Milieu-Studie – DIVSI https://www.divsi.de Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet Fri, 24 May 2019 13:57:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.14 Digitaler Wandel ist nicht nur technisch … https://www.divsi.de/digitaler-wandel-ist-nicht-nur-technisch/ https://www.divsi.de/digitaler-wandel-ist-nicht-nur-technisch/#respond Wed, 19 Oct 2016 08:25:50 +0000 http://46.30.3.106/?p=15402 … auch Einstellungen und Verhalten sind in Bewegung. Unternehmen haben den Weckruf gehört und verstehen, dass sich Grundlagen von Geschäftsmodellen massiv verändern. Frank Riemensperger im DIVSI-Gespäch DIVSI Internet-Milieus 2016. Wir sprachen mit Frank Riemensperger über die neuen Herausforderungen für Unternehmen. Der digitale Wandel vollzieht sich nicht nur technisch, sondern verändert auch Einstellungen und Verhalten der […]

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Digitaler Wandel ist nicht nur technisch

Foto: Sunny studio | Shutterstock

… auch Einstellungen und Verhalten sind in Bewegung. Unternehmen haben den Weckruf gehört und verstehen, dass sich Grundlagen von Geschäftsmodellen massiv verändern.

Frank Riemensperger im DIVSI-Gespäch

DIVSI Internet-Milieus 2016. Wir sprachen mit Frank Riemensperger über die neuen Herausforderungen für Unternehmen.

Der digitale Wandel vollzieht sich nicht nur technisch, sondern verändert auch Einstellungen und Verhalten der Menschen. In unserer aktuellen Studie haben wir nach 2012 zum zweiten Mal die digitalisierte Gesellschaft in Deutschland erneut gleichsam vermessen. Welches Ergebnis der neuen DIVSI Milieu-Studie hat Sie am meisten überrascht?

Frank Riemensperger: Überrascht ist das falsche Wort. Ich fühle mich eher bestätigt von den Ergebnissen, wenn nach den Chancen der Digitalisierung gefragt wird. Hier überwiegt ja ganz eindeutig der Optimismus. Wenn fast drei Viertel der Befragten sagen, dass sie mehr Chancen als Risiken sehen, dann ist das sehr positiv.

Nehmen Sie diese positive Grundeinstellung auch in den Unternehmen und den Mitarbeitern wahr? Bildet sich in Deutschland vielleicht sogar eine neue gestaltende, produktive Mentalität heraus?

Wir haben schon vor einem Jahr in einer umfangreichen Untersuchung festgestellt, dass die meisten Mitarbeiter der Digitalisierung ihres Unternehmens und ihres Arbeitsplatzes positiv gegenüberstehen. Eine Mehrheit erhofft sich von digitalen Technologien wie Robotern, Apps, Analytics oder künstlicher Intelligenz eine Erleichterung ihres Arbeitsalltags. Auch hier werden eher die möglichen Verbesserungen gesehen, die digitale Technologien bringen können, als potenzielle Gefahren.

Die Horrorszenarien, dass Millionen Arbeitsplätze wegfallen werden, sind ohnehin übertrieben. Es werden auch ganz viele neue Jobs entstehen. Für die werden allerdings neue, digitale Fähigkeiten gebraucht. Diese zu vermitteln – in Schulen, Hochschulen und den Unternehmen –, wird eine der wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren.

Haben Sie denn den Eindruck, dass der Mentalitätswandel in den Unternehmen bereits stattfindet? Die immer präsenter werdende Start-up-Kultur wäre ja ein weiteres Indiz dafür.

Ja und nein. Den Weckruf haben die meisten Unternehmen gehört. Sie haben verstanden, dass die Digitalisierung die Grundlagen ihres Geschäftsmodells massiv verändert. Es wird auch viel ausprobiert und pilotiert. In Zeiten, in denen mit Daten Geld verdient wird und nicht mehr mit Produkten, stehen wir uns manchmal aber selbst im Weg. Wir sind zu oft noch einem ingenieurgetriebenen Sicherheitsdenken verhaftet.

Um neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu etablieren, ist mehr Mut zum Risiko gefragt. Dass sich in Deutschland eine so vielfältige Start-up-Szene etabliert hat, ist ein Zeichen dafür, dass viele junge Gründer diesen Mut haben. Insofern ist der erforderliche Mentalitätswandel vielleicht auch eine Generationenfrage.

Wenn über die „Digitale Gesellschaft“ diskutiert wird, dann gibt es ja nicht nur diejenigen, die digital affin sind, sondern auch solche, die es nicht sind – und dazwischen existieren jede Menge unterschiedlicher Einstellungen und Verhalten. Für welche Branchen bzw. Industrien können die Erkenntnisse zu den unterschiedlichen Internet-Milieus von Bedeutung sein, und welchen konkreten Nutzen können Entscheider und Firmenchefs daraus ziehen?

Im Zentrum der digitalen Transformation muss das Kundenerlebnis stehen. Das ist das Entscheidende. Die Digitalisierung ermöglicht ganz neue, personalisierte Dienstleistungen. Auf dieser Erkenntnis beruht ja gerade der Erfolg von Unternehmen wie Apple, Google oder Facebook. Je besser also ein Unternehmen seine Kunden versteht, desto genauer kann es deren spezifische Bedürfnisse bedienen. Das gilt für alle Branchen und nicht nur im B2C-, sondern zunehmend auch im B2B-Bereich.

Zu wissen, welche Internet-Milieus sich herausbilden, sprich, wie Menschen digitale Angebote nutzen, ist deshalb von zentraler Bedeutung.

Digitales wächst immer mehr in den Alltag der Menschen, die Onliner können sich ein Leben ohne Internet kaum mehr vorstellen. Wird technisches Know-how angesichts der sich stets verbessernden intuitiven Bedienung und der hohen Convenience vieler Anwendungen bald überflüssig?

Als Konsument wird Nutzung digitaler Angebote sicher immer einfacher. Die intuitive Bedienung ist ja eines der Geheimnisse des Erfolges digitaler Services. Und diese werden in Zukunft noch personalisierter und sich an veränderte Lebensumstände anpassen. Wir nennen das Living Services. In gewisser Weise trifft das auch auf die Arbeitswelt zu.

Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine beispielsweise wird eine neue Qualität erreichen, vor allem, weil die Maschinen intelligenter und damit leichter bedienbar werden oder sogar komplett autonom arbeiten. Gleichzeitig werden die digitalen Fähigkeiten der Arbeitnehmer immer wichtiger.

Um neue digitale Geschäftsmodelle, neue digitale Kundenerlebnisse oder eine neue digitale Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine zu entwickeln, müssen Mitarbeiter die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten haben.

Können die Menschen sich mehr und mehr an den schönen Dingen des Lebens erfreuen, oder wächst vielmehr die Notwendigkeit technischer Aus- & Weiterbildung?

Die wächst eindeutig, und zwar schneller, als unser Bildungs- und Ausbildungssystem darauf reagieren kann. Hier sind deshalb die Unternehmen gefragt, Antworten zu finden.

Eine könnte das Konzept einer digitalen Lernfabrik sein, das wir gerade entwickeln. Dabei geht es darum, die Mitarbeiter zu befähigen, sich in der digitalen Arbeitswelt zurechtzufinden, etwa stärker vernetzt zu arbeiten, und zwar mit Kollegen und Maschinen, oder den Wert von Daten zu erkennen.

Eins ist aber auch klar: Bei aller Technologisierung und Automatisierung muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Nur dann wird die digitale Transformation gelingen.

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Das Internet ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen https://www.divsi.de/das-internet-ist-in-der-mitte-unserer-gesellschaft-angekommen/ https://www.divsi.de/das-internet-ist-in-der-mitte-unserer-gesellschaft-angekommen/#respond Mon, 10 Oct 2016 08:41:56 +0000 http://46.30.3.106/?p=15377 Was bedeutet die fortschreitende Digitalisierung für die digitalen Lebenswelten? Neue Studie vorgelegt Von Maximilian von Schwartz Vier Jahre nach Veröffentlichung der ersten DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet stellte das DIVSI gemeinsam mit dem SINUS-Institut am 28. Juni in Berlin die aktualisierten DIVSI Internet-Milieus 2016 vor. Die Studie zeigt auf, dass die Digitalisierung […]

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DIVSI Internet Milieus 2016

Was bedeutet die fortschreitende Digitalisierung für die digitalen Lebenswelten? Neue Studie vorgelegt

Von Maximilian von Schwartz

Vier Jahre nach Veröffentlichung der ersten DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet stellte das DIVSI gemeinsam mit dem SINUS-Institut am 28. Juni in Berlin die aktualisierten DIVSI Internet-Milieus 2016 vor. Die Studie zeigt auf, dass die Digitalisierung der Gesellschaft und die Verbreitung des Internets zwar längst keine neuen Erscheinungen mehr sind, mit Blick auf die Innovationsdynamik der Digitalisierung aber noch immer von einer rasanten Entwicklung gesprochen werden kann. Deutlich wird, dass sich die resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen nicht auf das Online-Verhalten der Menschen beschränken, sondern auch ihre Einstellungen und Überzeugungen im Kontext Internet und digitale Medien betreffen.

Die technischen Entwicklungen der vergangenen vier Jahre und ihre steigende Bedeutung als selbstverständliche Infrastruktur haben deutliche Spuren im Alltag der Menschen hinterlassen. Zusammengefasst ergeben die Studienergebnisse im Kern Folgendes:

  1. Das Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Ein pragmatischer, unaufgeregter Zugang zum Netz ist für weite Teile der Gesellschaft normal geworden; Verunsicherung und Skepsis nehmen bei den möglichen digitalen Grundhaltungen weniger Raum ein als noch 2012. Auch bei den Offlinern ist die Wertschätzung des Internets gestiegen, allerdings wuchsen auch ihre Sicherheitsbedenken.
  2. Die digitale Gesellschaft driftet auseinander: Fanden sich bei den zurückhaltenden, internetfernen Personen 2012 noch deutlich mehr Menschen nicht nur in einfacher, sondern auch in gehobener sozialer Lage, sind die Internetfernen nunmehr nahezu ausschließlich Menschen mit geringem Einkommen und geringer Formalbildung.
  3. Intensiv-Onliner sind nicht automatisch Internet-Fans: Nach wie vor kann ein Internet-Milieu identifiziert werden, das euphorisch alle neuen Entwicklungen im Bereich des Internets mit großem Interesse aufnimmt und bejaht (Netz-Enthusiasten). Gleichzeitig wird eine gewisse Ernüchterung im stark digitalisierten Bereich der Gesellschaft sichtbar, die eine sehr intensive Nutzung mit einer selektiv-kritischen Sicht auf bestimmte Entwicklungen und Möglichkeiten des Netzes vereint und sich vom „internettrunkenen Mainstream“ absetzt (siehe insbesondere Souveräne Realisten).

Die DIVSI Internet-Milieus 2016 im Profil

Neben der Identifikation übergeordneter Trends war es – wie in der Vorgängerstudie – wesentliches Ziel der Untersuchung, die unterschiedlichen digitalen Lebenswelten genauer zu verstehen. Die folgende Darstellung zeigt, wie sich die DIVSI Internet-Milieus 2016 entlang zweier Achsen verteilen: der sozialen Lage auf der vertikalen und der Einstellung zum Internet sowie der grundlegenden Werthaltung auf der horizontalen Achse. Je höher eine Gruppe in dieser Grafik angesiedelt ist, desto gehobener sind Bildung und Einkommen. Je weiter rechts ein Internet-Milieu angesiedelt ist, desto wichtiger und selbstverständlicher ist das Online-Sein und desto mehr Aktivitäten finden online statt – zumeist verbunden mit der Tatsache, dass diese Personen auch mehr Zeit online verbringen als diejenigen, die in der Grafik weiter links zu finden sind.

Insgesamt betrachtet können im Vergleich zu 2012 eine Zunahme und eine Ausdifferenzierung derjenigen Gruppen festgestellt werden, die dem Internet offen gegenüberstehen. Gleichzeitig wird der Anteil der weniger internetaffinen Menschen in Deutschland geringer.

Netz-Enthusiasten (15 %)

Netz-EnthusiastenDie Netz-Enthusiasten lieben das Internet. Sie können und möchten sich ein Leben „ohne“ nicht vorstellen. Sie sind besonders aktive und souveräne Nutzer, die ihren Alltag weitestgehend online leben und organisieren und eine ausgesprochene Begeisterung für Soziale Netzwerke teilen. 13 Prozent von ihnen sind fast den gesamten Tag online (7 Prozent im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung).

„Also, ohne das Internet ist es schon echt extrem schwer heutzutage. Natürlich, ich kann leben, aber mein Leben, so wie es jetzt ist, wäre komplett anders. Also auf den Kopf gestellt.“ (weiblich, 24 Jahre)

Souveräne Realisten (12 %)

Souveräne Realisten

Souveräne Realisten sind unaufgeregte Intensivnutzer. Sie sind zwar von den bisherigen und in Zukunft zu erwartenden Errungenschaften und Möglichkeiten des Internets überzeugt, beobachten die digitale Entwicklung aber durchaus kritisch – insbesondere, wenn es um Soziale Netzwerke geht. In diesem Internet-Milieu sind 83 Prozent täglich online (gesamt: 59 Prozent).

„Meine gesamte Arbeit wäre ohne das Internet nicht möglich. Also das ist quasi die Basis meiner Existenz.“ (männlich, 32 Jahre)

Effizienzorientierte Performer (15 %)

Effizienzorientierte PerformerDie Effizienzorientierten Performer sind vom Internet begeistert, allen voran von den mobilen Möglichkeiten, die den beruflichen wie privaten Alltag erleichtern. Die Verantwortung, für Sicherheit im Netz zu sorgen, sehen sie zwar – stärker als alle anderen Internet-Milieus – beim Staat, Sicherheitsrisiken begegnen sie aber dennoch proaktiv, souverän und pragmatisch.

„Ich brauche das Internet, und ich kann mir auch nicht mehr vorstellen, ohne zu leben, einfach, weil ich in der Welt lebe, in der ich lebe.“ (männlich, 39 Jahre)

Unbekümmerte Hedonisten (11 %)

Unbekümmerte Hedonisten

Unbekümmerte Hedonisten partizipieren ausgiebig an den Möglichkeiten des Internets und sind dabei besonders begeistert von Sozialen Netzwerken. Dennoch sind sie nicht souverän im Umgang mit dem Netz und gestehen sich das auch selbst ein. Vor allem der Umgang mit persönlichen Daten ist unbedarft und ihre Gefahren- und Risikowahrnehmung widersprüchlich. Sicherheitsmaßnahmen ergreifen sie vergleichsweise selten – teils aus Unwissenheit, teils aus Arglosigkeit.

„Ohne Internet würde mir diese Gewohnheit fehlen, auch so etwas wie eine körperliche Gewohnheit, also aufzustehen und erst mal aufs Handy zu patschen.“ (weiblich, 26 Jahre)

Verantwortungsbedachte Etablierte (16 %)

Verantwortungsbedachte Etablierte

Verantwortungsbedachte Etablierte sehen die Digitalisierung als positive und wichtige Entwicklung, an der sie in jedem Fall teilhaben möchten. Ihre Einstellung zum Netz ist aber nicht euphorisch, sondern eher abwägend und besonnen. Sie sind zwar regelmäßig, aber selektiv im Netz unterwegs. Soziale Netzwerke und Unterhaltungsansprüche spielen nur eine unterdurchschnittliche Rolle. In puncto Sicherheit sehen sie zuallererst den Nutzer selbst in der Verantwortung, erwarten aber auch vom Staat ein eindeutiges Engagement.

„Also, ich würde mich auch ohne Internet nicht langweilen. Dann könnte ich mich endlich meinen ganzen Büchern, meinen CDs und Sprach-CDs widmen, und dann habe ich auch noch das Fernsehen.“ (weiblich, 52 Jahre)

Vorsichtige Skeptiker (12 %)

Vorsichtige Skeptiker

Vorsichtige Skeptiker sind zurückhaltende Nutzer. Sie sind häufig überfordert und wenig souverän im Umgang mit dem Internet. Gefahren im Kontext Datensicherheit erscheinen ihnen groß und unüberschaubar. Besonders kritisch sehen sie den Umgang von Unternehmen mit persönlichen Daten. Im Milieu-Vergleich haben sie mit die stärksten Bedenken im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung.

„Ohne Internet zu sein, ist ja wie Fasten. Das tut auch gut, mal auf etwas zu verzichten. Und dann sieht man erst, wie abhängig man vielleicht ist. Das wird einem dann erst bewusst, wie oft man online ist.“ (weiblich, 34 Jahre)

Internetferne Verunsicherte (19 %)

Internetferne Verunsicherte

Internetferne Verunsicherte sind im Umgang mit dem Internet stark überfordert und nehmen deutlich mehr Risiken als Chancen wahr. Das führt zu einer extrem zurückhaltenden Nutzung oder zu einer rigorosen Meidung des Netzes (knapp drei Viertel sind Offiiner). Weil sie sich mit dem Internet kaum auskennen, delegieren sie die Verantwortung für die Sicherheit vor allem an den Staat und die Unternehmen und nehmen sich selbst vergleichsweise wenig in die Verantwortung.

Ich gehe sehr vorsichtig mit dem Internet um, eher distanziert. Also, ich bin ein Mensch, der lebt noch von Printmedien, das ist so, und da wird sich auch nicht mehr groß was ändern.“ (männlich, 61 Jahre)

Teilhabe

Die DIVSI Internet-Milieus beschreiben nicht nur die verschiedenen Einstellungen zum Internet, sondern zeigen auch milieuspezifische Grade der Teilhabe bzw. Teilhabechancen am digitalen Leben auf.

Joanna Schmölz, Vize-Direktorin des DIVSI und verantwortlich für die Studien: „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eindrücklich, dass die Teilhabechancen an der digitalisierten Zukunft über die DIVSI Internet-Milieus ungleich verteilt sind. Und das ist längst mehr als eine Frage danach, ob jemand technischen Zugang zum Internet hat oder nicht. Zur Sicherstellung der digitalen und damit auch immer mehr der sozialen und gesellschaftlichen Teilhabe reicht weder die Bereitstellung technischer Zugänge noch die Motivation zu mehr Internet-Nutzung aus. Entscheidend ist vielmehr, die Menschen auch entsprechend zu befähigen, sich souverän in der digitalen Welt bewegen und Risiken richtig einschätzen zu können.“

Für die Frage, wie die jeweiligen Personengruppen erreicht und angesprochen werden können, liefert die vorliegende Studie detaillierte Beschreibungen der digitalen Lebenswelten in Deutschland. Zudem identifiziert sie diejenigen Internet-Milieus, die Gefahr laufen, von zukünftigen Entwicklungen ausgeschlossen zu sein, obwohl sie Onliner sind. Dabei wird deutlich, dass die Grenzen künftig immer weniger zwischen Onlinern und Offiinern verlaufen werden, sondern zwischen denjenigen, die den digitalen Wandel aktiv mitgestalten, und denen, die daran teilhaben wollen, aber nicht können.

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DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt – Die U25-Generation im Portrait [Infografik] https://www.divsi.de/u25-studie-infografik-portrait/ https://www.divsi.de/u25-studie-infografik-portrait/#comments Mon, 10 Mar 2014 13:12:07 +0000 http://46.30.3.106/?p=5978 Wenn es um digitales Leben geht, stehen junge Menschen häufig im Fokus der Aufmerksamkeit. Grund dafür ist die Annahme, dass vor allem diese Gruppe die zukünftige Entwicklung des Internets und den Umgang damit wesentlich mitbestimmen wird. Nachdem in der DIVSI Milieu-Studie (2012) und der Aktualisierung (2013 ) die Internetnutzung von Erwachsenen im Fokus stand, wendet […]

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Wenn es um digitales Leben geht, stehen junge Menschen häufig im Fokus der Aufmerksamkeit. Grund dafür ist die Annahme, dass vor allem diese Gruppe die zukünftige Entwicklung des Internets und den Umgang damit wesentlich mitbestimmen wird.

Nachdem in der DIVSI Milieu-Studie (2012) und der Aktualisierung (2013 ) die Internetnutzung von Erwachsenen im Fokus stand, wendet sich DIVSI in seiner aktuellen „U25-Studie: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt“ den digitalen Lebenswelten der U25-Generation zu.

In unserer Infografik-Serie haben wir die zentralen Aspekte der U25-Studie zusammengestellt. Der erste Teil liefert Antworten auf die Frage: Wer sind die Akteure der U25-Generation?

DIVSI Infografik U25-Generation im Portrait

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Outsiders aus Neandertal und die heile, digitale Welt https://www.divsi.de/outsiders-aus-neandertal-und-die-heile-digitale-welt/ https://www.divsi.de/outsiders-aus-neandertal-und-die-heile-digitale-welt/#comments Thu, 19 Dec 2013 14:29:52 +0000 http://46.30.3.106/?p=5488 Nach zwei Jahren wurden die Daten zu den DIVSI Internet-Milieus erneut erhoben, um den Stand der Entwicklung in Deutschland zu überprüfen Von Joanna Schmölz Hamburg – Mobile Endgeräte, einfach zu nutzende Apps und der unaufhaltsam fortschreitende Ausbau der Telekommunikationsnetze werden dafür sorgen, dass es den real existierenden „Offliner“ nicht mehr lange geben wird. So heißt […]

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Outsiders aus Neandertal und die heile, digitale Welt

Bild: goodluz – Shutterstock

Nach zwei Jahren wurden die Daten zu den DIVSI Internet-Milieus erneut erhoben, um den Stand der Entwicklung in Deutschland zu überprüfen

Von Joanna Schmölz

Hamburg – Mobile Endgeräte, einfach zu nutzende Apps und der unaufhaltsam fortschreitende Ausbau der Telekommunikationsnetze werden dafür sorgen, dass es den real existierenden „Offliner“ nicht mehr lange geben wird. So heißt es jedenfalls überall. Danach ist alles eitel Sonnenschein in einer rundum digitalisierten Welt.

Und falls die Technik dies nicht schaffen sollte, löst eben die Demografie das Problem. Davon jedenfalls sind die Entscheider in Deutschland überzeugt, wie DIVSI in einer repräsentativen Studie von Anfang 2013 herausgefunden hat. Derzeit haben wir zwar noch rund 26 Millionen „Digital Outsiders“ bei uns – Menschen also, die komplett oder beinahe komplett ohne Internet leben. Für die Entscheider ist das jedoch nichts, wie ein Zitat belegt: „Das ist eine große Gruppe, aber die Neandertaler waren auch eine große Gruppe und die sind ja dann auch ausgestorben…!“

Ist es tatsächlich so? Werden die „Digital Outsiders“ von der digitalen Landkarte verschwinden? Ein Vergleich von zwei DIVSI-Untersuchungen bringt Licht in das Dunkel.

DIVSI hat 2011 in der „Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ erstmals die Landschaft der digitalen Lebenswelten in Deutschland ermittelt und beschrieben. Sie wurde repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren erstellt. Die DIVSI Internet- Milieus gruppieren Menschen nach der Ähnlichkeit ihrer Einstellungen und Verhaltensweisen in punkto Vertrauen und Sicherheit im Internet. Damit ist diese Untersuchung weit mehr als eine reine Nutzer-Typologie, die lediglich erfasst, wer wie häufig wo im Netz unterwegs ist.

Als in dieser Form einzigartige Segmentierung sollen die DIVSI Internet- Milieus als Zielgruppenwährung im digitalen Kontext etabliert werden. Hierzu gehört die regelmäßige Aktualisierung, um eventuelle Größenveränderungen und Neu-Formationen der einzelnen Gruppen rechtzeitig zu erfassen. Nur dann lassen sich auf Dauer stabile Zeitreihen generieren.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Sommer 2013 die Daten erneut erhoben, um zu überprüfen, wie sich die digitale Gesellschaft bei uns in den letzten beiden Jahren entwickelt hat.

Die Ergebnisse lassen Antworten auf zwei wichtige Fragen zu:

Sind Offliner und Outsiders bald wirklich Schnee von gestern?

Keinesfalls! Das zeigen zumindest die aktualisierten DIVSI Internet-Milieus. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die Entwicklungen in der digitalen Gesellschaft von technischen Innovationen allein nicht beeinflussen lassen. Vielmehr speisen sich die Gründe für oder gegen die Internet-Nutzung aus den grundsätzlichen Einstellungen der Menschen, ihrer Wert-Orientierung und Lebensweise sowie ihrem Bildungsgrad und ihrer sozialen Lage. Ob jemand zum Beispiel soziale Netzwerke oder ein E-Government-Angebot nutzt, hängt hiervon ebenso ab, wie von den individuellen Ansprüchen an Convenience und Sicherheit.

Welche Rolle spielt das Alter tatsächlich?

Auf jeden Fall nicht den Hauptpart, wie viele Entscheider mit ihrer „Neandertaler-Meinung“ glauben. Die Fakten belegen etwas anderes. Demnach ist es zu kurz gegriffen, davon auszugehen, dass sich die Thematik mit den Offlinern, den Outsiders, den „Alten“ und Verunsicherten durch Demografie oder durch einen vereinfachten Zugang zu digitalen Angeboten in Kürze von allein erledigt haben wird.

Dabei spielt es auch keine Rolle, dass viele „Digital Outsiders“ – derzeit immer noch 37 Prozent der Bevölkerung! – im Durchschnitt älter als der Rest der digitalen Gesellschaft sind. Ein großer Teil von ihnen steht noch mitten im (Berufs-) Leben. 53 Prozent der „Internetfernen Verunsicherten“ und 89 Prozent der „Ordnungsfordernden Internet-Laien“ sind unter 69 Jahre alt und damit in vielerlei Hinsicht im allerbesten Alter.

Insgesamt zeigt auch die jüngste Erhebung, dass die DIVSI Internet-Milieus trotz der rasanten digitalen Entwicklung stabil bleiben, weil sie die Motive und Barrieren der Internet-Nutzung ganzheitlich betrachten. Die Milieus bleiben damit über einen längeren Zeitraum ein belastbares Instrument, mit dem die digitale Gesellschaft „vermessen“ werden kann und sich ihr Zustand zuverlässig beschreiben lässt. Nach zwei aufeinanderfolgenden Befragungswellen lassen sich erste Tendenzen erkennen und darauf gestützt Entwicklungen aufzeigen. Schon heute sind wir auf die nächsten Untersuchungsergebnisse gespannt, mit denen die Entwicklung weiter beschrieben werden kann.

  • Häufig wird davon ausgegangen, dass der rasante technologische Fortschritt unablässig neue „Digitale Generationen“ hervorbringt (Generation@, Generation Smartphone etc). Die vorliegenden Ergebnisse zeigen allerdings, dass Einstellungsmuster hinsichtlich digitaler Themenfelder relativ konstant bleiben. Auch wenn also die technische Ausstattung jährlich aktualisiert wird, ändert sich nicht gleichzeitig die digitale Denkweise; beispielsweise wird ein „Verantwortungsbedachter Etablierter“ auch mit seinem Tablet der aktuellsten Entwicklungsstufe weiterhin durch Zurückhaltung und Selbstschutzmaßnahmen sein persönliches Risiko im Internet zu mindern versuchen.
  • Zum anderen zeigt auch ein Blick in die Entwicklung der sozialen Milieus in Deutschland, dass übergeordnete Einstellungsmuster und die Zugehörigkeit von Menschen zu bestimmten Gruppen relativ stabil sind. Qualitativ neue Formationen einer Gesellschaft entwickeln sich in der Regel eher in langsamen Schritten von acht bis zehn Jahren.
  • Zudem scheint der Zuwachs bei den „Digital Natives“ von der demografischen Entwicklung kompensiert zu werden, wie die Entwicklung der „Internetfernen Verunsicherten“ zeigt. Diese werden als Gruppe nicht etwa kleiner, sondern lediglich älter.

Ergebnisse im Detail

Die folgende Darstellung zeigt einen Vergleich zwischen der Ersterhebung und Modellierung aus dem Jahr 2011 mit der ersten Aktualisierung aus dem Jahr 2013. Dabei werden leichte Verschiebungen in der Verteilung der Befragten über die verschiedenen digitalen Lebenswelten deutlich.

  • Das Segment der „Digital Natives“ nimmt insgesamt um drei Prozentpunkte zu und steigt damit auf 44 Prozent der Bevölkerung. Diese Entwicklung erklärt sich durch leichte Zuwächse bei den „Digitalen Souveränen“ und den „Effizienzorientierten Performern“
  • Das Segment der „Digital Immigrants“ bleibt annähernd konstant mit leicht abnehmender Tendenz von 20 auf jetzt 19 Prozent.
  • Das Segment der „Digital Outsiders“ verkleinert sich insgesamt um zwei Prozentpunkte (von 39 auf 37 Prozent der Bevölkerung). Diese Veränderung ist allerdings nur bei den „Ordnungsfordernden Internet-Laien“ erkennbar, die „Internetfernen Verunsicherten“ bleiben mit 27 Prozent konstant.

Ein vertiefender Blick in die soziodemographischen Profile der DIVSI Internet-Milieus zeigt ebenso leichte Veränderungen hinsichtlich Alter und Geschlecht. So nimmt der Anteil der Frauen bei den „Digital Souveränen“ und den „Effizienzorientierten Performern“ jeweils um sieben bzw. elf Prozentpunkte zu. Zudem steigt der Anteil der über 60-Jährigen bei den „Internetfernen Verunsicherten“ von 63 auf 74 Prozent.

  • „Digital Souveräne“ und „Effizienzorientierte Performer“ verzeichnen Zuwächse in der Altersgruppe der unter 40-Jährigen. Bei den „Digital Souveränen“ steigt der Anteil von 63 auf 68 Prozent, bei den „Effizienzorientierten Performern“ von 50 auf 56 Prozent.
  • Bei den „Postmateriellen Skeptikern“ und den „Internetfernen Verunsicherten“ sind deutliche Vergrößerungen bei den über 60-Jährigen sichtbar. Bei den „Postmateriellen Skeptikern“ steigt ihr Anteil von 20 auf 31 Prozent, bei den „Internetfernen Verunsicherten“ von 63 auf 74 Prozent.
  • Der Anteil der Frauen nimmt bei den „Digital Souveränen“ und den „Effizienzorientierten Performern“ zu: Bei den „Digital Souveränen“ steigt er von 32 auf 39 Prozent, bei den „Effizienzorientierten Performern“ von 37 auf 48 Prozent.
  • Die „Ordnungsfordernden Internet- Laien“ haben im Vergleich zu 2011 einen höheren Männeranteil.

Link zur ganzen Studie „DIVSI Milieu-Studie Aktualisierung 2013“

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Mehr Schutz oder mehr Freiheit? https://www.divsi.de/mehr-schutz-oder-mehr-freiheit/ https://www.divsi.de/mehr-schutz-oder-mehr-freiheit/#respond Wed, 19 Jun 2013 10:33:25 +0000 http://46.30.3.106/blog/?p=204 Die DIVSI Milieu-Studie zeigt: Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung – betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet – primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Dies sind Digital Outsiders, Digital Immigrants und eine Minderheit der Digital Natives. Zitat: „Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz. Wer […]

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Die DIVSI Milieu-Studie zeigt: Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung – betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet – primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Dies sind Digital Outsiders, Digital Immigrants und eine Minderheit der Digital Natives. Zitat: „Wer sich nicht auskennt, fordert Schutz. Wer sich sicher fühlt, wünscht Freiheit.“

Diese Delegationshaltung resultiert einerseits aus Unwissenheit und Überforderung (Digital Outsiders: 39 Prozent), andererseits aus Skepsis gegenüber der Art und Weise, wie im Internet derzeit mit dem Thema umgegangen wird (Digital Immigrants: 20 Prozent). Selbst bei denjenigen Nutzern, die sich als selbstsichere Navigatoren im Internet begreifen und explizit die Verantwortung für Ihre Internet-Aktivitäten übernehmen, besteht ein latentes Gefühl des System-Misstrauens.

Alle, die mit der Verbreitung des Internets aufgewachsen sind, neigen aufgrund ihres selbstverständlichen Umgangs mit dem Medium dazu, Gefahren und Risiken zu unterschätzen. Vor allem Unbekümmerte Hedonisten agieren leichtsinnig und unbedacht im Internet, auch weil sie sich nur wenig um die Konsequenzen ihres Handelns Gedanken machen.

Das Thema Vertrauen und Sicherheit im Internet wird damit zu einer dringlichen gesellschaftspolitischen Aufgabe. Es gilt, Barrieren und Vorbehalte abzubauen und Maßnahmen und Dienstleistungen anzubieten, die mehr Sicherheit bieten bzw. versprechen.

Die DIVSI Entscheider-Studie dagegen zeichnet ein anderes Bild im Hinblick auf Verantwortung: Für den Schutz ihrer Daten liegt die Verantwortung demnach eindeutig beim Nutzer. Sicherheit im Netz kann – wenn überhaupt – nur durch die Medienkompetenz der Bürger erreicht werden, wie 69 Prozent der Entscheider meinen. Eigenverantwortung sei das Gebot der Stunde, nach dem sich die Nutzer im Internet bewegen sollen.

Zitat: „Wenn Sie betrunken mit dem Auto gegen eine Laterne fahren, können Sie auch nicht sagen: ‚Tschuldigung, ich bin doch nur der Endnutzer von Opel.“

 

Gleichzeitig räumen die Entscheider jedoch ein, dass die Nutzer mit dieser Aufgabe weitestgehend überfordert seien. Entsprechend dieser Einschätzung empfehlen sie dem Nutzer, sich vor allem auf Bildung und die eigene Erfahrung zu verlassen, denn die Verantwortung kann ihm niemand abnehmen. Auch Rat von unabhängigen Institutionen und Experten gilt den Entscheidern als relevant; weniger verlassen sollten sich die Menschen jedoch auf staatliche Institutionen, das deutsche Rechtssystem und die Internet- Gemeinde. Staatliche Institutionen und das deutsche Rechtssystem sind aus Sicht der Entscheider von eher geringerer Bedeutung für Sicherheit im Internet.

Immerhin fordert knapp die Hälfte der Entscheider auch einen stärkeren öffentlichen Diskurs zum Thema Sicherheit im Internet. Das sei notwendig, um die Gesellschaft für den Umgang mit Daten im Internet zu sensibilisieren. 25 Prozent dagegen halten den Diskurs für eher übertrieben.

Der mehrheitlich erwünschte öffentliche Diskurs wird als besonders wichtig für Bestimmung von Verantwortlichkeiten im Netz gewertet. Der Nutzer wird zwar als (haupt)verantwortlich gesehen, dennoch braucht es aus Sicht der Entscheider einen Rahmen, innerhalb dessen er sich frei bewegen kann. 79 Prozent sehen Gesetze und Regeln im Internet als Grundvoraussetzung, damit das Internet überhaupt funktionieren kann.

Vergleichsweise selten (39 Prozent) vertreten Entscheider die Meinung, dass das Internet ein freies Medium sei und nicht durch Gesetze und Regeln eingeschränkt werden dürfe. Vielmehr betonen vier von fünf Entscheidern, es könne im Internet nur Freiheit geben, wenn rechtsstaatliche Grundregeln eingehalten werden.

Herausforderungen der Netzgesellschaft

Die Erkenntnisse aus den DIVSI-Studien machen insgesamt deutlich, dass sich die Netzgesellschaft unverändert einer Reihe von Herausforderungen gegenüber sieht. Gleichzeitig lassen sich zahlreiche der gewonnenen Erkenntnisse durchaus als Indikatoren für einen laufenden größeren Umbruch werten.

Dazu DIVSI-Schirmherr Prof. Dr. Roman Herzog:
„Um das Vertrauen ins Internet, in die mit ihm eröffneten Chancen und Möglichkeiten nicht zu verspielen, brauchen wir eine breite Diskussion darüber, welche verbindlichen Spielregeln hier gelten sollen. Wir brauchen Leitplanken, die uns auf dem richtigen Weg halten. Ein digitaler Kodex, von allen Verantwortlichen getragen, könnte ein Weg dahin sein.“

Wir haben zwischenzeitlich angefangen, diesen Gedanken zu realisieren. DIVSI ist dabei, in Zusammenarbeit mit dem Think Tank iRights.Lab die Frage zu prüfen: Braucht Deutschland einen digitalen Kodex?

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DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet https://www.divsi.de/divsi-milieu-studie-zu-vertrauen-und-sicherheit-im-internet/ https://www.divsi.de/divsi-milieu-studie-zu-vertrauen-und-sicherheit-im-internet/#respond Wed, 10 Oct 2012 17:48:05 +0000 http://46.30.3.106/blog/?p=65 Das Internet hat sich von einem rein technischen Angebot zum erweiterten Lebensraum der Menschen entwickelt. Entsprechend erweitern sich nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken und Unsicherheiten. Diese Studie zeigt auf, welche Meinungen und Vorstellungen es zu diesem Thema (bei Offlinern wie bei Onlinern) gibt, welche datenschutz- und sicherheitsrelevanten Einstellungs – und Verhaltenstypen existieren. […]

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Das Internet hat sich von einem rein technischen Angebot zum erweiterten Lebensraum der Menschen entwickelt. Entsprechend erweitern sich nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken und Unsicherheiten. Diese Studie zeigt auf, welche Meinungen und Vorstellungen es zu diesem Thema (bei Offlinern wie bei Onlinern) gibt, welche datenschutz- und sicherheitsrelevanten Einstellungs – und Verhaltenstypen existieren. Ziel war es, eine bevölkerungsrepräsentative Typologie zum Thema Vertrauen und Sicherheit zu entwickeln. Mit Hilfe dieser Typologie lassen sich Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ableiten.

Hier geht es zur DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet

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Sascha Lobo und die DIVSI-Milieu-Studie: Gemeinsamkeiten entdeckt https://www.divsi.de/sascha-lobo-und-die-divsi-milieu-studie-gemeinsamkeiten-entdeckt/ https://www.divsi.de/sascha-lobo-und-die-divsi-milieu-studie-gemeinsamkeiten-entdeckt/#respond Mon, 14 May 2012 14:38:55 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=3894 Von Internet-People und InterNOT-People Von Joanna Schmölz Blogger, Aktivisten und Forscher trafen sich bei der re:publica in Berlin. Thema dieses zentralen Jahres-Events der Netzgemeinde: die Schubkraft sozialer Medien für politische Bewegungen. Einer der Hauptredner bei der Internet-Konferenz war Sascha Lobo, für viele eine Art Guru des Netzes. Er bezog Stellung zum Stand des Internet im […]

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Von Internet-People und InterNOT-People

Von Joanna Schmölz

Blogger, Aktivisten und Forscher trafen sich bei der re:publica in Berlin. Thema dieses zentralen Jahres-Events der Netzgemeinde: die Schubkraft sozialer Medien für politische Bewegungen. Einer der Hauptredner bei der Internet-Konferenz war Sascha Lobo, für viele eine Art Guru des Netzes. Er bezog Stellung zum Stand des Internet im Jahr 2012.

Grundsätzlich unterscheidet Lobo zwischen Internet-People und InterNOT- People. Er sieht in diesem Auseinanderklaffen eine Gefahr: „Wir müssen dieses Problem erkennen und lösen.“ Es gehe darum, die 30 Millionen Menschen, die nicht ins Internet gehen, und jene, die glauben, sie würden ins Internet gehen, nicht aus dem Blickfeld zu verlieren.

Gleichzeitig präsentierte Lobo bei der re:publica dazu seine speziellen Thesen:

Das Urheberrecht interessiert deine Mutter. Nicht. Das größte Problem sind die 30 Millionen Nicht-Internet-Nutzer, die bei politischen Entscheidungen zum Thema Internet (ACTA, Internetsperren etc.) auch abstimmen und deren Stimmen entscheidend sein können.

  • Wir müssen einen Weg finden, dauerhaft mit diesen 30 Millionen Nicht-Internet-Nutzern klarzukommen. Es existieren im öffentlichen Diskurs negative Narrative über das Internet, die zwar nicht unbedingt wahr, aber auch nicht vom Einzelnen überprüfbar sind (zum Beispiel „Internet-Surfen verkürzt die Aufmerksamkeitsspanne“ oder „Klarnamen garantieren Wohlverhalten im Social Web“).
  • Wir brauchen neue, positive Narrative, die aus der Internet-Szene kommen müssen, um sie den Negativ-Narrativen in der Öffentlichkeit entgegenzusetzen.

Beobachter der re:publica stellten fest, dass Sascha Lobo offenbar Handlungsempfehlungen aufgenommen hat, die sich durchaus aus der „DIVSI Milieu- Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ ableiten lassen. So geht es auch ihm darum, dass die Internet- People überlegen sollten, wie sich der „digitale Graben zuschütten“ lässt. Lobo mit Blick auf die InterNOT- People: „Wir müssen das nächste Projekt für diese Menschen denken.“

Dabei scheint die DIVSI-Studie bereits einen Schritt weiter zu sein. Lobo skizziert nur einen Graben: zwischen Internet-und InterNOT-People (bei DIVSI sind das die „Digital Natives“ und die „Digital Outsiders“). Die Studie dagegen macht zusätzlich einen zweiten Graben aus. Demnach liegt eine trennende Problematik darin, dass die Digital Natives das Internet als alltäglichen Lebensraum begreifen und nicht nachempfinden können, dass sich Andere im Internet nicht ebenso zuhause fühlen.

Allerdings deutet auch Sascha Lobo in seinem Vortrag diese Problematik an: „90 Prozent der Themen, die die Netzgemeinde interessieren, interessieren die Leute da draußen nicht die Bohne.“ Das Problem liege darin, dass Menschen, die das Internet gar nicht nutzen, entscheidend sein werden – politisch und demokratisch.

Zu der Gruppe der Nicht-Nutzer zählt Lobo auch Menschen, die in der DIVSI- Studie als „Digital Immigrants“ eingestuft werden. Menschen also, die das Netz ganz gezielt nur dann verwenden, wenn sie sich einen direkten Vorteil davon versprechen. Etwa beim Shopping oder beim Buchen einer Reise. Lobo: „Das sind Leute, die glauben, sie würden ins Internet gehen.“

Wichtig sei nun die Lösung der Frage, wie und wann man in den Diskurs einsteigen solle. 2012 sei allerdings noch nicht so entscheidend und ein Vorgeplänkel. Lobo: „2013 wird es wichtig.“

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Das haben wir daraus gelernt https://www.divsi.de/das-haben-wir-daraus-gelernt/ https://www.divsi.de/das-haben-wir-daraus-gelernt/#respond Mon, 02 Apr 2012 12:47:58 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=3793 Die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ hat bundesweit große Resonanz gefunden und zwischenzeitlich viele Diskussionen angestoßen. Sie ist wichtig für alle, die sich mit dem Internet beschäftigen – sei es aus den Bereichen Politik, Wirtschaft oder Öffentlichkeit. Das „DIVSI magazin“ hat bei Entscheidungsträgern ganz persönliche Meinungen zu den vorgelegten Fakten eingeholt. E-Government neu […]

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Bild: Minerva Studio – Shutterstock

Die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ hat bundesweit große Resonanz gefunden und zwischenzeitlich viele Diskussionen angestoßen. Sie ist wichtig für alle, die sich mit dem Internet beschäftigen – sei es aus den Bereichen Politik, Wirtschaft oder Öffentlichkeit. Das „DIVSI magazin“ hat bei Entscheidungsträgern ganz persönliche Meinungen zu den vorgelegten Fakten eingeholt.

E-Government neu justieren

Von Dr. Marianne Wulff

Die Milieu-Studie von DIVSI regt dazu an, E-Government ggf. an der einen oder anderen Stelle neu zu justieren. Eines wird unmittelbar klar: Die rein virtuelle Verwaltung, die beim Bürgerkontakt ausschließlich auf den elektronischen Kanal setzt, ist passé.

Lange vorhandene Überlegungen, die im „Digital-Hype“ in den Hintergrund getreten sind, müssen wieder auf die Agenda. So muss die Verwaltung noch einmal darüber befinden, worauf sie ihre Anstrengungen bei der Digitalisierung von Services und Verwaltungsprozessen richtet. Doch was müsste Teil einer Konzentration auf Services für Unternehmen sein? Diese werden elektronische Services annehmen – wenn medienbruchfreie Prozesse die Integration in unternehmensinterne Prozesse ermöglichen und damit unmittelbar Nutzen stiften.

Stichwort nutzenorientiertes E-Government – aufgrund des Verhaltens von Digital Immigrants hoch aktuell. Sie nutzen das Internet zielorientiert und selektiv, wenn es nützlich ist. Da der Bürger nur selten Transaktionen mit der Verwaltung abwickelt, müssen elektronische Angebote noch mehr aus der Perspektive des Bürgers betrachtet werden: Wo tragen Angebote zur Lebensqualität bei? Denkbar sind hier Informationen über Öffnungszeiten, über kulturelle Angebote, über politische und/oder aktuelle Ereignisse usw. Beispiele liefert der Wettbewerb „Apps für Deutschland“, in dem schöne Ideen und Lösungen entstanden – von der Suche nach Fundsachen über Stadtführungen für Blinde bis hin zu Orientierungsangeboten für Eltern.

Vertrauen und Sicherheit setzen Wissen voraus. Daher muss Qualifizierung wieder mehr Gewicht erlangen. Alte Ideen sollten reaktiviert werden. So zum Beispiel das Angebot von Lernangeboten für Digital Outsiders, organisiert mit Unterstützung von Digital Natives. Ein Beispiel war vor einigen Jahren eine Initiative der Stadt Erlangen, die Internet-Kurse für Senioren anbot, durchgeführt von jungen kompetenten Bürgern.

Fazit: Wir leben in einer Multikanal-Gesellschaft. Verschiedene Kanäle müssen gleichberechtigt bedient werden. Mit identischen Inhalten, Vorgaben und Regeln für die Nutzung, zumindest wenn Politik und Verwaltung gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen wollen.

Dr. Marianne Wulff ist Geschäftsführerin von Vitako,  Bundesarbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister e.V.

Gerade noch rechtzeitig

Von Horst Westerfeld

Die DIVSI-Studie zeigt sehr deutlich den gesellschaftlichen Umgang mit dem Internet auf. Die Studie kommt vielleicht gerade noch rechtzeitig, um die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf die „Spaltung“ der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Für mich persönlich wird die Aufgabe im IT-Planungsrat sein, die Erkenntnisse der Studie in konkrete Handlungen für Deutschland umzusetzen.

Nach den Befragungsergebnissen der DIVSI-Studie gehören etwa 40 Prozent der Gesellschaft zu sogenannten Digital Outsiders, die das Internet gar nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen und eine sehr kritische bzw. ablehnende Haltung gegenüber der Nutzung des Internets haben. Wobei auch deutlich wird, dass die anderen 60 Prozent gemäß ihrer Zuordnung zu Milieus und bei der Nutzung des Internets sehr stark in Bewegung sind.

Die ermittelten Fakten müssen noch stärker in die Diskussion über Themen wie E-Partizipation, Online-Behörden oder im Kontext des E-Government-Gesetzes mit einfließen. Ein guter Ansatz für beide Gruppen liegt dabei in der flächendeckenden Umsetzung des Bürger-Services 115 als Multikanal-Angebot, der es sowohl über das Telefon als auch das Internet erlauben sollte, alle Services der Behörden zu nutzen. Für Hessen werden wir darauf hinarbeiten, dass alle gesellschaftlichen Gruppen von neuen Technologien profitieren. DIVSI kann ich nur empfehlen, den gestarteten Weg mit der Diskussion der Studie fortzuführen.

Horst Westerfeld ist CIO des Landes Hessen

Die Dialektik von Unsicherheit und Sicherheit in der technischen Innovation

Von Gerold Reichenbach, MdB

Das Internet und alle mit ihm verknüpften Innovationen und Dienstleistungen stehen heute meines Erachtens an einem Scheideweg. Dies macht die DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet implizit deutlich.

Zunehmend wird den Menschen bewusst, dass die Sicherheit ihrer Daten und die Sicherheit vor dem unbemerkten und ungewollten Ausspähen der eigenen Privatsphäre unabdingbar sind, um nicht hilflos Opfer krimineller Machenschaften oder auch ökonomischer Manipulationen zu werden.

Die Frage, ob man sich und wesentliche Teile der eigenen Lebensführung, der eigenen sozialen und ökonomischen Tätigkeiten, einem neuen, technisch nicht durchschaubaren Medium anvertraut, ist letztlich die Frage nach dem Vertrauen in die Sicherheit des Produkts und nach der Zuversicht, diese Sicherheit „in der eigenen Hand zu haben“.

Dieses Grundvertrauen lässt täglich Millionen Menschen in ein Automobil steigen, obwohl sie, im Gegensatz zu den Chauffeuren der Anfangszeit, die technische Komplexität des Produkts in keinster Weise mehr durchschauen oder gar beherrschen könnten. Die Frage, ob die technische Innovation und das immer weitere Eindringen in immer größere Lebensbereiche – man denke nur an die Zukunftsvision für das Internet der Dinge – weiter voranschreitet oder durch die eigenen Sicherheitsmängel ausgebremst wird, ist davon abhängig, diese Form des Vertrauens herzustellen und zu erhalten.

Genau aus diesem Grunde sind alle Versuche von Teilen der Industrie und der Dienste-Anbieter, den Faktor Sicherheit und Datenschutz als Kostenfaktor oder Beschränkung der Verwertungsmöglichkeiten kleinzuhalten, schon auf mittlere Sicht völlig kontraproduktiv.

Vielmehr sollte jede Chance ergriffen werden, Sicherheitsstandards nach oben hin anzupassen und zu harmonisieren. Letztendlich ist nur dies, neben der Wettbewerbsgleichheit, zentrale Voraussetzung für die Festigung des Vertrauens „in die Gesamtproduktpalette“.

Die jetzt von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Verordnung für eine europäische Harmonisierung des Datenschutzes bietet eine solche Chance und sollte nicht aus kurzfristigen, ökonomischen Überlegungen heraus kleingemacht werden.

Bereits heute haben wir die Situation, dass das Image von Marken durch Applikationen leidet, die die persönlichen Daten von Nutzern ohne deren Kenntnis abziehen. Der mittelristige Imageschaden, der durch die Häufung von „Sicherheits- und Datenschutzvorfällen“ in letzter Zeit der gesamten Branche gerade im Hinblick auf die Entwicklung der Märkte für die nicht Internet-affinen Gruppen entstanden ist, ist bereits jetzt beträchtlich. Die Hemmnisse und Widerstände, die sich der Branche zur Zeit bei der Etablierung des Cloud Computings entgegen stellen, sind auch dem Umstand geschuldet, dass in vielen Bereichen des Internets, aber auch des Datenschutzes, dieses Grundvertrauen bislang nicht hergestellt werden konnte.

Die Hinnahme von Risiken und Unsicherheiten ist eben nicht dauerhaft ein Innovationsfaktor, sondern wird zum Hemmnis, wenn sie in breite Lebensbereiche eindringt, und dieses Eindringen wiederum Voraussetzung für neue Innovationsschübe ist.

Für den Automobilisten des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts, für den das Auto noch Freizeitbeschäftigung und technisches Abenteuer war, mögen die Risiken der unvollkommenen Sicherheitsstandards hinnehmbar gewesen sein. Für die Bürger des Automobilzeitalters, die in weiten Teilen ihrer alltäglichen Lebensführung auf diese neue Mobilität angewiesen sind, sind sie es nicht mehr.

Für den Nutzer von Google und Facebook mag es ebenso noch hinnehmbar sein, dass er nicht unter Kontrolle hat, welche seiner eingestellten persönlichen Daten wo landen, weil er zur Not dem Rat von Mark Zuckerberg folgen kann, der da lautet: „Stay out!“

Für die weitere Etablierung von mobilen Diensten sowie für die Etablierung des Internets der Dinge, bei der Gerätenutzung, beim Facility Management, beim Ver- und Entsorgungsmanagement oder auch beim alltäglichen Lebensmitteleinkauf gilt diese Devise nicht mehr.

Niemand wird sich in die Hände einer Kommunikations- und Informationstechnologie begeben, zu der er kein Sicherheitsvertrauen hat. Der zynische Rat von Mark Zuckerberg, der in einer solchen Welt „Don’t heat, don’t buy, don’t travel“ lauten müsste, würde sehr schnell zum Ende dieser Technologie führen.

Gerold Reichenbach (SPD) ist u.a. Mitglied im Innenausschuss sowie Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“

Werthaltungen zur Kenntnis nehmen

Von Jörn Riedel

Die DIVSI-Studie ist ein wichtiger – und der bisher einzige empirische – Beitrag für eine Diskussion um die meines Erachtens nach zwingende Neuausrichtung von öffentlichen Online-Angeboten.

Diese Neuausrichtung ist zwingend notwendig, weil

  • die bisherige Angebotsstrategie an Grenzen gestoßen ist, was das Erschließen neuer Kundengruppen angeht, und
  • die Reorganisation der Geschäftsprozesse unausweichliche Konsequenz von Schuldenbremse, gesellschaftlicher Digitalisierung und Arbeitskräftemangel ist.

Die Studie zeigt das Dilemma öffentlicher Online-Angebote:

  • Die Digital Outsiders nutzen sie nicht, weil sie dem Medium nicht trauen und/oder wir Sicherheitsprozesse aufsetzen, die nur IT-Profis bedienen können.
  • Die Digital Natives nutzen sie nicht, weil sie die Sicherheitsprozesse als schikanös und als Bevormundung erleben.
  • Allenfalls die Digital Immigrants gewinnen wir – aber nur, wenn und soweit wir ihnen trotz komplizierter Sicherheitsprozesse einen für sie messbaren Nutzen bieten.

Die in dieser Studie belegte Lebenswirklichkeit ist bisher nicht Gegenstand der politischen Debatte rund um attraktive Online-Angebote der öffentlichen Hand. Die Debatte um das neue E-Government-Gesetz zeigt, wie es weiter in die falsche (weil vom Kunden nicht akzeptierte) Richtung geht. Die eigentlich gute Idee der zertifizierten Qualitätsmail (DE-Mail) wird totreguliert. Allen Ernstes wird diskutiert, das Senden einer DE-Mail durch einen Verwaltungskunden bedeute nicht, dass er auch eine Antwort haben will. Sondern man darf ihm nur eine DE-Mail senden, damit er – bitte sehr – auf einer bestimmte Webseite einen Zugang zu sich eröffnet, und zwar nur für den jeweiligen Verwaltungszweck.

Jedes Unternehmen, das so mit seinen Kunden verfahren würde, wäre pleite.

Wenn öffentliche Verwaltung und die sie führenden Politiker die in dieser Studie deutlich werdenden Werthaltungen nicht zur Kenntnis nehmen, wird es zu einer weiteren Entfremdung zwischen Staat und den Bürgern bzw. Unternehmen kommen.

Nach meiner Überzeugung gibt es eine Reihe von Strategien, mit denen man akzeptierte Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung schaffen kann. Dies gelingt aber nur, wenn Regulierung auf ein vertretbares Maß zurückgefahren wird und wenn man rechtlich/politisch und im praktischen
Handeln Zielgruppenorientierung zulässt. Wenn die Studie dazu einen Beitrag leistet, war sie jede Mühe wert.

Jörn Riedel ist CIO der Freien und Hansestadt Hamburg

Politik muss mit werteorientierten Entscheidungen vorangehen

von Dr. Konstantin von Notz, MdB

Die DIVSI Milieu-Studie liefert einen interessanten Blick auf unsere zunehmend heterogene Gesellschaft. Gleichzeitig wird einem bei der Lektüre bewusst, wie abstrakt die für derartige Umfragen verwendeten Begriffe sind (und wohl sein müssen) und wie unterschiedlich dementsprechend die Antworten ausfallen. Gleichwohl gibt sie praktische Hinweise darauf, dass Maßnahmen zur Steigerung des Vertrauens und der Sicherheit womöglich wirksamer ausfallen könnten, wenn sie entsprechend milieu-abgestuft erfolgen.

Es erscheint sinnvoll, die generelle Blickrichtung der Studie einzuordnen. Mit den Nutzerinnen und Nutzern stehen einerseits diejenigen im Mittelpunkt, um die es bei der Frage der Sicherheit und des Vertrauens in erster Linie gehen sollte. Das ist zu begrüßen und man vermag mit dem erlangten Wissen zum Beispiel bei Maßnahmen zur Stärkung der Medienkompetenz sehr konkret ansetzen zu können.

Allerdings gilt auch: Vertrauen und Sicherheit im Internet sind äußerst anspruchsvolle Ziele, die einen mehrdimensionalen Steuerungsansatz verlangen. Erfasst werden müssen insbesondere die großen Akteure wie Wirtschaftsunternehmen und Verwaltung, weil ansonsten keine Breitenwirkungen zu erreichen sind. Und: Die Ziele der Schaffung von mehr Vertrauen und Sicherheit müssen stets an den großen Drei unserer Rechtsordnung ­– an Rechtsstaat, Demokratie und den Grundrechten – Maß nehmen. Völlig zu Recht betont deshalb der Bundespräsident die Notwendigkeit, im Kontext des Internets vorrangig den Erhalt von Freiheit zu diskutieren.

Für den Erhalt von Freiheit und Selbstbestimmung muss der Gesetzgeber aktiv werden. Verkürzende Vorstellungen von „natürlicher Freiheit“ als einem (bloß) reaktiven Abwehrrecht werden den Freiheitsfragen der digitalen Gesellschaft nicht gerecht. Weder Netzneutralität noch Freiheit vor unverhältnismäßiger Verfolgung, sei es durch private Abmahngesellschaften oder staatliche Sicherheitsbehörden, werden sich von selbst einstellen. Sie bedürfen anspruchsvoller Regelungsanstrengungen mit innovativen Konzepten.

Gerade der Erhalt des Datenschutzes im Internet als ganz zentrale Grundlage von Vertrauen und Sicherheit lässt sich nicht allein den überforderten Nutzern aufbürden. Hier ist die Politik gefordert, die Faktizität der Milieu-Welten zu übersteigen und Lösungen mit Blick auf die ganze Gesellschaft anzubieten.

Dr. Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) ist u. a. Mitglied im Innenausschuss sowie Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“

Wir brauchen ein Recht auf schnelles Netz und digitale Selbstständigkeit

Von Lars Klingbeil, MdB

„Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland leben komplett oder nahezu komplett ohne Internet. Damit sind hierzulande fast doppelt so viele Personen offline wie bislang angenommen.“ Das ist das zentrale und irritierende Ergebnis der „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass fast 40 Prozent der Menschen in Deutschland „Digital Outsiders“ sind. Gemeint sind damit nicht allein Menschen, die keinen technischen Zugang zum Netz haben, sondern auch diejenigen, die das Netz – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht nutzen. Auf der anderen Seite bezeichnet die Studie 41 Prozent (28 Millionen Menschen) als „Digital Natives“. Als dritte Gruppe schließlich identifiziert die Studie 20 Prozent (rund 14 Millionen Menschen) als „Digital Immigrants“. Gemeint sind damit diejenigen, die auf der einen Seite die kommunikationstechnischen Innovationen und das Internet gezielt für ihre Zwecke nutzen, gleichzeitig aber auch die negativen Folgen des Digitalisierungsprozesses wahrnehmen und daher eher defensiv damit umgehen. Angeführt wird hier oft das Thema Datenschutz und die Offenlegung der Privatsphäre in sozialen Netzwerken.

Natürlich kann man über solche Kategorisierungen trefflich streiten. Die Zahlen zeigen jedoch, dass die oft befürchtete digitale Spaltung der Gesellschaft noch längst nicht überwunden ist und dass die signifikanten Gräben, die unsere digitale Gesellschaft spalten, weitaus größer sind, als bislang angenommen. Während man in der Diskussion um die digitale Spaltung oft zwischen „Onlinern“ und „Offlinern“ unterschieden hat – also denen, die Zugang zum Netz haben, und denen, die davon ausgeschlossen sind –, belegt die Studie, dass es viel entscheidender ist, wie die Menschen das Netz tatsächlich nutzen und wo sie diesem vielleicht auch mit Misstrauen oder Sorgen begegnen.

Im Vorwort der Studie schreibt der heutige Bundespräsident Joachim Gauck: „Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen. Dies gilt insbesondere für das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit in Artikel Fünf – eine wesentliche Grundlage unserer funktionierenden Demokratie – und es gilt letztlich auch für den Kernsatz unserer Verfassung, den Artikel Eins des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Natürlich sind mit der Digitalisierung der Gesellschaft und der weltweiten Vernetzung, wie bei vielen technologischen Innovationen, auch diese negativen Potenziale denkbar, und es muss uns darum gehen, genau diese Entwicklungen zu verhindern. Leider wurde aber diese Aussage in der öffentlichen Debatte aus dem Kontext gerissen und so der Eindruck erweckt, als ob es nahezu zwangsläufig eine solche Entwicklung geben müsse. Dem ist nicht so, denn das Internet bietet auch alle Voraussetzungen, um die verfassungsrechtlich garantierten Grundrechte aller Bürgerinnen und Bürger in unserem Land zu stärken und in vielen anderen Ländern vergleichbare Grundrechte erst zu eröffnen. Dies gilt zuallererst für das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit: Die Ereignisse in Tunesien, Ägypten oder in Libyen haben auf der einen Seite die Gefährdungen aufgezeigt, denen die freie Meinungsäußerung und die unbeobachtete Kommunikation, unabhängige Medien und ein freies Internet immer aufs Neue ausgesetzt sind. Sie zeigen aber zugleich, dass das Internet und auch die Sozialen Netzwerke einen enormen Beitrag für die Freiheitsbewegungen in diesen Ländern geleistet haben.

All dies setzt jedoch den Zugang zum Netz und den kompetenten Umgang mit dem Netz voraus. Deswegen brauchen wir das Recht auf ein schnelles Internet, und deswegen setzen wir auf die digitale Selbstständigkeit. Damit ist das Ziel gemeint, dass jeder Bürger und jede Bürgerin in der Lage sein soll, alle Möglichkeiten der „Digitalen Gesellschaft“ möglichst selbstständig zu nutzen und – anders herum – sich vor allen damit verbundenen Risiken möglichst gut schützen zu können. Und, hierfür liefert die Studie zahlreiche Belege, dies setzt Vertrauen in die neuen Kommunikationsmöglichkeiten voraus. Datenschutz und Datensicherheit sind daher zentrale Akzeptanzvoraussetzungen in der digitalen Welt.

Was schlussfolgern wir aus der Studie? Wir brauchen endlich das Recht auf Netz und auf einen schnellen Internet- Zugang, um die digitale Spaltung zu überwinden. Noch immer gibt es zahlreiche Regionen, in denen es keinen breitbandigen Zugang zum Netz gibt. Viele Menschen sind daher von den Möglichkeiten und Chancen des Netzes abgekoppelt und damit in ihren Teilhabemöglichkeiten begrenzt. Zugleich müssen wir die Menschen in die Lage versetzen, digital selbstständig und kompetent diese neuen Möglichkeiten der Information und Kommunikation zu nutzen. Ein  kompetenter, gestaltender Umgang mit Medien und dem Netz ist eine Voraussetzung zur Beteiligung des Einzelnen am gesellschaftlichen Diskurs und wird damit zum Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe in Bildung und Ausbildung, Arbeit, Gemeinwesen und auch in der Politik. Wenn wir das schaffen, wird es uns auch gelingen, die Potenziale des Netzes für mehr Grundrechte und für die Stärkung der Demokratie zu stärken. Wir müssen Netzpolitik endlich als Gesellschaftspolitik verstehen.

Lars Klingbeil (SPD) ist u.a. Mitglied im Verteidigungsausschuss sowie Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“

Den digitalen Graben überwinden

Von Thomas Jarzombek MdB

Nachdem das SINUS-Institut für seine Milieu-Studien schon eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, birgt die Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) einige unerwartete Erkenntnisse. Die Engagierten in der Netzpolitik kennen das Problem der Digitalen Spaltung spätestens aus verschiedenen Diskussionen insbesondere um den Zugang zum Internet, die dargestellten Milieus unterscheiden sich aber in ihrem Verhalten im und ihrem Umgang mit dem Internet. Deutlich zeigt sich vor allem: Die eine digitale Gesellschaft gibt es nicht, und wir müssen auf- passen, dass die Gruppe der Digitalen Souveränen nicht den Blick auf die freiwilligen oder unfreiwilligen Nichtnutzer verdeckt.

Große Sorgen bereiten mir persönlich die Ängste derjenigen, die das Internet tatsächlich nutzen. Auf die Frage nach den Gefahren der Internet-Nutzung werden die Infizierung des Computers mit Schadprogrammen (47 Prozent), die unerwünschte Weitergabe von persönlichen Daten an Dritte (46 Prozent) und die Belästigung durch unerwünschte E-Mails genannt (43 Prozent). Ähnlich häufig wird die Angst vor dem Ausspähen von Daten aber auch die Angst vor dem Löschen von Daten genannt. Persönlich erlebt haben diese Gefahren weniger als die Hälfte der Bevölkerung. Dazu passt dann auch, dass gleichzeitig der IT-Branchenverband BITKOM in einer neuen Studie zu dem Ergebnis kommt, jeder fünfte Internet-Nutzer in Deutschland verzichte immer noch auf Virenschutz oder eine Firewall. Wie kann man diese Brücke zwischen der subjektiven Angst und den persönlichen Vorteilen durch die Nutzung des Internets abbauen?

Für mich bedeuten diese widersprüchlichen Erkenntnisse, dass der Nachholbedarf bei der technischen Medienkompetenz auch im Jahr 2012 weiterhin besteht. Gleichzeitig müssen die Ängste sowohl vor finanziellen Schäden durch Betrug oder Ausspähen im eCommerce und Online-Banking als auch vor immateriellem Schaden durch Datenverlust von den Anbietern ernst genommen werden. Um diffuse Ängste abzubauen, sollten sie ihre Kunden besser über die Verwendung ihrer Daten aufklären und aufzeigen, wie sie für den Schutz sorgen wollen. Gerade bei den oben aufgeführten, subjektiven Ängsten können wenige große Skandale viel Vertrauen zerstören, obwohl es keine persönliche Betroffenheit gibt.

Thomas Jarzombek (CDU) ist u.a. Mitglied des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Mitglied der Enquete-Kommission “ Internet und digitale Gesellschaft“

Daten von grundlegender Bedeutung

Von Dr. Johann Bizer

So eine Studie war längst überfällig: Eine umfassende und repräsentative Bestandsaufnahme, die die bundesrepublikanische Internet-Gesellschaft objektiv und nicht interessengeleitet darstellt. Nur so ist eine faktenbasierte Politik überhaupt erst möglich.
Für Dataport sind die Daten, die die elektronische Kommunikation zwischen Bürger und Verwaltung beschreiben, von grundlegender Bedeutung. Was machen wir aus der Erkenntnis, dass wir Anbieter die einen 40 Prozent der Nutzer erst gar nicht erreichen, aber den anderen 40 Prozent nicht „hip“ genug sind?

Mit dieser Frage kann die Gestaltung von Online-Geschäftsmodellen für den Public Sector nur in eine umfassende Multikanal-Strategie münden. Die Erkenntnis, dass sich von Online-Angeboten bestenfalls 60 Prozent der Menschen angesprochen fühlen, führt zwingend zu der Verpflichtung der Verwaltung, auch andere Kanäle des Verwaltungszuganges noch für eine lange Zeit geöffnet zu halten. Die einheitliche Behördenrufnummer 115 führt in die richtige Richtung.

Und was machen wir aus der nachgerade dramatischen Erkenntnis, dass unser staatliches Regulierungsmodell, mit dem wir die Risiken des Internets zu begrenzen gedenken, sich an einer Nutzergruppe von 20 Prozent Digital Immigrants orientiert? Bedeutet das womöglich Datenschutz von Immigrants nur für Immigrants – und damit an 80 Prozent der Nutzer vorbei? Kein Wunder, dass laut BITKOM 2011 nur jeder dritte deutsche Wahlberechtigte die Internet-Kenntnisse der Politiker für ausreichend hält.

Grundrechte sind kein Wunschkonzert, sondern basale Werte unserer Gesellschaft. Sie müssen sich durch einen wirklichkeitsbezogenen Geltungsanspruch in Rechtsordnung und Gesellschaft bewähren – und zwar offline wie online. Gewährleistungen wie Selbstbestimmung und Informationsfreiheit gewinnen oder verlieren durch die Wahl des Mediums nicht an Wert. Und das ist dann in der Tat auch die wirkliche gesellschaftliche Herausforderung, vor der wir stehen: Wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs, wie wir den Spagat zwischen Datenschutz und Informationsfreiheit, zwischen Kontrolle und Selbstbestimmung für Offliner wie Onliner gleichermaßen zufriedenstellend gestalten können und wollen.

Dr. Johann Bizer ist seit November 2011 Vorsitzender des Dataport-Vorstands und verantwortlich für den Bereich Lösungen.

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Laien, Souveräne, Hedonisten und Co. https://www.divsi.de/laien-souveraene-hedonisten-und-co/ https://www.divsi.de/laien-souveraene-hedonisten-und-co/#respond Mon, 30 Jan 2012 12:41:04 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=3769 Eine Studie, sieben unterschiedliche Mileus. Welcher Typ Mensch verbirgt sich jeweils dahinter? Aufschluss bringt eine Kurz-Charakteristik. Von den „Internetfernen Verunsicherten“ bis zu den „Digital Souveränen“ kennzeichnet die Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet sieben unterschiedliche Milieus. Mit der Verortung der Typen entstehen ganzheitliche, empirisch fundierte Zielgruppen. Sie können nicht nur hinsichtlich ihrer Einstellung zu […]

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Eine Studie, sieben unterschiedliche Mileus. Welcher Typ Mensch verbirgt sich jeweils dahinter? Aufschluss bringt eine Kurz-Charakteristik.

Von den „Internetfernen Verunsicherten“ bis zu den „Digital Souveränen“ kennzeichnet die Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet sieben unterschiedliche Milieus.

Mit der Verortung der Typen entstehen ganzheitliche, empirisch fundierte Zielgruppen. Sie können nicht nur hinsichtlich ihrer Einstellung zu Vertrauen und Sicherheit im Internet beschrieben werden, sondern auch entsprechend ihrem lebensweltlichen Hintergrund und ihrer Stellung in der Gesellschaft. Das ist Voraussetzung für eine milieu-sensible Zielgruppenansprache.

Internet-Milieus: Verteilung bei Onlinern und Offlinern

Welcher Typus steckt jeweils hinter den sieben Internet-Milieus? Aufschluss dazu geben die folgenden Kurz- Charakteristika.

Digital Souveräne

Sie sind meist schon mit dem Internet aufgewachsen. Technik-Faszination und entspannter Fortschrittsoptimis- mus sind zentrale Motivatoren, sich mit moderner IT auseinanderzusetzen. Der Umgang mit Computer und Internet gehört für sie zentral zu ihrer Alltags- wirklichkeit. 88 Prozent dieser Gruppe können sich ein Leben ohne Internet überhaupt nicht mehr vorstellen. Keine andere Gruppe bewegt sich so selbst- sicher im Netz. Sie haben hier keine Berührungsängste. Einerseits fühlen sie sich kompetent, andererseits legen sie großes Vertrauen in digitale Medien. Chancen und Möglichkeiten sind für sie bei weitem gewichtiger als die Risiken.

Effizienzorientierte Performer

Sie sind Intensiv-Nutzer des Internets. Auch sie zählen mit zu dem Kreis, die von Anfang an die digitale Revolution miterlebt und befördert haben. Für 89 Prozent dieses Typus ist ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellbar. Diese große Selbstverständlichkeit geht auch damit einher, dass in ihrem Arbeitsalltag nahezu alle produktiven, organisatorischen und kommunikativen Prozesse mit dem Internet verknüpft sind. Viele von ihnen verstehen sich als moderne Leistungsträger der Gesellschaft. Ihre tägliche Internetnutzung mit 65 Prozent liegt weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt.

Unbekümmerte Hedonisten

In ihrem Leben spielt das Internet eine zentrale Rolle als schneller, unkomplizierter Weg zu Unterhaltungsangeboten aller Art. Das Internet bedeutet für sie grenzenloser Freiraum und Aus- tausch mit Gleichgesinnten. Die Zukunft sehen sie eindeutig digital und gehen davon aus, dass das Internet vieles erleichtern wird, was heute noch mühsam und umständlich ist. Bei technologischen Neuerungen zählen sie nicht zu den ersten Entdeckern, sind aber recht frühzeitig dabei. Sie verfügen über mittlere Internet-Kompetenz und –Erfahrung, haben jedoch wenig Berührungsängste mit dem Medium.

Postmaterielle Skeptiker

Dieses Gesellschaftssegment vereint ein kritischer Blick auf blinden Forschrittsoptimismus, ungebremste Wachstumsgläubigkeit sowie zunehmende Fragmentierung sozialer Beziehungen. Entschieden sprechen sie sich dafür aus, dass Technologien und Internet nicht die Alltagsgestaltung dominieren sollten. Es geht ihnen hingegen darum, aus den vielfältigen Handlungsoptionen zu selektieren und dabei Kosten und Risiken gegeneinander abzuwägen. Trotz ihrer Skepsis gegenüber neuen Medien gehören sie jedoch nicht zu den Nachzüglern in Sachen Internet. Im Umgang mit dem Computer ist dieser Typ geübt und neugierig.

Verantwortungsbedachte Etablierte
Diese Gruppe beinhaltet anspruchsvolle, selektive Nutzer. Man ist interessiert an technischen Innovationen und deren Nutzungsmöglichkeiten, verfügt aber nur über eine mittlere Internet-
Expertise. Vertreter dieses Typs nutzen das Internet primär als Arbeits- und Kommunikationsmedium, nicht zur Unterhaltung. Insgesamt gehen sie sehr gezielt und verantwortungsbewusst vor. Ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein und Schutzmaßnahmen haben hohe Priorität. Das weniger aus Angst, sondern weil es dazu gehört. Dieses Gruppe ist bestrebt, ihre Privatsphäre durch Zurückhaltung, Kontrolle und Vermeidung zu schützen.

Ordnungsfordernde Internet-Laien

In ihrem Leben spielt das Internet keine große Rolle. Sie haben ein zwiespältiges Verhältnis zu moderner Informations- technik. Einerseits zeigen sie sich auf- grund fehlender Kompetenz im Umgang damit verunsichert. Andererseits ist ihnen bewusst, dass dem Internet die Zukunft gehört und sie sich dem fort- schreitenden Digitalisierungsprozess nicht verschließen dürfen, wenn sie berufliche Chancen und sozialen Anschluss nicht aufs Spiel setzen möchten. Das „Mithalten-Wollen“ ist für sie zentraler Motivator, sich mit Computer und Internet auseinanderzusetzen. Als preisbewusstes und  serviceorientiertes Gesellschaftssegment erkennt diese Gruppe zunehmend die Convenience-Vorteile im Internet.

Internetferne Verunsicherte

Zwei Drittel von ihnen sind Offliner. Der Rest dieser Gruppe ist Gelegenheitsnutzer mit sehr geringem Internet-Wissen und nur geringen Berührungspunkten mit digitalen Medien im Alltag. Das Internet ist für sie eine fremde Welt, die verunsichernd und bedrohlich wirkt. Nur wenige sind motiviert, sich mit den technischen Neuerungen zu beschäftigen. Der Weg ins Netz wird als mühsam und weit empfunden. Konfrontiert mit internettypischen Abkürzungen und Zeichen fühlen sie sich einem Gerät ausgesetzt, das eine fremde Sprache spricht und ihr Anliegen nicht versteht. Das Internet erscheint ihnen als ein gänzlich fremder Kosmos.

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Milieu-Studie überrascht https://www.divsi.de/milieu-studie-ueberrascht/ https://www.divsi.de/milieu-studie-ueberrascht/#respond Mon, 23 Jan 2012 12:22:54 +0000 http://divsi.creativeconstruction.de/?p=3762 Bundesweit große Resonanz auf die Pressekonferenz in Berlin. Diskussion angestoßen, die der Thematik nur dienlich sein kann. DIVSI-Direktor Matthias Kammer hat bei einer Pressekonferenz in Berlin gemeinsam mit Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die Ergebnisse der Bevölkerungsrepräsentativen „Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ vorgestellt. Die bundesweite Resonanz auf die vorgelegten Fakten quer durch alle unterschiedlichen […]

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DIVSI-Direktor Matthias Kammer erläuterte gemeinsam mit Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die „Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer erläuterte gemeinsam mit Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die „Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz.

Bundesweit große Resonanz auf die Pressekonferenz in Berlin. Diskussion angestoßen, die der Thematik nur dienlich sein kann.

DIVSI-Direktor Matthias Kammer hat bei einer Pressekonferenz in Berlin gemeinsam mit Dr. Silke Borgstedt (SINUS) die Ergebnisse der Bevölkerungsrepräsentativen „Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ vorgestellt.

Die bundesweite Resonanz auf die vorgelegten Fakten quer durch alle unterschiedlichen Medien ist gewaltig. Matthias Kammer: „Unser erstes Ziel ist damit erreicht. Wir haben eine Diskussion angestoßen, die der Thematik insgesamt nur dienlich sein kann.“

Mit Überraschung wurde in der Öffentlichkeit die Erkenntnis aufgenommen, dass in Deutschland 39 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre (rund 27 Millionen Menschen) noch immer zu den „Digital Outsiders“ zählen. Matthias Kammer verdeutlichte im Rahmen der Pressekonferenz, was darunter genau zu verstehen sei: „Das sind Menschen, die entweder gar nicht online sind oder ihren Internetzugang aus Unvermögen, Angst, Unsicherheit oder Misstrauen wenig bis gar nicht nutzen.“

Beim Thema Datenschutz und Sicherheit seien viele überfordert und daher misstrauisch, erläuterte Matthias Kammer weiter. Etwa drei Viertel der Deutschen erwarten Schutzmaß- nahmen von Staat und Wirtschaft, der Rest lehnt diese ab. Das daraus resultierende Problem fasst der DIVSI-Direktor so zusammen: „Wer sich im Internet nicht auskennt, fordert Schutz. Wer sich sicher fühlt, wünscht Freiheit.“

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