen kaum statt.

Stöbern schon Beteiligung?

Reiseportal: Ist Stöbern nach Urlaub schon Beteiligung? (Bild: venimo – Shutterstock)

Dabei kann aktives Engagement nicht nur für jeden einzelnen Nutzer persönliche Vorteile bieten. Aus individuell gesammelten Pluspunkten erwachsen weitere Chancen für die Gemeinschaft. Denn durch Beteiligung entsteht Sozialkapital – eine Substanz von immenser Wichtigkeit für jede Gesellschaft. Schon das Gefühl der Gemeinsamkeit kann als ein Vorteil der Beteiligung im Internet betrachtet werden.

Folgestudie

Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig Information und Aufklärung sind. Neben sachlicher Überforderung spielt außerdem oft fehlendes Vertrauen und Unsicherheit eine Rolle. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefragt, Hürden für eine aktive Beteiligung im Internet zu senken. Und schon jeder einzelne Nutzer kann durch sein Verhalten zum guten Umgang miteinander beitragen.

Die Arbeiten am Gesamtprojekt „Beteiligung im Internet“ sind mit der jetzt vorgestellten zweiten Studie nicht abgeschlossen. 2016 wird sich als dritter Teil eine repräsentative Untersuchung zu den Fragenkomplexen anschließen.

The post Beteiligung im Internet: Im Prinzip sind alle dabei! appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/beteiligung-im-internet-im-prinzip-sind-alle-dabei/feed/ 0
Spaltet das Netz die Gesellschaft? https://www.divsi.de/spaltet-das-netz-die-gesellschaft/ https://www.divsi.de/spaltet-das-netz-die-gesellschaft/#respond Fri, 18 Sep 2015 14:31:18 +0000 http://46.30.3.106/?p=13735 Ein Kommentar von Prof. Dr. Christian Hoffmann Das Internet bietet zahllose Vorzüge und Bequemlichkeiten. Wir haben uns an sie gewöhnt, ja können uns ein Leben ohne sie kaum noch vorstellen. Doch möglicherweise ist das Internet zugleich eine Ursache für gesellschaftliche Spaltung. Seit den 90er Jahren geht in Wissenschaft und Politik die Angst um vor einer„digitalen […]

The post Spaltet das Netz die Gesellschaft? appeared first on DIVSI.

]]>
Spaltet das Netz die Gesellschaft?

Bild: Matej Kastelic – Shutterstock

Ein Kommentar von Prof. Dr. Christian Hoffmann

Das Internet bietet zahllose Vorzüge und Bequemlichkeiten. Wir haben uns an sie gewöhnt, ja können uns ein Leben ohne sie kaum noch vorstellen. Doch möglicherweise ist das Internet zugleich eine Ursache für gesellschaftliche Spaltung.

Seit den 90er Jahren geht in Wissenschaft und Politik die Angst um vor einer„digitalen Spaltung“. Demnach gibt es Menschen, die an den Vorzügen des Internets teilhaben, und solche, die aussen vor bleiben, weil sie keinen Zugang zu den neuen Medien finden. Das Internet schafft wertvolle Ressourcen, wie Wissen, Austausch, Zeit- und Geldersparnis. Diese bleiben aber jenen verwehrt, die das Internet nicht nutzen können.

Mit den Jahren entschärfte sich die digitale Spaltung angesichts rasant steigender Nutzerzahlen. Was bleibt von einer„Spaltung“, wenn 80 bis 90 Prozent der Bürger das Internet bevölkern? Doch prompt tat sich eine neue Sorge auf: Was, wenn es eine digitale Spaltung zweiter Ordnung gibt? Oder anders formuliert: Was, wenn wir zwar alle „drin“ sind, aber manche das Internet so nutzen, dass sie besonders viele Vorteile daraus ziehen, während andere ihre Zeit vergeuden oder sich sogar Chancen verbauen? Bezeichnet wird dies als die „Beteiligungsspaltung“ (participation divide).

Beteiligung im Internet

Die neue digitale Spaltung wirft viele Fragen auf: Was bedeutet „Beteiligung im Internet“ genau? Was machen also Menschen, die im Netz beteiligt sind? Warum beteiligen sich manche Menschen nicht, obwohl sie über einen Netzzugang verfügen? Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet ist die Universität St.Gallen diesen Fragen nachgegangen, und hat deutsche Bürger in Fokusgruppen nach ihrem Nutzungsverhalten befragt.

Ein Ergebnis der Studie: Beteiligung im Internet ist allgegenwärtig. Gesundheitsforen, Lern- und Studienhilfen, kollaborative Kunstprojekte, Crowdfunding, der Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen, Petitionen – Formen der Beteiligung finden sich in allen Sphären der Gesellschaft, von der Wirtschaft, über Bildung, Gesundheit und Kultur bis hin zur Politik. In allen Bereichen erstellen und teilen Nutzer Inhalte, um andere zu erreichen, zu bewegen

Das Netz als Abbild der Gesellschaft

Eine heile Beteiligungswelt also? Keineswegs, die Nutzer unterscheiden etwa zwischen freiwilliger und unfreiwilliger, positiver oder negativer Beteiligung: Nicht immer sind Nutzer freiwillig bei Aktionen im Netz dabei – vielleicht wurden sie durch andere hineingezogen, vielleicht wurden ihre Daten ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung verwendet. Beteiligung löst daher auch Sorgen aus. Und: Manche Menschen engagieren sich im Netz für Anliegen, die andere als schädlich empfinden, wie etwa radikale Ideologien.

Warum also sind manche Nutzer im Netz beteiligt und andere nicht? Diese Frage erweist sich als komplex, weil unterschiedliche Nutzer auch Unterschiedliches unter „Beteiligung“ verstehen: Bequeme und spassorientierte Nutzer fühlen sich schon „beteiligt“, wenn sie mit dem Internet verbunden sind, denn dann sind sie irgendwie „dabei“. Souveräne, vielseitige Nutzer haben dagegen ein klares Verständnis von Beteiligung im Internet, sie leben in und mit dem Netz und ziehen zahlreiche Vorteile aus einer partizipativen Nutzung. Viele Nutzer mittleren Alters weisen ein sehr funktionales Verhältnis zum Netz auf, sie schätzen die Vorteile der neuen Medien und nehmen diese selektiv in Anspruch, kontrollieren und begrenzen ihre Nutzung aber strikt.

„Beteiligungsspaltung“ durch Alter, Bildung und Werte

Und dann sind da schliesslich noch die ängstlichen Nutzer, meist höheren Alters. Sie verstehen das Internet kaum, fühlen sich ihm ausgeliefert und vermeiden darum eine aktive Nutzung. Viele von ihnen haben keine Vorstellung, was eine «Beteiligung im Internet» überhaupt sein könnte. Dennoch ist die „Beteiligungsspaltung“ im Netz keine reine Altersfrage. Die Untersuchung zeigt, dass Sorgen und Unsicherheit in allen Altersklassen anzutreffen sind. Mindestens so wichtig wie Kenntnisse und Selbstvertrauen ist auch die Motivation zu einer Beteiligung.

Hier zeigt sich das Netz durchaus als Abbild der bekannten, physischen Welt. Kein Grund aber, die Hände in den Schoss zu legen, denn der Wille, das Vertrauen und die Fähigkeit zu einer Beteiligung im Internet kann soziale Unterschiede verstärken, die ohnehin mit Alter, Bildung, Einkommen und Werthaltungen verbunden sind. Die digitale Spaltung zweiter Ordnung ist also durchaus real. Leider ist sie auch weniger einfach zu überbrücken, als nur mit einem Internetzugang.

Der Artikel ist zuerst auf der Website der Universität St. Gallen erschienen.

Die Studie ist hier im Volltext einsehbar:
http://46.30.3.106/publikationen/studien/divsi-studie-beteiligung-im-internet-wer-beteiligt-sich-wie/

The post Spaltet das Netz die Gesellschaft? appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/spaltet-das-netz-die-gesellschaft/feed/ 0
Studie zur E-Partizipation: Hochschulabsolventen zwischen 18-34 Jahren am aktivsten https://www.divsi.de/studie-zur-e-partizipation-hochschulabsolventen-zwischen-18-34-jahren-am-aktivsten/ https://www.divsi.de/studie-zur-e-partizipation-hochschulabsolventen-zwischen-18-34-jahren-am-aktivsten/#respond Mon, 28 Jul 2014 07:45:48 +0000 http://46.30.3.106/?p=8730 In Zusammenarbeit mit dem MCM-Institut der Universität St. Gallen haben wir im Frühjahr die DIVSI-Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet durchgeführt. Ziel war es, mit einem Forschungsüberblick ein Fundament für die Erforschung von Online-Partizipation zu legen. Im Zentrum der Studie stand die Frage nach den aktuellen Bereichen und Formen von Netzbeteiligung sowie ihren Vorraussetzungen und Folgen. Kürzlich veröffentlichte […]

The post Studie zur E-Partizipation: Hochschulabsolventen zwischen 18-34 Jahren am aktivsten appeared first on DIVSI.

]]>
In Zusammenarbeit mit dem MCM-Institut der Universität St. Gallen haben wir im Frühjahr die DIVSI-Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet durchgeführt. Ziel war es, mit einem Forschungsüberblick ein Fundament für die Erforschung von Online-Partizipation zu legen. Im Zentrum der Studie stand die Frage nach den aktuellen Bereichen und Formen von Netzbeteiligung sowie ihren Vorraussetzungen und Folgen.

Kürzlich veröffentlichte das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft die Partizipationsstudie 2014, die an unsere Studie anschließt. Die empirische Studie beleuchtet die Netzgemeinde, also den Personenkreis, der sich an Entscheidungsfindungen im Internet beteiligt. Befragt wurden 504 Personen ab 18 Jahren hinsichtlich ihrer Online-Beteiligung im politischen und wirtschaftlichen Bereich.

Partizipationsstudie 2014 – Bildung

Die stärkste Online-Partizipation geht von der Internetnutzern zwischen 18-36 Jahren mit Hochschulabschluss aus (Grafik: Partizipationsstudie 2014)

Die zentralen Ergebnisse

Die vorgegebenen Formen von Online-Partizipation waren fast allen Befragten bekannt:

  • 45 Prozent der Befragten kannten mindestens eine dieser Partizipationsformen
  • 49 Prozent der Befragten haben schon einmal aktiv an einem politischen Vorhaben oder an der Entwicklung oder Weiterentwicklung von Produkten mitgewirkt

Demografie der Online-Partizipierenden

  • Männer partizipieren aktiver als Frauen im Internet (55 Prozent zu 40 Prozent)
  • 18-34-Jährige beteiligen sich am aktivsten (58 Prozent)
  • besonders Selbstständige und Freiberufler nutzen mehrheitlich Angebote der Online-Partizipation
  • Online-Partizipation findet sich über alle Einkommensklassen hinweg
  • Online-Partizipation steigt mit dem Bildungsgrad: Befragte mit abgeschlossenem Hochschulstudium partizipieren zu 65 Prozent, Befragte mit Volks- oder Hauptschulabschluss oder ohne Lehre hingegen nur zu 19 Prozent

Beliebteste Formen und Dauer der Online-Partizipation

Die beliebtesten Formen von Online-Partizipation befinden sich im politischen Bereich:

  • Abstimmung über politische Sachverhalte
  • Mitzeichnen von Online-Petitionen

Im wirtschaftlichen Bereich:

  • (Weiter-)Entwicklung von Produkten und Produktideen

Bei der Betrachtung der Dauer von Online-Partizipation fördert die Studie spannende Ergebnisse  zutage. So investieren die Befragten im Mittelwert jeweils 1,5 Stunden in Online-Beteiligung.

Partizipationsstudie 2014 – Dauer

Dauer von Online-Partizipation im Mittelwert (Grafik: Partizipationsstudie 2014)


Ein genauerer Blick hinsichtlich des Aufwands bei den Partizipationsformen zeigt: die Teilnahme an Online-Petitionen bildet den Großteil von Online-Beteiligung, Nutzer investieren jedoch im Mittelwert nur 30 Minuten darauf. Mit einem Mittelwert von knapp 8 Stunden wird die meiste Zeit auf die Entwicklung von Produktideen verwendet, an der sich vergleichsweise wenige Nutzer beteiligen.

Partizipationsstudie 2014 – Dauer nach Formen von Online-Beteiligung

Dauer von Online-Partizipation im Mittelwert nach Beteiligungsform (Grafik: Partizipationsstudie 2014)

The post Studie zur E-Partizipation: Hochschulabsolventen zwischen 18-34 Jahren am aktivsten appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/studie-zur-e-partizipation-hochschulabsolventen-zwischen-18-34-jahren-am-aktivsten/feed/ 0
Internet, Demokratie und Partizipation https://www.divsi.de/internet-demokratie-und-partizipation/ https://www.divsi.de/internet-demokratie-und-partizipation/#respond Wed, 09 Jul 2014 09:28:50 +0000 http://46.30.3.106/?p=8049 Engagieren sich Menschen politisch, nachdem sie das Internet für sich entdeckt haben? Oder nutzen sie das Netz jetzt auch für politische Zwecke, weil es manches erleichtert? Dr. Göttrik Wewer Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Wissenschaftsjahr 2014 unter das Motto „Die digitale Gesellschaft“ gestellt. Dazu gibt es im Laufe des Jahres viele Projekte […]

The post Internet, Demokratie und Partizipation appeared first on DIVSI.

]]>
E-Partizipation

Anti-Corruption-Day, Bangkok (Bild: 1000 Words – Shutterstock)

Engagieren sich Menschen politisch, nachdem sie das Internet für sich entdeckt haben? Oder nutzen sie das Netz jetzt auch für politische Zwecke, weil es manches erleichtert?

Dr. Göttrik Wewer

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Wissenschaftsjahr 2014 unter das Motto „Die digitale Gesellschaft“ gestellt. Dazu gibt es im Laufe des Jahres viele Projekte und Veranstaltungen. Eines der Themen, die dabei behandelt werden sollen, ist politische Partizipation. Anders als Miriam Meckel, die mit ihrem Team bei ihrer Studie für das DIVSI einen weiter gehenden Beteiligungsbegriff zugrunde gelegt hat, will die Bundesregierung den Fokus also bewusst auf politische Beteiligung richten. Das ist durchaus verständlich, da sich nicht mehr so viele Menschen wie früher in Parteien engagieren und an Wahlen teilnehmen und da niemand bisher ein Mittel gefunden hat, diesen Trend zu stoppen.

Wissenschaft uneinig

An der Europawahl haben sich zuletzt wieder mehr Menschen beteiligt als vor fünf Jahren, aber dieser Zuwachs reichte nicht so weit, dass wenigstens die Hälfte der wahlberechtigten Deutschen ihre Stimme abgegeben hätte. Den SPD-Kandidaten für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission kannte nur ein Viertel der Wähler, obwohl es sich um einen Deutschen und bekannten Europäer handelt, zudem Präsident des EU-Parlaments; den Kandidaten der Konservativen kannten sogar nur 13 Prozent, obwohl er uns über viele Jahre die Beschlüsse von EU-Gipfeln im Fernsehen erläutert hat, ausgezeichnet Deutsch spricht und hier viele Auftritte absolviert hat. Wenn drei Viertel der Wähler nicht einmal die Namen der Kandidaten wissen, die sich um die Präsidentschaft der EU-Kommission bewerben, dann fragt man sich, was eigentlich Informationsfreiheit und Transparenzgesetze bringen sollen.

Zur politischen Beteiligung gibt es, wie Miriam Meckel mit ihrem Team gezeigt hat, die mit Abstand meisten Studien. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich die Wissenschaft schon einig wäre. Während manche meinen, das Internet fördere nahezu zwangsläufig Demokratie und Partizipation, können andere keine oder nur geringe Effekte erkennen. Einige behaupten sogar, das Internet schwäche die Demokratie, jedenfalls die, die wir bisher kannten, und die sogenannten sozialen Medien führten nicht zu mehr, sondern zu weniger politischer Beteiligung.

Widersprüchliche Erkenntnisse bedeuten nicht, dass die Forscher schlechte Arbeit abliefern, sondern erinnern daran, dass das digitale Zeitalter gerade erst richtig begonnen hat und noch nicht klar erkennbar ist, wohin die digitale Revolution uns führt. Sie resultieren außerdem aus unterschiedlichen Untersuchungsansätzen, unterschiedlichen theoretischen Erklärungsmodellen und unterschiedlicher methodischer Vorgehensweise. Zudem sind die Kausalitäten schwer zu benennen: Engagieren sich Menschen politisch, nachdem sie das Internet für sich entdeckt haben, oder waren sie schon politisch interessiert und nutzen jetzt nur das Netz auch für politische Zwecke, weil es manches leichter macht? Henne oder Ei? Und ist es allein das Internet, das Menschen veranlasst, sich politisch zu beteiligen, oder sind es eher andere Faktoren, die dazu führen, dass sie die Politik für sich entdecken?

„Technology is the car“, sagt David Gelernter, „not the driver.“ Nach diesem Modell würde das Internet als Treiber für Demokratie und Partizipation systematisch überschätzt und wären technische Möglichkeiten weit weniger bedeutsam für die Frage, ob sich jemand politisch beteiligt oder nicht, als andere Faktoren: politische, ökonomische, soziale oder kulturelle. Anders gesagt: Es sind immer noch die Menschen, die darüber entscheiden, sich politisch zu engagieren und dafür auch das Internet zu nutzen. Ein allgemein anerkanntes Gesamtmodell aller Faktoren, die politische Beteiligung hervorrufen oder erschweren, hat sich noch nicht herausgemendelt.

Macht und Wissen

Das Heilsversprechen des Internets beruht auf der Tatsache, dass Informationen heute im Prinzip weltweit verfügbar sind, und der Hoffnung, dass besser informierte Menschen aufgeklärte Menschen sind. Wenn Wissen Macht ist, dann löst sich die Macht auf, wenn alle dieses Wissen haben, dann gibt es keine Herrschaft mehr, keine Gewalt und auch keinen Krieg. Das ist die technokratische Utopie hinter dem Glauben, im digitalen Zeitalter ließen sich Demokratie und Partizipation nicht mehr aufhalten. Die Anzahl der Staaten, die man als gefestigte Demokratien bezeichnen kann, wächst aber schon lange nicht mehr. Bei vielen Ländern, die sich selbst formal so nennen, handelt es sich eher um „unechte“ oder „unwahre“ Demokratien, um „weak states“ oder „failed states“.

Elektronische Demokratie

Wenn man sich umsieht – Syrien, Ukraine, Türkei, Ungarn etc. pp. –, dann sind wenig Anzeichen zu erkennen, dass diese Utopie morgen Realität werden könnte. Von Nordkorea, Afghanistan, Pakistan, China oder Russland ganz zu schweigen. Quantitativ wächst die Anzahl der Demokratien, seit es das Internet gibt, offenkundig nicht. Aus dem „Arabischen Frühling“ ist auch längst Herbst geworden. Entscheidend ist nicht, was die Menschen wissen könn(t)en, sondern was sie glauben wollen. Sie nehmen die Informationen auf, die sie aufnehmen wollen. Alles andere blenden sie aus. Wer glaubt, die Proteste auf dem Taksim-Platz seien aus dem Ausland gesteuert, der lässt sich von gegenteiligen Auffassungen im Internet nicht beirren.

Qualitativ könnte das Internet immerhin gefestigte Demokratien noch besser, noch demokratischer machen. Das Mittel dazu wäre die „elektronische Demokratie“, also die Nutzung des Web 2.0 und der „sozialen Medien“ in politischen Prozessen. An Bürgerforen oder Bürgerhaushalten beteiligt sich bisher aber nur eine kleine Minderheit, die nicht repräsentativ ist für die Bevölkerung, was die soziale Spaltung eher noch verstärkt. Und was die Vorschläge, die mit solchen Instrumenten generiert werden, tatsächlich bewirken, ist noch kaum erforscht. Kommen Ideen auf den Tisch, die wirklich neu sind, oder ist das meiste den Fachleuten schon bekannt? Führen solche Verfahren dazu, dass die Kommune in absehbarer Zeit schuldenfrei ist, oder dürfen die Bürger nur sagen, wo sie am ehesten sparen würden? Was wird durch „elektronische Demokratie“ besser: die Beteiligung der Bürger? Ihre Identifikation mit der Gemeinde? Die politische Steuerung? Die faktische Haushaltslage? Die allgemeinen Handlungsspielräume? Und welche Bedeutung hat dabei das Netz?

Die konventionelle politische Beteiligung nehme zwar ab, aber dafür nehme eine unkonventionelle politische Beteiligung zu, ist eine der Thesen in der Diskussion. Die Menschen würden sich zwar weniger in Parteien engagieren, nicht mehr so häufig zur Wahl gehen und auch weniger Leserbriefe schreiben, sich dafür aber schneller an spontanen Protesten beteiligen, in Initiativen mitarbeiten und Petitionen online auf den Weg bringen.

Politik-Beteiligung

Auf der Systemebene lässt sich das hingegen nur bedingt erkennen: Politische Beteiligung ist zwar bunter und vielfältiger geworden, so scheint es, aber nicht „massenhafter“ und intensiver. Man denke nur an die Ostermärsche oder an die Demonstrationen gegen die Nachrüstung oder gegen die Atomenergie. Was die neuen Formen politischer Beteiligung tatsächlich bewirken, ob sie den Politikbetrieb beeindrucken oder sogar dauerhaft verändern, ist noch nicht hinreichend erforscht. Insofern ist es gut, dass sich nicht nur die Bundesregierung, sondern auch eine Institution wie das DIVSI dieses Themas annimmt. Dass sich im letzten Jahr ein Institut für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin gegründet hat, unterstreicht, dass es auf diesem Feld noch genug zu tun gibt.

Hier geht es zur Studie: „Bereiche und Formen der Beteiligung im Internet: Ein Überblick über den Stand der Forschung“

The post Internet, Demokratie und Partizipation appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/internet-demokratie-und-partizipation/feed/ 0
Fünf Mythen zur Netzbeteiligung https://www.divsi.de/fuenf-mythen-zur-netzbeteiligung/ https://www.divsi.de/fuenf-mythen-zur-netzbeteiligung/#respond Mon, 07 Jul 2014 09:44:22 +0000 http://46.30.3.106/?p=8055 Aktuelle Untersuchung der Uni St. Gallen räumt auf mit Allgemeinplätzen Von Christian Hoffmann, Christoph Lutz, Miriam Meckel Alle sind ständig im Internet, aus privaten, politischen und tausend anderen Gründen. Doch wie steht es tatsächlich um die Beteiligung am Netz? Durch den Vormarsch von Digitalisierung und Vernetzung ist dieser Begriff zu einem Schlagwort avanciert und hat […]

The post Fünf Mythen zur Netzbeteiligung appeared first on DIVSI.

]]>
Mythen zur Netzbeteiligung

Bild: nenetus – Shutterstock

Aktuelle Untersuchung der Uni St. Gallen räumt auf mit Allgemeinplätzen

Von Christian Hoffmann, Christoph Lutz, Miriam Meckel

Alle sind ständig im Internet, aus privaten, politischen und tausend anderen Gründen. Doch wie steht es tatsächlich um die Beteiligung am Netz? Durch den Vormarsch von Digitalisierung und Vernetzung ist dieser Begriff zu einem Schlagwort avanciert und hat auf dem Weg zu breiter Popularität seine exakten Koordinaten verloren.

Das Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen hat sich der Kernfragen angenommen: Wie werden Menschen im Internet tatsächlich aktiv, welche Bereiche und Formen von Beteiligung im Netz gibt es, was sind ihre Voraussetzungen und was ihre Folgen? Die Ergebnisse der Untersuchung machen deutlich, dass sich im Hinblick auf die tatsächliche Netzbe teiligung längst Mythen etabliert haben. Schon deshalb lohnt ein genauerer Blick. Es wird Zeit, die Mythen durch Fakten zu ersetzen.

Erster Mythos: Wir alle wollen uns ständig beteiligen

Zwar steckt Beteiligung durchaus in der DNA des sozialen Internets, aber nutzen wir sie auch? Die DIVSI Milieu-Studie (2012) hat gezeigt: Es gibt in Deutschland noch immer einen „Beteiligungsgraben“. Vor allem die Gruppe der „Digital Outsiders“, die noch immer etwa 40 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist im Netz wenig aktiv.

Auch für das Internet gilt die Pareto-Regel: Wenige machen viel, und viele machen wenig. Dieser Graben kann zum Teil auf die Fähigkeiten der Nutzer zurückgeführt werden, ist aber wesentlich durch unterschiedliche Motivations- und Interessenlagen verursacht.

Zweiter Mythos: Beteiligung ist immer politisches Handeln

Im Internet gibt es ganz verschiedene Arten des Engagements. Die Politik ist das wichtigste Beteiligungsfeld im Internet, zumindest gemessen am entsprechenden Umfang der wissenschaftlichen und öffentlichen Auseinandersetzung. Aber nicht dem Politischen zugeordnete Formen des Handelns können ebenso aktivierend und partizipativ veranlagt sein. Es gibt beeindruckende Formen der Peer Production im Netz, die für Beteiligung in der Wirtschaft stehen. Es gibt kreative Schaffenskraft, die im Bereich der Kunst im Netz freigesetzt wird. Neue Lehr- und Lernplattformen wie MOOCs sind nur ein Beispiel für Beteiligung im Bildungssektor. Und Menschen, die sich in einem Internetforum über ihre gemeinsame Krankheit austauschen, praktizieren auch so etwas wie Beteiligung.

Politik ist also nur ein Feld, in dem die Beteiligungspotenziale des sozialen Internets spielen, andere gehören ebenso beachtet.

Dritter Mythos: Wir alle nutzen dasselbe Internet

Technisch gesehen stimmt das. Es bedeutet jedoch nicht, dass sich alle Menschen in derselben digitalen Lebenswelt bewegen. Subjektiv gibt es im Netz wenige Standards, die individuelle Erfahrungswelt ist bunt und vielseitig – so wie die Interessen der Nutzer.

Das globale Netzwerk von Computern bietet heute vielseitige Plattformen und Nischen. Wir nutzen zum Beispiel das World Wide Web über HTTP und Browser, tauschen uns über soziale Medien wie Facebook oder Twitter aus, werden Kunden in den proprietären Systemen wie der Apple-Plattform iTunes und tummeln uns manchmal auch in Räumen, die sich dem breiten öffentlichen Zugang entziehen, wie dem Darknet.

Surfen und Posten, Mailen und Downloaden, Skypen und Chatten, Konsumieren und Kreieren – das alles ist möglich im Netz. Es stellt uns die Plattform und die Instrumente zur Verfügung. Was wir damit machen, ist unsere Entscheidung. Also engagieren wir uns für Umweltschutz oder Menschenrechte, Gesundheit oder Suchtkrankheiten, Kunst und Kultur, Stars, Produktinnovationen und Wettbewerbe.

Überall beteiligen sich Menschen – auf unterschiedliche Art, in unterschiedlicher Intensität und zu unterschiedlichen Dingen. Unsere subjektiven Internets müssen sich dabei nicht berühren.

Vierter Mythos: Beteiligung ist immer wünschenswert und gut

Das ist eine sehr normative Sicht und stimmt so auch nicht durchgängig. Zum einen nutzen in Deutschland vor allem die Menschen mit höherem sozioökonomischen Status das Internet, zum anderen muss Beteiligung eben nicht nur gute Seiten haben.

Auch beim Einkaufen im Netz, beim Spielen von Onlinegames, beim Arbeiten im Netz beteiligen wir uns. Das kann auch Folgen haben, die nicht zum traditionellen Begriff der Beteiligung passen: im politischen Umfeld, zum Beispiel dem „Clicktivism“ oder „Slacktivism“, bei dem sich Beteiligung auf ein „Like“ auf Facebook für eine Protestbewegung reduzieren kann. Im sozialen Miteinander kann übermäßige Beteiligung sogar zur Fragmentierung von Öffentlichkeiten führen, wenn die Hochengagierten nur noch das wahrnehmen, was ihre Interessen betrifft und dazu passt. Und manchmal führt zu viel Beteiligung schlicht zu Überlastung: „Informationsüberlastung“ und „Technostress“ sind die Folgen.

Fünfter Mythos: Das Internet ändert alles oder nichts

So ist das mit der Diskussion um neue Technologien: Es bilden sich schnell zwei extreme Sichtweisen heraus. Die Wahrheit liegt meist irgendwo in der Mitte. Durch das Internet werden nicht plötzlich alle Menschen aktiv, sozial oder gar politisch.

Aber mit der These, Beteiligung im Netz diene in erster Linie dazu, dass sich Schmalspuraktivisten nach dem Klick auf den Like-Button besser fühlen, machen wir es uns auch zu einfach. Zur Erinnerung: Das Netz als Massenmedium ist keine zehn Jahre alt. Wir haben erst wenige Schritte getan in eine neue Zeit, die ganz sicher wesentlich durch das neue Medium geprägt wird. Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Drei Konzepte für mehr Verständnis

Unsere Übersicht über die Forschung zum Themenfeld Beteiligung im Netz zeigt: Es gibt grob drei Konzepte, die genauer angeschaut werden müssen. Sie helfen zu verstehen, dass Beteiligung im Internet ein variantenreiches Konzept ist.

  • Das Netz kann ermöglichen (also in erster Linie Zugang zu Informationen bieten)
  • Das Netz kann einbinden (also Interaktionsmöglichkeiten, Dialog und Austausch schaffen)
  • Das Netz kann ermächtigen (uns die Möglichkeit geben zu kooperativen Interaktionsformen bei Gestaltungs und Entscheidungsprozessen)

Die drei Beteiligungsformen unterscheiden sich mehr als graduell. Damit wir sie verstehen und interpretieren können, müssen wir ein paar alte Hüte der Deutung ablegen. Wir sehen auch: Das Internet ermöglicht uns sehr vielfältige Formen der Beteiligung.

Manche davon ähneln dem, was wir schon immer unter dem Begriff verstanden haben, anderes öffnet neue Türen und Perspektiven. Immer weniger lässt sich klar zwischen Beteiligung analog und digital, offline und online unterscheiden. Die Welten verschwimmen. Immer mehr Menschen beteiligen sich auf unkonventionelle Art im Netz, jenseits der bekannten institutionalisierten Formen. Vielleicht passt auch der Begriff „Beteiligung“ nicht mehr recht zu dem, was er in Zeiten des Internets beschreibt. Vielleicht müssen wir vielmehr von „vernetzter Aktivität“ sprechen?

Es lohnt sich, einige Mythen zurückzulassen, um besser zu verstehen, was Menschen treibt, sich unterschiedlich im und mit dem Netz zu engagieren. Beteiligung ist nicht immer gleichzusetzen mit höchster Aktivität und lebenswichtigen Entscheidungen. So wie politische Beteiligung nicht nur ein Wahlakt sein kann. Es kann auch Beteiligung sein, wenn ich im Netz einen Lippenstift zugunsten der AIDS-Hilfe ersteigere. Und Zahlen alleine sagen uns wenig. Sind eine Million „Likes“ so viel wert wie 100 Wählerstimmen? Und wer entscheidet das?

Die Begleitforschung zur Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“ hat festgestellt, dass die Online-Beteiligung kaum positive Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen den Bürgern und der Politik, sondern einigen Frust bei den Nutzern ausgelöst hat. Frust entsteht vor allem dann, wenn Erwartung nicht zur Wirklichkeit passt. Wenn wir an Beteiligung im Netz denken, sollten wir darum unsere Erwartungen der Realität annähern – und dabei die ganze Vielfalt der Wirklichkeit(en) im Netz anerkennen.

Hier geht es zur Studie: „Bereiche und Formen der Beteiligung im Internet: Ein Überblick über den Stand der Forschung“

The post Fünf Mythen zur Netzbeteiligung appeared first on DIVSI.

]]>
https://www.divsi.de/fuenf-mythen-zur-netzbeteiligung/feed/ 0